Beschreibung der Studie

Halsschmerzen können durch eine Vielzahl unterschiedlicher Bakterien und Viren ausgelöst werden. Antibiotika werden insbesondere dann verschrieben, wenn der Verdacht auf eine Infektion mit Gruppe A Streptokokken (GAS) vorliegt. GAS können nämlich neben den Halsschmerzen schwere Folgeerkrankungen, besonders am Herzen, nach sich ziehen. GAS sind nur bei etwa 20 % der Halsschmerzpatienten nachzuweisen. Trotzdem erhalten mehr als 40% der Patienten Antibiotika, obwohl dies den Verlauf der akuten Erkrankung kaum verkürzt und die erwähnten Folgeerkrankungen heute in den westlichen Industrieländern nur noch extrem selten vorkommen. Andererseits nehmen Antibiotikaresistenzen insgesamt zu. Daher empfiehlt die Leitlinie „Halsschmerzen“ der DEGAM (Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin), die Patienten über den Spontanverlauf und den allenfalls mäßigen Effekt von Antibiotika aufzuklären. Antibiotika sollten nur verordnet werden bei schwereren Erkrankungen mit Zeichen einer Rachen-, beziehungsweise Mandelentzündung durch GAS bei der körperlichen Untersuchung. Rachenabstriche für einen GAS-Schnelltest in der Praxis oder einen GAS-Nachweis in einem Labor sollten nicht routinemäßig durchgeführt werden. Hypothese: Wir vermuteten, dass die aktive Implementierung der Original-DEGAM-Leitlinie in Hausarztpraxen die Antibiotikaverordnungsrate senkt gegenüber der üblichen Versorgung. Wir nahmen auch an, dass die aktive Implementierung einer modifizierten Leitlinienstrategie mit zusätzlicher Empfehlung zu einem Schnelltest auf GAS die Antibiotikaverordnungsrate weiter senkt, und das keine der beiden Strategien den Verlauf der Erkrankung verändern würde. Methoden: Studie mit drei Behandlungsgruppen: 1. Anwendung der DEGAM-Leitlinie, 2. Anwendung der modifizierten DEGAM-Leitlinie mit Standardregime für einen GAS-Schnelltest und 3. Kontrollgruppe. Das Hauptziel war die Ermittlung der Antibiotikaverordnungsraten in den drei Behandlungsarmen. Weitere Ziele waren die Erfassung der angewandten diagnostischen Tests, des Verlaufs der Erkrankungen, der Rate an GAS, der Art und Dauer von Antibiotikabehandlungen, der Empfehlung von Schmerzmitteln sowie der Beschwerden und Erwartungen der Patienten. Die Studie fand statt in Hausarztpraxen in Schleswig-Holstein. Sie wurden vom Studienteam besucht, eingewiesen in das Vorgehen in ihrem jeweiligen Studienarm und gebeten, je 10 Patienten mit „Halsschmerzen“ nach den Vorgaben zu behandeln. Sofort nach der Behandlung füllten die Ärzte einen einseitigen Fragebogen aus. Bei allen Patienten wurde ein Rachenabstrich zur Untersuchung auf GAS an der Universität Kiel durchgeführt, ohne dass die Ärzte das Ergebnis erfuhren. Die Patienten füllten noch in der Praxis einen kurzen Fragebogen zur Behandlung aus. Der Verlauf der Erkrankung wurde über ein Patiententagebuch erfasst.

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Studiendetails

Studienziel Rate der Antibiotkaverschreibungen bei Halsschmerzpatienten, ermittelt aus einem Arztfragebogen zur Konsultation
Status Rekrutierung abgeschlossen, follow up abgeschlossen
Zahl teilnehmender Patienten 570
Stationärer Aufenthalt Keiner
Studientyp Interventionell
Kontrolle Wirksame Behandlung
Finanzierungsquelle Universitätsklinikum Schleswig-Holstein Campus Kiel

Kostet die Teilnahme Geld?

Alle während der Studie durchgeführten Behandlungen und Untersuchungen sind für Sie kostenfrei.

