Beschreibung der Studie

Der „akute idiopathische Hörverlust“ ist ein Hörsturz ungeklärter Ursache. Therapeutisch kommt meist nur eine Behandlung mit Kortison in Frage. Andere medikamentöse Therapieansätze sind wissenschaftlich umstritten. Immer häufiger werden alternative Behandlungsmethoden angeboten, die teilweise jedoch einer wissenschaftlichen Bewertung nicht unterzogen worden sind. Da individuelle Behandlungserfolge Grund zu der Annahme geben, dass gewisse Akupunkturpunkte beim Hörsturz und Tinnitus wirksam sind und die Beschwerdesymptomatik deutlich verbessern, möchten wir mit dieser Studie klären, inwieweit sich eine Akupunkturbehandlung eignet, die Beschwerden beim akuten Hörsturz mit Tinnitus wirksam zu behandeln. Um eine möglichst hohe wissenschaftliche Aussagekraft der Untersuchung zu erreichen, gibt es insgesamt drei Gruppen in dieser Studie. Eine Gruppe erhält eine Akupunkturbehandung mit einer der Diagnose entsprechend wirksamen Punktekombination. Eine zweite Gruppe erhält eine Akupunktur mit einer der Diagnose entsprechend unwirksamen Punktekombination. Die dritte Gruppe erfasst Patienten, die nach der Kortisontherapie keine Akupunktur erhalten. Die Zuordnung zu der jeweiligen Gruppe erfolgt nach dem Zufallsprinzip Gemessen wird die Hörleistung mittels Hörtest. Im Rahmen des Hörtest wird ebenfalls eine Verdeckungsmessung durchgeführt um den Tinnitus besser zu kategorisieren, ein so genanntes Tinnitus-Masking. Darüber hinaus wird die empfundene Beeinträchtigung durch die Symptome des Hörsturzes und Tinnitus auf einer visuellen Skala sowie mittels Fragebögen evaluiert.

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Studiendetails

Studienziel Veränderungen in der subjektiv empfundenen Gesamtbeeinträchtigung durch die Symptome des Tinnitus und Hörsturzes mittels der visuellen Analogskala (VAS). Tests werden durchgeführt: bei initialer Vorstellung, nach stattgehabter 14 tägiger Prednisolontherapie (2 Wochen nach Erstvorstellung), nach erfolgter Akupunktur (4 Wochen nach Erstvorstellung) Zum Zeitpunkt der Nachuntersuchung 8 Wochen nach Erstvorstellung
Status Teilnahme möglich
Studienphase 4
Zahl teilnehmender Patienten 90
Stationärer Aufenthalt Keiner
Studientyp Interventionell
Placebo Ja
Finanzierungsquelle HNO Klinik Heidelberg

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Teilnahme­voraussetzungen

Einschlusskriterien

  • Akuter idiopathischer Hörverlust mit Tinnitus
  • Schriftliche Einverständniserklärung
  • Kenntnis der Deutschen Sprache
  • Alter mindestens 18 Jahre
  • initiale, geplante oder laufende, Therapie mit Kortison nach Standard der HNO-Klinik Heidelberg

Ausschlusskriterien

  • Chronisch rezidivierender Hörverlust
  • Chronischer Tinnitus
  • Bekannte Koagulopathie oder gerinnungshemmende Therapie mit Blutungszeit über 4 Minuten, Thrombozyten < 50.000/µl
  • Fehlende Compliance
  • Hauterkrankungen im Akupunkturbereich, die eine Akupunktur nicht zulassen
  • Akute neuropsychiatrische Störungen
  • Analgetika-, Opiat- oder Drogenabhängigkeit
  • Unfähigkeit, den Instruktionen im Rahmen der Studie zu folgen (mangelnde Sprachkenntnis, Demenz)
  • Teilnahme an einer anderen klinischen Studie
  • Laufendes rentenbezogenes Entschädigungs- oder Widerspruchsverfahren
  • Spezifische Immuntherapie (in Behandlung)
  • Schwangerschaft
  • Malignome in der Anamnese
  • Kortisontherapie vor Studienbeginn (aufgrund anderer Erkrankungen)
  • Nickelallergie
  • Silikonallergie

