Beschreibung der Studie

Knochenmark-hemmende Chemotherapie bei Krebspatienten führt zu einer starken Hemmung der Produktion von weißen Blutkörperchen, die eine erhöhte Infektionsanfälligkeit zur Folge hat. Infektionen sind die häufigste behandlungsassoziierte Todesursache bei Krebspatienten unter Chemotherapie. Bei etwa 80% der Patienten tritt während der Phase der Knochenmarkhemmung Fieber auf, das in den meisten Fällen ein Zeichen systemischer Infektion ist. Eine frühzeitige Einleitung einer Behandlung mit Breitspektrum-Antibiotika, insbesondere die Kombination Piperacillin/Tazobactam ist angezeigt; in etwa 50% der Patienten wird die Wirksamkeit durch eine stabile Entfieberung erkannt. Eine Nichtansprechbarkeit auf diese Behandlung kann in der Mehrheit der Fälle auf eine unzureichende Dosierung der Antibiotika zurückgeführt werden; diese Annahme wurde auch in einer von uns durchgeführten Pilotstudie bestätigt. Eine einfache Dosissteigerung der verwendeten Antibiotika wird durch neuere Erkenntnisse bezüglich ihrer Nebenwirkungen in Frage gestellt. Insbesondere angesichts der Unkenntnis des zugrundeliegenden Erregers zu Beginn der Therapie erscheint ein individualisiertes Vorgehen mit kontinuierlicher Optimierung der zur Unterdrückung der Infektionszeichen notwendigen Plasmaspiegel angebracht. Die Dosisanpassung soll an den ersten drei Tagen nach Einleitung der Antibiotikatherapie erfolgen; ausschlaggebend sollen Bestimmungen der Plasmaspiegel des Wirkstoffes 4 Stunden nach seiner Verabreichung sein.

Studie via E-Mail versenden

Studiendetails

Studienziel Stabile Entfieberung (ja/nein) definiert als 5 konsekutive fieberfreie Tage ohne Umstellung der antimikrobiellen Therapie. Verglichen wird die Proportion fieberfreier Patienten unter TDM mit der entsprechenden Proportion unter der Kontrollbedingung.
Status Teilnahme möglich
Studienphase 4
Zahl teilnehmender Patienten 208
Stationärer Aufenthalt Keiner
Studientyp Interventionell
Kontrolle Standardtherapie
Finanzierungsquelle Bundesministerium für Bildung und Forschung - Dienstsitz Berlin

Ihr ganz persönlicher Studienberater

Über 25.000 Patienten und Angehörige erhalten über den Studienberater aktuelle und passende Studien per E-Mail. Melden Sie sich jetzt an!

  • Neue Behandlungen entdecken
  • Keine Chance verpassen
  • Wichtigen Beitrag zum medizinischen Fortschritt leisten

Kostet die Teilnahme Geld?

Alle während der Studie durchgeführten Behandlungen und Untersuchungen sind für Sie kostenfrei.

Teilnahme­voraussetzungen

Einschlusskriterien

  • Patienten mit einer Fieberepisode (definiert als 1x Temp. >38,3°C bzw. 2x Temp.>38,0°C innerhalb von 2 Stunden) in Neutropenie (definiert als Leukozytenzahl < 1Gpt/l bzw. neutrophile Granulozyten <0,5Gpt/l) nach myelosuppressiver Chemotherapie
  • geplante/gestarteteTherapie mit Piperacillin/Tazobactam (Pip/Taz)
  • schriftliche Einwilligung des Patienten

