Beschreibung der Studie

Juvenile myoklonische Epilepsie (JME) ist eine sehr häufig auftretende Form der Epilepsie mit einer hohen genetischen Prädisposition. Diese Form der Epilepsie beginnt meist im Jugendalter und kann unter Umständen Begleitsymptome mit sich bringen wie z.B. soziale Anpassungsstörungen und Verhaltensauffälligkeiten. Aktuelle bildgebende Untersuchungen am menschlichen Gehirn zeigen, dass solche Begleitsymptome mit strukturellen und funktionellen Veränderungen in bestimmten Regionen des Gehirns zusammenhängen können. Bis jetzt gibt es jedoch noch keine bildgebenden und neuropsychologischen Untersuchungen bei Patienten mit JME, welche das limbische System und die Emotionsverarbeitung untersuchen. Ziel dieser Studie ist es daher, eventuelle Veränderungen bei der Verarbeitung von Emotionen und der sozialen Kognition (d.h. Wissen über psychische Vorgänge von Menschen und sozialen Geschehnissen) bei Patienten mit JME mittels unterschiedlicher Methoden und unter Berücksichtigung verschiedener Aspekte aufzuzeigen. Hierfür werden neuropsychologische und psychiatrische Verfahren sowie funktionelle und strukturelle bildgebende Methoden eingesetzt. Um eventuelle Unterschiede aufzeigen zu können werden auch sogenannte Kontrollpersonen (d.h. Personen ohne Epilepsie sowie Verwandte 1. Grades von Patienten mit JME) untersucht. Außerdem sollen neu diagnostizierte Patienten mit Patienten, die bereits einen langjährigen Krankheitsverlauf haben, verglichen werden. Anhand der neuen Erkenntnisse soll in weiterer Folge ein einheitliches und auf neurobiologischen Erkenntnissen basierendes Behandlungskonzept entwickelt werden. Neue psychologische und pharmakologische Strategien sollen so zukünftig zu einem besseren Umgang mit sozialen und emotionalen Schwierigkeiten führen.

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Studiendetails

Studienziel Ziel dieser Studie ist es, Defizite in der Emotionsverarbeitung und der sozialen Kognition bei Patienten mit juveniler myoklonischer Epilepsie (JME) anhand funktioneller und struktureller Methoden zu untersuchen. Um dies zu erreichen, werden folgende Schritte durchgeführt: • Psychiatrische Untersuchung von JME Patienten sowie gesunden Kontrollprobanden und Verwandte 1. Grades (Geschwister) von JME Patienten. JME Patienten werden in weiterer Folge in zwei Gruppen unterteilt: Jene mit psychiatrischen Störungen (Axis I und/oder Axis II) nach den Kriterien des DSM IV und jene Patienten ohne psychiatrische Auffälligkeiten. • Untersuchung der Emotionsverarbeitung und der soziale Kognition von beiden Patientengruppen (JME Patienten mit oder ohne psychiatrischen Störungen (Axis I und/oder Axis II)) sowie Kontrollprobanden (gesunde Probanden und Geschwister von JME Patienten) anhand spezifischer neuropsychologischer Verfahren. Diese setzen sich zusammen aus unterschiedlichen Verfahren zur Überprüfung (i) der Emotionserkennung (Facial Expressions of Emotion: Stimuli and Tests (FEEST), Empathy Quotient (EQ)), (ii) Theory of Mind (ToM) Aufgaben (Reading the Mind in the Eyes Test, Moving Triangles, Faux Pas Test), (iii) Untersuchungsverfahren zur Überprüfung der Exekutivfunktionen (Hamburg-Wechsler-Intelligenztest für Erwachsene und Kinder, Wisconsin Card Sorting Test (WCTS), Trail Making Test A & B (TMT A & B), Regensburger Wortflüssigkeitstest (RWT), Toronto-Alexithymia Scale (TAS-26)) sowie (iv) ein Selbstbeurteilungsfragebogen zur Erhebung depressiver Symptome und Angstsymptome (Hospital Anxiety and Depression Scale (HADS-D)). • Morphologische und funktionelle bildgebende Untersuchungen (Magnetresonanztomographie (MRT) und funktionelle Magnetresonanztomographie (fMRT)) von limbischen Strukturen von JME Patienten (mit oder ohne psychiatrische Störungen (Axis I und/oder Axis II)) sowie gesunde Kontrollprobanden und Verwandte 1. Grades (Geschwister) von JME Patienten. • Vergleich bildgebender und neuropsychologischer Ergebnisse von beiden Patientengruppen (JME Patienten mit oder ohne psychiatrischen Störungen (Axis I und/oder Axis II)) sowie gesunde Kontrollprobanden und Verwandte 1. Grades (Geschwister) von JME Patienten. • Vergleich bildgebender und neuropsychologischer Ergebnisse von neu diagnostizierten JME Patienten (maximale Erkrankungsdauer von 3 Jahren) mit Patienten mit einer langjährigen JME (Krankheitsdauer über 3 Jahre). Weiters erfolgt ein Vergleich bildgebender und neuropsychologischer Ergebnisse von gesunden Kontrollprobanden mit Verwandte 1. Grandes (Geschwister) von JME Patienten. Anhand der neuen Erkenntnisse soll in weiterer Folge ein einheitliches, auf neurobiologischen Erkenntnissen basierendes Behandlungskonzept entwickelt und etabliert werden.
Status Teilnahme bald möglich
Zahl teilnehmender Patienten 200
Stationärer Aufenthalt Keiner
Finanzierungsquelle Fonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung (FWF)Haus der Forschung

Kostet die Teilnahme Geld?

