Beschreibung der Studie

Die Zwangsstörung ist eine schwere psychische Erkrankung, die mit einer geminderten Lebensqualität verbunden ist und viele Bereiche des täglichen Lebens beeinträchtigt, wie zum Beispiel soziale Beziehungen und die berufliche Leistungsfähigkeit. Bildgebende und neuropsychologische Studien wurden durchgeführt, um strukturelle und funktionelle Veränderungen im Gehirn sowie neurokognitive Auffälligkeiten bei Zwangsstörungen zu charakterisieren. Vorherige Forschungsarbeiten zeigten, dass Zwangsstörungen mit einer Hyperaktivität von Gehirnregionen verbunden sind, die an der Überwachung eigener Handlungen beteiligt sind. Solche Fortschritte hinsichtlich neuer Erkenntnisse bezüglich der neurobiologischen Grundlagen von Zwangsstörungen regen Forschung zur Entwicklung neuer Behandlungsansätze an. Diese könnten Patienten zugutekommen, die nicht ausreichend auf gegenwärtige Interventionen ansprechen. Nicht-invasive Gehirnstimulation ermöglicht es, direkt die neuronale Aktivität zu beeinflussen und bietet dadurch Hoffnung darauf, gestörte Hirnaktivierungsmuster und kognitive Funktionen normalisieren zu können. Die transkranielle Gleichstromstimulation (tDCS) ist eine nicht-invasive Stimulationsmethode, bei der ein schwacher elektrischer Strom zwischen zwei Elektroden fließt, die am Kopf befestigt sind. Diese Technik verfügt über vielversprechendes therapeutisches Potenzial für eine Reihe neurologischer und psychischer Erkrankungen, darunter Schlaganfall, Alzheimer, Depression und Schizophrenie. Das vorliegende Projekt erforscht, ob Prozesse, die an der Überwachung eigener Handlungen beteiligt sind, bei Patienten mit Zwangsstörung durch tDCS normalisiert (d.h. abgeschwächt) werden können. Um die Wirksamkeit der tDCS hinsichtlich der Veränderung solcher Prozesse zu beurteilen, werden gesunde Probanden und Patienten mit Zwangsstörung eine Aufgabe bearbeiten, die Handlungsüberwachungsverhalten anregt, sowie eine Aufgabe, die sowohl Handlungsüberwachung als auch emotionale Verarbeitung hervorruft. Während diesen Aufgaben werden die Gehirnströme durch Elektroenzephalografie (EEG) aufgezeichnet und Maße der emotionalen Reaktivität (Herzfrequenz und Hautleitwert) erhoben.

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Studiendetails

Studienziel Handlungsüberwachung: - Behaviorale Leistung (Reaktionszeit und Genauigkeit) sowie ereigniskorrelierte Potentiale (ERN, Pe, CRN) in der Flanker-Aufgabe zu Sitzung 1 und Sitzung 2 Affektive Bewertung eigener Handlungen: - Behaviorale Leistung (Reaktionszeit und Genauigkeit) sowie ereigniskorrelierte Potentiale (ERN, Pe, CRN) in der evaluativen Go/No-Go-Aufgabe (Go/No-Go-Aufgabe kombiniert mit affektiver Wortkategorisierungsaufgabe) zu Sitzung 1 und Sitzung 2 - Hautleitfähigkeitsreaktion und Herzfrequenz während der Flanker-Aufgabe und der evaluativen Go/No-Go-Aufgabe zu Sitzung 1 und Sitzung 2
Status Teilnahme möglich
Zahl teilnehmender Patienten 48
Stationärer Aufenthalt Keiner
Studientyp Interventionell
Kontrolle Placebo
Finanzierungsquelle Humboldt-Universität zu Berlin

Kostet die Teilnahme Geld?

Alle während der Studie durchgeführten Behandlungen und Untersuchungen sind für Sie kostenfrei.

Teilnahme­voraussetzungen

Einschlusskriterien

  • Einschlusskriterium für Patienten: Primäre Diagnose einer Zwangsstörung (ICD-10, F42.-) ermittelt anhand des Strukturierten Klinischen Interviews für DSM-V Achse I Störungen
  • Deutsch als Muttersprache
  • Fähigkeit schriftliche informierte Einwilligung zu erteilen

Ausschlusskriterien

  • Aktuelle oder Lebenszeitdiagnose einer substanzbezogenen Störung, Schizophrenie-Spektrum-Störung, wahnhaften Störung, bipolaren Störung, neurologischen Erkrankung des ZNS
  • Verbaler IQ < 85
  • Nicht-korrigierbare Einschränkung des Sehvermögens, Hörvermögens oder der Motorik
  • Einnahme von Benzodiazepinen innerhalb der letzten Woche, von Neuroleptika innerhalb der letzten 3 Monate
  • Kontraindikationen für die transkranielle Gleichstromstimulation: metallische oder elektronische Implantate im Kopf oder Oberkörper (z.B. Cochlea-Implantat, Hirnstimulator, Aneurysmen Clip oder Stent, Herzschrittmacher), Hautprobleme oder Verletzung der Haut im Stimulationsbereich (z.B. Schuppenflechte, Ekzem), Schwangerschaft

Adressen und Kontakt

Hochschulambulanz am Institut für Psychologie, Humboldt-Universität zu Berlin, Berlin