Ausschlusskriterien

  • Alter < 18 Jahre
  • Schwangerschaft / Stillzeit
  • Frauen im gebärfähigen Alter ohne adäquaten Empfängnisschutz
  • nicht bestehende Einwilligungsfähigkeit
  • Anamnestisch bekannte Überempfindlichkeit gegen ß-Laktam Antibiotika oder gegen einen der sonstigen Bestandteile der Prüfsubstanz (Pip/Taz)
  • Vorbehandlung mit Pip/Taz >18g innerhalb der letzten 24h vor Randomisierung
  • Teilnahme des Patienten an einer anderen interventionellen klinischen Prüfung
  • Vorherige Studienteilnahme (TARGET-FN)
  • eingeschränkte Leberfunktion (Child-Pugh C)
  • Niereninsuffizienz (eGFR <40ml/min)
  • Infektion, die eine andere definierte antibiotische Therapie erfordert (z.B. Endokarditis)
  • Lebenserwartung < 90 Tage

Adressen und Kontakt

Universitätsklinikum Jena, Klinik für Innere Medizin II, Jena

Ansprechpartner: Prof. Dr. med. Marie von Lilienfeld-Toal

Ihre Nachricht wurde erfolgreich übermittelt!

Etwas ist schief gelaufen. Bitte versuchen Sie es noch einmal.

Häufig gestellte Fragen

Nach einer myelosuppressiven Chemotherapie tritt bei etwa 80% der Patienten während der Phase der Neutropenie Fieber auf, dies ist typischerweise ein Anzeichen für eine systemische Infektion. Infektionen sind die häufigste Ursache der behandlungsassoziierten Mortalität bei Krebspatienten. Neben der signifikant gesteigerten Mortalität ist Fieber in der Neutropeniephase auch mit einem verlängerten Krankenhausaufenthalt und erhöhten Behandlungskosten verbunden. Für den behandelnden Arzt ist bisher Fieber oft das alleinige Anzeichen einer möglicherweise lebensgefährlichen Infektion. Vor dem Hintergrund der bestehenden ausgeprägten Immunsuppression bei neutropenen Patienten ist eine möglichst schnelle empirische Therapie mit einem Breitspektrum-Antibiotikum notwendig. Eines der in diesem Zusammenhang am meisten eingesetzten Antibiotika ist Piperacillin/Tazobactam (Pip/Taz), welches in jedoch nur etwa 50% der Fälle zu einer stabilen Entfieberung führt. Ein Grund des schlechten Ansprechens der Therapie mit Pip/Taz könnten subtherapeutische Plasma-Spiegel sein. Untersuchungen an Patienten, die auf Intensivstationen behandelt wurden, zeigten zu niedrige Plasmaspiegel. Diese Daten unterstreichen die Hypothese, dass eine Unterdosierung auch bei Tumorpatienten zu einem Versagen der empirischen antibakteriellen Therapie mit Pip/Taz führen könnte. Eine einfache Dosissteigerung scheint vor dem Hintergrund eines günstigen Nebenwirkungsprofils von Pip/Taz klinisch vertretbar; jedoch zeigen neuere Untersuchungen, dass Pip/Taz auf das angeborene Immunsystem einen hemmenden Effekt zu haben scheint und bei einem ohnehin supprimierten Immunsystems das Risiko für sekundäre Infektionen weiter vergrößern könnte. Therapeutisches Drug Monitoring hat sich in der Vergangenheit als effiziente Methode zur individualisierten Pharmakotherapie mit Medikamenten mit geringer therapeutischer Breite erwiesen. Für die Behandlung mit Penicillinen ist ein derartiges Vorgehen bisher nur wenig untersucht worden. Die Behandlung mit beta-Laktam-Antibiotika wie Piperacillin basiert auf einer zeitabhängigen antimikrobiellen Aktivität. Ein therapeutischer Plasmaspiegel höher als die minimale Hemmkonzentration (MHK) des Zielkeimes sollte für mindestens 50% der Zeit des Dosierintervalls aufrechterhalten werden. In Unkenntnis des zugrundeliegenden Erregers ist der Plasmazielspiegel so zu definieren, dass das antibakterielle Spektrum des verwendeten Antibiotikums möglichst vollständig ausgeschöpft werden kann und die MHK des gefährlichsten potentiellen Keimes enthalten ist. Eine einfache Möglichkeit zur Optimierung der Plasmaspiegel könnte ein plasmaspiegelgesteuerter individualisierter Dosieralgorithmus zur Vermeidung einer Unterdosierung darstellen. Um einen solchen einfach zu gestalten, sollten möglichst wenige Blutentnahmen zur Dosisanpassung erfolgen müssen. Die immunsuppressiven Eigenschaften einer hoch-dosierten Beta-Laktam-Antibiotikatherapie sowie mögliche Risiken sekundärer Infektionen sollten zusätzlich zur klinischen Sicherheit und der Effektivität einer hoch-dosierten Therapie mit Piperacillin mittels erweiterter Immunphänotypisierung untersucht werden. Um eine zeitabhängige Bias zu vermeiden, wird ein multivariates Modell entwickelt, dass die Zeitabhängigkeit durch das Fieber in der Neutropenie erfasst. Untersucht werden auch Aspekte der Kosteneffektivität von Maßnahmen wie dem TDM-basierten Dosieren von Pip/Taz neben der einfachen Effizienzsteigerung.

