Beschreibung der Studie

Störungen des Gedächtnisses und anderer kognitiver Leistungsfunktionen (z.B. der Konzentration, der Sprache, des Planungs- und Entscheidungsvermögens) im höheren Lebensalter sind oftmals erste Anzeichen einer Demenz und bedürfen einer frühzeitigen und sorgfältigen diagnostischen Abklärung. Hierauf spezialisierte Gedächtnisambulanzen ("Memory Clinic") bieten ausführliche diagnostische Untersuchungen an: Befragung des Patienten (und Angehörigen) zu den aktuellen psychischen Beschwerden und der Krankenvorgeschichte, orientierende Prüfung der geistigen Leistungsfunktionen, Blutentnahme, körperliche und neurologische Untersuchung, Elektrokardiogram sowie einer bildgebenden Diagnostik des Gehirns (Messen der Hirnströme mittels Elektroenzephalographie, Darstellung der Gehirnstruktur mittels Magnetresonanztomographie oder Computertomographie). Speziellere Untersuchungen umfassen eine differenziertere neuropsychologische Prüfung der geistigen Leistungsfunktionen (Gedächtnis, Konzentration, Sprache etc.), die Bestimmung von bestimmten Eiweißstoffen im „Nervenwasser“ aus dem Rückenmarkskanal (Lumbalpunktion) zur Früherkennung der neurodegenerativen und somit fortschreitenden Alzheimer-Demenz (häufigste Form aller Demenzen), Ultraschalluntersuchung sowie in besonderen Fällen eine neuroradiologische Untersuchungen (Positronen-Emissions-Tomografie oder Single-Photon-Emissions-Computertomografie). Bei Verdacht auf eine erbliche Demenzerkrankung kann auch eine genetische Untersuchung angezeigt sein. Nachteile bestimmter Untersuchungsmethoden bestehen darin, dass sie zeit- bzw. kostenintensiv sind, z.T. werden Untersuchungen wie die Lumbalpunktion auch aufgrund ihres invasiven Charakters (und damit verbundenen Risiken) ablehnt. Das Ziel der Studie besteht darin, nicht-invasiv zu erfassende frühe Anzeichen und Risikofaktoren einer (möglichen) Demenz im Hinblick auf ihren prognostischen Wert zu untersuchen. Zu diesen frühen Anzeichen und Risikofaktoren gehören Angst- und Depressionssymptome, Besorgnis über subjektiv wahrgenommene Einbußen der geistigen Leistungsfähigkeit, ein vermehrtes Stresserleben, Schlafstörungen sowie Veränderungen des Gangbildes und der Geruchswahrnehmung. Die Studie besteht aus 2 Teilen: Zum einen werden bereits vorhandene Daten (d.h. rückblickend) der Gedächtnisambulanz der Vitos Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie Gießen im Hinblick auf Patientencharakteristika (z.B. Alter, Geschlecht, Diagnose), die durchgeführten diagnostischen Untersuchungen (neuropsychologische Untersuchung, Lumbalpunktion, bildgebende Diagnostik etc.) und Überweisungsmodalitäten (z.B. Überweisung durch Facharzt für Allgemeinmedizin, Facharzt für Neurologie oder Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie) ausgewertet. Der prospektive Studienteil untersucht den prognostischen Wert von nicht-invasiv zu erhebenden Merkmalen für den zukünftigen Verlauf der kognitiven Funktionsfähigkeit. Neben den routinediagnostischen Maßnahmen der Demenzdiagnostik werden an Studienpatienten folgende Untersuchungen vorgenommen: A) Interview des Patienten (und Angehörigen) zu Störungen der geistigen Leistungsfunktionen und deren Auswirkungen auf den Alltag; B) Fragebögen zu Angst, Depressivität, Schlafqualität, Stresserleben, lebensoptimistische Einstellungen und circadianer Präferenz; C) Geruchstest; D) Prüfung zur Beurteilung der Mobilität und des Sturzrisikos; E) Registrierung der Bewegungsaktivität über Nacht (Aktigraphie); F) biologische Stressmaße (Speichelproben); G) Beurteilung durchblutungsbezogener Risikofaktoren sowie H) einer Prüfung auf Restless-Legs-Syndrom. Zur Beschreibung des Verlaufs werden diese Untersuchungen über 2 Jahre im Abstand von 6 Monaten (d.h. nach 6, 12, 18 und 24 Monaten) wiederholt. Dieses Vorgehen erlaubt die Untersuchung der Beziehung zwischen den unter B-E aufgeführten Maßen und dem zukünftigen Verlauf der kognitiven Symptomatik.

