Beschreibung der Studie

Patienten mit Hämophilie A leiden unter einem angeborenen Mangel an Gerinnungsfaktor VIII der durch verschiedene Mutationen im Faktor VIII Gen verursacht wird und mit einem erhöhten Blutungsrisiko einhergeht. In einigen Patienten führen bestimmte Punktmutationen (sogenannte Missensemutationen) dazu, dass das FVIII-Protein in den produzierenden Körperzellen falsch gefaltet wird. Daraufhin wird es in den Zellen zurückgehalten und nicht ins Blut abgegeben. Betroffene Patienten weisen daher verminderte FVIII-Spiegel im Blut auf. In vorklinischen Untersuchungen konnte das Aminosäurederivat Betain die Faltung und die Sekretion solch fehlgefalteter Faktor VIII-Proteine wiederherstellen und die FVIII-Spiegel erhöhen. In dieser klinischen Prüfung soll daher die Wirkung der oralen Einnahme von Betain auf die FVIII-Aktivität im Blut sowie weitere Gerinnungswerte in Patienten mit Hämophilie A untersucht werden. Es sollen bis zu 30 Patienten mit leichter bis mäßiger Hämophilie A in die Studie eingeschlossen werden, die eine bestätigte Missense-Mutation im FVIII-Gen haben und keine regelmäßige Faktor VIII-Gabe benötigen. Unserer Studie liegt die Vermutung zugrunde, dass Betain als orale Therapie in diesen Patienten zu einer Erhöhung der FVIII-Spiegel führen kann. Im Rahmen der klinischen Prüfung wird die aktive Substanz Betain (Handelsname Cystadane®) mit einem Placebo verglichen. Teilnehmende Patienten erhalten sowohl Betain als auch Placebo, um die Wirkungen von Betain besser vergleichen zu können. Die eine Patientengruppe nimmt zu Beginn das Studienpräparat Betain (3 g/2x täglich) für insgesamt 15 Tage ein. Nach einer Phase von 7 Tagen ohne Einnahmen erfolgt der Wechsel zu einer 15tägigen Einnahme von Placebo. Die andere Patientengruppe startet mit Placebo und wechselt nach der Einnahmepause zu Betain. In welcher Reihenfolge sie die Präparate erhalten, entscheidet ein Zufallsverfahren. Die Studie wird zudem einfach verblindet durchgeführt, so dass der Patient nicht weiß, ob er gerade Betain oder Placebo einnimmt. Um die Wirkungen von Betain messen zu können, sind 16 Visiten im Hämophiliezentrum Frankfurt notwendig, an denen Blutentnahmen durchgeführt werden. Im Labor werden neben den Faktor VIII-Spiegeln im Blut weitere Gerinnungswerte sowie Sicherheitsparameter bestimmt.

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Studiendetails

Studienziel FVIII-Aktivität (FVIII:Akt [one stage], FVIII:C [chromogen]) Zeitpunkte Blutentnahme: Screening Tag Start IMP(Investigational Medicinal Product)-Einnahme (U1: 0h, nach 2 und 4h) Tag 1 nach Start IMP-Einnahme (U2) Tag 3 nach Start IMP-Einnahme (U3) Tag 7 nach Start IMP-Einnahme (U4) Tag 14 nach Start IMP-Einnahme (U5) Tag 1 nach Start Auswaschphase (U6) Tag 3 nach Start Auswaschphase (U7) Tag 7 nach Start Auswaschphase (U8) Tag Start IMP2-Einnahme (U9: 0h, nach 2 und 4 h) Tag 1 nach Start IMP2-Einnahme (U10) Tag 3 nach Start IMP2-Einnahme (U11) Tag 7 nach Start IMP2-Einnahme (U12) Tag 14 nach Start IMP2-Einnahme (U13) Tag 1 nach Ende IMP2-Einnahme (U14) Tag 3 nach Ende IMP2-Einnahme (U15)
Status Teilnahme bald möglich
Studienphase 3
Zahl teilnehmender Patienten 30
Stationärer Aufenthalt Keiner
Studientyp Interventionell
Kontrolle Placebo
Finanzierungsquelle Hämophiliezentrum, Institut für Transfusionsmedizin, Medizinische Klinik III, Goethe Universitätsklinikum

Kostet die Teilnahme Geld?

Alle während der Studie durchgeführten Behandlungen und Untersuchungen sind für Sie kostenfrei.

