Beschreibung der Studie

Akuter Schmerz hat für uns eine wichtige Warnfunktion und führt selbst in unserer komplexen Umgebung zu einer Verschiebung der Aufmerksamkeit hin zum Schmerz. Dadurch ist es z.B. gewährleistet, dass wir unsere Hand schnell von einer potentiellen Gefahrenquelle (bspw. Herdplatte) wegziehen. Da unsere Aufmerksamkeitskapazität aber nur begrenzt ist, und die Wahrnehmung von Schmerz einen Teil dieser Aufmerksamkeit bindet, können andere Hirnleistungsfunktionen (z.B. Lernen, Gedächtnis) zum Teil negativ beeinflusst werden. Bei gesunden Probanden ist dieses Phänomen bereits recht gut untersucht. Es gibt jedoch kaum Informationen darüber, welchen Einfluss diese Aufmerksamkeitsverschiebung bei Patienten mit chronischen Schmerzen hat. Die Studie soll daher prüfen, ob sich die Leistungsbeeinträchtigung durch experimentelle Schmerzreize für Patienten mit chronischen Schmerzen (Rückenschmerzen, Migräne) von gesunden Kontrollpersonen unterscheidet. Hierzu führen die Patienten/Probanden (60 pro Gruppe) eine Lern- und Gedächtnisaufgabe durch, bei der Bilder entweder ohne oder mit elektrischen Schmerzreizen dargeboten werden. Die Schmerzreize werden entweder am unteren Rücken oder an der Stirn verabreicht. Wir vergleichen nach Abschluss der Studie, ob sich die Gedächtnisleistungen für Bilder in Abhängigkeit der schmerzhaften Stimulation zwischen den Gruppen unterscheiden. Weiterhin wird mittels Kernspintomographie überprüft, ob die Funktion oder Struktur des Hirns den Einfluss von Schmerz auf die Leistung der Probanden beeinflusst.

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Studiendetails

Studienziel Gemittelte Reaktionszeiten (ms) für korrekt kategorisierte Bilder (Kategorisierungsaufgabe) und Gedächtnisleistung (d- prime, recollection und familiarity Parameter; Rekognitionsaufgabe) für neutrale Bilder, die entweder (1) mit elektrischer Schmerzstimulation am unteren Rücken, (2) elektrischer Schmerzstimulation an der Stirn oder (3) ohne Schmerzstimulation dargeboten werden. Gruppenvergleich: (1) Patienten mit chronischen Schmerzen am Rücken (Lendenwirbelsäule), (2) Patienten mit chronischer Migräne und (3) gesunde Kontrollprobanden. Interaktionseffekte: Gruppe x Stimulation
Status Teilnahme möglich
Zahl teilnehmender Patienten 180
Stationärer Aufenthalt Keiner
Studientyp Interventionell
Finanzierungsquelle Deutsche Forschungsgemeinschaft

Kostet die Teilnahme Geld?

Alle während der Studie durchgeführten Behandlungen und Untersuchungen sind für Sie kostenfrei.

Teilnahme­voraussetzungen

Einschlusskriterien

  • 1) Alter 18 bis 80 Jahre
  • 2) Freiwillige, informierte Zustimmung zur Studienteilnahme
  • 3) Chronische Rückenschmerzen im Lendenwirbelbereich (low back pain) oder chronische Migräne-Kopfschmerzen (jeweils seit mehr als 3 Monaten; für Migräne: Migräneattacken an mindestens 15 Tagen im Monat); gesunde Kontrollpersonen (bzgl. Schmerzpatienten gematcht in Alter, Geschlecht, Bildung)

Ausschlusskriterien

  • 4) Teilnahme an anderen medikamenten-assoziierten Studien
  • 5) manifeste, schwere Depression oder Angststörung
  • 6) Schwangerschaft, Stillzeit
  • 7) Medikamenten-induzierter Kopfschmerz (MOH)
  • 8) andere chronische Schmerzerkrankungen außer der zu untersuchenden Erkrankung
  • insb. radikuläre Schmerzen, neuropathische Schmerzen)
  • 9) Einnahme hochdosierter Opioide
  • 10) Kontraindikation für eine MRT-Untersuchung, z.B.
  • Herzschrittmacher oder andere magnetisierbare Substanzen im Körper
  • MR-inkompatible metallische Fremdkörper
  • Klaustrophobie

Adressen und Kontakt

Universitätsklinik Essen AöR, Essen

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Häufig gestellte Fragen

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Die geplante Studie soll die Interferenz experimentell induzierter Schmerzreize bei Patienten mit chronischen Schmerzen quantifizieren und mit gesunden Probanden vergleichen. Es wird zudem untersucht, ob sich die Störfunktion von experimentellen Schmerzen in Abhängigkeit der Schmerzerkrankung unterscheidet. Dazu ist ein 3x3 - Design geplant, in dem 2 Patientengruppen (chronische Migräne, chronischer unspezifischer Rückenschmerz im Lendenwirbelsäulenbereich) und eine gesunde Kontrollgruppe untersucht werden. Alle Probanden/Patienten (60 pro Gruppe) führen ein experimentelles Paradigma (Kategorisierung und Rekognition) durch, in welchem Sie in einigen Durchgängen eine schmerzhafte Elektrostimulation an der Stirn (Versorgungsgebiet V1) oder am unteren Rücken (L3-L5) erhalten. Primäre Outcomes sind Reaktionszeitdifferenzen und Unterschiede in der Gedächtnisleistung für Bilder, die mit Schmerzreizen dargeboten wurden im Vergleich zu Bildern, die ohne Schmerzreize präsentiert wurden. Die Outcomes werden mit dem Allgemeinen Linearen Modell auf Interaktionseffekte zwischen dem Innersubjektfaktor „Stimulation“ und dem Zwischensubjektfaktor „Gruppe“ getestet. Wir nehmen an, dass Patienten mit chronischen Schmerzen im Vergleich zu gesunden Kontrollpersonen eine stärker ausgeprägte Störfunktion von experimentell induziertem Schmerz aufweisen (Haupteffekt Gruppe), insbesondere dann, wenn die Schmerzreize am betroffenen Körperteil appliziert werden (Interaktionseffekt Gruppe x Stimulation). Es werden mittels anschließender Magnet-Resonanz-Tomographie-Untersuchung (Morphometrie, resting state MRT) mögliche strukturelle und funktionelle Prädispositionen der interindividuellen Variabilität schmerzbedingter kognitiver Beeinträchtigungen untersucht. Weiterhin werden relevante psychologische Faktoren (z.B. kognitive Leistungsfähigkeit, negative Erwartung der Störfunktion, attentional pain bias) geprüft, die mit einer verstärkten Störfunktion bei Patienten einhergehen könnten.

Quelle

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