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Studiendetails

Studienziel Longitudinale Verschlechterung der Kognition erfasst über Veränderung des Scores der Clinical Dementia Rating vom ersten Messzeitpunkt (Erstuntersuchung in der Gedächtnisambulanz) zu Folgeuntersuchung nach 6, 12, 18 und 24 Monaten um ≥ 0,5 Punkte.
Status Rekrutierung abgeschlossen, follow up abgeschlossen
Zahl teilnehmender Patienten 100
Stationärer Aufenthalt Keiner
Finanzierungsquelle Ärztlicher Direktor, Vitos Klinikum Gießen-Marburg

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  • Für den prospektiven Studienteil: Behandlung in den Vitos Kliniken für Psychiatrie und Psychotherapie Gießen und Marburg (Vitos Klinikum Gießen-Marburg, ambulant, teilstationär oder stationär), Alter > 50 Jahre, Einwilligungsfähigkeit zu Beginn (1. Untersuchungstermin), Abklärungsbedarf (subjektiv oder objektiv), Zuweisung/Überweisung durch Facharzt.
  • Für den retrospektiven Studienteil: Überweisung zur Gedächtnisambulanz durch Facharzt im Zeitraum zwischen August 2013 und Juni 2015.

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Gedächtnisambulanzen bieten eine diagnostische Abklärung für Menschen mit kognitiven Beeinträchtigungen an. Die Früherkennung der Alzheimer-Demenz nimmt angesichts zur Verfügung stehender sensitiver und spezifischer biologischer Marker von neurodegenerativen Prozessen (Liquormarker Aß1-42, Gesamt-Tau und P181Tau, sowie im Bereich bildgebender Verfahren Hippokampus-Volumetrie, Diffusions-Tensor-Imaging sowie FDG- und Amyloid-PET) einen zunehmend größeren Stellenwert ein, da diese - insbesondere bei kombinierter Betrachtung - die Entwicklung zu einer Demenz bereits im präklinischen Stadium prädizieren können. Die in der Früherkennung und Frühdiagnostik eingesetzten Untersuchungen sind jedoch z.T. invasiv (Liquorpunktion), kosten- (MRT) und zeitintensiv (neuropsychologische Testung) und daher für ein Screening nur eingeschränkt geeignet. Daher ergibt sich ein Bedarf an weiterer einfach durchzuführender, nicht invasiver diagnostischer Verfahren im Rahmen der Früh- und Differentialdiagnostik. Veränderungen der der Geruchswahrnehmung, des Gangbildes, sowie Änderungen und Störungen der circadianen Rhythmizität und des Schlafs als mögliche Frühzeichen neurodegenerativer Erkrankungen bekannt, auch vaskulären Risikofaktoren scheinen in Entstehung und Fortschreiten kognitiver Störungen involviert. Nach aktuellen Forschungsergebnissen gelten zudem v.a. rezidivierende und nicht behandelte Depressionen als Risiko für die Entwicklung degenerativer Demenzen. Als weitere Risikofaktoren gelten auch vermehrte Ängstlichkeit und erhöhte Stressreagibilität sowie eine subjektiv beklagte kognitive Beeinträchtigung (ohne objektivierbares Defizit). Im Rahmen eines retrospektiven Teils des Forschungsprojekts werden Patientencharakteristika (soziodemographische und klinische Variablen), die entsprechend der S3-Leitline "Demenz" durchgeführten diagnostischen Untersuchungen (neuropsychologische Untersuchung, Lumbalpunktion, bildgebende Diagnostik etc.) sowie Zuweiserdaten (Fachgebiet: Facharzt für Allgemeinmedizin, Facharzt für Neurologie, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie) systematisch ausgewertet. Ein prospektiver Teil basiert auf einer Längsschnittuntersuchung zur Vorhersage eines "cognitive decline" im Verlauf von zwei Jahren durch folgende Parameter: Neuropsychologische Parameter, subjektive Angaben zur kognitiven Leistung (u.a. "memory concerns") Stressverarbeitung und -reagibilität (subjektiv als auch mittels biologischer Stressmaße, d.h. Cortisol und Alpha-Amylase im Speichel), nicht-kognitive Psychopathologie (Angst/Depression mittels Fragebögen), Mobilität („timed up-and-go test“), Geruchswahrnehmung (semiquantitative Olfaktometrie), circadiane Rhythmizität und Schlaf (Fragebogen zur Schlafqualität und circadianen Präferenz, Aktigraphie, Screening-Untersuchung auf Restless-Legs-Syndrom) und vaskuläre Risikofaktoren (Hachinski-Score). Verlaufsuntersuchungen finden nach 6,12, 18 und 24 Monaten statt.

Quelle

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