Beschreibung der Studie

In der geplanten Studie soll die Hypothese überprüft werden, ob ein Aufwachsen auf dem Land gegenüber jenem in der Stadt eine verbesserte Immunregulation und demnach eine verringerte Sekretion proinflammatorischer Zytokine, zur Folge hat. Auf Grund der Tatsache, dass stressassoziierte somatische und affektive Erkrankungen mit einer chronischen niedriggradigen Entzündung einhergehen und neue Erkenntnisse auf eine führende Rolle der niedriggradigen Entzündung in der Entstehung stressassoziierter Krankheiten hinweisen, sollen die Ergebnisse der vorliegenden Studie erste Informationen zum Mechanismus liefern, welcher sich hinter dem gehäuften Auftreten von psychiatrischen Störungen, als auch anderer stressassoziierter entzündlicher Krankheiten, in städtischen gegenüber ländlichen Gebieten verbirgt. Die Immunregulation städtischer einkommensstarker Gegenden scheint im Vergleich zu ländlichen Gebieten, wegen dem verringerten Kontakt zu den sogenannten „old friends“, welche in der gesamten Evolution der menschlichen Jäger und Sammler Populationen präsent waren und deshalb durch das Immunsystem toleriert werden mussten, kompromittiert zu sein. Das Ziel der Studie ist herauszufinden ob Menschen, die auf dem Land aufgewachsen sind im Gegensatz zu jenen, welche in der Stadt aufgewachsen sind, eine geringe proinflammatorische und höhere antiinflammatorische Reaktion zeigen, sowhl basal als nach akutem psychosozialen Stress. Akuter psychosozialer Stress wird durch den international akzeptierten und standardisierten „ Trier Social Stress Test, TSST“ hervorgerufen.

Studie via E-Mail versenden

Studiendetails

Studienziel in vitro Zytokinproduktion von Mononukleären Zellen des Blutes (PBMCs) während Concanavalin A oder Lipopolysaccherid (LPS) stimulation
Status Rekrutierung abgeschlossen, follow up abgeschlossen
Zahl teilnehmender Patienten 40
Stationärer Aufenthalt Keiner
Finanzierungsquelle Universitätsklinikum Ulm, Klinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie

Kostet die Teilnahme Geld?

Alle während der Studie durchgeführten Behandlungen und Untersuchungen sind für Sie kostenfrei.

Teilnahme­voraussetzungen

Einschlusskriterien

  • BMI zwischen 20 und 30; bis zum 15. Lebensjahr entweder in einem ländlichen (n=20) oder städtischen (n=20) Gebiet aufgewachsen

Ausschlusskriterien

  • Rauchen; aktuelle Infektionen; chronische affektive oder somatische Krankheiten; mehr als 4 Stunden Sport pro Woche; akuter Sport, 24h vor Blutentnahmen; Drogenkonsum (NSAIDS, Cannabis, ect.); geschieden in letzten 6 Monaten; Trauerfall in letzten 6 Monaten

Adressen und Kontakt

An dieser Studie können Sie leider nicht mehr teilnehmen. Hier finden Sie aktuelle Studien.

Häufig gestellte Fragen

In unserem übersichtlichen Ratgeber finden Sie alle Antworten zu Fragen über klinische Studien.

