Beschreibung der Studie

Die Stigmatisierung von Menschen mit psychischen Erkrankungen scheint trotz einiger Aufklärungskampagnen in Deutschland weiterhin zuzunehmen. Insbesondere in den Medien werden psychische Störungen häufig im Kontext Aufregung erregender Verbrechen oder Unfälle berichtet. Bezüglich des Flugzeugabsturzes in Frankreich im März 2015 blieb bisher unbeachtet, welche unmittelbaren Auswirkungen mediale Berichterstattungen mit potenziell stigmatisierendem Inhalt auf Menschen mit Depression, d.h. mit dem entsprechenden stigmatisierten Merkmal, haben können. Im Rahmen unserer Studie soll nun untersucht werden, wie Personen mit Depression auf solche Medienberichte reagieren und inwiefern persönliche Ressourcen negative Medieneffekte abpuffern können. Hierzu bekommen Personen, die im Laufe ihres Lebens mindestens eine depressive Episode durchlebt haben, die Aufgabe am Computer zwei kurze Fernsehberichte anzuschauen. Bei dem ersten Video handelt es sich um einen Bericht zum Vogel des Jahres 2016. Im zweiten Video wird ein Bericht aus den Nachrichten gezeigt, der zufällig aus drei zur Verfügung stehenden Berichten ausgewählt wurde (z.B. eine Naturkatastrophe, eine Flugzeugkatastrophe oder ein Kongress mit Bezug zu Depression). Sie werden außerdem gebeten, unterschiedliche Fragebögen auszufüllen, deren Ergebnisse mit ihrer Reaktion auf die Fernsehberichte in Verbindung gesetzt werden sollen.

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Studiendetails

Studienziel Ausmaß der Selbststigmatisierung erhoben mit deutschem Fragebogen der Self Stigma of Depression Scale und deutscher Übersetzung der Self-Stigma of Mental Illness Scale direkt nach Anschauen des Videos.
Status Teilnahme möglich
Zahl teilnehmender Patienten 180
Stationärer Aufenthalt Keiner
Studientyp Interventionell
Finanzierungsquelle Zentrum für Psychologische Psychotherapie Mannheim; Zentralinstitut für Seelische Gesundheit Mannheim

Kostet die Teilnahme Geld?

Alle während der Studie durchgeführten Behandlungen und Untersuchungen sind für Sie kostenfrei.

Teilnahme­voraussetzungen

Einschlusskriterien

  • mindestens eine depressive Episode lifetime, ausreichend kognitive Fähigkeiten und deutsche Sprachkenntnisse

Ausschlusskriterien

  • akute psychotische Symptomatik, akute Suchtsymptomatik, akute Manie oder Hypomanie, akute Suizidalität

