Prostatakrebs-Therapie

Zuletzt aktualisiert: 1. Februar 2018 VON Magdalena Glawe

Beobachten und Abwarten - Watchful Waiting bei Prostatakrebs

Weitere verwendete Begriffe: beobachtendes Abwarten, abwartendes Beobachten, langfristiges Beobachten, Wait and See, WW
Magdalena Glawe
Ärztin und Patientenbeauftragte

1. Was bedeutet Beobachten und Abwarten?

Das Beobachten und Abwarten wird auch als Watchful Waiting (deutsch: “Wachsames Abwarten”) bezeichnet. Es handelt sich dabei um eine palliative Behandlungsstrategie, bei der das Ziel nicht die Heilung, sondern vor allem die Linderung von Beschwerden ist. Durch dieses Vorgehen sollen unnötige Therapien mit ihren Nebenwirkungen und unerwünschten Folgen vermieden und die Lebensqualität des Patienten verbessert werden.

Oft wird für das Watchful Waiting auch der Begriff “Aktive Überwachung” oder “Active Surveillance” verwendet. Dabei handelt es sich jedoch um eine andere Form einer abwartenden Behandlungsstrategie.

Information

Palliative Behandlung

Der Begriff palliativ stammt vom dem lateinischen Wort pallium für “Mantel” ab und bedeutet sinngemäß “schützend einhüllen”. Damit wird ein Behandlungskonzept beschrieben, bei der eine Behandlung mit Heilungsabsicht (kurative Behandlung) unterlassen wird. Stattdessen wird symptomorientiert behandelt. Das bedeutet, dass nur Behandlungen durchgeführt werden, die die Beschwerden und Einschränkungen des Patienten durch seine Erkrankung lindern. In den meisten Fällen kommt eine palliative Behandlung zum Einsatz, wenn eine nicht heilbare Erkrankung auftritt. Ihr Ziel ist es, die Lebensqualität des Patienten trotz der unheilbaren Erkrankung zu verbessern. Je nach Krankheitsbild kann es auch ein Ziel sein, das Fortschreiten einer Erkrankung zu verlangsamen. Dabei kann zum Beispiel eine Schmerztherapie, eine Psychotherapie oder auch eine Bestrahlung oder Chemotherapie zum Einsatz kommen.

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2. Wann wird das Watchful Waiting durchgeführt?

Das Watchful Waiting wird durchgeführt, wenn der Patient

  • eine Lebenserwartung hat, die auch ohne Prostatakrebs unter 10 Jahren liegen würde (Patienten > 70 Jahre oder mit schweren Begleiterkrankungen)
    und/oder
  • eine Behandlung mit Heilungsabsicht ablehnt.

Vor allem bei älteren Patienten und bei Patienten mit einer anderen schweren Erkrankung hat der Prostatakrebs häufig nur einen geringen Einfluss auf die Lebensqualität und die Lebenserwartung. Eine Behandlung erfolgt nur dann, wenn der Patient Beschwerden hat. Sie hat dann das Ziel, die Beschwerden zu lindern, die durch den Prostatakrebs verursacht werden oder mit ihm einhergehen.

Dies sind einige Beispiele für häufige Beschwerden:

  • Knochenschmerzen bei Knochenmetastasen
  • Probleme beim Wasserlassen, wenn die Harnröhre durch die vergrößerte Prostata eingeengt wird
  • seelische Belastung durch das Wissen, an einer nicht heilbaren Erkrankung zu leiden
  • körperliche Schwäche als typisches Anzeichen einer Krebserkrankung und als Nebenwirkung vorheriger Behandlungen (Hormontherapie, Chemotherapie, Bestrahlung)

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3. Wann kommt das Watchful Waiting nicht als Behandlungsoption in Frage?

Das Watchful Waiting kommt als Behandlungsoption dann nicht in Frage, wenn

  • der Patient eine andere Form der Behandlung wünscht.
  • der Patient jung ist, keine anderen schweren Erkrankungen hat und seine Lebenserwartung durch den Prostatakrebs verkürzt würde.

4. Wie wird das Watchful Waiting durchgeführt?

Beim Watchful Waiting werden in regelmäßigen Abständen Kontrolluntersuchungen durchgeführt, bei denen der allgemeine Gesundheitszustand festgestellt wird. Anders als bei der Aktiven Überwachung wird meist auf PSA-Tests und die Entnahme von Gewebeproben verzichtet.

Die Entscheidung, ob und welche Behandlung begonnen werden soll, richtet sich nach den Beschwerden des Patienten. Verspürt der Patient zum Beispiel Knochenschmerzen, weil der Krebs in die Knochen gestreut hat, werden die Schmerzen mit einer Schmerztherapie behandelt - nicht jedoch die Streuherde oder der Prostatakrebs als Ursache der Schmerzen.

