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Zuletzt aktualisiert: 14. Dezember 2017 VON Magdalena Glawe

Hormontherapie bei Prostatakrebs

Weitere verwendete Begriffe: Hormonbehandlung, Hormonentzug, hormonablative Therapie, Androgenentzug, antiandrogene Therapie, chemische Kastration
Magdalena Glawe
Viomedo Patientenbeauftragte

1. Was ist eine Hormontherapie bei Prostatakrebs?

Information

Hormone

Hormone sind Botenstoffe, die in verschiedenen Organen des Körpers von speziellen Zellen gebildet werden und ihre Wirkung an anderen Körperzellen (Zielzellen) entfalten. Dazu binden die Hormone nach dem Schlüssel-Schloss-Prinzip an eine passende Bindungsstelle (Rezeptor) auf der Zielzelle und übermitteln damit ein Signal an diese. Hormone wirken regulierend auf die vielfältigen Abläufe im menschlichen Körper. Viele Hormone wirken als Wachstumssignal, d.h. sie regen ihre Zielzellen dazu an, größer zu werden oder sich zu teilen. Hormone übernehmen wichtige Funktionen und tragen dazu bei, dass im menschlichen Organismus ein Gleichgewicht im Zusammenwirken von Stoffwechsel- und Wachstumsprozessen aufrechterhalten wird. Auch die körpereigene Krankheitsabwehr, Sexualität und Fortpflanzung werden durch Hormone beeinflusst. Beim Prostatakrebs spielt das Testosteron eine wichtige Rolle. Es gehört zur Gruppe der männlichen Geschlechtshormone, die als Androgene bezeichnet werden. Die weiblichen Geschlechtshormone werden in zwei Gruppen eingeteilt: die Östrogene und die Gestagene.

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Während das Hormon Testosteron bei einer gesunden Prostata eine wichtige Rolle bei der Bildung des Prostatasekrets spielt, regt es bei Prostatakrebs den Tumor zum Wachstum an. Deshalb kann Prostatakrebs durch den Entzug von Testosteron behandelt werden.

Das Ziel der Hormontherapie bei Prostatakrebs ist es, das Wachstum des Krebses zu stoppen. Die verschiedenen Behandlungsmöglichkeiten verfolgen dabei zwei unterschiedliche Ansätze.

Ein Behandlungsansatz verhindert die Bildung des Testosterons in den Hoden. Dazu nutzt man:

Ein weiterer Behandlungsansatz hat das Ziel, die Signalwirkung von Testosteron auf seine Zielzellen zu blockieren. Dazu verwendet man Androgenrezeptor-Antagonisten.

Wenn die Behandlung wirkt, kann das Tumorwachstum und eine Streuung der Krebszellen meist für einige Monate bis Jahre verhindert werden. Danach verlieren die Medikamente der Hormontherapie meist ihre Wirksamkeit, was als Kastrationsresistenz bezeichnet wird. Die Behandlung muss dann umgestellt werden.

Im Abschnitt “Wie wird eine Hormontherapie durchgeführt?” wird im Detail beschrieben, wie die einzelnen Wirkstoffgruppen auf den Hormonhaushalt wirken.

2. Wann wird eine Hormontherapie durchgeführt?

Eine Hormontherapie bei Prostatakrebs ist grundsätzlich nur dann sinnvoll, wenn der Krebs durch den Einfluss von Testosteron wächst und die verfügbaren Medikamente dagegen wirksam sind. Die alleinige Hormontherapie kann den Krebs nicht heilen. Daher kommt sie bei Patienten zum Einsatz, deren Krebs lokal fortgeschritten oder metastasiert ist. Auch Patienten, die aufgrund weiterer Erkrankungen oder einer geringen Lebenserwartung eine möglicherweise heilende Behandlung wie die Bestrahlung oder Operation ablehnen, können eine alleinige Hormontherapie erhalten.

Ausdehnung des Tumors

Ziel der Behandlung

Lokal begrenzt: Krebs wächst innerhalb der Prostata und hat die umgebende Kapsel nicht durchbrochen

Fortschreiten der Erkrankung verlangsamen oder verhindern

Lokal fortgeschritten: Krebs hat die umgebende Kapsel durchbrochen, aber noch keine Streuherde in anderen Organen gebildet

Metastasiert: Krebs hat Streuherde in anderen Organen gebildet

Jegliche Tumorausdehnung bei Patienten, bei denen Watchful Waiting durchgeführt wird

Linderung von Beschwerden (palliative Behandlung)

Jegliche Tumorausdehnung bei Patienten, die eine Bestrahlung erhalten

Krebszellen vermindern und verkleinern → Wirksamkeit der Bestrahlung erhöhen (adjuvante oder neoadjuvante Hormontherapie)

Ausdehnung des Tumors 
Lokal begrenzt: Krebs wächst innerhalb der Prostata und hat die umgebende Kapsel nicht durchbrochen Lokal fortgeschritten: Krebs hat die umgebende Kapsel durchbrochen, aber noch keine Streuherde in anderen Organen gebildet Metastasiert: Krebs hat Streuherde in anderen Organen gebildet
Jegliche Tumorausdehnung bei Patienten, bei denen Watchful Waiting durchgeführt wird   Jegliche Tumorausdehnung bei Patienten, die eine Bestrahlung erhalten
Ziel der Behandlung 
Fortschreiten der Erkrankung verlangsamen oder verhindern
Linderung von Beschwerden (palliative Behandlung)  

 

 
Krebszellen vermindern und verkleinern → Wirksamkeit der Bestrahlung erhöhen (adjuvante oder neoadjuvante Hormontherapie)

3. Wann kommt die Hormontherapie nicht als Behandlungsoption in Frage?

Die Hormontherapie kommt als Behandlungsoption nicht mehr in Frage, wenn die Wirkstoffe der Hormontherapie ihre Wirksamkeit verloren haben. Dies tritt meist nach circa zwei Jahren ein, wenn der Prostatakrebs eine Kastrationsresistenz entwickelt hat.

