Beschreibung der Studie

Die Deutsch-Österreichischen Leitlinien zur antiretroviralen Therapie der HIV-Infektion empfehlen derzeit für die Erstbehandlung der HIV-Infektion eine ganze Reihe von verschiedenen Therapiekombinationen. Diese sind hinsichtlich ihrer Wirksamkeit gegen HIV vergleichbar. Allerdings gibt es Unterschiede bei der Verträglichkeit und den Therapiekosten. Es existieren in Deutschland keine Studien, die diese Therapien im klinischen Alltag hinsichtlich ihrer klinischen Effektivität und der Behandlungskosten untersucht haben. Es werden im Rahmen der PROPHET Studie ausdrücklich keine Vorgaben bezüglich der Therapie gegeben, um einen realistischen Eindruck in den klinischen Therapiealltag in Deutschland zu bekommen. Wichtige Faktoren, die untersucht werden sollen, sind Therapieerfolg, körperliches wie seelisches Wohlbefinden sowie Lebensqualität und die Behandlungskosten. Hierzu werden 480 HIV-infizierte, therapienaive Patienten über einen Verlauf von 2 Jahren beobachtet. Es werden sowohl klinische als auch gesundheitsökonomische Daten erfasst und ausgewertet.

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Studiendetails

Studienziel Die primären Endpunkte sind: 1. Anteil der Patienten mit einer Viruslast von unter 200 HIV-RNA Kopien/ml zu Monat 24 (ITT, Intention-to-treat-Analyse) 2. Anteil der Patienten mit virologischem Therapieversagen. Dieses wird definiert als eine bestätigte HIV RNA von über 200 Kopien/ml (basierend auf der DHHS-Definition für virologisches Versagen) oder eine nicht bestätigte HIV RNA >200 Kopien/mL in Kombination mit einer subsequenten Therapiemodifikation. 3. Absolute CD4-Zellanstiege gegenüber Baseline zu den Monaten 12 und 24 (ITT, AT), insbesondere im Vergleich zwischen so genannten Late-Presentern (definiert als Patienten mit einer CD4-Zellzahl unter 350/ul oder einer AIDS-Erkrankung, analog zu dem derzeitigen europäischen Konsensus) und Patienten mit einer CD4-Zellzahl ≥350/µl und ohne vorausgegangene AIDS-definierende Erkrankung. 4. Anteil der Patienten mit einer Immunrekonstitution auf >750 CD4-Zellen/µl in der Gruppe der Late-Presenter im Vergleich zu Patienten mit einer CD4-Zellzahl ≥350/µl und ohne vorausgegangene AIDS-definierende Erkrankung. 5. Gesamtkosten aufgrund der HIV-Infektion/AIDS wie im Rahmen der K3A Studie erhoben (Mostardt 2013) unter besonderer Betrachtung der Kosten für die aktuellen antiretroviralen Primär- und Folgetherapien sowie Gesamtkosten aufgrund weiterer Erkrankungen des eingeschlossenen Patientenkollektivs. Anmerkungen: In den Effektivitätsanalysen wird stratifiziert jeweils nach Art der dritten Substanz (NNRTI versus PI/r versus INI) und dem NRTI-Backbone (TDF+FTC versus ABC+3TC), nach der Baseline-Viruslast (>100.000 HIV-RNA Kopien/ml versus ≤ 100.000 HIV-RNA Kopien/ml) und CD4-Zell-Kategorien zur Baseline (i.e. <200, 200-349, 350-499, ≥500/µl). Ebenso wird für bestimmte Fragestellungen gesondert zwischen Late Presentern und Patienten mit einer CD4-Zellzahl ≥350/µl und ohne vorausgegangene AIDS-definierende Erkrankung unterschieden.
Status Rekrutierung abgeschlossen, follow up abgeschlossen
Zahl teilnehmender Patienten 480
Stationärer Aufenthalt Keiner
Studientyp Beobachtungsstudie
Finanzierungsquelle Janssen-Cilag GmbH
Weitere Informationen Studienwebseite

Kostet die Teilnahme Geld?

