Beschreibung der Studie

Auch psychische Problemkonstellationen, Störungen und Erkrankungen haben biologische und genetische Bedingungsgefüge, die solche Symptomatik möglich machen und/oder aufrechterhalten. In den letzten Jahren sind dazu bedeutende neue Erkenntnisse erwachsen. So wissen wir z.B. dass sogenannte traumatische, also sehr schwerwiegende und schlimme Lebensereignisse ihre Spur in unserem genetischen Material hinterlassen und so zu veränderten Genregulationen führen, die dann Symptomatik ausmachen. Die Frage, ob und welche veränderten Genregulationen auftreten, hängt dabei allerdings auch von der genetischen Grundausstattung, sowie den Zeitpunkten und –räumen ab, zu denen traumatische Ereignisse auftreten. Suchtmittel, wie Alkohol und Cannabis, können bestimmte Beschwerden der posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS), wie die Schlafstörungen, lindern und werden deshalb von Betroffenen oft eingesetzt als Selbstmedikation. Dabei entwickeln dann einige Betroffene eine Abhängigkeitserkrankungen, während andere solchen Substanzkonsum problemlos kontrollieren und zumeist auch wieder einstellen. Warum es hier diese unterschiedlichen Verläufe gibt bzgl. der Suchtfolgeerkrankungen, ist bisher nicht erforscht und unbekannt. Damit bleibt die Therapie bisher auch zumeist unspezifisch, und oft laufen Betroffene mehrere Jahre allein durch das Suchthilfesystem ohne eben gezielte Hilfe für die zugrundeliegende PTBS zu erlangen. Wir wollen deshalb die klinisch-wissenschaftliche Studie durchführen, in der wir klinisch und unter Nutzung bestimmter genetischer Untersuchungen feststellen wollen, ob eine bestimmte genetische Variante im körpereigenen Stress-Regulationssystem bedeutsam ist für diese unterschiedliche Entwicklung von Menschen mit PTBS bzgl. der Abhängigkeitsentwicklung. Dazu untersuchen wir zum Vergleich 3 Gruppen: 1) Menschen, bei denen sowohl eine PTBS als auch eine Abhängigkeitserkrankung diagnostiziert wurde. 2) Menschen, bei denen eine PTBS alleine diagnostiziert wurde und keine zusätzliche Abhängigkeitserkrankung besteht. 3) Menschen, bei denen eine andere psychiatrische Diagnose als PTBS besteht mit und ohne Abhängigkeitserkrankung; als Kontrollgruppe

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Studiendetails

Studienziel Der Endpunkt der Studie ist für Teilnehmer erreicht nach Vollendung der folgenden Studienunterteile: Blutentnahme, Anamnese und Vollendung aller Fragebögen und psychologischer Testungen. Die Erhebung aller Daten umfasst ungefähr 8 Wochen (durch variabele Blutentnahme Termine während des Therapiezeitraums), maximal den Therapiezeitraum. Zielvariable ist Blutentnahme zur Bestimmung des genetischen Materials im Stresshormonsystem.
Status Teilnahme möglich
Zahl teilnehmender Patienten 400
Stationärer Aufenthalt Keiner
Finanzierungsquelle Fachklinik St. Marienstift Dammer Berge

Kostet die Teilnahme Geld?

Alle während der Studie durchgeführten Behandlungen und Untersuchungen sind für Sie kostenfrei.