Information

Kastrationsresistenz

Kastrationsresistenz (früher Hormonresistenz oder “hormonrefraktär”) bedeutet, dass der Prostatakrebs in seinem Wachstum nicht mehr durch die Wirkstoffe der Hormontherapie oder eine chirurgische Kastration (beidseitige Hodenentfernung) beeinflusst werden kann. Er wächst trotz niedriger Testosteronwerte weiter. Dies erkennt man zum Beispiel an einem PSA-Wert, der nach einem Abfall während der Hormontherapie im weiteren Verlauf wieder ansteigt. Die Kastrationsresistenz tritt im Durchschnitt nach circa zwei Jahren der Hormontherapie auf, jedoch gibt es große individuelle Unterschiede.

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Bis vor einigen Jahren gab es für Patienten mit kastrationsresistentem Prostatakrebs nur die Möglichkeit, sich einer Chemotherapie zu unterziehen. Heute stehen jedoch Wirkstoffe wie zum Beispiel Abirateron zur Verfügung, die auch bei einem kastrationsresistenten Prostatakrebs wirksam sind.

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4. Wie wird eine Hormontherapie durchgeführt?

4.1 Hormontherapie mit Medikamenten

Eine medikamentöse Hormontherapie wird mit Medikamenten durchgeführt (zum Beispiel Tabletten oder Spritzen), die den Hormonhaushalt beeinflussen.

Je nachdem, an welchem Punkt des Hormonhaushalts eingegriffen werden soll, stehen fünf Wirkstoffgruppen zur Verfügung:

  • GnRH-Analoga: Sie imitieren die Wirkung des natürlichen Hormons GnRH. GnRH steht als Abkürzung für Gonadotropin-Releasing Hormone, übersetzt Gonadotropin-freisetzendes Hormon.
  • GnRH-Antagonisten: Sie verdrängen als “Konkurrent” das körpereigene GnRH von seiner Bindungsstelle auf den Zellen der Hirnanhangsdrüse.
  • Androgenrezeptor-Antagonisten: Sie besetzen die Bindungsstellen für männliche Geschlechtshormone (Androgenrezeptoren) auf deren Zielzellen, u.a. den Prostatakrebs-Zellen, sodass die Androgene nicht mehr wirken können.
  • Gestagene: Sie bewirken eine verminderte Testosteronproduktion.
  • direkte Hemmer der Testosteronproduktion: Sie blockieren ein Eiweiß, das maßgeblich an der Testosteronprduktion beteiligt ist.
Information

Regulation der Geschlechtshormone beim Mann

Die Steuerzentrale für die Hormonausschüttung im Körper befindet sich im Gehirn. In der Mitte des Gehirns befindet sich eine Struktur, die als Hypothalamus bezeichnet wird. Im Hypothalamus wird das Hormon GnRH gebildet.
GnRH ist die Abkürzung für Gonadotropin-Releasing Hormone, übersetzt Gonadotropin-freisetzendes Hormon. Es bewirkt eine Freisetzung der sogenannten Gonadotropine.
Gonadotropine sind Geschlechtshormone, die in der Hirnanhangsdrüse (Hypophyse) gebildet werden. Es gibt zwei Gonadotropine: das FSH (Follikelstimulierendes Hormon) und das LH (luteinisierendes Hormon). FSH und LH wiederum wirken auf die sogenannten Keimdrüsen. Beim Mann sind das die Hoden.
Das FSH hat beim Mann die Funktion, bestimmte Zellen in den Hoden (Sertoli-Zellen) zur Bildung von Spermien anzuregen. Das LH hat die Funktion, bestimmte Zellen in den Hoden (Leydig-Zellen) zur Bildung von Testosteron anzuregen.
Der Hypothalamus misst ständig, in welcher Konzentration Geschlechtshormone im Blut vorkommen. Erhöhte Konzentrationen an Geschlechtshormonen wirken als Signal für die Hirnanhangsdrüse, auf ihren Zellen weniger Bindungsstellen für GnRH zur Verfügung zu stellen. Dadurch werden in der Hirnanhangsdrüse weniger FSH und LH und schließlich in den Keimdrüsen weniger Geschlechtshormone (Östrogene, Gestagene, Androgene) gebildet.
Zu geringe Mengen an Geschlechtshormonen wiederum wirken als Signal für die Hirnanhangsdrüse, mehr Bindungsstellen für GnRH zur Verfügung zu stellen. Dadurch werden in der Folge mehr FSH und LH und schließlich mehr Geschlechtshormone gebildet.
Diesen Regulationsmechanismus bezeichnet man als negative Feedback-Regulation, übersetzt negative Rückmeldungs-Regulation.

Vereinfachte Darstellung eines männlichen Körpers mit den Abläufen bei der Regulation der Geschlechtshormone, ausgehend vom Hormon GnRH im Hypothalamus bis zur Wirkung des im Hoden gebildeten Testosterons auf die Prostata

Regulation der Geschlechtshormone beim Mann

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4.1.1 Kontinuierliche oder intermittierende Behandlung

Neben der Auswahl der Wirkstoffgruppe muss entschieden werden, ob die Hormontherapie durchgehend (kontinuierlich) oder mit Unterbrechungen (intermittierend) durchgeführt werden soll.

Bei einer durchgehenden Hormontherapie erhält der Patient das Medikament in regelmäßigen Abständen ohne Unterbrechung. Bei diesem Behandlungsschema tritt in den meisten Fällen nach circa zwei Jahren eine Kastrationsresistenz auf.

Im Gegensatz dazu wird die intermittierende Hormontherapie mit Unterbrechungen durchgeführt. Dabei legt der Arzt einen oberen Grenzwert für den Laborwert PSA fest. Die Hormontherapie wird zunächst so lange durchgeführt, bis der PSA-Wert unter diesen Grenzwert abgefallen ist. Sobald dieses Ziel erreicht wurde, wird die Behandlung pausiert.