Teilnahme­voraussetzungen

Einschlusskriterien

  • Männliche Patienten mit Hämophilie A im Alter von 18 - 70 Jahren
  • ohne Nachweis eines Antikörpers gegen den Gerinnungsfaktor VIII
  • Hemmkörpers) mit mittelschwerer (FVIII-Gehalt von 1 – 5 %) oder
  • milder Hämophilie A (Faktor VIII über 5 %).
  • Informed consent unterschrieben
  • Keine Notwendigkeit zur regelmäßigen, prophylaktischen Therapie
  • mit einem Faktor VIII-Präparat.
  • Bei den Patienten bekanntermaßen vorliegende Compliance

Ausschlusskriterien

  • Patienten ohne Hämophilie A oder Patienten mit Hämophilie A in einem Alter von unter 18 Jahren bzw. über 70 Jahren.
  • Bekannte Betain-Unverträglichkeit oder Überempfindlichkeit oder Unverträglichkeit gegen andere Bestandteile des Präparats oder
  • Zusammensetzung des Placebos
  • Vorgeschichte eines Hirnödems
  • Nicht geschäftsfähige Patienten
  • Teilnahme an einer anderen Studie
  • Jegliche nötige Begleitmedikation, die laut Fachinformation einer Einnahme von Betain entgegensteht.

Adressen und Kontakt

Hämostaseologie/Hämophiliezentrum, Institut für Transfusionsmedizin, ZIM-Med II, Goethe Universitätsklinikum, Frankfurt/Main

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Häufig gestellte Fragen

In unserem übersichtlichen Ratgeber finden Sie alle Antworten zu Fragen über klinische Studien.

Ratgeber öffnen

Hämophilie A ist eine X-chromosomal vererbare Störung der Blutgerinnung, die zu einer Defizienz des Gerinnungsfaktors VIII im Plasma führt und kann durch verschiedene Mutationen im Faktor VIII (FVIII)-Gen verursacht werden. Missense-Mutationen führen häufig zu fehlgefalteten FVIII-Proteinen, die intrazellulär im endoplasmatische Retikulum zurückgehalten und abgebaut werden. Transport und Sekretion dieser FVIII-Muteine aus der produzierenden Zelle sind beeinträchtigt, die Funktionalität des Proteins bleibt aber erhalten. Betroffene Patienten zeigen eine FVIII-Restaktivität im Plasma. So genannte chemische Chaperone haben das Potenzial die native Konformation von intrazellulären Proteinen zu stabilisieren und die Faltung und Sekrtetion der fehlgefalteten Proteine wiederherzustellen. Präklinische Studien konnten kürzlich zeigen, dass das Osmolyte-Betain als chemisches Chaperon fungiert und die Sekretionseffizienz von FVIII Proteinen mit Missense-Mutationen in vitro und in vivo steigern kann (Roth et al., 2012). Betain ist unter dem Handelsnamen Cystadane® zur Behandlung der Hyperhomocysteinämie von der EMA zugelassen und wird in der vorliegenden klinischen Prüfung in einer anderen Indikation eingesetzt. Wir stellen die Hypothese auf, dass Betain als therapeutisches Konzept zur Verbesserung der Faltung, Prozessierung und Sekretion von missgefaltetem FVIII bei Patienten mit Hämophilie A verwendet werden kann. Eine daraus resultierende Steigerung der FVIII-Plasmaspiegel könnte das Blutungsrisiko bei diesen Patienten reduzieren. Zielgruppe der Studie sind Patienten mit leichter bis mäßiger Hämophilie A aufgrund einer bestätigten Missense-Mutation im FVIII-Gen ohne Notwendigkeit einer regelmäßigen Faktor-Substitution. Die Studie ist als einfach verblindete, randomisierte, 2-armige, Placebo-kontrollierte Cross-Over Studie konzipiert. Die Studiendauer beträgt zwei Jahre. Es sollen insgesamt 30 Patienten eingeschlossen werden. Jeder Patient wird für 40 Tage in die Studie eingeschlossen. Die Patienten werden in zwei Arme aufgeteilt. Arm1 nimmt für 15 Tage Betain (Cystadane®, 2 x 3 g/täglich, oral) ein. Nach einer Auswaschphase von 7 Tagen erfolgt der Wechsel auf Placebo für weitere 15 Tage. Arm 2 erhält zunächst Placebo, dann nach Auswaschphase Betain. Primärer Endpunkt ist der Effekt von Betain auf die FVIII-Aktivität im Plasma. Als sekundäre Endpunkte werden weitere Gerinnungs- und Sicherheitsparameter untersucht. Ziel der Studie ist es, zu überprüfen, ob eine regelmäßige Betain-Einnahme die FVIII-Aktiviät verändert und eine orale Therapieoption für Hämophilie-Patienten mit Missense-Mutationen aufzeigen könnte.

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