Adressen und Kontakt

HNO, Heidelberg

Ansprechpartner: Prof. Dr. Serkan Sertel

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Heidelberg

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Häufig gestellte Fragen

Ethikkommission Heidelberg Studie S-198/2017 Ziele der Studie: Vergleich der Wirkung von Verum-, Kontroll-Akupunktur und medikamentöser Therapie bei akutem idiopathischen Hörverlust mit Tinnitus Design: Prospektive, randomisierte, doppelt-verblindete (Patient- und Untersucher-verblindete), 3-armige klinische Studie im Parallelgruppen-Vergleich. Hauptzielkriterium: Veränderungen in der subjektiv empfundenen Gesamtbeeinträchtigung durch die Symptome des Tinnitus und Hörsturzes mittels der visuellen Analogskala (VAS). Nebenzielkriterien: Veränderungen der frequenzabhängigen Hörempfindung werden mithilfe eines Tonaudiogramms messbar. Die Frequenz und Tonhöhe wird mit einem Tinnitus-Masking ermittelt. Eine subjektive Einschätzung der Beeinträchtigung der Lebensqualität wird mit dem Tinnitus Handycap Inventory Fragebogen (THI) erfasst. Die Beeinflussung von Verhaltensweisen werden im Tinnitus Fragenbogen nach Goebel und Hiller (TF) erfasst. Der Patient Health Questionnaire (PHQ-9) untersucht den Depressionswert.

Klinische Studien werden durchgeführt, um die Sicherheit und Wirksamkeit von Medikamenten, medizinischen Geräten oder Verfahren nachzuweisen. Sie untersuchen, welche Behandlungsmethode sich am besten zur Therapie einer bestimmten Erkrankung oder Gruppe von Betroffenen eignet. Vor der Marktzulassung müssen alle neuen Behandlungsmethoden einer Reihe von klinischen Prüfungen unterzogen werden.

Klinische Studien bilden die Voraussetzungen für neue Behandlungsmöglichkeiten. Die Ergebnisse klinischer Studien treiben den medizinischen Fortschritt. Sie geben Ärzten das Wissen darüber wie Behandlungen eingesetzt werden und für wen sie sich am besten eignen. Nur durch den Einsatz der freiwilligen Teilnehmer können Studien erfolgreich abgeschlossen werden. Die teilnehmenden Patienten bekommen auch die Möglichkeit sehr früh von einer neuen Behandlung zu profitieren. Es dauert nämlich durchschnittlich 12 Jahre bis eine neue Behandlung öffentlich verfügbar wird. Alle Behandlungen und Medikamente, die Patienten derzeit nutzen, wurden im Rahmen klinischer Studien erprobt, um sicherzugehen, dass diese sicher sind und wirken.

Damit sichergestellt wird, dass nur diejenigen Betroffenen an der Studie teilnehmen, die am wahrscheinlichsten davon profitieren, werden Sie von dem Studienarzt umfassend untersucht. Dieser Vorgang wird als Screening bezeichnet und findet, vor einer möglichen Studienteilnahme, in dem jeweiligen Studienzentrum statt. Dazu gehört auch ein Gespräch mit dem Studienarzt, welches Sie umfassend über die Studie aufklärt und Ihnen die Möglichkeit gibt, Fragen zu stellen. Je nach Studie sind zusätzliche Untersuchungen (z.B. Labor oder Ultraschall) notwendig, um zu bestimmen, ob Sie an der Studie teilnehmen können.

Es gibt verschiedene Gründe, an klinischen Studien teilzunehmen. Durch Ihre Teilnahme leisten Sie einen wertvollen Beitrag zur medizinischen Forschung. Sie erhalten Zugang zu neuartigen Behandlungsmethoden, die sich möglicherweise besser für Ihre Erkrankung eignen, als bisherige Ansätze. Darüber hinaus könnten Sie von der intensiven und individuellen medizinischen Betreuung in den Studienzentren profitieren. Die Teilnahme an einer klinischen Studie eröffnet vielen Betroffenen eine neue Perspektive, ihre gesundheitliche Situation verbessern zu können.

Klinische Studien werden durchgeführt, weil noch nicht alle Einzelheiten über ein Medikament, medizinisches Gerät oder Verfahren bekannt sind. Es besteht die Möglichkeit, dass Sie nicht von der Studienteilnahme profitieren. Alle potenziellen Risiken werden vor Studienbeginn mit Ihnen ausführlich im Studienzentrum besprochen. So können Sie für sich den möglichen Nutzen sorgfältig gegen eventuelle Risiken abwägen. Sie können bei den Gesprächen so viele Fragen stellen, bis Sie sich sicher für oder gegen eine Teilnahme entscheiden können.