Dies sind einige Beispiele für eine sogenannte palliative Behandlung:

  • Schmerztherapie bei Knochenschmerzen
  • Versorgung mit einer künstlichen Harnableitung bei Problemen beim Wasserlassen
  • Psychotherapie bei seelischer Belastung
  • Ernährungstherapie und medizinische Trainingstherapie bei körperlicher Schwäche

5. Welche Vor- und Nachteile hat dieses Vorgehen?

Vorteile

Nachteile

  • Nebenwirkungen und unerwünschte Folgen einer Behandlung können vermieden werden
  • Behandlung nach Beschwerden ermöglicht Patienten ohne Heilungschance bessere Lebensqualität
  • Belastender Gedanke, dass der Tumor im Körper verbleibt und nicht aktiv bekämpft wird
  • Risiko für eine Fehleinschätzung, wie stark der Patient durch den Prostatakrebs bedroht oder wie stark die Lebenserwartung durch den Krebs verkürzt würde

Vorteile

Nachteile

  • Nebenwirkungen und unerwünschte Folgen einer Behandlung können vermieden werden
  • Behandlung nach Beschwerden ermöglicht Patienten ohne Heilungschance bessere Lebensqualität
  • Belastender Gedanke, dass der Tumor im Körper verbleibt und nicht aktiv bekämpft wird
  • Risiko für eine Fehleinschätzung, wie stark der Patient durch den Prostatakrebs bedroht oder wie stark die Lebenserwartung durch den Krebs verkürzt würde

6. Was sollte ich beachten, wenn bei mir das Watchful Waiting durchgeführt wird?

Mögliche Fragen an Ihren Urologen:

  • Warum empfehlen Sie mir das langfristige Beobachten?
  • Was tun wir, wenn der Krebs Beschwerden macht? Kann ich dann noch geheilt werden?
  • Mit welchen Beschwerden habe ich zu rechnen?
  • Wann können diese Beschwerden auftreten?

Wird bei Ihnen das Watchful Waiting durchgeführt, haben Sie sich für ein abwartendes Vorgehen bei der Behandlung Ihres Prostatakrebs entschieden. Ein Abbruch des Watchful Waiting auf Ihren Wunsch ist jederzeit möglich.

Durch das Watchful Waiting werden die relativ schweren Nebenwirkungen einer Behandlung mit Heilungsabsicht wie der Operation oder der Bestrahlung vermieden. Der Gedanke, den Prostatatumor im Körper zu tragen ohne diesen aktiv zu bekämpfen, stellt für viele Patienten jedoch eine seelische Belastung dar.

Wenn Sie sich durch das Abwarten im Rahmen des Watchful Waiting seelisch belastet fühlen, sollten Sie dies in jedem Fall Ihrem Urologen mitteilen. Nur so kann er Ihnen die entsprechende Unterstützung anbieten.

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Autor

Magdalena Glawe

Magdalena Glawe ist Ärztin. Sie hat an der Charité in Berlin Medizin studiert und unterstützt das Viomedo-Team als Patientenbeauftragte. In ihrer Freizeit beschäftigt sie sich mit Fotografie und japanischer Kultur.

Quellen

Rübben H. Uroonkologie. 6. Aufl. Berlin, Heidelberg: Springer; 2014: 575.
Leitlinienprogramm Onkologie (Deutsche Krebsgesellschaft, Deutsche Krebshilfe, AWMF): Konsultationsfassung: Interdisziplinäre Leitlinie der Qualität S3 zur Früherkennung, Diagnose und Therapie der verschiedenen Stadien des Prostatakarzinoms, Lang-version 4.0, 2016 AWMF Registernummer: 043/022OL, http://leitlinienprogramm-onkologie.de/Prostatakarzinom.58.0.html (Zugriff am: 27.06.2017)

Leitlinienprogramm Onkologie (Deutsche Krebsgesellschaft, Deutsche Krebshilfe, AWMF): Patientenfassung: Prostatakrebs I - Lokal begrenztes Prostatakarzinom: Ein evidenzbasierter Patientenratgeber zu S3-Leitlinie zur Früherkennung, Diagnose und Therapie der verschiedenen Stadien des Prostatakarzinoms, 2.Aufl. Berlin: 2015. http://leitlinienprogramm-onkologie.de/Prostatakrebs.71.0.html (Zugriff am 27.06.2017)

Leitlinienprogramm Onkologie (Deutsche Krebsgesellschaft, Deutsche Krebshilfe, AWMF): Patientenfassung: Prostatakrebs II - Lokal fortgeschrittenes und metastasiertes Prostatakarzinom: Ein evidenzbasierter Patientenratgeber zu S3-Leitlinie zur Früherkennung, Diagnose und Therapie der verschiedenen Stadien des Prostatakarzinoms, 3.Aufl. Berlin: 2015. http://leitlinienprogramm-onkologie.de/Prostatakrebs.71.0.html (Zugriff am 27.06.2017)

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