Beschreibung der Studie

Demenzkranke erleben einen Krankenhausaufenthalt häufig als beängstigende Bedrohung und Verunsicherung, da sie sich nicht in ihrer gewohnten Umgebung und mit ihnen bekannten Bezugspersonen befinden. Dies führt in vielen Fällen zu einer für Demenzkranke zwar typischen, aber in fremdem Umfeld noch erhöhten Unruhe und Orientierungslosigkeit, die beispielsweise mit einer erhöhten „Weglaufgefahr“ respektive Unfallgefährdung, einhergeht. Dieser Problematik soll mit der hier vorgestellten Komplexlösung Charité-Haube vorgebeugt und entgegengewirkt werden. Sie ist ein Bettaufsatz für Krankenhausbetten, eine Schutzhaube ähnlich einem Kinderwagenverdeck. Sie kann bei Bedarf an das Krankenbett angebracht werden und die an Demenz erkrankte Person von ihrer Umgebung abschirmen und ihr so das Gefühl einer sicheren und geborgenen „Höhle“ bieten. Zusätzlich zur Abschirmfunktion und zur weiteren Beruhigung sollen medientechnische Optionen, die im Bedarfsfall eingeschaltet werden können, eingesetzt werden. Insbesondere soll die Wirkung von akustischen (Hören) und olfaktorischen (Riechen) sowie optischen (Sehen) Inhalten bzw. Reizen (Musik/Geruchsstoffe/Farben-Bilder-Filme) auf die Patienten untersucht werden. Dazu wird ein kleiner Lautsprecher und/oder ein Aroma Diffusor und/oder ein Lichtprojektor (Beamer) in die Haube integriert. Diese Vorrichtung soll die Demenzkranken von ihrer Umgebung abschirmen und durch diese Geborgenheit und möglicherweise mittels verschiedener Medieninhalte beruhigen, bevor es zu einer Überforderungssituation kommt, welche selbstgefährdendes Verhalten nach sich ziehen kann. Neben diesem Vorteil der Prävention (Vorbeugung) handelt es sich zusätzlich um eine nicht-invasive (nicht-eingreifende) Behandlung, die den oft unter starker Medikation stehenden Demenzpatienten risikoreiche Neben- und Wechselwirkungen ersparen kann. Zusätzlich kann dadurch auf Fixierungen (Festbinden) der Demenzkranken verzichtet werden. Der Lösungsansatz wurde im Vorfeld mit verschiedenen Kompetenz-Partnern im Bereich Demenz diskutiert und abgestimmt, beispielsweise Mitarbeitern gerontopsychiatrischer Einrichtungen, der Rettungsstelle der Berliner Charité am Campus Benjamin Franklin, der Deutschen Alzheimergesellschaft, diversen Alten- und Pflegeheimen sowie Leitern und Angehörigen von Demenz-Selbsthilfegruppen. Alle diese Gesprächspartner waren am Konzept des Entwicklungsteams sehr interessiert und haben ihre weitere Unterstützung zugesagt. In dem hier vorgestellten Projekt soll nun durch wissenschaftliche Studien die Wirkung der Charité-Haube auf das Unruheverhalten von Demenzpatienten untersucht werden. Wenn eine Wirksamkeit erzielt wird, soll die daraus entwickelte Komplexlösung die Versorgung dieser Patientengruppe verbessern.

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Studiendetails

Studienziel Abschirmung von (Demenz-)Patienten mit der Charité- Haube und deren Wirkung: - Herz- und Atemfrequenzmessung durch drucksensible Matte (unter der Matratze des Pflegebetts) - akustische und körperliche Reaktionen aufgezeichnet durch Bewegungs- und Aktionssensor
Status Teilnahme vorübergehend ausgesetzt
Zahl teilnehmender Patienten 40
Stationärer Aufenthalt Keiner
Finanzierungsquelle Charité Universitätsmedizin Berlin, Campus Benjamin Franklin, Zentrale Notaufnahme und Aufnahmestation

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Teilnahme­voraussetzungen

Einschlusskriterien

  • Demenzpatienten:
  • Patienten ≥ 60 der psychiatrisch-geriatrischen Station bzw. der Rettungsstelle
  • Demenz diagnostiziert nach Mini Mental Status Test (MMST) und Einschätzung durch General Deterioration Scale (GDS)
  • mit oder ohne Delir
  • Einwilligung des Patienten bzw. des Betreuers und des Patienten
  • Nicht-Demenzpatienten:
  • 18 Jahre
  • Einwilligung

Ausschlusskriterien

  • Demenzpatienten:
  • fehlende Einwilligung
  • jegliche Komorbidität, die ein (flaches) Liegen im Bett nicht ermöglicht (z.B. dekompensierte Herzinsuffizienz)
  • Nicht-Demenzpatienten:
  • akute lebensbedrohliche somatische Erkrankung (entsprechend der in Rettungsstellen verwendeten Manchester Triage Kategorie „Rot“)
  • akute psychiatrische Erkrankung (laut Mini International Neuropsychiatric Interview M.I.N.I. und Strukturiertem Klinischen Interview SKID für DSM-IV)
  • fehlende Einwilligungsfähigkeit

