Beschreibung der Studie

Menschen denken auf unterschiedliche Weise über ihre Zukunft nach. Inwiefern dies durch eine Abhängigkeitserkrankung (Alkohol oder Drogen) beeinflusst wird, ist Gegenstand dieser Studie. Des Weiteren wird untersucht, inwieweit dies mit anderen psychologischen Faktoren zusammenhängt. Manche Menschen denken spezifischer über ihre Zukunft nach als andere. Bestimmte psychische Erkrankungen (z.B. Depression) führen zu einem eher unspezifischen Zukunftsdenken (Brown et al., 2013), wobei die zugrunde liegenden Mechanismen noch nicht bekannt sind. Unspezifisches Zukunftsdenken kann die individuellen Fähigkeiten zur Problemlösung jedoch negativ beeinflussen (Hamlat et al., 2015). Es wird erwartet, dass Menschen mit einer Abhängigkeitserkrankung zu weniger spezifischen Zukunftsdenken neigen (low Future Thinking Specificity). Des Weiteren wird vermutet, dass die Kapazität des Arbeitsgedächtnisses hier eine wichtige Rolle spielt (welche bei Abhängigkeiten oft verringert ist). Ob dies tatsächlich der Fall ist, soll in dieser Studie geklärt werden. Menschen mit einer Abhängigkeitserkrankung zeigen darüber hinaus oft eine Präferenz für direkte Belohnungen, im Vergleich zu einer zukünftigen, aber größeren Belohnung (Delay Discounting genannt). Diese Neigung trägt zur Entstehung und dem Fortbestehen einer Abhängigkeit bei (Kollins, 2003; Reynolds, 2006). Es wird vermutet, dass diese Neigung vom Zukunftsdenken beeinflusst wird (Peters & Büchel, 2010). Ob dieser Zusammenhang zwischen Zukunftsdenken und Delay Discounting tatsächlich besteht, ist ebenfalls Gegenstand dieser Studie. Um die Hypothesen zu untersuchen, werden verschiedene kurze Tests bezüglich des Zukunftsdenkens, des Arbeitsgedächtnisses und des Delay-Discounting durchgeführt. Hierbei wird eine Gruppe, bestehend aus Patienten mit einer Alkohol- /Drogenabhängigkeit, mit einer Kontrollgruppe verglichen. Diese Kontrollgruppe besteht aus Studenten der Radboud Universität Nijmegen. Ziel der Untersuchung ist es, den Zusammenhang zwischen Abhängigkeit, Zukunftsdenken, Arbeitsgedächtnis und Delay Discounting zu verstehen. Dies könnte dazu beitragen, die hohe Rückfallgefahr bei Suchterkrankungen besser zu verstehen und effektivere Behandlungsmethoden zu entwickeln.

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Studiendetails

Studienziel Es handelt sich bei dieser Studie, um eine Studie im Bereich der psychologischen Grundlagenforschung (nicht-experimentell, nicht-invasiv). Die Daten eines jeden Teilnehmers werden innerhalb einer einzigen Sitzung erhoben (es findet keine weiteren Treffen statt). Gemessen werden die folgen Eigenschaften: Stimmung: Der Einfluss negativer Stimmung auf die Spezifität des Zukunftsdenkens wurde in verschiedenen Studien bestätigt. Um diesen Einfluss auf die Messergebnisse berücksichtigen zu können, wird der Beck Depressions-Inventar, 2. Auflage (BDI-II; Beck, Steer & Brown, 1996) eingesetzt. Dieser Fragebogen besteht aus 21 Fragen (Likert-Skala 0-3) und erfasst den Schweregrad depressiver Symptome. Arbeitsgedächtniskapazität: Um die Kapazität des Arbeitsgedächtnisses zu messen, wird ein computergestützter 2-back Test (Jaeggi, Buschkuehl, Perrig, & Meier, 2010) eingesetzt. Auf einem Bildschirm werden eine Reihe von einzelnen Buchstaben nacheinander und nur für einen kurzen Augenblick präsentiert. Teilnehmer müssen entscheiden, ob der aktuelle Buchstabe derselbe ist, wie der vorletzte Buchstabe. Die Anzahl der Fehler bzw. die Fehlerfreiheit dient zur Einschätzung der Kapazität des Arbeitsgedächtnisses. Future Thinking Specificity: Eine deutsche Version des Autobiographical Memory Test Future (AMT-f; Kleim, Graham, Fihosy, Stott & Ehlers, 2014), wird bei Teilnehmern der Abhängigkeitsgruppe eingesetzt, um die Spezifität des Zukunftsdenkens zu messen. Hierbei werden 6 positive und 6 negative Wörter (einzeln) präsentiert. Die Teilnehmer müssen nach jedem Wort ein persönliches Zukunftsereignis nennen. Diese sollen möglichst spezifisch formuliert werden. Zu Auswertungszwecken, werden die Antworten mit einem Audioaufnahmegerät aufgezeichnet und anschließend transkribiert. Anstatt des AMT-f, wird die deutsche und niederländische Version des Sentence Completion for Events of the Future Test (SCEFT; Raes, Hermans, Williams & Eelen, 2009) der Kontrollgruppe vorgelegt. Dies wird damit begründet, dass der SCEFT für eine Studentenpopulation geeigneter ist (höhere Sensitivität als der AMT-f in dieser Population). Darüber hinaus kann der SCEFT zur Online-Datenerhebung eingesetzt werden, da die Anwesenheit eines Versuchsleiters nicht notwendig ist. Der SCEFT besteht aus 11 Satzanfängen (z.B. „Wenn ich jetzt schon daran denke, dass…"). Teilnehmer müssen die Satzanfänge mit potenziellen Zukunftsereignissen vervollständigen. Antworten beider Tests werden bezüglich ihrer Spezifität bewertet. Delay Discounting: Der Monetary-Choice Questionnaire (MCQ; Kirby, Petry & Bickel, 1999) wird eingesetzt, um den individuellen Grad des Delay Discountings (Discounting-Rate) zu ermitteln. Es müssen 27 hypothetische Entscheidungen getroffen werden. Die Teilnehmer haben hierbei die Wahl zwischen einem kleinen, sofortigen Geldgeschenk oder einem größeren, zukünftigen Geldgeschenk. Die Discounting-Rate wird durch den Indifferenzpunkt wiedergegeben. Dieser beschreibt den Wert, bei welchem eine Person beginnt kleinere, sofortige Geschenke, einem größeren, zukünftigen Geschenk vorzuziehen. Drug Screening Questionnaire: Um bei der Auswertung der Ergebnisse, den Einfluss von Alkohol-/Drogenkonsum innerhalb der Kontrollgruppenteilnehmer einbeziehen zu können, wurde der Drug Screening Questionnaire (DSQ) entwickelt. Die Teilnehmer müssen auf einer Liste angeben, wie häufig sie eine bestimmte Substanz im letzten Jahr konsumiert haben (nie, ein oder zwei Mal, monatlich, wöchentlich, täglich/fast täglich). Anschließend muss der Zeitpunkt des letzten Konsums angegeben werden (heute, gestern, in den letzten 7 Tagen, in den letzten 30 Tagen, in den letzten 90 Tagen, in den letzten 180 Tagen, vor mehr als 180 Tagen, nie). Abschließend werden die Teilnehmer gefragt, ob und wenn ja von welcher Substanz sie jemals abhängig waren und ob sie momentan Medikamente (aus medizinischen Gründen) einnehmen. Demographische Daten: Die Teilnehmer werden gebeten die folgenden Angaben zu machen: Alter, Geschlecht, Familienstand, Bildungsgrad, bestehende psychische Erkrankungen und aktuelle Medikamenteneinnahme. Teilnehmer der Abhängigkeitsgruppe werden zudem gefragt, von welcher Substanz sie abhängig sind/waren und wann sie zum letzten Mal Alkohol oder Drogen konsumiert haben. Für Teilnehmer der Kontrollgruppe sind die letzten beiden Punkte in in dem separaten Drug Screening Fragebogen aufgenommen.
Status Teilnahme bald möglich
Zahl teilnehmender Patienten 40
Stationärer Aufenthalt Keiner
Finanzierungsquelle Radboud University Nijmegen: Sozialwissenschaftliche Fakultät/Faculty of Social Sciences