Alle während der Studie durchgeführten Behandlungen und Untersuchungen sind für Sie kostenfrei.

Teilnahme­voraussetzungen

Einschlusskriterien

  • Einschlusskriterien für die Patientengruppe:
  • Patienten mit juveniler myoklonischer Epilepsie (JME): Klinische- und elektrophysiologische Diagnose nach der Klassifikation der International League against Epilepsy (ILAE)
  • Mindestalter von 14 Jahren und die Bereitschaft zur Teilnahme an der Studie. Bei Patienten unter 18 Jahren wird zusätzlich die Einverständniserklärung der Eltern oder gesetzlichen VertreterInnen eingeholt.
  • Eignung für die Durchführung der strukturellen und funktionellen Magnetresonanztomographie
  • Einschlusskriterien für die Kontrollgruppe (Gesunde Kontrollprobanden und Verwandte 1. Grades (Geschwister) der JME Patienten):
  • Mindestalter von 18 Jahren und die Bereitschaft zur Teilnahme an der Studie

Ausschlusskriterien

  • Ausschlusskriterien für die Patientengruppe:
  • Epileptischer Anfall weniger als 72 Stunden vor der Durchführung der strukturellen / funktionellen Magnetresonanztomographie
  • PatientInnen mit medizinischen und / oder neurologischen Erkrankungen (außer JME und psychiatrische Erkrankungen (Cluster B Erkrankungen wie z.B. Angst- und Persönlichkeitssstörungen))
  • Einnahme von Topiramat und / oder Benzodiazepine
  • strukturelle Läsionen im MRT
  • Kontraindikation für die strukturelle / funktionelle Mangetresonanztomographie
  • Schwangerschaft
  • Ausschlusskriterien für die Kontrollgruppe ( Gesunde Kontrollprobanden und Verwandte 1. Grades der JME Patienten):
  • medizinische und / oder neurologische Erkrankungen
  • Personen mit pathologischen EEG Befunden (gilt für Verwandte 1. Grades (Geschwister) von JME Patienten. Bei dieser Kontrollgruppe wird ein routinemäßiges EEG durchgeführt)

Adressen und Kontakt

Abteilung für Neurologie, Innsbruck

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Abteilung für Neurologie, Salzburg

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Häufig gestellte Fragen

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Juvenile myoklonische Epilepsie (JME) ist die am häufigsten auftretende idiopathische generalisierte Epilepsie (ca. 5-10% aller Epilepsien) mit einer hohen genetischen Prädisposition. JME beginnt meist in der Pubertät zwischen dem 14. und 16. Lebensjahr. Bei dieser Patientengruppe werden häufig soziale Anpassungsstörungen und Verhaltensauffälligkeiten beobachtet, frontalen Dysfunktionen gleichend. Rezente Studien weisen auf eine erhöhte Prävalenz psychiatrischer Erkrankungen (vor allem Angst- und Persönlichkeitsstörungen, Cluster B) bei Patienten mit JME hin. Daraus resultiert eine verringerte Compliance bezüglich der Medikamenteneinnahme und führt konsekutiv zu einer schlechteren Anfallskontrolle. Aktuelle bildgebende Studien bei Patienten mit JME beschreiben eine Assoziation zwischen strukturellen und funktionellen Veränderungen im frontalen Kortex, Thalamus und Beeinträchtigung von Emotionen und Verhalten. Diese morphologischen und funktionellen Abnormitäten weisen auch auf eine Beteiligung des occipitalen und insulären Kortex, Hippocampi, dem Cerebellum und Cingulum hin. Bei Patienten mit Beeinträchtigung der Emotionsverarbeitung bzw. –regulation (wie z.B. bei bipolarer Erkrankung) konnte außerdem eine Störungen zwischen dem Regelkreis des limbischen Systems und dem frontalen Kortex beschrieben werden. Bis dato gibt es bei Patienten mit JME keine bildgebende und neuropsychologische Untersuchung hinsichtlich des limbische Systems und der Emotionsverarbeitung. Die Erforschung der pathophysiologischen Mechanismen der Emotionsverarbeitung ist aufgrund der sozialen Anpassungsstörungen und Verhaltensauffälligkeiten bei Patienten mit JME von hoher Relevanz. Ziel der Studie ist es daher, dies unter verschiedenen Aspekten mittels funktioneller und struktureller Methoden darzustellen und ein einheitliches auf neurobiologischen Erkenntnissen basierendes Konzept zu etablieren. Dies erfolgt einerseits durch den (i) Einsatz neuer neuropsychologischer Testbatterien und fMRI Paradigmen für Emotion und sozialer Kognition; (ii) Einsatz neuer Techniken zur makro- und mikrostrukturelle Evaluierung der beteiligten Hirnstrukturen; (iii) erstmaliger Vergleich der funktionellen/strukturellen Veränderungen von neu diagnostizierten Patienten versus Patienten mit langjährigem Krankheitsverlauf, sowie (iv) Vergleich von funktionellen/strukturellen Veränderungen von JME Patienten mit Geschwistern und gesunden Kontrollpersonen. Die Ergebnisse dieser Studie können wesentlich zur Entwicklung von psychologischen und pharmakologischen Strategien bei Patienten mit JME beitragen und damit zu einem besseren Management der sozialen Anpassungs- und Verhaltensstörungen führen.

Quelle

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