Ratgeber öffnen

Chronischer Stress ist assoziiert mit einer Reihe von gesundheitlichen Problemen. Obwohl die Ätiologie dieser Krankheiten bisher nicht vollständig erforscht ist, wird eine leicht, aber konstant erhöhte Immunaktivität als Hauptmerkmal für die meisten genannten somatischen und interessanterweise auch die affektiven Krankheitsentitäten beschrieben. Aktuelle prospektive Humanstudien verstärken sogar die Annahme, dass eine höhere Immunaktivität eine ursächliche Rolle in der Entwicklung dieser Pathologien spielt. Dies wird auch durch eine aktuelle Tierstudie unterstützt, welche zeigte, dass akut stressinduziertes IL-6 äußerst hohe Level bei Mäusen annahm, welche einem chronischen Stressor ausgesetzt waren und daraufhin schließlich einen empfindlichen Verhaltensphänotyp entwickelten. Interessanterweise berichtete dieselbe Studie von erhöhten Il-6 Werten bei Patienten mit einer therapieresistenten major depressive disorder. Darüber hinaus wurde aktuell beobachtet, dass die IL-6 Konzentration bei Kindern, gemessen 24 Stunden nach einem Verkehrsunfall, prädiktiv für die Entwicklung einer PTBS 6 Monate später war. Gleichzeitig wurden geringere Zahlen an regulatorischen T-Zellen bei Patienten mit Depression gefunden und Antidepressiva zeigten eine IL-6 verringernde Wirkung bei Menschen und eine regulatorische T-Zell Anzahl steigernde Wirkung bei Mäusen. Ebenso konnte in vielen Studien bewiesen werden, dass eine Behandlung mit einer Kombination aus einem standard Antidepressivum und einem antiinflammatorischen Medikament effektiver ist, als das gleiche Antidepressivum in Kombination mit einem Placebo. Bemerkenswert ist, dass die Prävalenz für psychische Erkrankungen als auch für andere stressassoziierte inflammatorische Krankheitsbilder in Städten signifikant höher ist als auf dem Land. Studien an Immigranten stärken die Hypothese, dass im Besonderen das Aufwachsen auf dem Land gegenüber jenem in der Stadt für diesen Unterschied in der Prävalenz der psychiatrischen Krankheiten verantwortlich ist. Obwohl aktuelle Studien bereits eine Verbindung zwischen urbanen Lebensräumen und Verarbeitung sozialer Informationen im Hirn, als auch der Reaktion der HPA – Achse bei akuten sozialen Stressoren zeigen, bleiben die biologischen Stoffwechselvorgänge, welche diesen komplexen Interaktionen zu Grunde liegen, weitestgehend schwer nachvollziehbar. Ein schlechtere Immunregulation, zurückzuführen auf verringerten Kontakt zur mikrobiellen Umwelt, mit welcher sich das Immunsystem der Säugetiere entwickelte, wird als ein Faktor angesehen, welcher zur erhöhten Anzahl der chronisch Entzündlichen als auch stressassoziierten psychiatrischen Krankheiten in einkommensstarken Ländern beiträgt. Die Entwicklung des sekundär lymphatischen Gewebes und des vielfältigen Repertoires der Lymphozyten nach der Geburt benötigt Signale von mikrobiellen Bestandteilen, während weitere mikrobielle Signale im späteren Leben für eine balancierte Erweiterung der Populationen von Effektorzellen und regulatorischen Zellen zuständig sind. Den größten Anteil an diesen Effekten haben, jene welche sich mit den Säugetieren entwickelten. Diese beinhalten 1) die Kommensale/symbiotische Flora, 2) Pathogene, welche mit den „alten Infektionen“ assoziiert sind und im gesamten Leben der sich entwickelnden Jäger-Sammler-Populationen eine Rolle spielten (und deshalb vom Immunsystem toleriert werden mussten) und 3) Organismen aus der natürlichen Umwelt, mit denen die Menschen jeden Tag unausweichlich in Kontakt kommen. Aus diesem Grund stellen wir die Hypothese auf, dass die Immunregulation in modernen, einkommensstarken Gesellschaften wegen dem reduzierten Kontakt mit diesen drei Kategorien von Organismen gestört ist, was eine konstante, basale und erhöhte stressinduzierte Immunaktivität und folglich stressinduzierte Pathologien mit einer entzündlichen Komponente zur Folge hat.

Quelle

Sponsoren: Registrieren Sie sich auf Viomedo, um Ihre Studien zu veröffentlichen.