Beschreibung der Studie

Informelle soziale Netzwerke (ISN) werden bzgl. ihres Einflusses auf den Krankheitsverlauf sowie des Zugangs zur und Koordination der Gesundheitsversorgung unterschätzt bzw. unzureichend berücksichtigt, obgleich sie eine wichtige Bewältigungsressource bei psychischen Störungen darstellen. Insofern ergibt sich der Einbezug von ISN in die Versorgung im Sinne der Stärkung sozialer Kontexte und hierin enthaltener potentiale sozialer Unterstützung und Bewältigungskompetenzen als eine wichtige Komponente der psychosozialen Versorgung von Personen mit psychischen Störungen. Diese Relevanz dürfte sich vor allem bei Personen mit depressiven Störungen – bei welchen die Erkrankung mit einem sozialen Rückzug verbunden ist – sowie bei Personen mit einer emotional instabilen Persönlichkeitsstörung vom Borderline-Typ – bei welcher die Neigung zu instabilen sozialen Beziehungen als diagnostisches Kernkriterium gilt – entfalten. Systematische Erkenntnisse über die Beschaffenheit von ISN bei Personen mit depressiven Störungen und Personen mit einer emotional instabilen Persönlichkeitsstörung vom Borderline-Typ stehen bislang allerdings weitestgehend aus. Entsprechende Erkenntnisse wären allerdings dringend notwendig, um Betroffene sowie ihre ISN bei der Krankheitsbewältigung im Rahmen der psychosozialen Versorgung zu unterstützen. Vor diesen Hintergründen ist das Ziel des vorliegenden Forschungsvorhabens ISN von Personen mit depressiver Störung oder emotional instabiler Persönlichkeitsstörung vom Borderline-Typ systematisch zu erfassen, hinsichtlich ihrer Sozialstruktur formal zu beschreiben und ggf. unterschiedliche Typen von ISN und deren Verbindung zu Potentialen sozialer Unterstützung zu analysieren. Die Studie ist als explorative Querschnittstudie mittels standardisierter telefonischer Interviews an ehemaligen Patientinnen und Patienten der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie des Universitätsklinikums Freiburg konzipiert.

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Studiendetails

Studienziel Es handelt sich um eine explorative Pilotstudie. Insofern werden keine primären und sekundären Endpunkte, sondern primäre und sekundäre Zielstellungen ausgegeben. Als primäre Zielstellung sollen informelle soziale Netzwerke (ISN) von Personen mit depressiven Störungen (ICD-10 F32.xx und F33.xx) und/oder emotional instabiler Persönlichkeitsstörung vom Borderline-Typ (ICD-10 F60.31) systematisch erfasst und hinsichtlich ihrer Sozialstruktur formal beschrieben werden. Die Struktur der ISN wird mittels eines standardisierten telefonischen Interviews erhoben, welches an Instrumente der allgemeinen sozialwissenschaftlichen (Wellmann 1979; Burt 1984; Fischer 1991) und der psychiatrischen (Stosberg 1999; Clifton et al. 2007; Hoffmann 2015) Netzwerkforschung angelehnt ist. Insbesondere werden Generatoren zur - anonymisierten - Erhebung von Netzwerkpersonen und soziodempgraphischen (bspw. Alter, Geschlecht) sowie beziehungsrelevanten (bspw. Rolle, Erreichbarkeit) Aspekten zu den Netzwerkpersonen und die Vernetzung der Netzwerkpersonen untereinander erfragt. Hinsichtlich der formalen Beschreibung der ISN fassen relationale Kennzahlen globale Merkmale der Vernetzung (z.B. Dichte, Multiplexität) zusammen. Merkmale von Netzwerkpartnerinnen und -partnern (sog. Alteri) gehen dabei in aggregierter Form zur weiteren Deskription der ISN ein (bspw. Homogenität oder Heterogenität der ISN).
Status Teilnahme möglich
Zahl teilnehmender Patienten 150
Stationärer Aufenthalt Keiner
Studientyp Beobachtungsstudie
Finanzierungsquelle Universitätsklinikum FreiburgKlinik für Psychiatrie und PsychotherapieAG Psychotherapie- und Versorgungsforschung