Zur Kontrolle des Behandlungserfolges wird regelmäßig der PSA-Wert bestimmt. Nur wenn der Wert die Obergrenze erneut überschreitet, nimmt der Patient die Medikamente zum Hormonentzug weiter ein.

Die Unterbrechungen führen dazu, dass die Nebenwirkungen der Hormontherapieseltener auftreten und schwächer ausgeprägt sind. Außerdem gewöhnt sich der Körper langsamer an den jeweiligen Wirkstoff und die Kastrationsresistenz tritt später auf. Somit kann der Patient durch die intermittierende Hormontherapie oft länger erfolgreich behandelt werden und wird zusätzlich weniger durch die Nebenwirkungen der Medikamente belastet.

Die intermittierende Hormontherapie wird in der Regel nur Patienten empfohlen, deren PSA-Wert nach 7 Monaten Hormonbehandlung unter 4 ng/ml liegt. Bei Patienten, deren PSA-Wert nicht entsprechend abfällt, besteht in den Behandlungspausen ein erhöhtes Risiko für das Fortschreiten des Krebses.

Information

PSA

PSA ist der wohl bekannteste Laborwert des Mannes. Es steht kurz für “prostataspezifisches Antigen” und ist ein Eiweiß. Das PSA macht die Samenflüssigkeit flüssiger. Um zu bestimmten, wieviel PSA die Prostata produziert, wird seine Konzentration im Blut gemessen. Da PSA nur in der Prostata gebildet wird, lässt die Messung des Wertes Rückschlüsse auf Veränderungen der Prostata zu. Für einen erhöhten PSA-Wert kann es verschiedene Ursachen geben, zum Beispiel eine Entzündung der Prostata (Prostatitis), eine gutartige altersbedingte Vergrößerung der Prostata (benigne Prostatahyperplasie), eine kurz zurückliegende Tastuntersuchung der Prostata (digital rektale Untersuchung) oder eine bösartige Neubildung (Tumor) bei Prostatakrebs. Ein erhöhter PSA-Wert allein bedeutet daher nicht, dass eine Krebserkrankung vorliegen muss.
Der normale PSA-Wert liegt unter 4 Nanogramm pro Milliliter. Eine Abklärung der Ursache wird heute schon ab einem PSA-Wert von 2,5 Nanogramm pro Milliliter empfohlen.
Der Erfolg einer Behandlungsmethode bei Prostatakrebs wird unter anderem anhand des Verlaufs des PSA-Wertes beurteilt: Er dient dabei als sogenannter Tumormarker, von dem aus auf die Aktivität des Prostatagewebes bzw. des Prostatatumors rückgeschlossen werden kann. Sinkt der erhöhte PSA-Wert, spricht dies für eine erfolgreiche Behandlung. Steigt der PSA-Wert weiter oder nach einem Abfall erneut an, ist die Behandlung nicht oder nicht mehr wirksam.

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4.1.2 Monotherapie oder maximale Androgenblockade

Neben der Möglichkeit, die Hormontherapie entweder kontinuierlich oder intermittierend durchzuführen, kann die Behandlung mit einer unterschiedlichen Anzahl von Wirkstoffen durchgeführt werden:

  • als Behandlung mit einem Wirkstoff (Monotherapie)
  • als Behandlung mit zwei antiandrogenen Wirkstoffen gleichzeitig (sogenannte maximale Androgenblockade (MAB))
  • Kombination aus drei Wirkstoffen (Tripletherapie)
Information

Maximale Androgenblockade (MAB)

Androgene werden überwiegend, aber nicht nur im Hoden gebildet. Auch die Niere produziert bis zu 10% der männlichen Geschlechtshormone. Dieser Teil der Hormonbildung kann jedoch nicht durch Wirkstoffe beeinflusst werden, die über GnRH in die Hormonachse eingreifen. Um den Einfluss aller Androgene vollständig zu unterdrücken, werden zwei antiandrogene Therapien kombiniert: ein Wirkstoff, der die Bildung des Testosterons in den Hoden herabsetzt (bzw. die beidseitige Hodenentfernung) in Kombination mit einem Wirkstoff, der die Wirkung aller Androgene an ihrer Bindungsstelle herabsetzt und somit unabhängig vom Ort der Hormonproduktion wirkt:

  • GnRH-Analogon in Kombination mit Androgenrezeptor-Antagonist
  • beidseitige Hodenentfernung (chirurgische Kastration) plus Androgenrezeptor-Antagonist
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Der Patient erhält als Standardbehandlung entweder eine Monotherapie oder die maximale Androgenblockade. Bei der Tripletherapie erhält der Patient eine relativ große Menge an Wirkstoffen, wodurch Nebenwirkungen häufiger und stärker auftreten. Daher ist der Einsatz dieser “dreifachen” Hormontherapie umstritten und wird aktuell in Studien untersucht.

Im Folgenden wird die Wirkweise und die Anwendung der einzelnen Wirkstoffe im Detail beschrieben.

4.1.3 GnRH-Analoga

Weitere verwendete Begriffe: GnRH-Agonisten, Gonadoliberin-Agonisten, LHRH-Analoga, LHRH-Agonisten

Was sind GnRH-Analoga?

GnRH-Analoga sind Wirkstoffe, die die Wirkung des körpereigenen Hormons GnRH imitieren.

Wie wirken GnRH-Analoga?

Testosteron regt den Prostatakrebs zum Wachstum an. Deshalb möchte man die Produktion des Hormons vermindern. Dazu greift man mit Medikamenten am Anfangspunkt der sogenannten Hormonachse ein, die von der GnRH-Ausschüttung im Hypothalamus bis zur Testosteronwirkung an den Prostatazellen reicht.

