Beschreibung der Studie

Studien zur Zeitwahrnehmung bei ADHS beschränken sich bislang auf Untersuchungen am Computer, in denen Kinder die Dauer von Reizen, die ihnen gezeigt werden oder die sie hören, schätzen oder hinsichtlich ihrer Darbietungsdauer miteinander vergleichen. Von einigen dieser Aufgaben wissen wir, dass Kinder mit ADHS Schwierigkeiten mit ihrer Bearbeitung haben (Zeitreproduktions- und Zeitdiskriminationsaufgaben), bei anderen ist es nicht so klar, weil es nur wenige Untersuchungen gibt (Zeitschätzung, Zeitproduktion). Auch die Gründe dafür, warum Kinder mit ADHS bei der Bearbeitung schlechter abschneiden als Kinder ohne ADHS, sind nicht hinreichend geklärt. Es liegen nur wenige, zumeist an kleinen Gruppen von Kindern erhobene Befunde vor, nach denen es so scheint, dass Fähigkeiten wie das leise innere Mitzählen und das Durchhaltevermögen bei diesen Kindern beeinträchtigt sind. Wir möchten in unserer Untersuchung verschiedene Zeitwahrnehmungsaufgaben einsetzen, eine große Anzahl von Kindern untersuchen und die Gründe für das schlechtere Abschneiden der Kinder mit ADHS herausfinden. Diese Informationen sollen auch dazu dienen, das durch uns vorgeschlagene Modell gestörter Zeitwahrnehmungsprozesse bei Kindern mit ADHS (Marx und Kollegen, 2017) weiter zu verfeinern. Außerdem ist bislang nicht untersucht, ob Kinder mit ADHS Zeitschätzdefizite auch außerhalb des Untersuchungslabors zeigen, d. h. bei der Ausübung alltäglicher Tätigkeiten und über den Sekundenbereich hinausgehend, so dass nicht bekannt ist, ob tatsächlich eine Beeinträchtigung im Alltag vorliegt. Mit Hilfe der beantragten Studie möchten wir folgende Fragen beantworten: Sind die Zeitschätzfunktionen von Kindern mit ADHS sowohl im Millisekunden- als auch im Sekundenbereich beeinträchtigt? Wodurch kommen diese Defizite zustande? Spielen auch motivationale Probleme eine Rolle? Haben alle Kinder mit ADHS in allen Aufgaben Probleme, oder gibt es verschiedene Subtypen? Wenn ja, entsprechen diese Subtypen denen bei nicht von ADHS betroffenen Kindern? Zeigen sich die Zeitwahrnehmungsdefizite auch im Alltag? Wenn ja, liegen ihnen dieselben Ursachen zugrunde wie bei den experimentellen Aufgaben, und werden sie durch die klinische Symptomatik beeinflusst? Um diese Fragen zu beantworten, untersuchen wir zwei Gruppen von Jungen im Alter von 8 – 12 Jahren (eine Gruppe mit ADHS, eine Gruppe ohne ADHS), die hinsichtlich Alter und Intelligenz vergleichbar sind, zu zwei Messzeitpunkten. Zum ersten Termin werden die Jungen Aufgaben zur Erfassung von Fähigkeiten durchführen, von denen wir glauben, dass sie die Schwierigkeiten bei der Bearbeitung der Zeitschätzaufgaben verursachen (z. B. eine Aufmerksamkeits- und eine Motivationsaufgabe), und sie werden einen IQ-Test machen. Zum zweiten Termin werden dann alle Kinder die Zeitschätzaufgaben am Computer und alltagsnahe Zeitschätzaufgaben durchführen.

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Studiendetails

Studienziel Erfassung der Zeitschätz-Kompetenzen von Kindern mit und ohne ADHS mittels Computeraufgaben und alltagsnaher Aufgaben zum Zwecke des Gruppenvergleichs
Status Teilnahme bald möglich
Zahl teilnehmender Patienten 140
Stationärer Aufenthalt Keiner
Studientyp Beobachtungsstudie
Finanzierungsquelle Universitätsmedizin Rostock, Zentrum für Nervenheilkunde, Klinik für Psychiatrie, Neurologie, Psychosomatik und Psychotherapie im Kindes- und Jugendalter

Kostet die Teilnahme Geld?

Alle während der Studie durchgeführten Behandlungen und Untersuchungen sind für Sie kostenfrei.