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Hintergrund: Der demographische Wandel Deutschlands zeigt sich in einer wachsenden Anzahl Demenzkranker. Demenzkranke erleben einen Krankenhausaufenthalt häufig als beängstigende Bedrohung und Verunsicherung, da sie sich nicht in ihrer gewohnten Umgebung und mit ihnen bekannten Bezugspersonen befinden. Dies führt in vielen Fällen zu einer für Demenzkranke zwar typischen, aber in fremdem Umfeld noch erhöhten Unruhe und Orientierungslosigkeit, die beispielsweise mit einer erhöhten „Weglaufgefahr“, respektive Unfallgefährdung, z.B. durch Stürze, einhergeht (Kirchen-Peters, 2005). Deshalb haben sie häufig mehr Sekundärkomplikationen während des Krankenhausaufenthaltes mit einer entsprechenden Verlängerung der stationären Verweildauer. Im Idealfall sollten Demenzpatienten eins-zu-eins betreut werden, was durch den Personalmangel in Krankenhäusern jedoch nicht zu gewährleisten ist. Auch nicht an Demenz erkrankte Patienten fühlen sich in Krankenhäusern oft nicht wohl und nicht ausreichend in ihrer Privatsphäre geschützt. Zielsetzung und Hypothesen: Dieser Problematik soll mit der hier vorgestellten Komplexlösung Charité-Haube vorgebeugt und entgegengewirkt werden: Die Demenzkranken sollen von ihrer Umgebung abgeschirmt und mittels verschiedener Medieninhalte beruhigt werden bevor es zu einer Überforderungssituation kommt, die selbstgefährdendes Verhalten wie Weglaufen nach sich ziehen kann. Neben diesem Vorteil der Prävention handelt es sich außerdem um eine nichtinvasive Behandlung, die den oft unter starker Medikation stehenden Demenzpatienten risikoreiche Neben- und Wechselwirkungen zusätzlicher Beruhigungsmittel ersparen könnte. Auch der Einsatz von Freiheits-einschränkenden Maßnahmen, die ein Delir fördern, wie Fixierungen, könnte dadurch reduziert oder sogar verhindert werden. Hypothesen: 1. Die „Charité-Haube“ trägt zur Beruhigung von Demenzpatienten bei. 2. Die Sekundärgefährdung, z.B. durch Stürze, kann reduziert werden. 3. Der Fixierungs- und Medikationsbedarf, insbesondere an sedierenden Medikamenten, nimmt durch den Einsatz der Haube ab. 4. Auch nicht demente Patienten werden durch die Haube in ihrer Privatsphäre verstärkt geschützt bzw. beruhigt. Material und Methoden: Die Charité-Haube ist ein Bettaufsatz für Krankenhausbetten, eine Schutzhaube ähnlich einem Kinderwagenverdeck. Sie kann bei Bedarf an das Pflegebett angebracht werden und die an Demenz erkrankte Person von ihrer Umgebung abschirmen und ihr so das Gefühl einer sicheren und geborgenen „Höhle“ bieten. In Ergänzung zur Abschirmfunktion und zur weiteren Beruhigung sollen in einem weiteren Schritt sensorische, als beruhigend bekannte Reize eingesetzt werden können. Medientechnische Optionen, die im Bedarfsfall eingeschaltet werden können, sollen hierfür benutzt werden. So soll perspektivisch die Wirkung von akustischen, olfaktorischen sowie optischen Inhalten bzw. Reizen (Musik/Geruchsstoffe/Farben-Bilder-Filme) auf das Unruheverhalten und Wohlbefinden der Patienten untersucht werden. Dazu wird ein kleiner Lautsprecher und/oder ein Aroma Diffusor und/oder ein Lichtprojektor (Beamer) in die Haube integriert. Das gleiche Vorgehen wird auch bei den nicht an Demenz erkrankten Krankenhauspatienten durchgeführt. Im Rahmen einer Machbarkeitsprüfung soll die Eignung der Charité-Haube im klinischen Bereich, u.a. auf einer gerontopsychiatrischen Station mit hohem Anteil an Demenzpatienten, einer Rettungsstelle und einer „Normalstation“ untersucht werden. Dabei wird jeweils der Zustand der Patienten vor Anwendung der Charité-Haube für den Zeitraum von mindestens einer Stunde mit ihrem Zustand während und nach dem wiederum einstündigen Einsatz mit der Charité-Haube verglichen. Dazu wird u.a. eine druck- und bewegungsempfindliche Matte in das Bett der Patienten unter die Matratze gelegt, mit deren Hilfe Bewegungsaktivität als Korrelat für Unruhe sowie Herz- und Atemfrequenz erfasst werden. Zusätzlich soll das Unruheverhalten mittels eines optischen und akustischen Aktions- und Bewegungssensors erfasst werden. Des Weiteren wird u.a. mit der klinischen Beurteilungsskala Clinical Global Impressions (CGI), der psychologischen Beurteilungsskala für Demenzpatienten Cohen-Mansfield Agitation Inventory (CMAI) und der visuellen Analogskala Observed Emotion Rating Scale (OERS, in deutscher Übersetzung) die Einschätzung des Unruheverhaltens durch das Pflegepersonal aufgezeichnet.

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