Dazu können GnRH-Analoga genutzt werden. Der gewünschte Effekt des Wirkstoffs auf die Testosteronproduktion tritt bei der Hormontherapie mit einem GnRH-Analogon jedoch nicht sofort ein. Vielmehr braucht der Körper eine gewisse Zeit, bis er sich an den Einfluss des Wirkstoffs gewöhnt hat und die gewünschte Veränderung im Hormonhaushalt stattfindet. In der Gewöhnungsphase kommt es zu einer Zunahme der Testosteronproduktion, was als Flare up-Phänomen bezeichnet wird.

Information

Flare up-Phänomen

Flare up-Phänomen bedeutet übersetzt “Phänomen des Aufflammens” und beschreibt eine Testosteron-Anflutung zu Beginn der Hormontherapie mit einem GnRH-Analogon. Im Gehirn entsteht durch die Gabe von GnRH-Analoga ein Überschuss an GnRH. Das GnRH bindet nun in großer Menge an die Bindungsstellen auf den Zellen der Hirnanhangsdrüse. Diese Zellen erhalten so ein sehr starkes Signal, FSH und LH auszuschütten. FSH und LH liegen dann in großen Mengen vor und bewirken an bestimmten Zellen in den Hoden eine verstärkte Testosteronproduktion. Es kommt dann zu einer Anflutung von Testosteron im Körper. Das Flare up-Phänomen hält unter der Behandlung mit einem GnRH-Analogon zwei bis drei Wochen an. Um ein stärkeres Tumorwachstum aufgrund der Testosteron-Wirkung in dieser Phase zu verhindern, können begleitend Androgenrezeptor-Antagonisten oder Gestagene eingesetzt werden.

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Wird das GnRH-Analogon nach der Flare up-Phase weiter verabreicht, reagiert der Körper mit einer längerfristigen Veränderung in dieser Hormonachse und der gewünschte Effekt einer verminderten Testosteronproduktion tritt ein. Dies geschieht auf folgende Weise:

Wenn der Hypothalamus in der Flare up-Phase die erhöhte Konzentration von Testosteron im Blut registriert, wird die Anzahl der Bindungsstellen (Rezeptoren) für GnRH auf den Zellen der Hirnanhangsdrüse schrittweise vermindert. Dies bezeichnet man als Down-Regulation.

Außerdem werden die Zellen der Hirnanhangsdrüse durch die Wirkung des GnRH-Analogons zusätzlich zu der Wirkung körpereigenen GnRH “überreizt”. Dadurch nimmt die Empfindlichkeit der Zellen für die Signalwirkung des GnRH ab. Dieser Prozess wird als Desensitisierung bezeichnet.

In Folge der Down-Regulation und Desensitisierung kann GnRH nur noch eine geringe Anzahl von Bindungsstellen besetzen, die außerdem weniger empfindlich auf GnRH reagieren. Das Signal an die Hirnanhangsdrüse, LH und FSH zu produzieren, bleibt aus. In der Hirnanhangsdrüse wird dann kein LH und FSH mehr ausgeschüttet.

Damit fehlt wiederum für die Zellen im Hoden das LH als Signal, Testosteron auszuschütten und die Testosteronproduktion kommt zum Erliegen. Auf diese Weise kann mit GnRH-Analoga die Testosteronproduktion vollständig unterdrückt werden.

Wie werden GnRH-Analoga angewendet?

GnRH-Analoga bestehen aus Eiweißverbindungen, die im Verdauungssystem abgebaut werden. Deshalb können die Wirkstoffe nicht als Tablette eingenommen werden, sondern werden als Spritze unter die Haut oder in den Muskel verabreicht.

Dabei werden meist sogenannte Depot-Präparate wie zum Beispiel Trenantone® verwendet, die langsam aus dem Gewebe freigesetzt werden. Dazu werden meist kleine Stäbchen mit Hilfe einer Spritze in die Haut eingepflanzt. Diese Stäbchen enthalten ein Depot mit einer Wirkstoffmenge, die für bis zu sechs Monate ausreicht.

Neuere Depotpräparate enthalten Substanzen, die unter die Haut gespritzt werden und dort ein Gelkissen bilden. Aus diesem wird der Wirkstoff über einen oder drei Monate freigesetzt. Außerdem gibt es Präparate wie Profact nasal ®, die als Nasenspray angewendet werden können.

Welche Wirkstoffe, Präparate und Darreichungsformen gibt es?

