Beschreibung der Studie

Wir möchten untersuchen, ob bei Patienten, denen ein neues Hüftgelenk eingesetzt wird, eine Akupunktur die Entstehung oder die Ausprägung eines Delirs beeinflussen kann. Hierzu wird per Zufall einer Gruppe mit oder ohne vorheriger Akupunktur zugelost. Bei den Patienten in der Akupunktur Gruppe wird direkt vor dem Beginn der eigentlichen Operation eine Akupunktur an mehreren Körperstellen durchgeführt. Die oben genannte Akupunktur ist ein ostasiatisches Heilverfahren, bei dem therapeutische Wirkungen durch Nadelstiche an bestimmten Punkten des Körpers erzielt werden sollen. Patienten der Akupunkturgruppe erhalten vor Beginn der Narkose die Anlage der Akupunkturnadeln mit direkt folgender Elektrostimulation für 30 Minuten mit wechselnden Frequenzen (2Hz/100Hz) nach Toleranz und Akzeptanz des Patienten mit angepasster Stromstärke. Die Stimulationsstärke wird streng nach Toleranz des wachen Patienten auf 0-10V und 0-20 mA eingestellt. Als Toleranzniveau wird die individuelle, vom wachen Patienten noch als "aushaltbar" und angegebene Stromstärke gewählt. Es werden Frequenzen von 2Hz und 100 Hz im Wechsel verwendet (sog. HAN Mode). Nach Identifizierung der gewünschten Akupunkturpunkte nach den Meridianregeln der Traditionellen Chinesischen Medizin, erfolgt die ausführliche Desinfektion der zu punktierenden Areale. Die Nadeln werden in die Haut eingeführt, das Nadelgefühl De Qi bestätigt die korrekte Positionierung. Jede Nadel wird an das Elektrostimulationsgerät angeschlossen, unter langsamer Steigerung der Stimulationsstärke wird das akzeptable Toleranzniveau des Patienten ermittelt und festgehalten. Die elektrische Stimulation wird begonnen und für 30 Minuten aufrechterhalten. Danach werden die Nadeln komplikationslos entfernt. Patienten der Kontrollgruppe erhalten stattdessen 30 Minuten Ruhe. Anschließend wird unverzüglich mit der Einleitung der Narkose begonnen. Das, an der Operation beteiligte, anästhesiologische und operative Personal, besitzt keine Kenntnis darüber, in welcher der beiden Gruppen, Akupunkturgruppe oder Ruhegruppe, Sie sich befinden werden und ist nicht an der Studie beteiligt. Nach der Akupunktur wird die Narkose und die Operation wie geplant durchgeführt. Nach der Operation sowie 24 und 48 Stunden später wird ein Mitglied des Studienteams den Patienten auf Anzeichen eines Delirs mit Hilfe eines Fragebogens untersuchen. Diese Untersuchung nimmt in der Regel etwa fünf Minuten in Anspruch. Weder der Narkosearzt, noch das Mitglied des Studienteams wissen ob der Patient eine Akupunktur erhalten haben oder nicht.

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Studiendetails

Studienziel Inzidenz eines postoperativen Delirs nach Hüftgelenkersatz Präoperativ, bei Verlegung aus dem Aufwachraum und 24 und 48 h postoperativ erfolgt die Delireinschätzung nach der „Confusion Assessment Method“ für Intensivstationen (CAM-ICU)
Status Teilnahme bald möglich
Zahl teilnehmender Patienten 135
Stationärer Aufenthalt Keiner
Studientyp Interventionell
Finanzierungsquelle Knappschaftskrankenhaus Bochum-Langendreer

Kostet die Teilnahme Geld?

Alle während der Studie durchgeführten Behandlungen und Untersuchungen sind für Sie kostenfrei.

