Beschreibung der Studie

Gebärdensprachdolmetscher spielen im Leben von gehörlosen Menschen eine entscheidende Rolle: Sie sprechen und verstehen Lautsprache und sie sprechen und verstehen ebenso Gebärdensprache. Sie ermöglichen so die Kommunikation zwischen hörenden und gehörlosen Menschen. Kommunikation ist ein wesentlicher Teil der Palliativmedizin. Der Unterschied zur Kommunikation in der normalen Medizin besteht darin, dass es in der Palliativmedizin bei jedem Gesprächen zwischen Arzt und Patient immer auch darum geht, dass der Patient nicht wieder gesund, sondern sterben wird. Dabei muss über den bevorstehenden Tod nicht unbedingt immer wirklich gesprochen werden. Allein das Wissen darüber und die Angst davor beeinflusst die Kommunikation von Patient und Arzt und beide müssen sich mit dieser Tatsache in jedem Gespräch auseinander setzen. Kommunikation in der Palliativmedizin für Gehörlose findet aber nicht nur unter vier, sondern unter sechs Augen statt. Denn neben dem Arzt und dem Patienten ist ja auch der Gebärdensprachdolmetscher anwesend, der das Gespräch zwischen den beiden ja erst ermöglicht. In dieser Masterarbeit wird die Frage erforscht, mit welchen Herausforderungen Gebärdensprachdolmetscher konfrontiert werden, wenn sich die Gesprächsinhalte, die sie übersetzen müssen, um Angst, Schmerzen, Sterben, Abschied, Trauer und Tod drehen. Es wird auch erforscht, welche Möglichkeiten Gebärdensprachdolmetscher nutzen, um bei solchen Arbeitsaufträgen arbeitsfähig und gesund zu bleiben.

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Studiendetails

Studienziel Offene, Leitfadengestützte Interview Studie. Folgende Parameter werden erhoben: 1. Allgemeines zur Person und zum Arbeitsalltag als Gebärdensprachdolmetscher 2.Praxiserfahrungen in der Arbeit mit schwerstkranken und sterbenden Menschen 3.Beschreibung des persönlichen Befindens bei diesem Arbeitsauftrag 4.Konkretes Benennen von emotionalen und/oder persönlichen Herausforderungen in dieser Situation 5.Ausbildungsstand: Gebärdenspracholmetschen im medizinischen Bereich und Gebärdensprachdolmetschen für schwerstkranke und sterbende Gehörlose 6. Einschätzung: Braucht es eine spezielle Fortbildung für das Dolmetschen in der Palliative Care?
Status Rekrutierung abgeschlossen, follow up abgeschlossen
Zahl teilnehmender Patienten 15
Stationärer Aufenthalt Keiner
Studientyp Beobachtungsstudie
Finanzierungsquelle Anuschka Ruszynski

Kostet die Teilnahme Geld?

Alle während der Studie durchgeführten Behandlungen und Untersuchungen sind für Sie kostenfrei.

Teilnahme­voraussetzungen

Einschlusskriterien

  • Gebärdensprachdolmetscher mit Abschluss: staatlich geprüft sowie Diplom, Bachelor oder Masterabschluss an deutschsprachig ausbildenden Fachhochschule oder Universität in Deutschland

Ausschlusskriterien

  • Probanden, die mit Gehörlosen und für Gehörlosen arbeiten und als deren Kommunikationsassistent fungieren, jedoch keinen Abschluss im Gebärdensprachdolmetschen nachweisen können

Adressen und Kontakt

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Häufig gestellte Fragen

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Seit 2002 ist die Deutsche Gebärdensprache als eigenständige Sprache anerkannt und der Anspruch auf ihre Verwendung über einen Gebärdensprachdolmetscher bei der Ausführung von Sozialleistungen sowie ärztlichen Behandlungen im Sozialgesetzbuch I, § 17, Abs. 2 gesichert. Der Alltag gehörloser Patienten bezeugt, dass der Gebärdensprachdolmetscher eine barrierefreie, kundige und wirksame, grundsätzlich gesehen aber nicht die unfehlbare Lösung des Kommunikationsproblems darstellt, da er als notwendiger, jedoch nicht dazugehöriger Akteur automatisch die intime Situation zwischen Arzt und gehörlosem Patienten berührt und die Kommunikation der beiden beeinflusst. Kommunikation gilt als die zweite Säule der Palliativmedizin und ihre Unterhaltungen sind geprägt von Endlichkeit, Einmaligkeit und Individualität. Eine wirksame Symptomkontrolle als Voraussetzung für ein Leben in lebenswerter Qualität bis zum letzten Atemzug gelingt nur mit Hilfe einer Kommunikation, die bestimmt ist durch die Fähigkeit des medizinischen Personals sich zugewandt, emphatisch und dennoch professionell verhalten zu können, um mit dem Patienten in Beziehung zu treten: offen, wahrhaftig, einfühlend, fürsorglich und weder seine Würde noch Selbstbestimmung verletzend. Die besondere Stellung der Kommunikation in der Palliativmedizin ist in Kombination mit den Besonderheiten der Gebärdensprache sowie der Identität, Kultur und (Bildungs-)Geschichte Gehörloser zu überdenken. Derartige Gespräche, die generell und für alle Menschen zu den schwierigsten zählen, verlangen nach Erkenntnis darüber, dass ein Wissen um die eigene Sterblichkeit nicht mit dem Bewusstsein des sich im Sterbeprozess befindenden Kranken gleichgestellt werden kann. Ebenso erlaubt die stets geforderte Empathie in der Palliativmedizin maximal eine Form der Annäherungen an das Innenleben des Betroffenen. Weiterhin sind Ärzteschaft & Co gefordert, Gehörlosigkeit kommentarlos anzuerkennen, als ein Zeichen von Identität und der damit verbundenen „anderen“ Art, die Welt zu sehen und zu verstehen Bedeutend für ein funktionierendes Zusammenwirken dieser Haltung und Gesprächsführung gegenüber schwerstkranken und sterbenden Gehörlosen ist nun die Person und Profession des Dolmetschers. Die Masterthesis geht der Frage nach: Welchen Herausforderungen sieht sich der Gebärdensprachdolmetscher in einem medizinischen Setting mit einem schwerstkranken oder sterbenden Gehörlosen und dessen hörenden Palliativmediziner gegenüber? Und über welche Ressourcen und Strategien verfügt er, um arbeitsfähig zu bleiben?

Quelle

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