Wirkstoff

Präparat

Darreichungsform

Buserelin

Profact®

2-Monats-Depot als 2 Implantate, mit Spritze unter die Bauchhaut

3-Monats-Depot als 3 Implantate, mit Spritze unter die Bauchhaut

- nasal: Nasenspray

- pro injectione: Spritze unter die Haut zur Einleitung der nasalen Behandlung

Goserelin

Zoladex®

1-Monats-Depot als Implantat, mit Spritze unter die Haut

3-Monats-Depot als Implantat mit Spritze unter die Haut

Histrelin

Vantas®

seit März 2015 nicht mehr erhältlich

Leuprorelin

ELIGARD®

1-Monats-Depot als Spritze unter die Haut

3-Monats-Depot als Spritze unter die Haut

6-Monats-Depot als Spritze unter die Haut

Lutrate®

1-Monats-Depot als Spritze in den Muskel

3-Monats-Depot als Spritze in den Muskel

Trenantone®

3-Monats-Depot als Spritze unter die Haut

Sixantone®

6-Monats-Depot als Spritze unter die Haut

Triptorelin

Pamorelin® LA

1-Monats-Depot als Spritze unter die Haut

3-Monats-Depot als Spritze unter die Haut

6-Monats-Depot als Spritze unter die Haut

Wirkstoff

Präparat

Darreichungsform

Buserelin

Profact®

2-Monats-Depot als 2 Implantate, mit Spritze unter die Bauchhaut

3-Monats-Depot als 3 Implantate, mit Spritze unter die Bauchhaut

- nasal: Nasenspray

- pro injectione: Spritze unter die Haut zur Einleitung der nasalen Behandlung

Goserelin

Zoladex®

1-Monats-Depot als Implantat, mit Spritze unter die Haut

3-Monats-Depot als Implantat mit Spritze unter die Haut

Histrelin

Vantas®

seit März 2015 nicht mehr erhältlich

Leuprorelin

ELIGARD®

1-Monats-Depot als Spritze unter die Haut

3-Monats-Depot als Spritze unter die Haut

6-Monats-Depot als Spritze unter die Haut

Lutrate®

1-Monats-Depot als Spritze in den Muskel

3-Monats-Depot als Spritze in den Muskel

Trenantone®

3-Monats-Depot als Spritze unter die Haut

Sixantone®

6-Monats-Depot als Spritze unter die Haut

Triptorelin

Pamorelin® LA

1-Monats-Depot als Spritze unter die Haut

3-Monats-Depot als Spritze unter die Haut

6-Monats-Depot als Spritze unter die Haut

4.1.4 GnRH-Antagonisten

Weitere verwendete Begriffe: Gonadoliberin-Antagonisten, LHRH-Antagonisten

Was sind GnRH-Antagonisten?

GnRH-Antagonisten sind Wirkstoffe, die die Wirkung des körpereigenen Hormons GnRH hemmen.

Wie wirken GnRH-Antagonisten?

Mit GnRH-Antagonisten greift man in die obere Schaltzentrale des Hormonhaushalts ein. Die Wirkung entfaltet sich durch eine Konkurrenz zwischen körpereigenem GnRH und dem GnRH-Antagonisten um die Bindungsstellen für GnRH auf den Zellen der Hirnanhangsdrüse. Dies geschieht auf folgende Weise:

Vereinfachte Darstellung von Zellen der Hirnanhangsdrüse, wobei in der linken Bildhälfte das Hormon GnRH die Bindungsstellen auf der Zelloberfläche besetzt und im Vergleich auf der rechten Bildhälfte ein GnRH-Antagonist die Bindungsstellen auf der Zelloberfläche besetzt

Wirkungsweise von GnRH-Antagonisten

GnRH-Antagonisten haben eine ähnliche Struktur wie das körpereigene GnRH. Sie passen nach dem Schlüssel-Schloss-Prinzip auf dessen Bindungsstellen. Gleichzeitig gibt es durch die künstliche Zufuhr von eines GnRH-Antagonisten mehr passende GnRH-ähnliche Bindungspartner als körpereigenes GnRH. Durch seine “zahlenmäßige Überlegenheit” verdrängt der GnRH-Antagonist das körpereigene GnRH von seinen Bindungsstellen auf den Zellen der Hirnanhangsdrüse.

Anders als das körpereigene GnRH bewirken GnRH-Antagonisten durch ihre Bindung in der Hirnanhangsdrüse keine Ausschüttung von LH und FSH. Dadurch erhalten die Zellen der Hoden nicht mehr das Signal, Testosteron zu produzieren. Damit wird die im Körper zirkulierende Menge an Testosteron vermindert und ein weiteres Wachstum des Prostatakrebs unterbunden.

Wie werden GnRH-Antagonisten angewendet?

GnRH-Antagonisten bestehen aus Eiweißverbindungen. Da Eiweiße im Verdauungssystem abgebaut werden, können Sie nicht als Tablette geschluckt werden. Stattdessen werden die Wirkstoffe als Spritze unter die Haut oder in den Muskel verabreicht.

Um eine vollständige Hormonblockade (maximale Androgenblockade) zu erreichen, können GnRH-Antagonisten mit Androgenrezeptor-Antagonisten kombiniert werden.

Welche Wirkstoffe, Präparate und Darreichungsformen gibt es?

Wirkstoff

Präparat

Darreichungsform

Abarelix

Plenaxis®

Spritze in den Muskel (Gesäßmuskel)

Degarelix

FIRMAGON®

Spritze unter die Haut

Wirkstoff

Präparat

Darreichungsform

Abarelix

Plenaxis®

Spritze in den Muskel (Gesäßmuskel)

Degarelix

FIRMAGON®

Spritze unter die Haut

4.1.5 Androgenrezeptor-Antagonisten

Was sind Androgenrezeptor-Antagonisten?

Androgenrezeptor-Antagonisten sind Wirkstoffe, die die Wirkung der männlichen Geschlechtshormone Testosteron und DHT blockieren.

Information

Testosteron

Testosteron wird in den Hoden gebildet und in den Zielzellen der Prostata in seine aktivere Form umgewandelt. Diese aktivere Form heißt DHT, kurz für Dihydrotestosteron. DHT und Testosteron sind Geschlechtshormone, die die Prostata zum Wachstum und zur Bildung von Prostatasekret anregen. Testosteron und DHT wirken für den Prostatakrebs als Wachstumssignal.

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Wie wirken Androgenrezeptor-Antagonisten?

Mit Androgenrezeptor-Antagonisten greift man am Endpunkt der Hormonachse ein, die von der GnRH-Ausschüttung im Hypothalamus bis zur Testosteronwirkung an den Prostatazellen reicht. Die Wirkung der Androgenrezeptor-Antagonisten beruht darauf, dass der Wirkstoff mit den körpereigenen Hormonen Testosteron und DHT um deren Bindungsstellen auf den Zellen der Prostata und des Prostatatumors konkurriert. Im Folgenden wird dieser Wirkmechanismus genau beschrieben.

Androgenrezeptor-Antagonisten haben eine ähnliche Struktur wie das körpereigene Hormone Testosteron und DHT. Der Antagonist wird dem Körper künstlich zugeführt und liegt dann in größerer Menge vor als das körpereigene Testosteron und DHT.