Alle während der Studie durchgeführten Behandlungen und Untersuchungen sind für Sie kostenfrei.

Teilnahme­voraussetzungen

Einschlusskriterien

  • Das Alter der Patienten liegt zum Zeitpunkt des Einschlusses über 18 Jahre.
  • Chronische, bislang unbehandelte HIV-Infektion mit Indikation für den Beginn einer antiretroviralen Therapie
  • Vorliegen einer schriftlichen Patienteneinverständniserklärung.
  • Die antiretrovirale Therapie besteht aus einem Backbone aus entweder TDF+FTC oder ABC+3TC, der mit einer dritten Substanz kombiniert wird
  • Die dritten antiretrovirale Substanz besteht entweder aus einem Nich-nuklleosidalen- Reverse-Transkriptase-Hemmer (NNRTI: Efavirenz, Nevirapin, Rilpivirin), einem geboosterten Proteasehemmer (PI: Darunavir/r, Lopinavir/r, Atazanavir/r, Fosamprenavir/r) oder einem Integrasehemmer (INI: Raltegravir, Elvitegravir/c, Dolutegravir).

Ausschlusskriterien

  • Eine antiretrovirale Therapie in einer Zusammensetzung, die sich außerhalb der derzeit gültigen Therapieleitlinie bewegt, also alle Formen des Nuke-Sparings, experimentelle Kombinationen sowie experimentelle Studienprotokolle mit nicht zugelassenen Substanzen für die HIV-Therapie
  • Akute HIV-Infektion, Serokonversion
  • Eine vorherige antiretrovirale Therapie (eine kurzzeitige Therapie im Rahmen einer Mutter-Kind-Transmissions-Prophylaxe ist erlaubt)