Teilnahme­voraussetzungen

Einschlusskriterien

  • ICD-10 Diagnose PTBS ( posttraumatischen Belastungsstörung)
  • Zusätzliche Abhängigkeitsstörungsdiagnose nach ICD-10 oder keine zusätzliche Abhängigkeitsstörung nach ICD-10
  • Mindestalter 18 Jahre
  • Ausreichendes Sprachverständnis zum Bearbeiten der strukturierten Fragebogendiagnostik auf Deutsch oder mit Dolmetscher über die Muttersprache
  • Abgeschlossene Entgiftungsbehandlung

Ausschlusskriterien

  • Zusätzliche ICD-10 Diagnose einer Schizophrenie
  • Zusätzliche ICD-10 Diagnose einer Intelligenzminderung
  • Zusätzliche Diagnose einer Demenz von mittelschwerem oder schwerem Ausmaß
  • Schwerwiegende körperliche Erkrankungen, die eine Studienteilnahme unverhältnismäßig erscheinen lassen
  • Schwerwiegende Anämie, Hb unter 9 mg/dl, Erythrozyten unter 3/pl im peripheren Blut

Adressen und Kontakt

Zentrum für integrative Psychiatrie am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein, Campus Kiel, Kiel

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Fachklinik St. Vitus, Visbek

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Fachklinik St. Marienstift Dammer Berge, Neuenkirchen-Vörden