Testosteron und DHT haben das Bestreben, an passende Bindungsstellen auf den Zellen der Prostata zu binden. Da sie dem Androgenrezeptor-Antagonisten jedoch “zahlenmäßig unterlegen” sind, werden sie von ihren Bindungsstellen verdrängt. Die Bindungsstellen werden stattdessen von dem Androgenrezeptor-Antagonisten besetzt. Anders als Testosteron und DHT regen Wirkstoffe dieser Gruppe die Prostata aber nicht zum Wachstum oder zur Bildung von Prostatasekret an. Somit wird auch verhindert, dass der Prostatakrebs weiter wächst.

In der Gruppe der Androgenrezeptor-Antagonisten ist seit 2013 in Deutschland der Wirkstoff Enzalutamid (Xtandi®) zugelassen, der auch nach dem Eintritt einer Kastrationsresistenz wirksam ist. Enzalutamid wird unter anderem bei Patienten eingesetzt, deren Prostatakrebs kastrationsresistent ist und trotz einer Chemotherapie weiter wächst.

Wie werden Androgenrezeptor-Antagonisten angewendet?

Androgenrezeptor-Antagonisten werden täglich als Tablette eingenommen. Sie werden sowohl alleine als auch zusätzlich zu einem GnRH-Analogon eingesetzt, um dem Flare up-Phänomen vorzubeugen. Oder sie werden In Kombination mit GnRH-Antagonisten eingesetzt, um eine maximale Androgenblockade zu erreichen.

Welche Wirkstoffe, Präparate und Darreichungsformen gibt es?

Wirkstoff

Präparat

Darreichungsform

Bicalutamid

Androcal®

Tablette

Bicalutin®

Tablette

Bicamed®

Tablette

Casodex®

Tablette

Flutamid

Flumid®

Tablette

Fugerel®

Tablette

Prostica®

Tablette

Enzalutamid

Xtandi®

Kapsel

Wirkstoff

Präparat

Darreichungsform

Bicalutamid

Androcal®

Tablette

Bicalutin®

Tablette

Bicamed®

Tablette

Casodex®

Tablette

Flutamid

Flumid®

Tablette

Fugerel®

Tablette

Prostica®

Tablette

Enzalutamid

Xtandi®

Kapsel

4.1.6 Gestagene

Was sind Gestagene?

Information

Gestagene

Gestagene sind weibliche Geschlechtshormone. Sie werden auch als Gelbkörperhormone bezeichnet. Im weiblichen Organismus stellen Gestagene sicher, dass eine Schwangerschaft entstehen und aufrechterhalten werden kann. Im männlichen Körper kommen Gestagene normalerweise nicht vor, sie können jedoch als Wirkstoff in der Hormontherapie eingesetzt werden.

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Wie wirken Gestagene?

Gestagene sind weibliche Geschlechtshormone. Wie alle Hormone entfalten sie ihre Wirkung, indem sie nach dem Schlüssel-Schloss-Prinzip an passende Bindungsstellen auf bestimmten Zellen binden. Gestagene haben dabei die besondere Eigenschaft, dass sie verschiedene Bindungsstellen besetzen können und ihre Wirkung dabei von der Art der Bindungsstelle abhängig ist.

Gestagene sind “Schwangerschaftshormone” und haben folglich keine natürliche Funktion im männlichen Körper. Die Struktur der Gestagene erlaubt es ihnen aber, die Bindungsstelle für Testosteron zu besetzen, die sich unter anderem auf den Zellen der Prostata befindet. Anders als das Testosteron regen Gestagene den Prostatakrebs jedoch nicht zum Wachstum an.

Wenn ein Patient mit einem Gestagen behandelt wird, wirkt es im Körper als Konkurrent für das Testosteron und verdrängt es von seinen Bindungsstellen. Dem Prostatakrebs fehlt damit das Signal, weiter zu wachsen. Folglich kann durch die Behandlung mit Gestagenen ein Fortschreiten der Erkrankung verhindert werden.

Wie werden Gestagene angewendet?

Gestagene werden als Depot-Spritze in den Muskel, meist in den Gesäßmuskel, verabreicht. Sie werden sowohl einzeln als auch zusätzlich zu einem GnRH-Analogon eingesetzt, um dem Flare up-Phänomen vorzubeugen.

Welche Wirkstoffe, Präparate und Darreichungsformen gibt es?

Wirkstoff

Präparat

Darreichungsform

Cyproteronacetat

Androcur®

1-Wochen-Depot (für Patienten ohne beidseitige Hodenentfernung) als Spritze in den Muskel

2-Wochen-Depot (für Patienten nach beidseitiger Hodenentfernung) als Spritze in den Muskel

Wirkstoff

Präparat

Darreichungsform

Cyproteronacetat

Androcur®

1-Wochen-Depot (für Patienten ohne beidseitige Hodenentfernung) als Spritze in den Muskel

2-Wochen-Depot (für Patienten nach beidseitiger Hodenentfernung) als Spritze in den Muskel

4.1.7 Direkte Hemmer der Testosteronproduktion

Weitere verwendete Begriffe: Hemmer des Testosteron-Biosynthese, Androgen-Biosynthese-Inhibitor

Was sind direkte Hemmer der Testosteronproduktion?

Direkte Hemmer der Testosteronproduktion sind Wirkstoffe, die die Aktivität eines Eiweißes herabsetzen, das maßgeblich an der Testosteronproduktion beteiligt ist.

Wie wirken direkte Hemmer der Testosteronproduktion?

Die Wirkung direkter Hemmer der Testosteronproduktion beruht darauf, dass ein wichtiger Schritt in der Testosteronproduktion blockiert wird. Im Einzelnen läuft dies folgendermaßen ab:

Testosteron wird in mehreren Schritten von verschiedenen Eiweißen hergestellt. Eines dieser Eiweiße ist das sogenannte Cytochrom P 17. Direkte Hemmer der Testosteronproduktion blockieren die Funktion des Cytochroms P 17, sodass das Testosteron in Form einer “unfertigen” Vorstufe vorliegt.