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Teilnahme­voraussetzungen

Einschlusskriterien

  • In die Studie eingeschlossen werden über 18 Jahre alte Patientinnen und Patienten mit der Primärdiagnose einer depressiven Störung (F32.xx bzw. F33.xx) sowie über 18 Jahre alte Patientinnen und Patienten mit der Primärdiagnose einer emotional instabilen Persönlichkeitsstörung vom Borderline-Typ (F60.31), welche im Zeitraum vom 01.07.2012 bis zum 30.06.2016 aus der stationären Behandlung an der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie des Universitätsklinikums Freiburg entlassen wurden. Weiterhin muss mindestens ein stationärer Aufenthalt im oben angegebenen Zeitraum eine Mindestdauer von sieben Tagen aufgewiesen haben. Die Mindestaufenthaltsdauer wird zum einen gefordert, da sich die geplante Studie auf Patientinnen und Patienten mit regulärer stationärer Behandlung beziehen soll. Kürzere Aufnahmen sind häufig Kriseninterventionen, die z.T. unfreiwillig erfolgen und eine Sondersituation darstellen und deshalb im Rahmen dieser Studie nicht berücksichtigt werden. Zum anderen wird die Mindestaufenthaltsdauer gefordert um sicherzustellen, dass alle in die Studie eingeschlossenen Patientinnen und Patienten eine adäquate Diagnostik durchlaufen haben und insofern eine Sicherung der genannten Zieldiagnosen gegeben ist. Weitere Voraussetzung zur Studienteilnahme ist, dass die Patientinnen und Patienten bei ihrem letzten stationären Aufenthalt im oben angegebenen Zeitraum in der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie des Universitätsklinikums Freiburg den im Rahmen der medizinischen Dokumentation ausgegebenen Entlassfragebogen ausgefüllt und hierbei der Kontaktaufnahme für Forschungszwecke nicht widersprochen haben. Zudem müssen die Patientinnen und Patienten über ausreichend Deutschkenntnisse zur Durchführung der standardisierten telefonischen Interviews verfügen und einwilligungsfähig sein.

Ausschlusskriterien

  • Ausgeschlossen werden Patientinnen und Patienten unter 18 Jahren sowie diejenigen mit einer von den aufgeführten Zieldiagnosen abweichenden Primärdiagnose. Weiterhin werden Patientinnen und Patienten ausgeschlossen, welche im Rahmen ihres letzten stationären Aufenthaltes an der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie des Universitätsklinikums Freiburg im genannten Zeitraum den Entlassfragebogen nicht ausgefüllt oder der Kontaktaufnahme für Forschungszwecke widersprochen haben. Außerdem werden Patienten ausgeschlossen, welche bei keinem ihrer stationären Aufenthalte im Referenzzeitraum eine Aufenthaltsdauer von sieben oder mehr Tagen hatten. Weitere Ausschlusskriterien liegen nicht vor.

