Beschreibung der Studie

Duchenne-Muskeldystrophie ist eine genetische Erkrankung, die durch eine fortschreitende Muskelschwäche charakterisiert ist und durch Atem- und Herzschwäche letzlich zu einem frühen Tod der betroffenen Patienten führt. Aufgrund des X-chromosomalen Erbgangs sind ausschließlich Jungen und junge Männer betroffen. Bisher existiert keine ursächliche Therapie für diese Erkrankung. In der Fachliteratur finden sich Hinweise darauf, dass bei betroffenen Patienten vermehrt Störungen der Blutgerinnung bestehen. Diese scheinen unterschiedlich ausgeprägt zu sein: Teilweise ist eine erhöhte Blutungsneigung beschrieben, teilweise scheinen auch Gefäßverschlüsse durch Blutgerinnsel häufiger vorzukommen. Das Forschungsvorhaben umfasst zwei Teile: In einem retrospektiven Teil soll per Fragebogen über das Duchenne-Muskeldystrophie Patientenregister in einem Fragebogen erfragt werden, inwiefern Auffälligkeiten der Blutgerinnung oder entsprechende Symptome (z.B. Blutungskomplikationen im Rahmen von Operationen, Gefäßverschlüsse, Herzinfarkte) bestehen. Auch wenn diese Befragung nicht als repräsentativ für das gesamte Patientenkollektiv angesehen werden kann, so sollte es bei derzeit über 1200 registrierten Patienten (Stand Dezember 2015) möglich sein, eine Vorstellung der Häufigkeit des Vorkommens von Gerinnungsstörungen bei diesem seltenen Krankheitsbild zu erhalten. In einem prospektiven Teil soll bei ca. 50 Patienten mit Muskeldystrophie Duchenne im Rahmen der regelmäßig stattfindenden Routineverlaufskontrollen - die ohnehin die Blutentnahme und laborchemische Untersuchung umfassen - zusätzliche Gerinnungsdiagnostik im Blut erfolgen. Ziel dieser Untersuchungen ist es herauszufinden, ob spezifische Störungen der Blutgerinnung, insbesondere der Thrombozytenfunktion - die bisher nur rudimentär untersucht wurde - bei von Muskeldystrophie-Duchenne betroffenen Patienten bestehen.

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Studiendetails

Studienziel RETROSPEKTIVER TEIL: Hauptzielkriterium: Anamnestische Erfassung von klinisch relevanten thrombembolischen Ereignissen bei im DMD-Register registrierten Patienten. PROSPEKTIVER TEIL: Hauptzielkriterium: Umfassende Untersuchung der Thrombozytenfunktion bei Patienten mit Muskeldytrophie Duchenne durch Bestimmung von: • vWF-Antigen, • vWF-Collagenbindungskapazität (vWF:CB) • Multimerenstrukturanalyse • Thrombozytenaggregation • Durchflusszytometrie der Thrombozyten
Status Teilnahme bald möglich
Zahl teilnehmender Patienten 50
Stationärer Aufenthalt Keiner
Finanzierungsquelle Deutsche Duchenne Stiftung der Aktion Benni & Co e.V.
Weitere Informationen Studienwebseite

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Teilnahme­voraussetzungen

Einschlusskriterien

  • RETROSPEKTIVER TEIL
  • Einschlusskriterien:
  • Registrierung im DMD-Patientenregister des TREAT-NMD-Netzwerkes.
  • PROSPEKTIVER TEIL:
  • Männliche Patienten ab 6 Jahren
  • Gesicherte Diagnose DMD, bestätigt durch genetischen Befund oder Muskelbiopsie.
  • Schriftliche Einverständniserklärung der Sorgeberechtigten.
  • Schriftliche Einverständniserklärung des Patienten, soweit er nach Alter und Entwicklungsstand in der Lage ist, Wesen, Bedeutung und Tragweite der Studie einzusehen und seinen Willen hiernach zu bestimmen.
  • Ausreichende Kooperationsfähigkeit bei echokardiographischer Untersuchung (im Rahmen der Verlaufskontrolle)

Ausschlusskriterien

  • RETROSPEKTIVER TEIL:
  • Ausschlusskriterien:
  • Keine
  • PROSPEKTIVER TEIL:
  • bergewicht mit Body Mass Index > 30 Körpergewicht/m²
  • Anamnese oder jeglicher Hinweis auf einen intrakraniellen und/oder malignen Tumor
  • Bekannter oder anhaltender Medikamenten-, Drogen- oder Alkoholabusus