Teilnahme­voraussetzungen

Einschlusskriterien

  • Erste Konsultation wegen der Hauptbeschwerde Hals- oder Schluckbeschwerden ≤14 Tage oder (z. B. bei Kleinkindern) dem Hauptbefund im Pharynxbereich, bei denen der Arzt eine infektiöse Genese vermutet
  • Patientenalter ≥ 2 Jahre
  • Patient mäßig bis stärker beeinträchtigt

Ausschlusskriterien

  • Hals- oder Schluckbeschwerden, aber nur leichte Beeinträchtigung
  • Andere gleichzeitige Erkrankung, die Antibiotika erfordert
  • Laufende Antibiotikabehandlung
  • Verdacht auf) Peritonsillarabszess
  • Verdacht auf) Scharlach
  • ARF (Akutes Rheumatisches Fieber) in der Eigen- oder Familienanamnese
  • Konsumierende Erkrankung oder Immunsuppression
  • Unzureichende Deutschkenntnisse

Adressen und Kontakt

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Häufig gestellte Fragen

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Einleitung: Halsschmerzen können durch eine Vielzahl unterschiedlicher Bakterien und Viren ausgelöst werden. Hauptgrund für Antibiotikaverordnungen bei Halsschmerzpatienten ist der Verdacht auf eine Pharyngitis durch Gruppe A Streptokokken (GAS). GAS lassen sich bei etwa 20% der Halsschmerzpatienten im Rachenabstrich nachweisen. Die Antibiotikaverschreibungsrate ist mindestens doppelt so hoch. Bei insgesamt zunehmenden Antibiotikaresistenzen und einem extremen Rückgang an Streptokokkenfolgekrankheiten in fast allen Industrieländern sind die Empfehlungen zur Antibiotikagabe bei Pharyngitis sehr heterogen. Die S3-Leitlinie „Halsschmerzen“ der DEGAM (Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin) empfiehlt, den Patienten über den Spontanverlauf und den allenfalls moderaten Effekt von Antibiotika aufzuklären. Antibiotika sollten nur bei schwereren Erkrankungen mit klinischen Zeichen einer GAS-Pharyngitis wie ein Centor oder McIsaac Score ≥ 3 verordnet werden. Rachenabstriche für einen GAS-Schnelltest (RADT) oder einen kulturellen GAS-Nachweis sollten nicht routinemäßig durchgeführt werden. Hypothese: Wir vermuteten, dass die aktive Implementierung der Original-DEGAM-Leitlinie die Antibiotikaverordnungsrate senkt gegenüber der üblichen Versorgung und dass die aktive Implementierung einer modifizierten Leitlinienstrategie mit Empfehlung zum Streptokokken A-Schnelltest die Antibiotikaverordnungsrate weiter senkt, jeweils ohne Änderung im klinischen Verlauf. Methoden: Offene pragmatische cluster-randomisierte kontrollierte Studie mit den drei Armen: 1. Anwendung der DEGAM-Leitlinie, 2. Anwendung der modifizierten DEGAM-Leitlinie mit Standardregime für einen GAS-Schnelltest und 3. Übliche Versorgung (Kontrollgruppe). Die primäre Zielgröße war die Antibiotikaverordnungsrate. Sekundäre Fragestellungen betrafen das diagnostische Procedere, den klinischen Verlauf, die Rate an GAS, Art der Antibiotikatherapie, Empfehlungen von Analgetika sowie Erwartungen der Patienten. Unter Annahme eines ICC von 0.05, einer Clustergröße von 10 Patienten pro Praxis und einer Dropout-Rate von 20% hätten wir 75 Praxen rekrutieren müssen, um den vermuteten Rückgang der Verschreibungsrate von 45% auf 25% signifikant zeigen zu können. Hausarztpraxen in Schleswig-Holstein wurden nach der Randomisierung vom Studienteam besucht, eingewiesen und gebeten, je 10 konsekutive Patienten ≥ 2 Jahre alt mit der Hauptbeschwerde „akute Halsschmerzen“ nach den Vorgaben ihres Studienarms zu behandeln. Bei allen Patienten wurde ein Rachenabstrich zur mikrobiologischen Untersuchung auf GAS an der Universität Kiel durchgeführt, ohne dass die Studienärzte das Ergebnis erfuhren. Sofort nach der Behandlung füllten die Ärzte einen einseitigen Fragebogen aus. Auch die Patienten füllten noch in der Praxis einen kurzen Fragebogen aus. Der klinische Verlauf wurde über ein Patiententagebuch erfasst.

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