Adressen und Kontakt

Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie, Freiburg im Breisgau

Ansprechpartner: Dr. phil. Fabian Frank

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Häufig gestellte Fragen

Informelle soziale Netzwerke (ISN) sind Beziehungsgeflechte, die sich in Kommunikations- und Austauschprozessen zwischen verschiedenen Akteuren einer sozialen Struktur konstituieren (Aderhold, 2004). Schon 2012 kritisierte eine Stellungnahme im JAMA, dass die Bedeutung von ISN bzgl. des Einflusses auf den Krankheitsverlauf sowie des Zugangs zur und Koordination der Gesundheitsversorgung unterschätzt bzw. unzureichend berücksichtigt wird (Wolff, 2012), obgleich ISN – auch bei Personen mit psychischen Störungen – über die Mitbeeinflussung der Motivation zur Inanspruchnahme von Versorgungsleistungen sowie von Versorgungsentscheidungen und Informationsflüssen einen wichtigen Versorgungsknotenpunkt darstellen dürften (Wolff, 2012; Loos et al., 2013). Zudem stellen ISN eine wichtige Bewältigungsressource bei psychischen Störungen dar (Klauer et al., 2001) und auch eigene Arbeiten zeigen, dass ISN eine Vielzahl an Unterstützungsleistungen erbringen (Frank et al., 2011; Frank et al., 2015; Hoffmann, 2015). Insofern ergibt sich der Einbezug von ISN in die Versorgung im Sinne der Stärkung sozialer Kontexte und hierin enthaltener potentiale sozialer Unterstützung und Bewältigungskompetenzen als eine wichtige Komponente der psychosozialen Versorgung von Personen mit psychischen Störungen. Diese Relevanz zeigt sich insbesondere bei Personen mit depressiven Störungen sowie Personen mit einer emotional instabilen Persönlichkeitsstörung vom Borderline-Typ. So sind bei depressiven Störungen Rückfälle (DGPPN et al., 2015) sowie nach stationären Aufenthalten Rehospitalisierungen (Bitzer et al., 2011) häufig und ca. 20% der Betroffenen entwickeln einen chronischen Verlauf (Spijker et al., 2002; Gilmer et al., 2005). Dabei stellen die potentiell mit ISN verbundenen Aspekte einer geringen sozialen Integration, einer geringen sozialen Unterstützung oder negative soziale Interaktionen zentrale Risikofaktoren für negative Krankheitsverläufe und Chronifizierungen dar (Hölzel et al., 2011). Gleichzeitig ist bei Personen mit depressiven Störungen in Folge der Erkrankung häufig ein – oft auch beidseitiger – sozialer Rückzug zu verzeichnen (DGPPN et al., 2015), welcher negativ auf die Konstitution von ISN und die vorgenannten Aspekte wirken dürfte. Bzgl. der emotional instabilen Persönlichkeitsstörung vom Borderline-Typ gilt die Neigung zu instabilen sozialen Beziehung als diagnostisches Kernkriterium (Agrawal et al., 2004). Insbesondere familiale ISN sind durch gespaltene Bündnismuster, unzureichende Kommunikation sowie fehlende Bindungen gekennzeichnet und versagen daher oftmals die Funktion als holding-environment (Ruiz-Sancho & Gunderson, 2000), was in Linehans (2008) Konzept der invalidierenden Umgebung ätiologisch gewürdigt wird. Eine erste systematische Netzwerkanalyse von ISN bei Personen mit emotional instabiler Persönlichkeitsstörung vom Borderline-Typ konnte nachweisen, dass soziale Beziehungen signifikant häufiger durch Kontaktabbrüche gekennzeichnet sowie zentrale Akteure des ISN nur von geringer Bedeutung für das Pflegen positiver Beziehungen sind (Clifton et al., 2007). In einer eigenen Studie konnten anhand einer multizentrischen Gelegenheitsstichprobe (N=59) an Personen mit einer emotional instabilen Persönlichkeitsstörung vom Borderline-Typ wesentliche Ergebnisse reproduziert und strukturelle Merkmale der ISN präziser quantifiziert werden (Hoffmann, 2015). Darüber hinaus wurden vier Netzwerktypen differenziert, welche sich unterschiedlich auf die Krankheitsbewältigung und soziale Unterstützung auswirken. Systematische Erkenntnisse über die Beschaffenheit von ISN bei Personen mit depressiven Störungen und eine weitere Validierung der bestehenden Erkenntnisse zu Personen mit emotional instabiler Persönlichkeitsstörung vom Borderline-Typ sowie eine Differenzierung der Konstitution von ISN zwischen Personen aus unterschiedlichen psychiatrischen Diagnosegruppen stehen bislang noch aus. Entsprechende Erkenntnisse wären allerdings dringend notwendig, um Betroffene sowie ihre ISN bei der Krankheitsbewältigung im Rahmen einer psychosozialen Versorgung zu unterstützen. Vor diesen Hintergründen ist das Ziel des vorliegenden Forschungsvorhabens ISN von Personen mit depressiver Störung oder emotional instabiler Persönlichkeitsstörung vom Borderline-Typ systematisch zu erfassen, hinsichtlich ihrer Sozialstruktur formal zu beschreiben und ggf. unterschiedliche Typen von ISN und deren Verbindung zu Potentialen sozialer Unterstützung zu analysieren. Die Studie ist als explorative Querschnittstudie mittels standardisierter telefonischer Interviews an ehemaligen Patientinnen und Patienten der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie des Universitätsklinikums Freiburg konzipiert.