Adressen und Kontakt

Zentralinstitut für Seelische Gesundheit, Mannheim

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Die Stigmatisierung von Menschen mit psychischen Erkrankungen scheint trotz einiger Aufklärungskampagnen in Deutschland weiterhin zuzunehmen (Angermeyer, Matschinger, & Schomerus, 2013). Folgt man der Definition von Erving Goffman (1963), kommt der medialen Berichterstattung in diesem Zusammenhang eine zentrale Bedeutung zu (Stout, Villegas, & Jennings, 2004; Stuart, 2006). Er definiert “stigma as a mark (attribute) that links a person to undesireable characteristics (stereotypes)” (Goffman, 1963). Neben sachlichen Informationen werden psychische Störungen häufig im Kontext Aufregung erregender Verbrechen oder Unfälle in den Medien berichtet (Aragonès et al., 2014). Insbesondere bezüglich des Flugzeugabsturzes in Frankreich im März 2015 sind vermehrt Nachrichten mit Stigmatisierungsbezug veröffentlicht worden: Conrad von Heydendorff, Meyer-Lindenberg & Dreßing (2016) haben in 64,1% der entsprechenden Printmedien eine „riskante Berichterstattung“ und in 31,5% der verbleibenden Texte mindestens einen Hinweis expliziter Stigmatisierung gefunden. Gerade zu diesem Fall hat es etliche Leserbriefe (z.B. Bavendamm, 2015) und Expertenmeinungen (Gurris, 2015) gegeben, welche die potenziell stigmatisierenden Berichte kritisieren. Für die entstandene Diskussion über mögliche Auswirkungen von medialer Berichterstattung mit stigmatisierendem Bezug zu Depressionen liegt derzeitig keine ausreichende empirische Grundlage vor. Im Gegensatz zu den Ereignissen in den frühen 1990ern als die Anschläge auf Oskar Lafontaine und Wolfgang Schäuble einen deutlichen Anstieg von Stigmatisierung hervorgerufen hatten, scheinen sich von 2014 bis 2015 nach dem Flugzeugunglück die Einstellungen in der Allgemeinbevölkerung in Deutschland nicht maßgeblich verändert zu haben (Knesebeck et al., 2015). Unbeachtet blieb bezüglich des Flugzeugabsturzes bis dato, welche unmittelbaren Auswirkungen mediale Berichterstattungen mit stigmatisierendem Inhalt auf Menschen mit Depression, d.h. mit stigmatisiertem Merkmal, haben können. Corrigan und Watson (2002) erweitern Goffmans Stigma-Modell durch die Perspektive der Personengruppen, die stigmatisiert werden. Sie gehen davon aus, dass die Wahrnehmung kollektiver stigmatisierender Annahmen bei Personen mit stigmatisiertem Merkmal zur Selbststigmatisierung führen kann. Dieser Zusammenhang liegt insbesondere dann vor, wenn sich die Personen mit dem stigmatisierten Merkmal identifizieren können und gleichzeitig die Stigmatisierung für legitim halten. Selbststigmatisierung steht wiederum in negativem Zusammenhang mit Wohlbefinden (Cruwys & Gunaseelan, 2016), Lebensqualität, Aufsuchen von professioneller Unterstützung, allgemeiner Leistungsfähigkeit und Selbstwert (Picco et al., 2016) sowie in positivem Zusammenhang mit suizidalem Verhalten (Campo-Arias & Herazo, 2015). Stigmatisierung geht demnach nicht nur mit negativem Empfinden einher, sie reduziert gleichzeitig die Wahrscheinlichkeit, dass eine entsprechend hilfreiche Behandlung wahrgenommen wird. Für eine erfolgreiche Genesung nimmt die Behandlung psychischer Krankheiten jedoch eine Schlüsselrolle ein. Selbststigmatisierung sollte daher bei Betroffenen reduziert werden. Es stellt sich die Frage, wie Menschen mit Depression die Reaktion der Allgemeinbevölkerung auf stigmatisierende mediale Berichterstattungen wie im Falle des Flugzeugabsturzes im März 2015 wahrnehmen, inwiefern mediale Berichterstattungen die Selbststigmatisierung beeinflussen und welche weitere Einflussfaktoren bestehen? Eine entsprechend experimentelle Studie liegt bisher nicht vor. Die geplante Studie soll sich dieser Forschungslücke widmen. Im Rahmen eines Quasi-Experiments soll untersucht werden, wie Personen mit Depression auf Medienberichte reagieren, die sich auf negative Ereignisse im Zusammenhang mit Depressionen beziehen. Zudem soll erfasst werden, inwiefern persönliche Ressourcen negative Medieneffekte abpuffern. Drei wesentliche Ziele werden mit dieser Studie verfolgt: (1) Der Zusammenhang zwischen stigmatisierender medialer Berichterstattung, Selbststigmatisierung und affektiver Reaktion sowie verschiedener protektiver Faktoren wird untersucht. (2) Die Ergebnisse der Studie können als empirische Grundlage für die weitere Diskussion bezüglich der Kommunikation in den Medien über negative Ereignisse dienen. (3) Auf der Grundlage der Ergebnisse können gezielt Interventionen zur medialen Berichterstattung, für Patienten (zum Umgang mit schlechten Nachrichten in den Medien, zur Bewältigung von Nachrichten mit Stigmatisierungsbezug) und für die Allgemeinbevölkerung (z.B. Aufklärungsprogramme) entwickelt werden.

Quelle

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