Adressen und Kontakt

Universitätsklinikum, ZKJ-Freiburg, Freiburg im Breisgau

Ansprechpartner: Dr. David Schorling

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Kinderklinik, Essen

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Häufig gestellte Fragen

1. Hintergrund Duchenne Muskeldystrophie (DMD) ist eine X-chromosomal rezessiv vererbte Erkrankung. Die für diese Erkrankung typische progressive Muskeldegeneration führt zu respiratorischer und kardialer Insuffizienz und damit letztendlich zu einem frühen Tod der betroffenen Patienten. DMD ist durch Mutationen im Dystrophingen bedingt, welches für ein membranassoziiertes Zytoskelettprotein kodiert (437 kDa). Es gibt Hinweise darauf, dass das defekte Dystrophinprotein auch eine wichtige Rolle für die Thrombozytenfunktion und damit für die Blutgerinnung in Patienten mit DMD spielt. Es existieren sowohl mehrere Fallberichte als auch einige klinische und experimentelle Arbeiten zu diesem Thema. In diesen fällt auf, dass bei Patienten mit DMD unterschiedliche Formen von Störungen der Blutgerinnung zu bestehen scheinen: So wurde sowohl eine erhöhte Blutungsneigung als auch ein höheres Risiko für die Entstehung von thromboembolischen Gefäßverschlüssen beschrieben oder vermutet. Beispielsweise wurde mehrfach und gut dokumentiert, dass bei Patienten mit DMD während Skolioseoperationen relevant mehr Blutungskomplikationen auftraten als bei anderen Patienten, die sich dieser Operation unterzogen und nicht an DMD erkrankt waren (Forst et al. 1998; Freson et al. 2007; Turturro et al 2004). Auf der anderen Seite stehen Fallberichte über schwere Lungenembolien (Riggs 1990), Hirninfarkte (Matsuishi et al. 1982; Biller et al. 1987; Hanajima et al. 1996) oder kardiale Thrombusbildung (Gaffney et al. 1989). Die Inzidenz eines Hirninfarkts wurde bei Patienten mit DMD mit 0.75-1.8% angegeben und ist damit deutlich erhöht gegenüber der Normalbevölkerung (Hanajima et al. 1996). 2. Rationale Das hochkomplizierte System der Blutgerinnung oder Hämostase wird vereinfacht unterteilt in zwei Teilvorgänge: Die primäre (zelluläre) Gerinnung und die sekundäre (plasmatische) Gerinnung. Ein Gewebedefekt wird primär zunächst durch Thrombozyten provisorisch verschlossen, sekundär wird dieser Verschluss durch unterschiedliche plasmatische Gerinnungsfaktoren und Fibrin organisiert und verstärkt. Da bei Patienten mit DMD das komplizierte System der plasmatischen Gerinnung mehrfach untersucht und als normal dokumentiert wurde richtet sich der Fokus nun auf die primäre Hämostase. Diese wird maßgeblich durch Thrombozytenzahl, Thrombozytenfunktion und von Willebrand Faktor sowie die von Willebrand Faktor Funktion reguliert. Thrombozyten enthalten einen Membranzytoskelettkomplex, der dem in Muskelzellen ähnlich ist. Bisher ist aber die Rolle des Dystrophins während der Thrombozytenaktivierung, und damit auch seine Bedeutung für mögliche Gerinnungsstörungen noch nicht ausreichend aufgeklärt (Jagadeesh et al.; 1998, Maurin et al. 1998). Studien zeigten, dass Dystrophin eine Rolle während der Ausbreitung und Adhäsion von Thrombozyten spielt, indem es den α2β1 Rezeptor reguliert (Cerecedo et al. 2005; Cerecedo et al. 2006). Hingegen beschreibt eine andere Studie, dass die Thrombozytenfunktion bei Patienten mit DMD normal sei und der Defekt der primären Hämostase auf die eingeschränkte Gefäßreaktivität zurück zu führen sei, die bei diesen Patienten besteht. Insbesondere aufgrund der Herzmuskelschwäche kann es zu einer relativen Stase (=Stillstand) des Blutes kommen, die sekundär zur Aktivierung der Gerinnung führt. Saito et al. zeigten zum Einen, dass die Links-Ventrikuläre Diastolische Dysfunktion (LVDd) als Marker für die Fähigkeit des Herzens, das Blut in Bewegung zu halten, bei Patienten mit niedrigeren Messwerten der Links-Ventrikulären Ejektions-Fraktion (LVEF) erwartungsgemäß signifikant höher war. Zum Anderen, und weitaus interessanter, waren die Messungen von Thrombin-Antithrombin Komplex (TAT) und Prothrombin Fragment (F1+2) bei diesen Patienten deutlich erhöht. TAT ist ein sensitiver Parameter für eine spezifische Detektion einer Thrombinentstehung aufgrund der Aktivierung der Gerinnungskaskade. Auch F1+2 ist ein sensitiver Marker, der die Gesamtthrombinproduktion reflektiert. Charakteristischerweise sind diese Parameter sowie die D-Dimere bei einem thromboembolischen Event erhöht (Pelzer et al. 1991; Barber et al 2004); d.h. sowohl die Blutgerinnung als auch die Fibrinolyse sind aktiviert. Die Vergrößerung und Dysfunktion des linken Ventrikels tragen zudem ebenfalls zur Thrombusentstehung bei (Yamamoto et al, 1995). 3 Ziele der Studie Es ist das Ziel dieser Studie sowohl retrospektiv als auch prospektiv Informationen darüber zu erhalten, in welchem Ausmaß Störungen der Blutgerinnung bei Patienten mit DMD bestehen, inwiefern diese zu einer klinisch relevanten Symptomatik führen und ob daraus Schlüsse für eine sinnvolle medikamentöse Gerinnungsprophylaxe bei Muskeldystrophie Duchenne gezogen werden können. In dem retrospektiven Teil des Forschungsprojektes soll anhand einer Umfrage über das DMD Patientenregister in Deutschland erfragt werden, bei wie vielen Patienten bereits Probleme mit vermehrter Blutung oder einer Thrombose beobachtet wurden. Bei diesen Patienten soll dann, soweit die Betroffenen einverstanden sind, anhand der verfügbaren Arztbriefe und Laborbefunde eine genauere Analyse möglicher Ursachen erfolgen. In dem prospektiven Teil soll bei einer repäsentativ ausgewählten Zahl von Patienten mit DMD eine umfassende klinische und laborchemische Analyse des Blutgerinnungssystems erfolgen, um festzustellen, ob hier bei DMD spezifische Auffälligkeiten festgestellt werden können.