Klinische Studien werden durchgeführt, um die Sicherheit und Wirksamkeit von Medikamenten, medizinischen Geräten oder Verfahren nachzuweisen. Sie untersuchen, welche Behandlungsmethode sich am besten zur Therapie einer bestimmten Erkrankung oder Gruppe von Betroffenen eignet. Vor der Marktzulassung müssen alle neuen Behandlungsmethoden einer Reihe von klinischen Prüfungen unterzogen werden.

Klinische Studien bilden die Voraussetzungen für neue Behandlungsmöglichkeiten. Die Ergebnisse klinischer Studien treiben den medizinischen Fortschritt. Sie geben Ärzten das Wissen darüber wie Behandlungen eingesetzt werden und für wen sie sich am besten eignen. Nur durch den Einsatz der freiwilligen Teilnehmer können Studien erfolgreich abgeschlossen werden. Die teilnehmenden Patienten bekommen auch die Möglichkeit sehr früh von einer neuen Behandlung zu profitieren. Es dauert nämlich durchschnittlich 12 Jahre bis eine neue Behandlung öffentlich verfügbar wird. Alle Behandlungen und Medikamente, die Patienten derzeit nutzen, wurden im Rahmen klinischer Studien erprobt, um sicherzugehen, dass diese sicher sind und wirken.

Damit sichergestellt wird, dass nur diejenigen Betroffenen an der Studie teilnehmen, die am wahrscheinlichsten davon profitieren, werden Sie von dem Studienarzt umfassend untersucht. Dieser Vorgang wird als Screening bezeichnet und findet, vor einer möglichen Studienteilnahme, in dem jeweiligen Studienzentrum statt. Dazu gehört auch ein Gespräch mit dem Studienarzt, welches Sie umfassend über die Studie aufklärt und Ihnen die Möglichkeit gibt, Fragen zu stellen. Je nach Studie sind zusätzliche Untersuchungen (z.B. Labor oder Ultraschall) notwendig, um zu bestimmen, ob Sie an der Studie teilnehmen können.

Es gibt verschiedene Gründe, an klinischen Studien teilzunehmen. Durch Ihre Teilnahme leisten Sie einen wertvollen Beitrag zur medizinischen Forschung. Sie erhalten Zugang zu neuartigen Behandlungsmethoden, die sich möglicherweise besser für Ihre Erkrankung eignen, als bisherige Ansätze. Darüber hinaus könnten Sie von der intensiven und individuellen medizinischen Betreuung in den Studienzentren profitieren. Die Teilnahme an einer klinischen Studie eröffnet vielen Betroffenen eine neue Perspektive, ihre gesundheitliche Situation verbessern zu können.

Klinische Studien werden durchgeführt, weil noch nicht alle Einzelheiten über ein Medikament, medizinisches Gerät oder Verfahren bekannt sind. Es besteht die Möglichkeit, dass Sie nicht von der Studienteilnahme profitieren. Alle potenziellen Risiken werden vor Studienbeginn mit Ihnen ausführlich im Studienzentrum besprochen. So können Sie für sich den möglichen Nutzen sorgfältig gegen eventuelle Risiken abwägen. Sie können bei den Gesprächen so viele Fragen stellen, bis Sie sich sicher für oder gegen eine Teilnahme entscheiden können.

Sie können Ihre Teilnahme an einer klinischen Studie jederzeit und ohne Angabe von Gründen beenden.

Die bei der Studie gesammelten Informationen dürfen nur zu Forschungszwecken verwendet werden. Ihre Informationen werden in einer verschlüsselten Form gespeichert, die zu keiner Zeit einen Rückschluss auf Ihre Person erlaubt. Lediglich Ihr Studienarzt hat die Möglichkeit, die Informationen zu entschlüsseln. Falls die Studienergebnisse im Rahmen von Präsentationen oder Veröffentlichungen verwendet werden, werden Sie niemals namentlich erwähnt. Auch wird niemandem ohne Ihr schriftliches Einverständnis mitgeteilt, dass Sie an der Studie teilnehmen bzw. teilgenommen haben.

Quelle: Deutsches Register Klinischer Studien