Sie können Ihre Teilnahme an einer klinischen Studie jederzeit und ohne Angabe von Gründen beenden.

Die bei der Studie gesammelten Informationen dürfen nur zu Forschungszwecken verwendet werden. Ihre Informationen werden in einer verschlüsselten Form gespeichert, die zu keiner Zeit einen Rückschluss auf Ihre Person erlaubt. Lediglich Ihr Studienarzt hat die Möglichkeit, die Informationen zu entschlüsseln. Falls die Studienergebnisse im Rahmen von Präsentationen oder Veröffentlichungen verwendet werden, werden Sie niemals namentlich erwähnt. Auch wird niemandem ohne Ihr schriftliches Einverständnis mitgeteilt, dass Sie an der Studie teilnehmen bzw. teilgenommen haben.

Nachdem eine neue Behandlungsmethode zugelassen wurde, werden Studien der Phase 4 durchgeführt, um noch mehr darüber zu erfahren. Sie können beispielsweise dazu dienen, um den Nutzen sowie mögliche Risiken zu bestätigen. Dabei wird die Studie unter den Bedingungen durchgeführt, die auch in der alltäglichen Behandlung vorherrschen. An der Studie nehmen deshalb oft mehrere hundert bis tausend Patienten teil. Die Teilnahme kann sich über mehrere Jahre erstrecken. Der Phase 4 sind Studien der Phase 1-3 vorhergegangen, in denen die neue Methode bereits an hunderten bis tausenden Gesunden und Betroffenen auf Wirksamkeit und Sicherheit geprüft wurde.

Bei einem Placebo handelt es sich um ein Scheinmedikament. Es ist äußerlich meist nicht von einem richtigen Medikament zu unterscheiden, enthält jedoch keinen Wirkstoff. Placebos werden häufig in Studien eingesetzt. Sie helfen dabei, den Nutzen einer neuen Behandlungsmethode besser abzuschätzen. Zu diesem Zweck wird der Effekt der neuen Behandlungsmethode mit dem eines Placebos verglichen. Auf diese Weise ist es möglich den Effekt, der tatsächlich durch den Wirkstoff der neuen Methode hervorgerufen wird, zu bestimmen. Dieser lässt sich so gut von psychologischen Effekten abgrenzen, die beispielsweise durch die Erwartung des Betroffenen an eine bestimmte Behandlung auftreten.

Die Ergebnisse von klinischen Studien beeinflussen die Behandlungsmethoden, mit denen Betroffene in der Gegenwart und der Zukunft behandelt werden. Daher ist es wichtig, zuverlässige Ergebnisse zu erhalten. Um zuverlässige Ergebnisse zu erhalten, müssen Studien sorgfältig geplant werden. Dazu gehört, dass die Teilnehmer vor Beginn in verschiedene Gruppen eingeteilt werden und genau definiert wird, wie die Gruppen behandelt werden. Auf diese Weise können Behandlungsmethoden unter gleichen Bedingungen miteinander verglichen werden. So kann im Anschluss der Studie eine Aussage darüber gefällt werden, welche der eingesetzten Behandlungsmethoden für die untersuchte Fragestellung am besten geeignet ist. Unabhängig davon, welcher Gruppe die Teilnehmer angehören, werden Sie intensiv durch das Studienpersonal betreut.

Damit man sich auf Studienergebnisse verlassen kann, müssen Studien möglichst vor äußeren Einflussfaktoren geschützt werden, die zu einer Verfälschung der Ergebnisse führen könnten. Zu den Einflussfaktoren gehören zum Beispiel das Alter oder der Schweregrad einer Erkrankung. Eine wichtige Methode, um die Auswirkung solcher Einflussfaktoren zu minimieren, ist die Randomisierung. Darunter versteht man, dass die Zuteilung zu den verschiedenen Teilnehmergruppen zufällig erfolgt. Das heißt, dass weder die Teilnehmer noch der Arzt einen Einfluss darauf haben, welcher Gruppe ein Teilnehmer zugeordnet wird. Durch die zufällige Zuteilung wird dafür gesorgt, dass sich die Einflussfaktoren gleichermaßen auf die Gruppen auswirken. So wird zum Beispiel verhindert, dass einer Gruppe nur die weniger stark betroffenen zugeteilt werden. In diesem Fall wäre es nicht möglich, die beiden Gruppen zuverlässig miteinander zu vergleichen.

Quelle: Deutsches Register Klinischer Studien