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Häufig gestellte Fragen

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Die Zwangsstörung ist eine schwere und massiv beeinträchtigende Erkrankung, die beträchtliches Leid verursacht und die soziale und berufliche Funktionsfähigkeit einschränkt. Obwohl pharmakologische und psychotherapeutische Interventionen eine wirksame Behandlung für die Zwangsstörung darstellen, profitieren bis zu 40-60% der Patienten nicht ausreichend von bestehenden Interventionen. Dies verdeutlicht den Bedarf an zusätzlichen Behandlungsstrategien. Techniken der nicht-invasiven Hirnstimulation gelten als vielversprechender zusätzlicher Behandlungsansatz für die Zwangsstörung. Insbesondere Gehirnregionen, die an der Handlungsüberwachung beteiligt sind, können potenzielle Ziele für neuromodulatorische Behandlungsansätze, wie die transkranielle Gleichstromstimulation (tDCS), darstellen. Eine überaktive Handlungsüberwachung, die sich in erhöhten elektrophysiologischen Korrelaten der Fehlerverarbeitung niederschlägt, wird als zentraler Mechanismus der Zwangsstörung angesehen und könnte bei der Entstehung von Zwangssymptomen eine Rolle spielen. Darüber hinaus wird diese Auffälligkeit als neurokognitiver Risikomarker diskutiert, der auf eine Vulnerabilität für eine Zwangsstörung und andere psychische Erkrankungen hindeutet. Es wird angenommen, dass eine Hyperaktivität der Gehirnregionen, die an der Handlungsüberwachung beteiligt sind, dieser neurokognitiven Auffälligkeit zugrunde liegt. Gemäß bisheriger Studien schwächt eine inhibitorische Stimulation jener Gehirnregionen elektrophysiologische Korrelate der Handlungsüberwachung bei gesunden Probanden ab und zeigt vielversprechendes Potenzial, die Symptome von Patienten mit Zwangsstörung zu reduzieren. Ziel der vorliegenden Studie ist es, zu untersuchen, ob tDCS über dem medialen frontalen Kortex die elektrophysiologischen Korrelate der Handlungsüberwachung bei Patienten mit Zwangsstörung wirksam moduliert. Wir erwarten, dass kathodale tDCS die elektrophysiologischen Korrelate der Fehlerverarbeitung bei Patienten mit Zwangsstörung abschwächt. Ein zweites Ziel der Studie ist es, zu untersuchen, in welcher Beziehung die Handlungsüberwachung zu affektiven Prozessen bei Patienten mit Zwangsstörung steht. Befunde bildgebender Studien lassen vermuten, dass die Handlungsüberwachung bei Patienten mit Zwangsstörung verstärkt mit affektiver Verarbeitung einhergeht. Bisher ist jedoch im Allgemeinen wenig über die affektive Bewertung eigener Handlungen und den Zusammenhang zwischen elektrophysiologischen Korrelaten der Fehlerverarbeitung und der Aktivität des autonomen Nervensystems bekannt. Daher zielt das vorliegende Projekt darauf ab, affektive Prozesse während der Handlungsüberwachung bei gesunden Probanden und bei Patienten mit Zwangsstörung zu charakterisieren. Es wird untersucht, ob diese Prozesse durch die erwartete tDCS-bedingte Modulation elektrophysiologischer Korrelate der Handlungsüberwachung beeinflusst werden. Zusammengefasst wird diese Studie Einblicke in das therapeutische Potenzial eines gezielten Einsatzes der tDCS im Rahmen der Zwangsstörung geben und unser Verständnis der neurokognitiven Auffälligkeiten der Zwangsstörung vertiefen. In dieser doppelt verblindeten, Placebo-kontrollierten, randomisierten Crossover-Studie werden Patienten mit Zwangsstörung und gesunde Kontrollprobanden kathodale tDCS und Schein-tDCS in zwei separaten Sitzungen erhalten. Verum-tDCS wird mit einer Intensität von 1,5 mA für 20 Minuten über dem medialen frontalen Kortex verabreicht. Im Anschluss an die Verum-/Schein-Stimulation werden die Probanden eine Flanker-Aufgabe sowie eine Go/No-Go-Aufgabe, welche mit einem affektiven Priming Paradigma kombiniert ist, bearbeiten. Während diesen Aufgaben werden elektrophysiologische Korrelate der Handlungsüberwachung und die Aktivität des autonomen Nervensystems (Herzfrequenz und Hautleitfähigkeitsreaktion) erfasst. Die Abschätzung der Stichprobengröße wurde mithilfe der Software G*Power 3.1 vorgenommen. Bisher wurde die Modulierbarkeit behavioraler und elektrophysiologischer Maße der Handlungsüberwachung bei Patienten mit Zwangsstörung durch tDCS in keiner anderen Studie untersucht. Daher wurde die benötigte Stichprobengröße basierend auf einer Studie von Reinhart und Woodman (2014) geschätzt, die den Effekt der tDCS auf die Handlungsüberwachung bei gesunden Probanden untersuchten. Basierend auf einer Effektstärke von Cohen’s dz = 0.60 (für die behaviorale Leistung) und dz = 0.91 (für elektrophysiologische Maße) und einem Signifikanzlevel von 5% (zweiseitig) werden mindestens 24 Probanden pro Gruppe benötigt, um mit einer Power von 80% den Effekt separat in beiden Gruppen (d.h. gesunden Kontrollprobanden und Patienten mit Zwangsstörung) aufdecken zu können. Da wir eine Dropout-Rate von 10% sowie 5-10% Datenverlust aufgrund unzureichender Datenqualität (übermäßige Artefakte) und einer ungenügenden Anzahl von EEG-Epochen pro Bedingung (< 6 auswertbare Segmente von fehlerhaften Reaktionen in den Aufgaben) annehmen, wird die Stichprobengröße auf bis zu 30 Probanden pro Gruppe erhöht. Die Rekrutierung wird jedoch so lange fortgeführt, bis mindestens 24 vollständige und auswertbare Datensätze pro Gruppe erhoben sind.

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