Klinische Studien werden durchgeführt, um die Sicherheit und Wirksamkeit von Medikamenten, medizinischen Geräten oder Verfahren nachzuweisen. Sie untersuchen, welche Behandlungsmethode sich am besten zur Therapie einer bestimmten Erkrankung oder Gruppe von Betroffenen eignet. Vor der Marktzulassung müssen alle neuen Behandlungsmethoden einer Reihe von klinischen Prüfungen unterzogen werden.

Klinische Studien bilden die Voraussetzungen für neue Behandlungsmöglichkeiten. Die Ergebnisse klinischer Studien treiben den medizinischen Fortschritt. Sie geben Ärzten das Wissen darüber wie Behandlungen eingesetzt werden und für wen sie sich am besten eignen. Nur durch den Einsatz der freiwilligen Teilnehmer können Studien erfolgreich abgeschlossen werden. Die teilnehmenden Patienten bekommen auch die Möglichkeit sehr früh von einer neuen Behandlung zu profitieren. Es dauert nämlich durchschnittlich 12 Jahre bis eine neue Behandlung öffentlich verfügbar wird. Alle Behandlungen und Medikamente, die Patienten derzeit nutzen, wurden im Rahmen klinischer Studien erprobt, um sicherzugehen, dass diese sicher sind und wirken.

Damit sichergestellt wird, dass nur diejenigen Betroffenen an der Studie teilnehmen, die am wahrscheinlichsten davon profitieren, werden Sie von dem Studienarzt umfassend untersucht. Dieser Vorgang wird als Screening bezeichnet und findet, vor einer möglichen Studienteilnahme, in dem jeweiligen Studienzentrum statt. Dazu gehört auch ein Gespräch mit dem Studienarzt, welches Sie umfassend über die Studie aufklärt und Ihnen die Möglichkeit gibt, Fragen zu stellen. Je nach Studie sind zusätzliche Untersuchungen (z.B. Labor oder Ultraschall) notwendig, um zu bestimmen, ob Sie an der Studie teilnehmen können.

Es gibt verschiedene Gründe, an klinischen Studien teilzunehmen. Durch Ihre Teilnahme leisten Sie einen wertvollen Beitrag zur medizinischen Forschung. Sie erhalten Zugang zu neuartigen Behandlungsmethoden, die sich möglicherweise besser für Ihre Erkrankung eignen, als bisherige Ansätze. Darüber hinaus könnten Sie von der intensiven und individuellen medizinischen Betreuung in den Studienzentren profitieren. Die Teilnahme an einer klinischen Studie eröffnet vielen Betroffenen eine neue Perspektive, ihre gesundheitliche Situation verbessern zu können.