Klinische Studien werden durchgeführt, um die Sicherheit und Wirksamkeit von Medikamenten, medizinischen Geräten oder Verfahren nachzuweisen. Sie untersuchen, welche Behandlungsmethode sich am besten zur Therapie einer bestimmten Erkrankung oder Gruppe von Betroffenen eignet. Vor der Marktzulassung müssen alle neuen Behandlungsmethoden einer Reihe von klinischen Prüfungen unterzogen werden.

Klinische Studien bilden die Voraussetzungen für neue Behandlungsmöglichkeiten. Die Ergebnisse klinischer Studien treiben den medizinischen Fortschritt. Sie geben Ärzten das Wissen darüber wie Behandlungen eingesetzt werden und für wen sie sich am besten eignen. Nur durch den Einsatz der freiwilligen Teilnehmer können Studien erfolgreich abgeschlossen werden. Die teilnehmenden Patienten bekommen auch die Möglichkeit sehr früh von einer neuen Behandlung zu profitieren. Es dauert nämlich durchschnittlich 12 Jahre bis eine neue Behandlung öffentlich verfügbar wird. Alle Behandlungen und Medikamente, die Patienten derzeit nutzen, wurden im Rahmen klinischer Studien erprobt, um sicherzugehen, dass diese sicher sind und wirken.

Damit sichergestellt wird, dass nur diejenigen Betroffenen an der Studie teilnehmen, die am wahrscheinlichsten davon profitieren, werden Sie von dem Studienarzt umfassend untersucht. Dieser Vorgang wird als Screening bezeichnet und findet, vor einer möglichen Studienteilnahme, in dem jeweiligen Studienzentrum statt. Dazu gehört auch ein Gespräch mit dem Studienarzt, welches Sie umfassend über die Studie aufklärt und Ihnen die Möglichkeit gibt, Fragen zu stellen. Je nach Studie sind zusätzliche Untersuchungen (z.B. Labor oder Ultraschall) notwendig, um zu bestimmen, ob Sie an der Studie teilnehmen können.

Es gibt verschiedene Gründe, an klinischen Studien teilzunehmen. Durch Ihre Teilnahme leisten Sie einen wertvollen Beitrag zur medizinischen Forschung. Sie erhalten Zugang zu neuartigen Behandlungsmethoden, die sich möglicherweise besser für Ihre Erkrankung eignen, als bisherige Ansätze. Darüber hinaus könnten Sie von der intensiven und individuellen medizinischen Betreuung in den Studienzentren profitieren. Die Teilnahme an einer klinischen Studie eröffnet vielen Betroffenen eine neue Perspektive, ihre gesundheitliche Situation verbessern zu können.

Klinische Studien werden durchgeführt, weil noch nicht alle Einzelheiten über ein Medikament, medizinisches Gerät oder Verfahren bekannt sind. Es besteht die Möglichkeit, dass Sie nicht von der Studienteilnahme profitieren. Alle potenziellen Risiken werden vor Studienbeginn mit Ihnen ausführlich im Studienzentrum besprochen. So können Sie für sich den möglichen Nutzen sorgfältig gegen eventuelle Risiken abwägen. Sie können bei den Gesprächen so viele Fragen stellen, bis Sie sich sicher für oder gegen eine Teilnahme entscheiden können.

Sie können Ihre Teilnahme an einer klinischen Studie jederzeit und ohne Angabe von Gründen beenden.

Die bei der Studie gesammelten Informationen dürfen nur zu Forschungszwecken verwendet werden. Ihre Informationen werden in einer verschlüsselten Form gespeichert, die zu keiner Zeit einen Rückschluss auf Ihre Person erlaubt. Lediglich Ihr Studienarzt hat die Möglichkeit, die Informationen zu entschlüsseln. Falls die Studienergebnisse im Rahmen von Präsentationen oder Veröffentlichungen verwendet werden, werden Sie niemals namentlich erwähnt. Auch wird niemandem ohne Ihr schriftliches Einverständnis mitgeteilt, dass Sie an der Studie teilnehmen bzw. teilgenommen haben.

Quelle: Deutsches Register Klinischer Studien