Beschreibung der Studie

Menschen mit einer Binge-Eating-Störung (BES) zeigen ein starkes Verlangen nach Essen, können nicht mit dem Essen aufhören oder es verhindern, zu viel zu essen. Dieses Verhalten ähnelt dem von Menschen mit Substanz-Gebrauchsstörungen, welche ein starkes Verlangen nach bestimmten Substanzen aufweisen. Diagnostisch bestimmt wird die BES durch das Essen objektiv großer Nahrungsmengen, einhergehend mit einem Kontrollverlust, ohne regelmäßige gewichtskompensatorische Maßnahmen. 1,9 % aller Erwachsenen aus der Allgemeinbevölkerung erhalten aufgrund der Häufigkeit und Schwere der Essanfälle die Diagnose der BES. Zugrunde liegen oftmals eine erhöhte Impulsivität und eine eingeschränkte kognitive Steuerung, die hinsichtlich des Essen besonders ausgeprägt sind und sich in einem vermehrten Ansprechen auf Belohnungsreize (z. B. Nahrung), einer geringeren Hemmung spontaner Handlungsimpulse und einer geringeren Planungs- und Problemlösungskapazität äußert. Diese Defizite in Exekutivfunktionen erschweren nicht nur die Kontrolle des Essverhaltens, sondern auch ein gesundheitsförderliches Gewichtsmanagement. Während sich Psychotherapie zur Behandlung von Essanfällen als wirksam herausgestellt hat, fehlt es an Interventionen, die speziell auf eine Behandlung von Impulsivität und mangelnder kognitiver Steuerung abzielen. Das Elektroenzephalogramm (EEG)-Neurofeedback ist eine Form des Biofeedbacks, mit der Menschen lernen, ihre Hirnaktivität zu kontrollieren. Aus zahlreichen Studien zur Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) ist bekannt, dass EEG-Neurofeedback Impulsivität, Unaufmerksamkeit und Hyperaktivität signifikant verringern kann. Aufgrund der Verbreitung der BES und ihrer psychischen und körperlichen Folgeprobleme ist es von vordringlicher Relevanz, neue Interventionen wie das EEG-Neurofeedback als Behandlungsoption zu erforschen. Wenn sich das EEG-Neurofeedback als wirksam erweist, könnte es als adjuvante Intervention für die BES in der Essanfalls- und Gewichtsreduktionstherapie eingesetzt werden. Das Ziel der vorliegenden Studie ist daher, die Machbarkeit, Akzeptanz und Wirksamkeit von EEG-Neurofeedback bei Menschen mit BES zu überprüfen. Die Wirksamkeit des Verfahrens wird einerseits an der Reduktion von Essanfällen und andererseits an der Verbesserung kognitiver Funktionen sowie der psychischen und physischen Lebensqualität bemessen.

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Studiendetails

Studienziel Anzahl der Essanfälle (objektive Essanfälle) zum Behandlungsende, gemessen mit dem Eating Disorder Examination (EDE)
Status Rekrutierung abgeschlossen, follow up läuft noch
Studienphase 1 bis 2
Zahl teilnehmender Patienten 60
Stationärer Aufenthalt Keiner
Studientyp Interventionell
Kontrolle Wirksame Behandlung
Finanzierungsquelle Bundesministerium für Bildung und Forschung

Kostet die Teilnahme Geld?

Alle während der Studie durchgeführten Behandlungen und Untersuchungen sind für Sie kostenfrei.

Teilnahme­voraussetzungen

Einschlusskriterien

  • Binge-Eating-Störung oder Binge-Eating-Störung geringer Häufigkeit und/oder begrenzter Dauer nach DSM-5; Body-Mass-Index (BMI) 25 – 45 kg/m²; Alter 18-60 Jahre; ausreichende Sprachkenntnisse

Ausschlusskriterien

  • Erkrankung/Medikamente mit Einfluss auf Essverhalten, Gewicht oder exekutive Funktionen (Kopfverletzungen, z.B. schweres Schädel-Hirn-Trauma, Multiple Sklerose); momentane oder geplante konservative Gewichtsreduktionsbehandlung innerhalb der nächsten 6 Monate; geplanter bariatrischer Eingriff in den nächsten 6 Monaten oder in den vorhergehenden 24 Monaten erfolgter bariatrischer Eingriff; Teilnahme an anderen Interventionen bzw. interventionellen Studien; psychotherapeutische Behandlung mit Fokus auf BES; aktuelle Substanz-Gebrauchsstörung; Schwangerschaft/Stillzeit; unkorrigierte Beeinträchtigung des Hör- oder Sehvermögens