Kostet die Teilnahme Geld?

Alle während der Studie durchgeführten Behandlungen und Untersuchungen sind für Sie kostenfrei.

Teilnahme­voraussetzungen

Einschlusskriterien

  • Es gibt 2 Gruppen (1. Abhängigkeitsgruppe; 2. Kontrollgruppe). Für jede Gruppe werden 20 Teilnehmer rekrutiert (männlich/weiblich, im Alter zwischen 18 und 65 Jahren).
  • Bei den Teilnehmern der Abhängigkeitsgruppe muss eine der folgenden Abhänigkeitserkrankungen diagnostiziert sein (F10.2, F11.2, F13.2, F14.2, F15.2, F16.2 ,F18.2, F19.2). Desweiteren müssen sie deutschsprachig sein und sich aktuell in Behandlung bei der LVR-Klinik Bonn befinden.
  • Teilnehmer der Kontrollgruppe müssen die deutsche oder niederländische Sprache beherrschen und Studenten an der Radboud University Nijmegen sein.

Ausschlusskriterien

  • Reine Cannabisabhängigkeit (ICD 10: F12.2) zählt zu den Ausschlusskriterien, da in Studien keine Langzeitschädigung des Arbeitsgedächtnisses gefunden wurde (Crean, Crane & Mason, 2011)
  • Weniger als 30 Tage abstinent: In Folge einer Entgiftungsbehandlung können kognitive Fähigkeiten noch einige Tage oder Wochen eingeschränkt sein. Um den Einfluss einer vorangegangenen Entgiftung zu minimieren, müssen Patienten der Abhängigkeitsgruppe mindestens 30 Tage abstinent sein, um an der Studie teilnehmen zu dürfen.

Adressen und Kontakt

LVR Klinik, Bonn

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Häufig gestellte Fragen

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Ziel der Untersuchung ist es, mehr Einblick in den Zusammenhang zwischen Abhängigkeit, Future Thinking Specificity, Arbeitsgedächtniskapazität und Delay Discounting zu erlangen. Es wird untersucht, ob (1) ein Unterschied bzgl. der Future Thinking Specificty zwischen Menschen mit einer Abhängigkeitserkrankung und einer Kontrollgruppe besteht. Anschließend wird untersucht, ob (2) die Kapazität des Arbeitsgedächtnisses einen Mediator, in der Beziehung zwischen Abhängigkeit und Future Thinking Specificity, darstellt. Zum Schluss wird untersucht, ob (3) Future Thinking Specificty einen Mediator, in der Beziehung zwischen Abhängigkeit und Delay Discounting, darstellt. Um diese Fragen zu beantworten, werden die benötigten Daten mit Hilfe verschiedener Fragelisten und eines kognitiven Arbeitsgedächtnistests (2-back task) erhoben. Die Ergebnisse könnten dazu beitragen, die hohe Rückfallgefahr bei Suchterkrankungen besser zu verstehen und effektivere Behandlungsmethoden zu entwickeln.

Quelle

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