Teilnahme­voraussetzungen

Einschlusskriterien

  • Für die Studie werden Patienten mit elektiv geplantem endoprothetischenHüftgelenksersatz rekrutiert

Ausschlusskriterien

  • oAlter < 65 Jahren
  • oVorbestehende Demenz
  • oMedikamentöse Immunsuppression
  • oChronische Hauterkrankungen
  • oAblehnung durch Patienten
  • oVorherige Teilnahme an dieser Studie
  • oVorbestehende Suchterkrankung oder Psychose
  • oPatienten mit Herzschrittmacher und tiefer Hirnstimulation
  • oBestehende anticholinerge Medikation

Adressen und Kontakt

Klinik für Anästhesiologie, Intensivmedizin und Schmerztherapie, Knappschaftskrankenhaus Bochum

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Häufig gestellte Fragen

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Das postoperative Delir stellt gerad bei älteren Patienten ein häufiges Problem dar, dessen Ursachen noch weitgehend unerforscht sind, dessen Auswirkungen für die Patienten jedoch sehr schwerwiegend sein und in einigen Fällen sogar drastisch auf die Lebensqualität oder gar Lebenserwartung auswirken können. Die Inzidenz eines postoperativen Delirs bei älteren Patienten liegt bei 10-25%, bei totalendoprothetischem Hüftgelenkersatz bis zu 82%. Das postoperative Delir ist somit eine häufige, aber auch lebensbedrohliche Komplikation. Sie zeigt sich durch eine Funktionsstörung des Gehirns. Die Patienten leiden unter Orientierungslosigkeit, Unruhe, Halluzinationen oder Angstzuständen. Oft wird ein postoperatives Delir erst spät erkannt und/oder ein erfolgreiches Eingreifen erfolgt mit Verzögerung. Je mehr Zeit bis zur Diagnose verstreicht, desto aggressiver und riskanter muss die Therapie erfolgen. Je später dies geschieht, desto mehr erhöht sich die Lebensgefahr des Patienten. Aus früheren Studien ist bekannt, dass die Plasmaspiegel der neuronspezifischen Enolase (NSE) und S-100 β Protein mit einem postoperativen Delir korrelieren können. Ansonsten gibt es zur Diagnose bisher keine validen Labortests. Außer einer Vermeidungsstrategie möglicher auslösender Medikamente, gibt es somit keine sinnvollen präventiven konservativen Ansätze. Unter Betrachtung komplementärer Behandlungsstrategien zeigen aktuelle Studien diesbezüglich erfolgversprechende Ergebnisse. Eine aktuelle Metaanalyse unserer Arbeitsgruppe um Asmussen et al. konnte zeigen, dass bei neurochirurgischen Patienten unter zusätzlich zur Vollnarkose durchgeführter Akupunktur der Marker für eine mögliche Hirnschädigung „S100ß“ signifikant niedriger war als in den Kontrollgruppen mit Vollnarkose allein. Li et al. bestätigten diesen Effekt auf S100ß in einer Studie bei Senioren zum operativen Hüftgelenksersatz. Ein aktuelles Review von Liodden et al. zu ambulanten Operationen schlussfolgert ebenfalls, dass Patienten bzgl. Angst und perioperativen Delirs von einer zusätzlichen Akupunktur profitieren. Um eine schnelle Diagnostik und Therapie zu ermöglichen, ist es auch essenziell die genauen biochemischen Vorgänge bei einem Delir zu kennen. Eine wichtige Rolle bei der Entstehung eines postoperativen Delirs scheint sowohl die Neuroinflammation als auch cholinerge Rezeptoren, die auf die Neurotransmitter Acetylcholin und Butyrylcholin reagieren, zu spielen. Tierexperimentelle Studien belegen, dass eine Stimulation des Immunsystems während eines operativen Eingriffes die Bildung von TNF- α fördert und damit die Bluthirnschranke für Abwehrzellen wie z.B. Makrophagen permeabel wird, sodass eine Zellwanderung in den Hippocampus erfolgt. Dies kann in der Folge ein Delir auslösen. Die Aktivierung des nikotinischen Acetylcholinrezeptors 7 (nAChR7) hingegen führt zur Inhibition der TNF-α Freisetzung und kann somit ein Delir verhindern. Die Regulation der Expression der Acetylcholinesterase (ACHE), der Butyrylcholinesterase (BCHE) und des nAChR7 scheinen somit einen wichtigen Mechanismus darzustellen. Da Patienten nach Operationen über einen langen Zeitraum an kognitiven Defiziten leiden, scheinen längerfristige Änderungen in der Expression aufzutreten. Möglich scheint daher, dass Anästhetika durch epigenetische Prozesse Signalwege der Inflammation und den Acetylcholinesterasespiegel regulieren.

Quelle

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