Beschreibung der Studie

In Deutschland sterben pro Jahr ca. 10.000 Menschen durch einen Suizid – das sind 28 Suizide pro Tag oder 1 Suizid alle 52 Minuten. In einem psychiatrischen Behandlungssetting ist das Thema Suizidalität allgegenwärtig und Patienten mit akuten suizidalen Gedanken oder nach Suizidversuchen werden standardmäßig stationär eingewiesen und behandelt. Dennoch gibt es kaum wissenschaftlich untersuchte Interventionen und Leitlinien für die Behandlung von suizidalen Patienten und zudem auf Seiten der Behandler aufgrund der Brisanz der Thematik häufig ein großes Unwohlsein und Ängste im Umgang mit suizidalen Patienten. Anlässlich der akuten Gefährdung bei Suizidalität bedarf es jedoch unmittelbar wirksamer Interventionen, sodass es sinnvoll erscheint, sich mit suizidalen Tendenzen, unabhängig von der zugrundeliegenden Grunderkrankung, zu befassen, mit dem Ziel, diese zu verstehen und so wirksam behandeln zu können. Das „Collaborative Assessment and Management of Suicidality“ (CAMS) ist ein von David A. Jobes in den USA entwickeltet Suizidpräventionsansatz und stellt einen Versuch dar, den verschiedenen Schwierigkeiten und Herausforderungen in der Behandlung von suizidalen Patienten angemessen zu begegnen, indem es suizidales Verhalten explizit zum Thema der Therapie macht. Das CAMS kann als ein "therapeutisches Rahmenprogramm" verstanden werden, in dem ein Interventionsprozess zur Veränderung der Ursachen und Gründe für suizidale Gedanken eingeleitet wird und Behandlungsfehler reduziert werden sollen. Die vorliegende Studie ist die erste Studie zum CAMS in Deutschland und soll die Wirksamkeit des (ursprünglich für den ambulanten Kontext entwickelten) CAMS im Setting einer Kriseninterventionsstation überprüfen. Dazu werden 60 Patienten, die aufgrund von akuten suizidalen Gedanken oder Handlungen stationär aufgenommen werden, in die Studie eingeschlossen und zufällig einer der beiden Behandlungsbedingungen (CAMS oder der üblichen stationären Krisenbehandlung (TAU)) zugewiesen. Beide Therapiearme erhalten die gleiche Dosis an therapeutischen Gesprächen. Die Veränderungen der Suizidalität sowie weiterer assoziierter Störungsbereiche (depressive Symptome, allgemeine Symptombelastung, Gründe für das Leben, therapeutische Beziehung, Zufriedenheit mit der Behandlung) werden zum Zeitpunkt der Aufnahme, zum Abschluss der Behandlung sowie 4 Wochen und 5 Monate nach der Behandlung mit Hilfe von standardisierten Fragebögen erhoben.

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Studiendetails

Studienziel Veränderung der Suizidalität gemessen mit der Beck- Suizidgedanken-Skala (BSS) Die Erhebung erfolgt zum Zeitpunkt der Aufnahme (Prä), bei Entlassung aus der Behandlung (Post), 4 Wochen nach der Behandlung (FU-1) und 5 Monate nach der Behandlung (FU-2).
Status Rekrutierung abgeschlossen, follow up läuft noch
Zahl teilnehmender Patienten 60
Stationärer Aufenthalt Keiner
Studientyp Interventionell
Kontrolle Wirksame Behandlung
Finanzierungsquelle Evangelisches Klinikum Bethel, Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie

Kostet die Teilnahme Geld?

Alle während der Studie durchgeführten Behandlungen und Untersuchungen sind für Sie kostenfrei.

Teilnahme­voraussetzungen

Einschlusskriterien

  • akute suizidale Gedanken oder Handlungen (innerhalb der letzten 7 Tage)
  • weitgehend fließend deutsche Sprache
  • Zustimmung zur Teilnahme

Ausschlusskriterien

  • chronisch suizidale Patienten (für unsere Studie definiert als: innerhalb der letzten 12 Monate in Summe mehr als 12 Wochen stationäre Behandlung oder in den letzten 12 Monaten mehr als 6 Male stationär aufgenommen)
  • Unterbringung nach Psych-KG oder BGB
  • aktuell psychotische Symptome (auch im Rahmen einer depressiven Grunderkrankung) sowie Patienten, die innerhalb der letzten 12 Monate an einer Psychose gelitten haben
  • Essstörung mit BMI < 16
  • aktuelle Substanzabhängigkeit (sowohl Substanzmissbrauch als auch eine frühere Substanzabhängigkeit sind keine Ausschlusskriterien!)
  • Patienten mit diagnostizierter Intelligenzminderung
  • Patienten, die stationäre Eingliederungshilfe erhalten, d.h. in einer betreuten Wohnform leben
  • Patienten mit einer organisch bedingten psychischen Erkrankung
  • geplante unmittelbare stationäre oder teilstationäre Weiterbehandlung
  • Patienten, bei denen bereits klar ist, dass sie nur sehr kurz zur Krisenintervention bleiben (Studienpatienten müssen mind. 10 Tage in der stationären Behandlung, um die Behandlung in einem ausreichenden Umfang durchführen zu können)

Adressen und Kontakt

An dieser Studie können Sie leider nicht mehr teilnehmen. Hier finden Sieaktuelle Affektive Störung-Studien.

Häufig gestellte Fragen

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Diese RCT-Studie hat zum Ziel, die Wirksamkeit einer strukturierten Intervention zur Suizidprävention, dem "Collaborative Assessment and Management of Suicidality" (CAMS) (CAMS + SIC) (SIC = standard inpatient care) im Vergleich zu einer „Treatment As Usual“ (TAU + SIC) von stationär aufgenommenen Patienten zu untersuchen, die zum Zeitpunkt der Aufnahme suizidale Gedanken oder Verhaltensweisen aufweisen. Haupthypothese: Wir nehmen an, dass sich das Ausmaß der Suizidalität von suizidalen Patienten nach einer Intervention mit CAMS signifikant stärker verringert als nach einer Intervention mit TAU. Nebenhypothesen: a. Wir nehmen an, dass CAMS bei suizidalen Patienten zu einer signifikant stärkeren Verringerung ihrer Depressivität und der allgemeinen Symptombelastung führt und zu einer Zunahme der berichteten Gründe für das Leben als nach TAU. b. Wir gehen davon aus, dass die therapeutische Beziehung sowie die Zufriedenheit mit der stationären Behandlung von den Patienten nach CAMS signifikant besser eingeschätzt wird als nach TAU. Es handelt sich beim CAMS um ein in Deutschland neues Verfahren für eine relativ schwer zu behandelnde und bisher wenig systematisch behandelte Patientengruppe mit einem bestehenden hohen Gefährdungspotenzial. Das angewandte Verfahren kann eine Lücke in der Behandlung von akut suizidalen Patienten schließen. Im Fall einer Wirksamkeit des CAMS könnten die Patienten somit besser behandelt und zukünftige Suizidversuche und hoffentlich auch Suizide in ihrer Anzahl verringert sowie stationäre Wiederaufnahmen verhindert werden. Außerdem könnten durch eine Etablierung des Verfahrens auch Unsicherheiten auf Seite der Therapeuten in der Behandlung von suizidalen Patienten abgebaut werden und diesen der Zugang zu längerfristig wirksamen Behandlungen hierdurch erleichtert werden.

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