Klinische Studien werden durchgeführt, weil noch nicht alle Einzelheiten über ein Medikament, medizinisches Gerät oder Verfahren bekannt sind. Es besteht die Möglichkeit, dass Sie nicht von der Studienteilnahme profitieren. Alle potenziellen Risiken werden vor Studienbeginn mit Ihnen ausführlich im Studienzentrum besprochen. So können Sie für sich den möglichen Nutzen sorgfältig gegen eventuelle Risiken abwägen. Sie können bei den Gesprächen so viele Fragen stellen, bis Sie sich sicher für oder gegen eine Teilnahme entscheiden können.

Sie können Ihre Teilnahme an einer klinischen Studie jederzeit und ohne Angabe von Gründen beenden.

Die bei der Studie gesammelten Informationen dürfen nur zu Forschungszwecken verwendet werden. Ihre Informationen werden in einer verschlüsselten Form gespeichert, die zu keiner Zeit einen Rückschluss auf Ihre Person erlaubt. Lediglich Ihr Studienarzt hat die Möglichkeit, die Informationen zu entschlüsseln. Falls die Studienergebnisse im Rahmen von Präsentationen oder Veröffentlichungen verwendet werden, werden Sie niemals namentlich erwähnt. Auch wird niemandem ohne Ihr schriftliches Einverständnis mitgeteilt, dass Sie an der Studie teilnehmen bzw. teilgenommen haben.

Nachdem eine neue Behandlungsmethode zugelassen wurde, werden Studien der Phase 4 durchgeführt, um noch mehr darüber zu erfahren. Sie können beispielsweise dazu dienen, um den Nutzen sowie mögliche Risiken zu bestätigen. Dabei wird die Studie unter den Bedingungen durchgeführt, die auch in der alltäglichen Behandlung vorherrschen. An der Studie nehmen deshalb oft mehrere hundert bis tausend Patienten teil. Die Teilnahme kann sich über mehrere Jahre erstrecken. Der Phase 4 sind Studien der Phase 1-3 vorhergegangen, in denen die neue Methode bereits an hunderten bis tausenden Gesunden und Betroffenen auf Wirksamkeit und Sicherheit geprüft wurde.

Die Ergebnisse von klinischen Studien beeinflussen die Behandlungsmethoden, mit denen Betroffene in der Gegenwart und der Zukunft behandelt werden. Daher ist es wichtig, zuverlässige Ergebnisse zu erhalten. Um zuverlässige Ergebnisse zu erhalten, müssen Studien sorgfältig geplant werden. Dazu gehört, dass die Teilnehmer vor Beginn in verschiedene Gruppen eingeteilt werden und genau definiert wird, wie die Gruppen behandelt werden. Auf diese Weise können Behandlungsmethoden unter gleichen Bedingungen miteinander verglichen werden. So kann im Anschluss der Studie eine Aussage darüber gefällt werden, welche der eingesetzten Behandlungsmethoden für die untersuchte Fragestellung am besten geeignet ist. Unabhängig davon, welcher Gruppe die Teilnehmer angehören, werden Sie intensiv durch das Studienpersonal betreut.

Damit man sich auf Studienergebnisse verlassen kann, müssen Studien möglichst vor äußeren Einflussfaktoren geschützt werden, die zu einer Verfälschung der Ergebnisse führen könnten. Zu den Einflussfaktoren gehören zum Beispiel das Alter oder der Schweregrad einer Erkrankung. Eine wichtige Methode, um die Auswirkung solcher Einflussfaktoren zu minimieren, ist die Randomisierung. Darunter versteht man, dass die Zuteilung zu den verschiedenen Teilnehmergruppen zufällig erfolgt. Das heißt, dass weder die Teilnehmer noch der Arzt einen Einfluss darauf haben, welcher Gruppe ein Teilnehmer zugeordnet wird. Durch die zufällige Zuteilung wird dafür gesorgt, dass sich die Einflussfaktoren gleichermaßen auf die Gruppen auswirken. So wird zum Beispiel verhindert, dass einer Gruppe nur die weniger stark betroffenen zugeteilt werden. In diesem Fall wäre es nicht möglich, die beiden Gruppen zuverlässig miteinander zu vergleichen.

Quelle: Deutsches Register Klinischer Studien