Vereinfachte Darstellung des an der Testosteronproduktion beteiligten Eiweißes Cytochrom P 17, wobei das Cytochrom in der linken Bildhälfte die Testosteronvorstufe regulär in das fertige Testosteron umwandelt und im Vergleich auf der rechten Bildhälfte unter der Wirkung eines direkten Hemmers der Testosteronproduktion das Cytochrom P 17 die Testosteronvorstufe nicht mehr in das

Wirkungsweise von direkten Hemmern der Testosteronproduktion

Diese Hormon-Vorstufe kann die Aufgaben des “fertigen” Testosteron nicht erfüllen. Damit liegt ein Mangel an Testosteron vor. Da das Wachstum des Prostatakrebs von Testosteron abhängig ist, führt man diesen Mangel durch die Behandlung mit direkten Hemmern der Testosteronproduktion bewusst herbei. So kann ein Fortschreiten der Erkrankung verhindert werden.

Direkte Hemmer der Testosteronproduktion werden beim kastrationsresistenten Prostatakarzinom immer in Kombination mit einem Kortison (Prednison oder Prednisolon) angewendet. Sie kommen zum Einsatz, wenn der Prostatakrebs metastasiert und kastrationsresistent ist und trotz einer laufenden oder nach einer abgeschlossenen Chemotherapie mit Docetaxel weiter wächst. In Deutschland ist seit 2011 ZYTIGA® mit dem Wirkstoff Abirateron als einziges Präparat dieser Wirkstoffgruppe zugelassen.

Wie werden direkte Hemmer der Testosteronproduktion angewendet?

Hemmer der Testosteronbildung werden als Tablette eingenommen.

Welche Wirkstoffe, Präparate und Darreichungsformen gibt es?

Wirkstoff

Präparat

Darreichungsform

Abirateron

ZYTIGA®

Tablette

Wirkstoff

Präparat

Darreichungsform

Abirateron

ZYTIGA®

Tablette

4.2 Hormontherapie durch eine Operation

Die Hormontherapie durch die Entfernung beider Hoden spielt heute in der Behandlung des Prostatakrebs nur noch eine untergeordnete Rolle. Seit einigen Jahren sind Medikamente verfügbar, deren Wirksamkeit teilweise gleichwertig zur chirurgischen Form der Hormontherapie ist. Die Folgeerscheinungen Hormonentzugs, zu denen auch die Unfruchtbarkeit gehört, können bei der chirurgischen Form der Hormontherapie nicht rückgängig gemacht werden. Der Eingriff stellt für viele Männer eine starke psychische Belastung dar.

Bei bestimmten Patienten kann die chirurgische Form der Hormontherapie dennoch eine sinnvolle Behandlungsoption sein. Weitere Informationen zur Hormontherapie durch eine Operation finden sie hier.

5. Welche Vor- und Nachteile hat die Behandlung?

Die Vor- und Nachteile einer Hormontherapie ergeben sich vor allem aus dem Vergleich zwischen der medikamentösen und der chirurgischen Form der Hormontherapie. Die Vor- und Nachteile bezogen auf die einzelnen Wirkstoffgruppen sind stark von individuellen Faktoren abhängig, weshalb eine Darstellung in verallgemeinernder Form nicht sinnvoll ist.

Form der Hormontherapie

Hormontherapie mit Medikamenten

Hormontherapie durch eine Operation (beidseitige Hodenentfernung)

Art der Behandlung

Tabletteneinnahme oder Spritze

operativer Eingriff

Dauer / Häufigkeit der Anwendung

  • tägliche Tabletteneinnahme oder Depot-Spritze für bis zu 6 Monate in regelmäßigen Abständen
  • so lange, wie die Hormontherapie anschlägt (bis zum Eintritt der Kastrationsresistenz)
  • einmalig
  • kann nicht rückgängig gemacht werden

Folgen / Nebenwirkungen

  • für eine längere Zeit regelmäßige Medikamentengabe erforderlich
  • relativ häufige Arztbesuche
  • Bereitschaft, alle 3 Monate eine Spritze zu erhalten
  • Unfruchtbarkeit für die Zeit der Behandlung
  • psychische Belastung durch das Gefühl der Entmannung
  • einmaliger Eingriff
  • Risiken des operativen Eingriffs
  • Unfruchtbarkeit, kann nicht rückgängig gemacht werden
  Die Nebenwirkungen einer Hormontherapie durch Operation sind überwiegend identisch mit denen einer Hormontherapie mit Medikamenten. Sie werden im Abschnitt  “6. Welche Nebenwirkungen und unerwünschten Folgen können auftreten?” genannt.

Wirksamkeit bzgl. der Senkung des PSA-Wertes

  • Wirkeintritt abhängig vom Wirkstoff
  • anfänglicher Anstieg des Testosteron-Spiegels bei Behandlung mit Gnrh-Analoga (Flare up-Phänomen)
  • setzt sofort ein
Form der Hormontherapie 
Hormontherapie mit Medikamenten Hormontherapie durch eine Operation (beidseitige Hodenentfernung)
Art der Behandlung
Tabletteneinnahme oder Spritze operativer Eingriff
Dauer / Häufigkeit der Anwendung
  • tägliche Tabletteneinnahme oder Depot-Spritze für bis zu 6 Monate in regelmäßigen Abständen
  • so lange, wie die Hormontherapie anschlägt (bis zum Eintritt der Kastrationsresistenz)
  • einmalig
  • kann nicht rückgängig gemacht werden
Folgen / Nebenwirkungen
  • für eine längere Zeit regelmäßige Medikamentengabe erforderlich
  • relativ häufige Arztbesuche
  • Bereitschaft, alle 3 Monate eine Spritze zu erhalten
  • Unfruchtbarkeit für die Zeit der Behandlung
  • psychische Belastung durch das Gefühl der Entmannung
  • einmaliger Eingriff
  • Risiken des operativen Eingriffs
  • Unfruchtbarkeit, kann nicht rückgängig gemacht werden
Die Nebenwirkungen einer Hormontherapie durch Operation sind überwiegend identisch mit denen einer Hormontherapie mit Medikamenten. Sie werden im Abschnitt  “6. Welche Nebenwirkungen und unerwünschten Folgen können auftreten?” genannt.
Wirksamkeit bzgl. der Senkung des PSA-Wertes 
  • Wirkeintritt abhängig vom Wirkstoff
  • anfänglicher Anstieg des Testosteron-Spiegels bei Behandlung mit Gnrh-Analoga (Flare up-Phänomen)
  • setzt sofort ein 

6. Welche Nebenwirkungen und unerwünschten Folgen können auftreten?

Die Nebenwirkungen, die infolge einer Hormontherapie auftreten, werden auch als Androgenentzugssyndrom bezeichnet. Sie sind teilweise mit den Wechseljahresbeschwerden einer Frau vergleichbar.