Adressen und Kontakt

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Häufig gestellte Fragen

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Psychische Störungen, bei denen eine erhöhte Impulsivität und eine verminderte Inhibitionsfähigkeit eine Rolle spielen (ADHS und Substanz-Gebrauchsstörungen), weisen gemeinsame neurobehaviorale Korrelate mit der BES und der Adipositas auf. Diagnostisch bestimmt wird die BES durch Essanfälle, die definiert sind als das Essen objektiv großer Nahrungsmengen, einhergehend mit einem subjektiven Kontrollverlust, in Abwesenheit von regelmäßigen unangemessenen Maßnahmen zur Gewichtskompensation. Da die Anwendung von EEG-Neurofeedback-Paradigmen große Effekte auf die Verminderung von Impulsivität und Stärkung der Inhibitionsfähigkeit bei Kindern mit ADHS zeigte, wird vermutet, dass EEG-Neurofeedback auch Menschen mit BES helfen könnte, die durch impulsives Verhalten und verminderte Inhibition gekennzeichneten Essanfälle zu verringern. Einige Studien haben bereits gezeigt, dass bei BES bestimmte EEG-Frequenzbänder eine veränderte Aktivität aufweisen. So ist bei adipösen Frauen und Frauen mit BES die Betaband-Aktivität in frontalen und zentralen Regionen im Vergleich zu Kontrollprobanden ohne Adipositas bzw. BES erhöht, während die Thetaband-Aktivität in präfrontalen Regionen bei adipösen Frauen im Vergleich zu Kontrollprobanden reduziert ist. Bei einer Gruppe von Gezügelten Essern konnte bereits ein EEG-Neurofeedback Paradigma zur Reduktion der Betaband-Aktivität erfolgreich zur Reduktion von Überessenstendenzen eingesetzte werden. Für die BES fehlt es bislang an Studien, die die Wirksamkeit von EEG-Neurofeedback für die Reduktion von Essanfällen mit Kontrollverlust überprüfen. Das Ziel der vorliegenden Studie ist daher, die Machbarkeit, Akzeptanz und Wirksamkeit von EEG-Neurofeedback bei Menschen mit BES zu überprüfen. Die Wirksamkeit des Verfahrens wird einerseits an der Reduktion von Essanfällen und andererseits an der Verbesserung kognitiver Funktionen, der psychischen und physischen Lebensqualität bemessen. Dazu werden zwei aktive Behandlungsgruppen miteinander verglichen (Between-Vergleich). Zudem wird jedem Behandlungsarm eine 6-wöchige Wartezeit vorangestellt, welche Vergleiche innerhalb der Behandlungsarme über die Zeit ermöglicht (Within-Vergleich). Als Intervention wird ein Beta/Theta-Paradigma eingesetzt, welches auf den bisherigen EEG-Befunden bei BES aufbaut. Hierbei soll die fronto-zentrale Betaband-Aktivität verringert und die fronto-zentrale Thetaband-Aktivität erhöht werden. Zur Gewährleistung der Übertragbarkeit auf das beschriebene Problemverhalten werden für das EEG-Neurofeedback Bilder von spezifischen Nahrungsstimuli verwendet, die gewöhnlich zu Essanfällen führen (sogenanntes Binge Food). Diese Stimuli werden nach der persönlichen Valenz ausgewählt. Verglichen wird das Beta/Theta-Training mit einem Training der langsamen kortikalen Potentiale (SCP), welches bereits erfolgreich bei ADHS und Substanz-Gebrauchsstörungen zur Reduktion der Impulsivität und Erhöhung der Inhibitionsfähigkeit eingesetzt wird. Dieses eher allgemeine EEG-Neurofeedbacktraining soll über die spezifischen Effekte des Beta/Theta-Trainings Auskunft geben. In beiden Behandlungsarmen werden 10 Sitzungen EEG-Neurofeedback über 6 Wochen durchgeführt. In allen Gruppen wird zu Studienbeginn, vor Therapiebeginn und zu Therapieende eine ausführliche Diagnostik durchgeführt, zusätzlich findet ein Follow-up nach 3 Monaten statt.

Quelle

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