Beschreibung der Studie

Übergewicht und Adipositas, definiert als über das Normalmaß hinausgehende Anhäufung von Körperfett, zählen wegen ihres hohen Vorkommens (10%) und nicht zuletzt wegen zahlreicher körperlicher und seelischer Begleiterkrankungen zu den aktuell schwerwiegendsten Gesundheitsproblemen im Kindesalter. Trotz des großen Bedarfs an langfristig effektiven Behandlungsmaßnahmen existieren bislang kaum Therapieempfehlungen mit wissenschaftlich belegter Wirksamkeit. Derzeit nur in spezialisierten Kliniken angebotene, zeit- und kostenintensive Therapieprogramme erwiesen sich für eine Gewichtsreduktion als mäßig wirksam. Es gibt Hinweise darauf, dass vor allem Schwierigkeiten, spontane Handlungsimpulse zu unterdrücken, einer erfolgreichen Gewichtsabnahme entgegensteuern. Aktuelle Studien deuten darauf hin, dass Kinder mit Übergewicht und Adipositas allgemeine und nahrungsbezogene Selbstkontrollschwierigkeiten sowie eine Fehlregulation des Belohnungssystems aufweisen. Die Schwierigkeiten äußern sich unter anderem im Auftreten von Essanfällen, in denen Kinder die Kontrolle über ihre Nahrungsaufnahme verlieren. Diese zugrunde liegenden Impulskontrollschwierigkeiten werden jedoch in derzeitigen Interventionen unzureichend berücksichtigt. Das Elektroenzephalogramm (EEG)-Neurofeedback ist eine Form des Biofeedbacks, bei dem die Gehirnwellen in Echtzeit auf einem Computerbildschirm sichtbar gemacht werden. Ziel während des EEG-Neurofeedback-Trainings ist es, durch Rückmeldung (Feedback) die Gehirnaktivität willentlich zu verändern, d.h. in einen bestimmten Zielbereich zu trainieren. Das EEG ist ein häufig angewendetes, nicht-invasives, absolut schmerzfreies Verfahren zur Aufzeichnung der Hirnstromaktivitäten, die über Elektroden an der Kopfhaut aufgenommen werden. Aus zahlreichen Studien zur Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) ist bekannt, dass EEG-Neurofeedback Impulsivität, Unaufmerksamkeit und Hyperaktivität signifikant verringern kann. Aufgrund der Verbreitung der Adipositas und ihrer psychischen und körperlichen Folgeprobleme ist es von vordringlicher Relevanz, neue Interventionen wie das EEG-Neurofeedback als spezifische Behandlungsoption zu erforschen. Wenn sich das EEG-Neurofeedback als wirksam erweist, könnte es als (zusätzliche) Intervention in der Gewichtsreduktionsbehandlung von Kindern eingesetzt werden. Das Ziel der vorliegenden Studie ist daher, die Machbarkeit, Akzeptanz und Wirksamkeit von EEG-Neurofeedback bei Kindern mit Übergewicht und nahrungsbezogener Impulsivität zu überprüfen. Dazu erhalten die 8- bis 13-jährigen Studienteilnehmer in 10 Sitzungen über die Dauer von 6 Wochen ein EEG-Neurofeedback-Training. Dabei werden für jedes Kind individuell Bilder von spezifischen Nahrungsmitteln verwendet, die gewöhnlich ein hohes Verlangen auslösen. Die Wirksamkeit des Verfahrens wird einerseits an der Veränderung der EEG-Frequenzbandaktivitäten und andererseits an einer Verminderung der Impulsivität und Essstörungssymptome bemessen. Dafür wird vor Therapiebeginn und zum Therapieende eine ausführliche Diagnostik durchgeführt.

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Studiendetails

Studienziel Veränderung der EEG-Frequenzbandaktivitäten: Vergleich der EEG-Frequenzbandaktivität zwischen Therapiebeginn und Therapieende
Status Teilnahme möglich
Zahl teilnehmender Patienten 20
Stationärer Aufenthalt Keiner
Studientyp Interventionell
Finanzierungsquelle Nachwuchswissenschaftlerprogramm der Medizinischen Fakultät, Universität Leipzig
Weitere Informationen Studienwebseite

Kostet die Teilnahme Geld?

Alle während der Studie durchgeführten Behandlungen und Untersuchungen sind für Sie kostenfrei.

