Parkinson-Therapie

Zuletzt aktualisiert: 23. März 2018 VON Magdalena Glawe

NMDA-Antagonisten: Amantadin und Budipin

Weitere verwendete Begriffe: N-Methyl-D-Aspartat-Antagonisten, NMDA-Rezeptor-Antagonisten
Magdalena Glawe
Ärztin und Patientenbeauftragte

Was sind NMDA-Antagonisten?

NMDA-Antagonisten wie Amantadin und Budipin sind Wirkstoffe der Parkinson Therapie. Während Amantadin zunächst für die Behandlung von Virusinfektionen entwickelt wurde, entdeckte man durch Zufall, dass es auch die Beschwerden bei Parkinson lindern kann. Die genaue Wirkungsweise dieser Wirkstoffe ist bis heute nicht vollständig geklärt und ihr Einsatz gilt als umstritten.

Die Beschwerden entstehen durch einen Mangel des Botenstoffs Dopamin im Gehirn. Dieser Dopaminmangel führt im Gehirn zu einem gestörten Gleichgewicht zwischen den Botenstoffen Dopamin und Glutamat, sodass die Wirkung des Glutamat stärker ausgeprägt ist als bei Gesunden. Bei Betroffenen äußert sich diese “Glutamat-Dominanz” zum Beispiel durch Bewegungslosigkeit (Akinese), Muskelsteifheit (Rigor), Zittern (Tremor) oder eine gedrückte Stimmung (Depression).

NMDA-Antagonisten werden eingesetzt, um die Wirkung des Botenstoffs Glutamat abzuschwächen. Das geschieht, indem NMDA-Antagonisten die Bindungsstellen für Glutamat im Gehirn besetzen ohne dessen Wirkung hervorzurufen. Glutamat kann dann an weniger Bindungsstellen auf den Nervenzellen binden und seine Dominanz gegenüber Dopamin wird abgeschwächt. So können durch eine Behandlung mit NMDA-Antagonisten einerseits die mit der “Glutamat-Dominanz” verbundenen Beschwerden bekämpft und andererseits schmerzhafte Bewegungsstörungen (Dyskinesien) vermindert werden, die bei einer Langzeit-Behandlung mit Levodopa auftreten.

Wann werden NMDA-Antagonisten eingesetzt?

NMDA-Antagonisten werden vor allem zur Behandlung schmerzhafter Bewegungsstörungen (Dyskinesien) eingesetzt, die nach einigen Jahren der Behandlung mit Levodopa und Carbidopa in einem späteren Parkinson Stadium auftreten können.

In seltenen Fällen wird der Wirkstoff Amantadin einzeln und zur kurzzeitigen Beschwerdelinderung bei Betroffenen eingesetzt, die sich in einem frühen Parkinson Stadium befinden und deren Beschwerden schwach ausgeprägt sind. Werden NMDA-Antagonisten einzeln eingesetzt, wirken sie am stärksten gegen die Bewegungslosigkeit (Akinese) der Betroffenen, aber auch gegen die Muskelsteifheit (Rigor) und das typische Zittern (Tremor).

Tritt eine sogenannte akinetische Krise auf, bei der Betroffene unter vollständiger Bewegungsunfähigkeit und weiteren starken Beschwerden leiden, wird der Wirkstoff Amantadin als Infusion verabreicht.

Die Entscheidung, wann eine Behandlung mit NMDA-Antagonisten sinnvoll ist, hängt von individuellen Faktoren ab. Dazu gehören die möglichen Vorteile und Risiken der Behandlung sowie die Verfügbarkeit alternativer Behandlungsmöglichkeiten.

Wie wird eine Parkinson Therapie mit NMDA-Antagonisten durchgeführt?

NMDA-Antagonisten verlieren ihre Wirksamkeit nach einigen Monaten durchgehender Behandlung und werden daher immer nur kurzzeitig eingesetzt. Da NMDA-Antagonisten wie Amantadin und Budipin nur gegen das Ungleichgewicht zwischen den Botenstoffen Dopamin und Glutamat wirken ohne den Dopamin-Mangel im Gehirn maßgeblich zu beeinflussen, werden diese Wirkstoffe außerdem selten einzeln in der Parkinson Therapie eingesetzt. Stattdessen werden die Wirkstoffe meist zusätzlich zu Levodopa und Levodopa-Kombinationspräparaten angewendet, um vorübergehend die schmerzhaften Bewegungsstörungen (Dyskinesien) zu behandeln, die bei einer Langzeitbehandlung mit Levodopa auftreten.

Eine Einzeltherapie mit NMDA-Antagonisten kommt nur selten bei Betroffenen zum Einsatz, die sich in einem frühen Parkinson Stadium befinden und unter schwach ausgeprägten Beschwerden leiden.

Wie werden NMDA-Antagonisten angewendet?

Die NMDA-Antagonisten Amantadin und Budipin werden meist als Tablette eingenommen. Der Wirkstoff Amantadin ist auch als Infusionslösung verfügbar, die im Falle einer akinetischen Krise über die Vene verabreicht wird.

Welche Wirkstoffe, Präparate und Darreichungsformen gibt es?

Wirkstoff

Präparat

Darreichungsform

Amantadin

Amantadin AbZ

Tablette

Amantadin-ratiopharm

Tablette

Infusionslösung

Amantagamma®

Tablette

PK-Merz

Tablette

Infusionslösung

tregor®

Tablette

Budipin

Parkinsan®

Tablette

Wirkstoff

Präparat

Darreichungsform

Amantadin

Amantadin AbZ

Tablette

Amantadin-ratiopharm

Tablette

Infusionslösung

Amantagamma®

Tablette

PK-Merz

Tablette

Infusionslösung

tregor®

Tablette

Budipin

Parkinsan®

Tablette

(Diese Auflistung erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit.)

Welche Nebenwirkungen können bei NMDA-Antagonisten auftreten?

  • Übelkeit
  • Benommenheit
  • Schlaflosigkeit
  • Verwirrtheit
  • Halluzinationen
  • Wassereinlagerungen im Bereich der Fußgelenke (Knöchelödeme)
  • verlängerte Signalübertragung am Herzmuskel (QT-Zeit-Verlängerung)
  • netzartige violette Verfärbung und Schwellung der der Haut an den Beinen (Livedo reticularis)

(Die Häufigkeit der Nebenwirkungen unterscheidet sich je nach Wirkstoff und Präparat. Diese Auflistung nennt die häufigsten Nebenwirkungen und erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit.)

Was sollte ich beachten, wenn ich mit Levodopa behandelt werde?

Die Aufnahme und Wirkung von Levodopa kann durch einige Lebensmittel und andere Medikamente beeinflusst werden.

  • Eine eiweißreiche Kost vermindert die Aufnahme von Levodopa aus dem Darm und sollte deshalb vermieden werden.

  • Eine gleichzeitige Anwendung von Reserpin (Blutdruckmedikament), Nervendämpfungsmitteln (Neuroleptika), stark wirksamen Schmerzmitteln (Opioiden), Magensäure-bindende Medikamente (Antazida), Eisenpräparaten und hoch dosiertem Vitamin B6 vermindert die Wirkung von Levodopa.

(Diese Auflistung der Wechselwirkungen erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit.)

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Autor

Magdalena Glawe

Magdalena Glawe ist Ärztin. Sie hat an der Charité in Berlin Medizin studiert und unterstützt das Viomedo-Team als Patientenbeauftragte. In ihrer Freizeit beschäftigt sie sich mit Fotografie und japanischer Kultur.

Quellen

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