Prostatakrebs-Therapie

Zuletzt aktualisiert: 13. Februar 2018 VON Magdalena Glawe

Chemotherapie bei Prostatakrebs

Magdalena Glawe
Ärztin und Patientenbeauftragte

1. Was ist eine Chemotherapie bei Prostatakrebs?

Die Chemotherapie ist eine Behandlungsmethode, die die Vermehrung der Krebszellen unterdrückt. Es handelt sich um eine Behandlung mit bestimmten Medikamenten, die als Zytostatika bezeichnet werden. Das Ziel einer Chemotherapie ist die Linderung von Beschwerden, wenn der Prostatakrebs nicht mehr geheilt werden kann.

Information

Zytostatikum (Mehrzahl: Zytostatika)

Der Begriff Zytostatikum setzt sich aus zwei griechischen Wörtern zusammen: Zytos für “die Zelle” und Stasis “das Anhalten”. Damit beschreibt der Name dieser Medikamente direkt deren Funktion: Sie halten den Zellzyklus an. Der Zellzyklus ist ein in der Erbsubstanz aller Körperzellen gespeichertes Programm. Dieses Programm sorgt unter anderem dafür, dass sich eine Zelle durch die Zellteilung verdoppelt und somit ihr zugehöriges Gewebe vermehren kann. Zytostatika greifen in die streng hintereinander ablaufenden Phasen des Zellzyklus ein und hindern die Zelle daran, sich auf eine Teilung “vorzubereiten”. Beim Prostatakrebs wird durch eine Behandlung mit einem Zytostatikum erreicht, dass die Krebszellen sich nicht weiter vermehren und die Erkrankung so nicht weiter fortschreiten kann. Zytostatika unterscheiden bei ihrer Wirkung jedoch nicht zwischen Krebszellen und gesunden Zellen, sodass auch letztere durch die Behandlung geschädigt werden. Dieser Umstand erklärt auch, warum bei einer Chemotherapie relativ schwere Nebenwirkungen auftreten können.

Vereinfachte Darstellung der Wirkung von Zytostatika auf die Abläufe der Zellteilung, wobei das Zytostatikum verhindert, dass sich eine Zelle nach der Verdoppelung ihres Erbguts in zwei Zellen teilt

Wirkungsweise von Zytostatika

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2. Wann wird eine Chemotherapie bei Prostatakrebs angewendet?

Sich einer Chemotherapie zu unterziehen bedeutet einen starken Eingriff in die Wachstums- und Stoffwechselvorgänge des menschlichen Körpers. Aufgrund ihrer relativ schweren Nebenwirkungen wird die Chemotherapie bei Prostatakrebs meist erst in einem relativ späten Stadium der Erkrankung eingesetzt, wenn der Krebs nicht mehr geheilt werden kann und Beschwerden verursacht:

Ausdehnung des Tumors

Empfindlichkeit des Tumors für die Hormontherapie

jegliche Tumorausdehnung

kastrationsresistent

Ausdehnung des Tumors

Empfindlichkeit des Tumors für die Hormontherapie

jegliche Tumorausdehnung

kastrationsresistent

Neue Studien haben gezeigt, dass auch Patienten mit einem hormonsensitiven Prostatakrebs von einer Chemotherapie profitieren, wenn diese in Kombination mit einer Hormontherapie durchgeführt wird.

3. Wann kommt die Chemotherapie nicht als Behandlungsoption in Frage?

Die Chemotherapie kommt dann nicht als Behandlungsoption in Frage, wenn sie zu keiner Linderung der Beschwerden des Patienten führt. Eine alternative Behandlungsmöglichkeit in dieser Situation ist die Chemotherapie mit dem Wirkstoff Cabazitaxel und die Hormontherapie mit Enzalutamid (Xtandi ®) oder Abirateron (Zytiga ®).

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4. Wie wird eine Chemotherapie bei Prostatakrebs durchgeführt?

Bei der Chemotherapie werden sogenannte Zytostatika angewendet. Diese Medikamente unterdrücken die Zellteilung der Krebszellen, aber auch die Teilung aller gesunden Zellen. Es handelt sich um relativ aggressive Medikamente, die dem Patienten alle drei Wochen verabreicht werden.

Dabei wird vor allem der Wirkstoff Docetaxel eingesetzt. Die richtige Dosierung wird für jeden Patienten in Abhängigkeit von seiner Körperoberfläche berechnet. Das Medikament wird als Infusionslösung über einen “Tropf” verabreicht. Werden die Beschwerden des Patienten durch die Behandlung mit Docetaxel nicht gelindert, kann auf ein anderes Zytostatikum mit dem Wirkstoff Cabazitaxel zurückgegriffen werden.

Docetaxel und Cabazitaxel werden immer in Kombination mit einem Kortison-Wirkstoff (Prednison oder Prednisolon) angewendet. Das Kortison verstärkt die Wirkung des Zytostatikums und schwächt gleichzeitig dessen Nebenwirkungen ab.