Teilnahme­voraussetzungen

Einschlusskriterien

  • Body-Mass-Index-Perzentil ≥ 90 oder Vorliegen von Essanfällen; ausreichende Sprachkenntnisse

Ausschlusskriterien

  • Schwere körperliche oder psychische Erkrankungen; neurologische Einschränkungen; Einnahme von Medikamenten mit Wirkung auf Exekutivfunktionen; Minderbegabung (IQ < 80); Teilnahme an einer anderen strukturierten Gewichtsreduktionsbehandlung

Adressen und Kontakt

Universitätsmedizin Leipzig, Integriertes Forschungs- und Behandlungszentrum AdipositasErkrankungen, Leipzig

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Übergewicht und Adipositas, definiert als über das Normalmaß hinausgehende Anhäufung von Körperfett, sind im Kindesalter hoch prävalent (10%) und weisen gemeinsame neurobehaviorale Korrelate mit psychischen Störungen auf, bei denen eine erhöhte Impulsivität und eine verminderte Inhibitionsfähigkeit eine Rolle spielen (z.B. Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung [ADHS] und Substanz-Gebrauchsstörungen). Da die Anwendung von EEG-Neurofeedback-Paradigmen große Effekte auf die Verminderung von Impulsivität und Stärkung der Inhibitionsfähigkeit bei Kindern mit ADHS zeigte, wird vermutet, dass EEG-Neurofeedback auch Kindern mit Übergewicht und nahrungsbezogener Impulsivität helfen könnte, Impulskontrollschwierigkeiten zu verringern. Einige Studien haben bereits gezeigt, dass Übergewicht und Adipositas mit veränderten EEG-Frequenzband-Aktivitäten einhergeht, vor allem bei der Präsentation von Nahrungsmitteln. Konsistent konnte eine Erhöhung der frontalen und zentralen Beta-Band-Aktivität bei jugendlichen und erwachsenen Frauen mit Übergewicht versus Normalgewicht abgebildet werden, sowohl bei der Durchführung allgemeiner neuropsychologischer als auch nahrungsspezifischer Aufgaben. Erhöhte Beta-Band-Aktivitäten bzw. Beta-Desynchronisation zeigten sich ebenfalls bei Erwachsenen mit Übergewicht und Binge-Eating-Störung im Ruhezustand als auch bei Präsentation von Nahrungsmitteln. Hinsichtlich erster Befunde zur Machbarkeit und Wirksamkeit von EEG-Neurofeedback im Übergewichts- und Essstörungskontext konnte bei Frauen mit gezügeltem Essverhalten gezeigt werden, dass ein EEG-Neurofeedback-Paradigma zur Reduktion der Beta-Band-Aktivität signifikant Überessenstendenzen verringerte. Eine erste Neurofeedback-Studie bei 12 Kindern und Jugendlichen mit Übergewicht im Alter zwischen 6 und 18 Jahren belegte die Machbarkeit eines Trainings der niedrigen Frequenzen zusätzlich zu einer Gewichtsreduktionstherapie, allerdings zeigte sich das Neurofeedback-Training nicht als effektiver als die Kontroll-Bedingung (Gewichtsreduktionstherapie ohne Neurofeedback-Training) in der Verbesserung der Essstörungspsychopathologie und Gewichtsreduktion. Insgesamt ist die Aussagekraft dieser Studie als begrenzt einzuschätzen, da bislang unklar bleibt, wie defizitär die Aktivität der niedrigen Frequenzbänder bei Kindern mit Übergewicht tatsächlich ist und wie relevant ein Training mit nicht-nahrungsbezogenem Stimulusmaterial ist. Zusammenfassend kann man festhalten, dass bislang Studien fehlen, die die Wirksamkeit evidenzbasierten EEG-Neurofeedbacks zur Verbesserung der Selbstregulationsdefizite von Kindern mit Übergewicht und nahrungsbezogener Impulsivität überprüfen. Das Ziel der vorliegenden Studie ist daher, die Machbarkeit, Akzeptanz und Wirksamkeit von EEG-Neurofeedback bei Kindern mit Übergewicht und Essanfällen zu untersuchen. Die Wirksamkeit des Verfahrens wird einerseits an der Veränderung der EEG-Frequenzbandaktivitäten und andererseits an einer Verminderung der Impulsivität und Essstörungspsychopathologie bemessen. Dazu wird als Intervention ein Beta-Paradigma eingesetzt, das auf den bisherigen EEG-Befunden bei Übergewicht und Adipositas und Essanfällen aufbaut. Hierbei soll die fronto-zentrale Betaband-Aktivität verringert werden. Zur Gewährleistung der Übertragbarkeit werden für das EEG-Neurofeedback Bilder von spezifischen Nahrungsstimuli verwendet, die gewöhnlich ein hohes Verlangen auslösen. Diese Stimuli werden nach der persönlichen Valenz der Teilnehmer ausgewählt. Das EEG-Neurofeedback wird in 10 Sitzungen über 6 Wochen durchgeführt. Vor Therapiebeginn und zum Therapieende wird eine ausführliche Diagnostik durchgeführt, um Prä-Post-Vergleiche zu ermöglichen.

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