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Häufig gestellte Fragen

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In Folge des Erlebens von traumatischen Ereignissen, wie z.B. Naturkatastrophen, Gewalterfahrung, fortgesetzte emotionale Vernachlässigung und Entwertung in der Kindheit und Jugendzeit, entwickelt ein Teil der betroffenen Menschen eine Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) nach der Internationalen Klassifikation von Erkrankungen, 10. Revision (ICD-10). PTBS stellt dabei eine länger- und langfristige unangepasste Stressreaktion dar, die folgende Symptome nach ICD-10 aufweist: A. Person war einem kurz- oder langanhaltenden Ereignis von außergewöhnlicher Bedrohung oder mit katastrophalem Ausmaß ausgesetzt, das bei nahezu jedem tiefgreifende Verzweiflung auslösen würde. B. Anhaltende Erinnerungen oder Wiedererleben der Belastung durch aufdringliche Nachhallerinnerungen, lebendige Erinnerungen, sich wiederholende Träume oder durch innere Bedrängnis in Situationen, die der Belastung ähneln oder mit ihr im Zusammenhang stehen. C. Umstände, die der Belastung ähneln oder mit ihr im Zusammenhang stehen, werden tatsächliche oder möglichst vermieden. Dieses Verhalten bestand nicht vor dem belastenden Erlebnis. D. Entweder 1. oder 2. 1. Teilweise oder vollständige Unfähigkeit, einige wichtige Aspekte der Belastung zu erinnern. 2. Anhaltende Symptome einer erhöhten psychischen Sensivität und Erregung (nicht vorhanden vor der Belastung) mit zwei oder mehr der folgenden Merkmale: a. Ein- und Durchschlafstörungen b. Reizbarkeit oder Wutausbrüche c. Konzentrationsschwierigkeiten d. Hypervigilanz e. Erhöhte Schreckhaftigkeit E. Die Kriterien B., C., und D. treten innerhalb von sechs Monaten nach dem Belastungsereignis oder nach dem Ende einer Belastungsperiode auf. (Aus bestimmten Gründen, z.B. wissenschaftliche Untersuchungen, kann ein späterer Beginn berücksichtigt werden, dies sollte aber gesondert angegeben werden) Betroffene Menschen leiden langfristig vor allem unter den Hyperarousal-Symptomen, dem Schlafdefizit mit allen leistungsmindernden Folgen. Hier werden dann von fast allen Betroffenen im Verlauf der psychischen Erkrankung sedierende Suchtmittel zur Selbstmedikation eingesetzt, wie Alkohol und Cannabis. Ein Teil der Betroffenen entwickelt daraus dann einen chronischen Konsum mit Abhängigkeitserkrankung, während ein anderer Teil den Suchtmittelkonsum wieder einstellt und keine Abhängigkeit entwickelt. Warum sich bei gleicher Grunddiagnose der PTBS die einen in Sucht verfangen, die anderen nicht, ist nach wie vor unbekannt. Auf Grundlage der an Menschen mit Schizophrenie als chronischer Stresserkrankung publizierten Daten, dass bestimmte genetische Varianten des Stresshormonsystems signifikant mit Alkoholabhängigkeit der schizophrenen Patienten assoziiert sind und sich so sogar Alkoholabhängigkeit bei Menschen mit Schizophrenie voraussagen läßt, haben wir unsere Studienhypothese entwickelt. Wir hypostasieren, dass dieselben genetischen Varianten des Stresshormonsystems auch bei den chronisch gestressten Betroffenen von PTBS die Differenzierung nach chronischem Suchtmittelkonsum mit Abhängigkeitsentwicklung bedingen. Insofern planen wir, in unserer Studie Menschen mit posttraumatischer Belastungsstörung mit und ohne Abhängigkeitserkrankungen nach den erwähnten Varianten im Stresshormon-System zu untersuchen (SNP CHRH1 rs110402 und SNP CRHBP rs3811939). Um auszuschließen, dass die Diagnose der PTBS an sich mit diesen selben genetischen Varianten interagiert, planen wir, auch Patienten mit anderen psychiatrischen Diagnosen mit und ohne Abhängigkeitserkrankungen als Kontrolle zu untersuchen. Die Untersuchung auf die genetische Variante ist über eine einfache periphere Blutentnahme, kombiniert mit einer klinischen Routineabnahme möglich. Um weitere, mögliche intervenierende Variablen zu erkennen, werden die Patienten außerdem mithilfe strukturierter Diagnose-, Schweregrad- und psychosozialer Fragebogeninstrumente, die in der klinischen Routine bereits erhoben werden, weiter charakterisiert. Patienten sollen rekrutiert werden in den Fachkliniken St. Marien-St. Vitus GmbH, sowie am Zentrum für integrative Psychiatrie am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein, Campus Kiel. Unser Ziel ist es mit dieser in klinischer Routine und ohne bedeutsame zusätzliche Belastung für die Patienten durchzuführenden Studie festzustellen, ob die avisierte genetische Variante im Stresshormonsystem auch bei Menschen mit PTBS differenzierend ist für die in Folge entwickelte Abhängigkeitserkrankung. Denn die zusätzliche komorbide Suchterkrankung verschlechtert bisher die Behandlungsprognose für Betroffene erheblich, leitet diese traumatisierten Menschen oft lange erst fälschlich in alleinige Suchtbehandlung, verlängert ihr Leiden und chronifiziert ihr Störungsbild3. Würde unsere Hypothese bestätigt, bzw. wissenschaftstheoretisch unsere Nullhypothese falsifiziert, dann würde es möglich werden, unmittelbar nach Ausbilden einer PTBS oder sogar schon nach Erleben eines schwerwiegenden Ereignisses des A-Kriteriums nach ICD-10 über so einen einfachen Bluttest festzustellen, ob ein hohes Risiko für folgende Suchterkrankung besteht, so dass von vornherein die psychiatrisch-psychotherapeutische Behandlung entsprechend geplant und rasch in Angriff genommen werden kann. Dies könnte auch erweiternd für die ja in der Fachwelt immer noch offene und kontrovers diskutierte Frage bedeutsam sein, welche der von traumarelevanten Ereignissen betroffenen Menschen sollte man umgehend und frühzeitig fachlich begleiten und behandeln. Die mit signifikant erhöhtem Sekundärstörungsrisiko für Suchterkrankungen zählen aus unserer Sicht dann dringend dazu. Zusammenfassend wollen wir also wenig eingreifend und weitgehend in klinischer Routine bleibend untersuchen, ob ein kleines genetisches, nicht proteincodierendes Varianzmerkmal im Stresshormonsystem bei Patienten mit PTBS den Unterschied für zusätzliche Abhängigkeitserkrankung mit prognoseminderndem Effekt ausmacht, und wir so zukünftig rasch frühzeitig schon dieses Risiko erkennen und verhütend eingreifen können.

Quelle

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