Beschreibung der Studie

Die Behandlungszahlen der depressiven Störungen bei Männern und Frauen sind seit 1990 gestiegen. Laut offiziellen Zahlen sind Frauen häufiger als Männer von Depressionen betroffen. Frauen nehmen auch mehr psychiatrische Leistungsangebote in Anspruch. Seit einigen Jahren wird die Frage diskutiert, ob und inwieweit die geringere Depressionsprävalenz bei Männern darauf zurückzuführen ist, dass Männer andere Symptome als Frauen zeigen. Es wird vermutet, dass bei Männern Symptome wie Reizbarkeit, Aggression und Feindseligkeit die typischen Depressionszeichen wie Niedergeschlagenheit und Erschöpfung maskieren. Gegenwärtig ist nur wenig darüber bekannt, wie Männer eine Depression erleben, wie sie mit ihr umgehen und welche Angebote hilfreich sind. Im Rahmen dieser Mixed-Method-Studie sollen deshalb Männlichkeitskonstruktionen und deren Konsequenzen auf das psychische Gesundheitsverhalten umfassend untersucht werden. Das Ziel der Studie ist Grundlagen für die Entwicklung einer geschlechtergerechten psychiatrischen /psychotherapeutischen Versorgung zu schaffen. In einer Mixed-Method-Studie werden sowohl quantitative Daten über Fragebögen als auch qualitative Daten über Interviews erhoben. Das Projekt umfasst eine standardisierte Umfrage bei 250 Männern mit Depressionen oder Burnout. Im Anschluss werden mit einem Teil dieser Männer qualitative Interviews durchgeführt. Ergänzt werden diese Daten durch qualitative Interviews mit psychiatrischen Fachkräften. Somit wird sowohl die subjektive Sichtweise der Betroffenen als auch der Behandler in der Untersuchung berücksichtigt.

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Studiendetails

Studienziel Im Rahmen dieser explorativen Mixed-Method-Studie gibt es keinen primären Endpunkt. Diese Studie zielt auf eine Analyse der Männlichkeitskonstruktionen im Kontext depressiver Erkrankungen und deren Bedeutung für das psychosoziale Gesundheitshandeln von Männern ab.
Status Rekrutierung abgeschlossen, follow up abgeschlossen
Zahl teilnehmender Patienten 300
Stationärer Aufenthalt Keiner
Studientyp Epidemiologische Studie
Finanzierungsquelle Deutsche Forschungsgemeinschaft

Kostet die Teilnahme Geld?

Alle während der Studie durchgeführten Behandlungen und Untersuchungen sind für Sie kostenfrei.

Teilnahme­voraussetzungen

Einschlusskriterien

  • Männer im Alter von 18 bis 64 Jahren, die sich aufgrund einer depressiven Erkrankung oder Burnout in Behandlung befinden bzw. vor kurzem befanden

Ausschlusskriterien

  • Ausgeschlossen werden Patienten mit Adoleszenzkrise und Demenzerkrankungen. Des Weiteren sollen keine schwere internistische oder neurologische Erkrankung; keine Erkrankung aus dem schizophrenen Formenkreis, kein psychotisches Erleben; keine Erstdiagnose einer Suchterkrankung oder keine schwere Persönlichkeitsstörung vorliegen.

Adressen und Kontakt

An dieser Studie können Sie leider nicht mehr teilnehmen. Hier finden Sieaktuelle Affektive Störung-Studien.

Häufig gestellte Fragen

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Bei Frauen ist die Depressionsprävalenz gegenüber Männern verdoppelt, hingegen überwiegen Männer deutlich bei den Suiziden. Dieses ‚Genderparadox der Depression‘ deutet darauf hin, dass geschlechtsspezifische Unterschiede der zugrunde liegenden biopsychosozialen Prozesse in Diagnose und Behandlung depressiver Erkrankungen bei Männern unzureichend berücksichtigt werden. Der Einsicht in die Notwendigkeit angemessener psychiatrisch-psychotherapeutischer Hilfen steht ein mangelndes Wissen über Umgang und Hilfebedarf von Männern mit depressiven Erkrankungen gegenüber. Einzelne Studienbefunde zeichnen mit Bezug auf traditionelle Männlichkeitsideale ein eindimensionales Bild männlichen Gesundheitsverhaltens, das durch geringe Inanspruchnahme therapeutischer Angebote geprägt ist. Jenseits stereotyper Bilder ist wenig darüber bekannt, wie Männer im Kontext einer depressiven Erkrankung ihre Männlichkeit konstruieren, welche Ressourcen und Konflikte sie in Auseinandersetzung mit normativen Diskursen zu Männlichkeit oder Depression wahrnehmen und welche unterschiedlichen Strategien sie im Umgang mit der depressiven Symptomatik entwickeln. Es fehlen Erkenntnisse dazu, wie Hilfebedarfe von Männern in der psychiatrischen Versorgung wahrgenommen und berücksichtigt werden. Die Mixed-Method-Studie zielt auf eine Analyse der Männlichkeitskonstruktionen im Kontext depressiver Erkrankungen und deren Bedeutung für das psychosoziale Gesundheitshandeln von Männern. Zunächst werden Männlichkeitskonstruktionen von an Depression (bzw. an Burnout) leidenden Männern in ihrer Verknüpfung mit sozialen und gesundheitsbezogenen Faktoren erfasst und anhand einer latenten Klassenanalyse typologisiert. Hierauf aufbauend werden anhand qualitativer Verfahren Männlichkeitstypen hinsichtlich der subjektiven Sinnhaftigkeit des Gesundheitshandelns rekonstruiert. Die Befunde werden im Rahmen von Gruppendiskussionen mit betroffenen Männern kommunikativ validiert. Schließlich werden die subjektiven Wahrnehmungen und Bewertungen psychiatrischer Fachkräfte im Umgang mit Männern und Männlichkeit im Kontext depressiver Störungen untersucht. Vor dem Hintergrund ansteigender Behandlungszahlen für depressive Erkrankungen (inklusive Burnout) legt die Studie mit einer Analyse der Nutzer- und der professionellen Sicht auf männerspezifische Umgangsweisen und Hilfebedarfe eine empirische Basis für die Entwicklung einer die spezifischen Untergruppen berücksichtigenden, geschlechtergerechten psychiatrisch-psychotherapeutischen Versorgung. Das gendertheoretische Erkenntnisinteresse der Studie gilt der Analyse von Männlichkeitsentwürfen im Kontext von Depression sowie deren Verknüpfung mit individuellen Faktoren, diskursiven Gesellschaftskontexten sowie deren Veränderungspotenzial unter den Bedingungen sich wandelnder Geschlechterregimes. Mit der Analyse der Vielfältigkeit von Männlichkeitsentwürfen leistet die Studie einen wichtigen Beitrag zu einem differenzierten Bild ‚männlicher Depression‘.

Quelle

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