5. Welche Wirkstoffe, Präparate und Darreichungsformen gibt es?

Wirkstoff

Präparat

Darreichungsform

Docetaxel

docetaxel aspios®

Infusionslösung

 

Docetaxel Hospira®

Infusionslösung

 

DOCETAXEL KABI®

Infusionslösung

 

Docetaxel-ratiopharm®

Infusionslösung

Cabazitaxel

JEVTANA®

Infusionslösung

Wirkstoff

Docetaxel

Cabazitaxel

 Präparat

 docetaxel aspios®

JEVTANA®

Docetaxel Hospira®

DOCETAXEL KABI®

Docetaxel-ratiopharm®

 Darreichungsform

Infusionslösung

Infusionslösung

6. Welche Vor- und Nachteile hat die Behandlung?

Vorteil

Nachteil

Lebensqualität für Patienten mit nicht heilbarem Prostatakrebs kann verbessert werden

körperlich und seelisch belastende Nebenwirkungen einer Chemotherapie

 

Vorteil

Nachteil

Lebensqualität für Patienten mit nicht heilbarem Prostatakrebs kann verbessert werden

körperlich und seelisch belastende Nebenwirkungen einer Chemotherapie

 

7. Welche Nebenwirkungen und unerwünschten Folgen können auftreten?

Folgende Nebenwirkungen und unerwünschten Folgen können bei einer Chemotherapie mit Zytostatika auftreten:

  • Übelkeit und Erbrechen
  • allergische Reaktionen
  • verminderte Anzahl weißer Blutkörperchen
  • erhöhte Anfälligkeit für Ansteckungskrankheiten
  • Haarausfall
  • Entzündung der Mundschleimhaut
  • Taubheitsgefühl und Schmerzen an Händen und Füßen

(Diese Auflistung nennt die häufigsten Nebenwirkungen und unerwünschten Folgen und erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit.)

8. Was sollte ich beachten, wenn bei mir eine Chemotherapie durchgeführt wird?

Wenn Sie eine Chemotherapie erhalten, kann ihr Prostatakrebs nicht mehr geheilt werden. Das Ziel Ihrer Behandlung ist deshalb nicht die Heilung, sondern die Linderung Ihrer Beschwerden. Diese Behandlung wird als Palliativbehandlung bezeichnet.

Sollten Sie unsicher sein, ob der behandelnde Urologe oder Onkologe Ihren Fall richtig eingeschätzt und die optimale Behandlungsmethode ausgewählt hat, empfiehlt es sich, bei einem anderen Facharzt eine Zweitmeinung einzuholen.

Mögliche Fragen an Ihren Urologen oder Onkologen:

  • Welchen Wirkstoff empfehlen Sie mir? Warum?
  • Welchen Vorteil hat eine Chemotherapie in meiner Situation?
  • Mit welchen Nebenwirkungen habe ich zu rechnen? Was kann ich dagegen tun? Gehen diese Nebenwirkungen nach dem Ende der Behandlung wieder zurück?
  • Wie lange muss ich die Medikamente einnehmen?
  • Kann die Behandlung unterbrochen werden?

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Autor

Magdalena Glawe

Magdalena Glawe ist Ärztin. Sie hat an der Charité in Berlin Medizin studiert und unterstützt das Viomedo-Team als Patientenbeauftragte. In ihrer Freizeit beschäftigt sie sich mit Fotografie und japanischer Kultur.

Quellen

Engelhardt M, Berger D et al. Das Blaue Buch: Chemotherapie-Manual Hämatologie und Internistische Onkologie. 5. Aufl. Berlin, Heidelberg: Springer; 2014: 191.

Leitlinienprogramm Onkologie (Deutsche Krebsgesellschaft, Deutsche Krebshilfe, AWMF): Patientenfassung: Prostatakrebs II - Lokal fortgeschrittenes und metastasiertes Prostatakarzinom: Ein evidenzbasierter Patientenratgeber zu S3-Leitlinie zur Früherkennung, Diagnose und Therapie der verschiedenen Stadien des Prostatakarzinoms, 3.Aufl. Berlin: 2015. http://leitlinienprogramm-onkologie.de/Prostatakrebs.71.0.html (Zugriff am 27.06.2017)

Leitlinienprogramm Onkologie (Deutsche Krebsgesellschaft, Deutsche Krebshilfe, AWMF): Konsultationsfassung: Interdisziplinäre Leitlinie der Qualität S3 zur Früherkennung, Diagnose und Therapie der verschiedenen Stadien des Prostatakarzinoms, Lang-version 4.0, 2016 AWMF Registernummer: 043/022OL, http://leitlinienprogramm-onkologie.de/Prostatakarzinom.58.0.html (Zugriff am: 27.06.2017)b

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