Teilnahme­voraussetzungen

Einschlusskriterien

  • Jungen mit und ohne ADHS im Alter von 8-12 Jahren

Ausschlusskriterien

  • IQ < 80, neurologische (z. B. Anfallsleiden) oder endokrinologische (z. B. Schilddrüsendysfunktion) Erkrankungen, von denen bekannt ist, dass sie die Funktionstüchtigkeit des Gehirns beeinflussen können, Kopfverletzungen mit nachfolgendem Bewusstseinsverlust, aktuelle depressive Störung, Lebenszeitdiagnose einer schizophrenen Spektrumserkrankung, Autismussektrumstörungen, unzureichende Beherrschung der Deutschen Sprache (eingeschränkte Fähigkeit zur Einwilligung in die Studienteilnahme, mangelndes Instruktionsverständnis)

Adressen und Kontakt

Klinik für Psychiatrie, Neurologie, Psychosomatik und Psychotherapie im Kindes- und Jugendalter, Rostock

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Häufig gestellte Fragen

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Studien zur Zeitwahrnehmung bei ADHS beschränken sich bislang auf experimentelle Untersuchungen am Computer, in denen Probanden die Dauer von Zeitintervallen schätzen oder Stimuli hinsichtlich ihrer Darbietungsdauer miteinander vergleichen. Für einige Paradigmen besteht eine stärkere (Zeitreproduktion, Zeitdiskrimination), für andere eine geringere (Zeitschätzung, Zeitproduktion) Evidenz für Defizite bei Kindern mit ADHS, wobei die Ursachen dieser Defizite bislang nicht hinreichend geklärt sind. So liegen lediglich wenige regressionsanalytische und korrelative, zumeist an kleinen Stichproben erhobene Befunde vor, die einen Einfluss von exekutiven (Arbeitsgedächtnis, Inhibition) und Aufmerksamkeitsfunktionen an der Genese dieser Defizite nahelegen, eine groß angelegte, d. h. sämtliche Zeitwahrnehmungsparadigmen umfassende, das Set relevanter Prädiktoren ausschöpfende und hinsichtlich der Stichprobengröße suffiziente Untersuchung steht jedoch bislang aus. Hier setzt die beantragte Studie an. Basierend auf den Ergebnissen unserer kürzlich veröffentlichten Studie (Marx et al., 2017), in der wir ein Modell gestörter timing-Prozesse bei Kindern mit ADHS vorschlugen, möchten wir deren Determinanten noch besser verstehen, indem wir das bestehende Prädiktorenset und die Stichprobengröße optimieren. Ferner ist bislang nicht untersucht, ob Kinder mit ADHS Zeitschätzdefizite auch außerhalb des Labors zeigen, d. h. bei der Ausübung alltäglicher Tätigkeiten und über den Sekundenbereich hinausgehend, so dass eine klinische Relevanz der bisherigen experimentellen Befunde nicht bestätigt ist. Mit Hilfe der beantragten Studie möchten wir folgende Fragen beantworten: Sind die Zeitschätzfunktionen von Kindern mit ADHS tatsächlich sowohl im Millisekunden- als auch im Sekundenbereich beeinträchtigt? Wodurch sind diese Defizite bedingt, und lässt sich unser Modell in einem optimierten experimentellen Setting replizieren und weiter verfeinern? Inwiefern tragen motivationale Defizite zu den Zeitschätzdefiziten bei? Zeigen alle Kinder mit ADHS ein globales Zeitschätzdefizit, oder gibt es verschiedene timing-Subtypen? Wenn ja, entsprechen diese den Subypen bei nicht von ADHS betroffenen Kindern? Zeigen sich diese Defizite auch im Alltag? Wenn ja, liegen ihnen dieselben Mechanismen zugrunde wie bei experimentellen Aufgaben, und sind sie mit der klinischen Symptomatik assoziiert? Um diese Fragen zu beantworten, nutzen wir ein quasi-experimentelles longitudinales Design mit zwei Gruppen von Jungen im Alter von 8 – 12 Jahren (ADHS, Kontrollen), die auf dem Gruppenlevel hinsichtlich Alter und IQ gematcht sind, sowie mit zwei Messzeitpunkten. Zum ersten Termin werden die Jungen die Prädiktoraufgaben am Computer durchführen und sich einer IQ-Testung unterziehen, zum zweiten Termin werden dann alle Kinder die Zeitschätzaufgaben am Computer und alltagsnahe Zeitschätzaufgabe in ausbalancierter Reihenfolge durchführen.

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