Adressen und Kontakt

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Häufig gestellte Fragen

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Mit Einführung so genannter hochaktiver antiretroviraler Therapien (HAART) konnte in den letzten Jahren die Lebenserwartung bei HIV-infizierten Patienten erheblich verbessert werden. So stieg in ART-CC, einer Kollaboration zahlreicher großer Kohorten, die Lebenserwartung eines 20-jährigen HIV-infizierten Patienten zwischen 1996-1999 und 2003-2005 von 36,1 auf 49,4 Jahre (ART-CC 2008). Zahlreiche Analysen aus verschiedenen Regionen haben in jüngster Zeit demonstriert, dass sich die Lebenserwartung von HIV-infizierten Patienten mit breiter Verfügbarkeit antiretroviraler Therapien immer mehr der der Normalbevölkerung annähert (Obel 2011, Hogg 2012, Nakagawa 2012). Trotz dieser Fortschritte bleibt jedoch festzuhalten, dass sich mit den derzeitigen antiretroviralen Therapien bislang das theoretisch wichtigste Therapieziel, nämlich die Heilung der HIV-Infektion, nicht erreichen lässt. Dies bedeutet zum jetzigen Zeitpunkt, dass eine antiretrovirale Therapie wahrscheinlich lebenslang und somit über Jahrzehnte einzunehmen ist. Eine solche lebenslange Therapie stellt nicht nur hohe Anforderungen an die Adhärenz, sondern wirft auch Fragen hinsichtlich möglicher Langzeittoxizitäten und psychischer Konsequenzen auf. Derzeit stehen für die Primärtherapie eine ganze Reihe von Therapiekombinationen aus verschiedenen Wirkstoffklassen mit dem gleichem Evidenzgrad zur Verfügung. Die bevorzugten Therapiekombinationen bestehen aus zwei Nukleosid/Nukleotidanaloga als so genanntem Backbone, einer Kombination aus Tenofovir plus Emtricitabine (TDF+FTC) oder Abacavir plus Lamivudin (ABC+3TC). Der Backbone wird dabei mit jeweils einer dritten antiretroviralen Substanz kombiniert, die entweder aus einem Nicht-Nukleosidischen Reverse-Transkriptase-Hemmer, einem geboosterten Proteasehemmer oder einem Integrasehemmer besteht (s.a. Deutsch-Österreichische Leitlinien zur antiretroviralen Therapie der HIV-Infektion, http://www.daignet.de/site-content/hiv-therapie/leitlinien-1). Mit der kürzlich erfolgten Zulassung der beiden Integrasehemmer Elvitegravir (2013; zugelassen in Kombination mit dem Backbone TDF+FTC) und Dolutegravir (2014) sind weitere Therapieoptionen für die Initialtherapie der HIV-Infektion hinzugekommen. Die meisten der oben genannten Kombinationen haben sich in randomisierten, zum Teil doppelverblindeten Studien als aus virologischer Sicht äquipotent erwiesen. Allerdings bestehen zum Teil beachtliche Unterschiede hinsichtlich der Tablettenanzahl, der Einnahmemodalitäten, potentieller Nebenwirkungen, hinsichtlich des Resistenzrisikos, des Interaktionspotentials, aber auch hinsichtlich der Therapiekosten. Behandler müssen bei der Auswahl der Primärtherapie deshalb eine Fülle individueller Patienten-spezifischer Faktoren berücksichtigen, darunter Komorbiditäten oder prätherapeutisch vorhandene Resistenz-Mutationen. Mögliche Komedikation mit theoretischen oder zu erwartenden Interaktionen und letztlich auch Patienten-Präferenzen gehen in die Entscheidung für eine bestimmte Primärtherapie ebenfalls mit ein. Es existieren in Deutschland keine Studien, die die aktuell empfohlenen antiretroviralen Primärtherapien im klinischen Alltag prospektiv hinsichtlich ihrer klinischen und pharmaökonomischen Konsequenzen untersucht haben. Auch wurden die Wirksamkeitsdaten der derzeit empfohlenen Primärtherapien in klinischen Studien generiert, deren Patientenpopulationen nicht nur oft begrenzt, sondern überdies oft auch selektioniert sind. So wurden in den Zulassungsstudien üblicherweise zahlreiche Ausschlusskriterien wie zum Beispiel manifeste AIDS-Erkrankungen oder sehr niedrige CD4-Zellen vor Therapiebeginn („Late Presenter“) definiert. Diese stellen in Deutschland weiterhin einen relativ großen Anteil unter neu diagnostizierten Patienten dar (Zoufaly 2012). Es ist daher zu vermuten, dass viele dieser Late-Presenter, aber auch andere sogenannte „Problempatienten“ mit Koinfektionen wie Hepatitis B oder C, Patienten mit schwerer Ko- oder Multimorbidität, Patienten mit Sucherkrankungen, oder Patienten mit einem hohen Lebensalter in der gegenwärtigen Datenlage eher unterrepräsentiert sind. Auch ist zu betonen, dass die meisten großen Studien weltweit bzw. international durchgeführt wurden. Unklar bleibt daher, inwieweit die Ergebnisse dieser Studien auf deutsche Verhältnisse übertragbar sind. In der PROPHET-Studie sollen neben den klinischen Konsequenzen auch die Krankheitskosten bzw. pharmakoökonomischen Implikationen der aktuell mit starkem Evidenzgrad empfohlenen Standardtherapien miteinander verglichen werden. Es soll ausdrücklich keine Vorgabe innerhalb der empfohlenen Therapieregime gegeben werden, um einen Einblick in den klinischen Therapiealltag zu bekommen. Von Interesse ist auch die Frage, warum sich Behandler bei ihren Patienten für eine bestimmte Therapiekombination entschieden haben und welche Gründe zu einer Therapieumstellung führen.

Quelle

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