  • sexuelle Unlust (Libidoverlust)
  • Erektionsstörungen (Impotenz)
  • Hitzewallungen
  • Knochenschwund (Osteoporose)
  • Brustwachstum (Gynäkomastie)
  • Brustschmerzen
  • Muskelabbau
  • Zunahme des Körperfetts
  • Anstieg der Blutfettwerte
  • Blutarmut (Anämie)

(Die Häufigkeit der Nebenwirkungen unterscheidet sich je nach Wirkstoff und Präparat. Diese Auflistung nennt die häufigsten unerwünschten Folgen und Nebenwirkungen und erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit.)

Was sollte ich beachten, wenn bei mir eine Hormontherapie mit Medikamenten durchgeführt wird?

Mögliche Fragen an Ihren Urologen

  • Ist die Hormonentzugstherapie für mich geeignet? Warum?
  • Welche Form der Hormonentzugstherapie kommt für mich in Frage?
  • Welche Vorteile hat die medikamentöse Kastration gegenüber einer Operation?
  • Ist bei mir eine Behandlung mit Antiandrogenen sinnvoll?
  • Ist eine Spritze besser als Tabletten?
  • Mit welchen Nebenwirkungen habe ich zu rechnen? Was kann ich dagegen tun? Gehen diese Nebenwirkungen nach dem Ende der Behandlung wieder zurück?
  • Kann die Behandlung unterbrochen werden?
  • Woran erkenne ich, ob die Behandlung wirksam ist?
  • Darf ich als Diabetiker eine Hormonentzugstherapie machen?

Wenn bei Ihnen eine Hormontherapie geplant ist oder durchgeführt wird, hat Ihr behandelnder Urologe Sie über den Ablauf und die zu erwartenden Nebenwirkungen aufgeklärt. Ihr Arzt ist zur Aufklärung über die Risiken einer Behandlung verpflichtet.

Dieses Wissen kann belastend wirken, insbesondere da viele Wirkstoffe Nebenwirkungen haben, die mit einem Gefühl der Entmannung einhergehen können. Zu diesen möglichen Nebenwirkungen zählen vor allem das Brustwachstum, das verminderte sexuelle Interesse und Erektionsstörungen.

Teilen Sie Ihre Ängste und Sorgen diesbezüglich Ihrem Arzt offen und ehrlich mit. Die Behandlung von körperlichen und seelischen Begleiterscheinungen einer Behandlung gehört ebenso zum Aufgabenfeld eines Urologen wie die Durchführung der Behandlung selbst.

Auch sehr persönliche Themen wie sexuelles Interesse und die Erektionsfähigkeit sind einem Urologen nicht fremd und er weiß, wie belastend diese Probleme sein können. Nur wenn Ihr Urologe darüber informiert ist, welche Nebenwirkungen Sie befürchten und welche bei Ihnen auftreten, kann er Ihnen die entsprechende Unterstützung anbieten.

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Author

Magdalena Glawe

Magdalena Glawe hat an der Charité in Berlin Medizin studiert und unterstützt das Viomedo-Team als Patientenbeauftragte. In ihrer Freizeit beschäftigt sie sich mit Fotografie und japanischer Kultur.

Quellen

Rübben H. Uroonkologie. 6. Aufl. Berlin, Heidelberg: Springer; 2014: 594-601, 614-616.

Retz M, Gschwend J. Medikamentöse Tumortherapie in der Uroonkologie. 2. Aufl. Berlin, Heidelberg: Springer; 2010: 8, 40-43.

Leitlinienprogramm Onkologie (Deutsche Krebsgesellschaft, Deutsche Krebshilfe, AWMF): Konsultationsfassung: Interdisziplinäre Leitlinie der Qualität S3 zur Früherkennung, Diagnose und Therapie der verschiedenen Stadien des Prostatakarzinoms, Lang-version 4.0, 2016 AWMF Registernummer: 043/022OL, http://leitlinienprogramm-onkologie.de/Prostatakarzinom.58.0.html (Zugriff am: 27.06.2017)

Leitlinienprogramm Onkologie (Deutsche Krebsgesellschaft, Deutsche Krebshilfe, AWMF): Patientenfassung: Prostatakrebs I - Lokal begrenztes Prostatakarzinom: Ein evidenzbasierter Patientenratgeber zu S3-Leitlinie zur Früherkennung, Diagnose und Therapie der verschiedenen Stadien des Prostatakarzinoms, 2.Aufl. Berlin: 2015. http://leitlinienprogramm-onkologie.de/Prostatakrebs.71.0.html (Zugriff am 27.06.2017)

Leitlinienprogramm Onkologie (Deutsche Krebsgesellschaft, Deutsche Krebshilfe, AWMF): Patientenfassung: Prostatakrebs II - Lokal fortgeschrittenes und metastasiertes Prostatakarzinom: Ein evidenzbasierter Patientenratgeber zu S3-Leitlinie zur Früherkennung, Diagnose und Therapie der verschiedenen Stadien des Prostatakarzinoms, 3.Aufl. Berlin: 2015. http://leitlinienprogramm-onkologie.de/Prostatakrebs.71.0.html (Zugriff am 27.06.2017)

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