Beschreibung der Studie

Der Begriff der „palliativen Sedierung“ bezeichnet den kontrollierten Einsatz von Medikamenten mit dem Ziel einer Bewusstlosigkeit, um bei einem Patienten am Lebensende körperliches oder seelisches Leiden zu lindern, das auf anderem Wege nicht beherrschbar ist. Dieser Einsatz von Medikamenten ist allgemein akzeptiert und auch praktiziert, wenn es um anders nicht zu kontrollierende körperliche Schmerzen geht. Neben dem körperlichen Schmerz kann es aber auch unerträglichen psychischen Schmerz geben, das sogenannte psycho-existentielle Leid. Hier ist es noch schwieriger, das Ausmaß des empfundenen Leides des Patienten zu erfassen. Unter Umständen kann das psycho-existentielle Leid auch als unerträglich empfunden werden, wenn das Ende des Lebens noch nicht unmittelbar bevor steht. Hier ist der Einsatz von palliativer Sedierung umstritten und es gibt insbesondere im deutschsprachigen Raum kaum Forschungsarbeiten dazu, wie in diesen Fällen die Entscheidung zur Sedierung getroffen wird. Die Studie untersucht anhand von Interviews mit Mitarbeitern von Palliativstationen (Pflegekräfte, Ärzte, Psychologen, Sozialarbeitende, Seelsorger), wie diese Thematik in verschiedenen Krankenhäusern in Baden-Württemberg in der Praxis gehandhabt wird und welche Sichtweisen die Mitarbeiter vertreten.

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Studiendetails

Studienziel Erhebung von qualitativen Daten in Form von Experteninterviews zur Indikation und Praxis der palliativen Sedierung als Ultima Ratio bei psycho-existentiellem Leiden
Status Teilnahme bald möglich
Zahl teilnehmender Patienten 20
Stationärer Aufenthalt Keiner
Studientyp Beobachtungsstudie
Finanzierungsquelle Klinik für Palliativmedizin, Universitätsklinikum Freiburg

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Teilnahme­voraussetzungen

Einschlusskriterien

  • Mitarbeiter von Palliativstationen (Pflegekräfte, Ärzte, Psychologen, Sozialarbeitende, Seelsorger)

Adressen und Kontakt

Kliniken in Baden-Württemberg

Ansprechpartner: M.A. Katharina Seibel

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Häufig gestellte Fragen

Hintergrund: Mit dem Begriff der „palliativen Sedierung“ bezeichnet man den überwachten „Einsatz von Medikamenten mit dem Ziel einer verminderten oder aufgehobenen Bewusstseinslage (Bewusstlosigkeit), um die Symptomlast in anderweitig therapierefraktären Situationen […] zu reduzieren“ (Alt-Epping B., Sitte T., Nauck F., Radbruch L. (2010): Sedierung in der Palliativmedizin: Leitlinie für den Einsatz sedierender Maßnahmen in der Palliativversorgung. Der Schmerz, 24(4), S. 342-354; Zitat S.342). Die Praxis der palliativen Sedierung am Ende des Lebens bei unerträglichem Leid ist nicht unumstritten, insbesondere wenn das Leiden des Patienten vorwiegend psycho-existentieller Natur ist. Das Total Pain-Konzept von Cicely Saunders, der Begründerin der modernen Palliativmedizin, umfasst jedoch gerade auch das psycho-soziale, spirituelle und existenzielle Leid (im folgenden psycho-existentielles Leiden genannt), dessen Linderung als Aufgabe des palliativmedizinischen Teams gesehen wird (Baines, Mary, Dem totalen Schmerz begegnen, in: Cicely Saunders, Hospiz und Begleitung im Schmerz. Wie wir sinnlose Apparatemedizin und einsames Sterben vermeiden können, Freiburg: Herder 1993, S. 41-54). Während eine tiefe kontinuierliche Sedierung zur Linderung körperlicher Symptome in Deutschland im Allgemeinen akzeptiert und auch praktiziert wird, wird das psycho-existentielle Leiden als Indikation oft als problematisch betrachtet. Dies ist mehrfach begründet: Zunächst stellt es eine Schwierigkeit dar, die Therapierefraktärität, also das Nicht-Lindern Können von psycho-existentiellem Leiden zu bestimmen – manchmal ist dies sogar unmöglich. Die Schwere von psycho-existentiellem Leiden entwickelt sich im Verlauf einer Erkrankung oft dynamisch und psychische Bewältigung oder Anpassung kommen häufig vor (Alt-Epping et al. (2010); Neitzke G., Oehmichen F., Schliep H-J., et al. (2010): Sedierung am Lebensende. Ethik in der Medizin, 22 (2), S.139-147). Erschwerend kommt hinzu, dass vorhandene psycho-existentielle Symptome nicht unbedingt auf ein weit fortgeschrittenes Erkrankungsstadium hinweisen müssen. Psycho-existentielles Leiden kann für den Patienten also schon unerträglich sein, selbst wenn der Tod noch nicht unmittelbar bevorsteht (Alt-Epping B., Sitte T., Nauck F., Radbruch L. (2010): Sedierung in der Palliativmedizin: Leitlinie für den Einsatz sedierender Maßnahmen in der Palliativversorgung. Der Schmerz, 24(4), S. 342-354). Und auch die intersubjektive Zugänglichkeit zur psycho-existentiellen Not von Patienten erweist sich als problematisch: Da als Ausgangspunkt für die Einschätzung unerträglichen Leidens das subjektive Empfinden des Patienten (Müller-Busch H.C., Radbruch L., Strasser F., et al. (2006): Empfehlungen zur palliativen Sedierung. Deutsche Medizinische Wochenschrift, 131(48), S. 2733-2736.) gilt, stellt sich für die Praxis die Frage, wie die Unerträglichkeit von Leiden gerade im psycho-existentiellen Bereich durch das palliativmedizinische Team „objektiv“ bzw. intersubjektiv erfasst werden kann (Bruce A., Boston P. (2011): Relieving existential suffering through palliative sedation: Discussion of an uneasy practice. Journal of Advanced Nursing, 67(12), S. 2732-2740). Entsprechend unterbeforscht ist die Indikation und Praxis der palliativen Sedierung – vor allem in Form der tiefen kontinuierlichen Sedierung – als Ultima Ratio bei psycho-existentiellem Leiden. Es gibt aktuell nur wenige Studien und Fallberichte, die sich mit der Indikation und gängigen Praxis der palliativen Sedierung auch bei psycho-existentiellem Leid im klinischen Setting einer Palliativstation befassen, allerdings nicht in Deutschland. Hier existiert eine Forschungslücke, zu deren Schließung das Projekt einen Beitrag leisten will. Studienziele: Es gilt das Expertenwissen und die subjektiven Sichtweisen von verschiedenen Berufsgruppen im Palliativteam a) zur Indikation und Praxis der palliativen Sedierung speziell bei psycho-existentiellen, therapierefraktären Leiden zu explorieren, b) dabei mögliche Probleme, Ambivalenzen und Herausforderungen der Thematik zu identifizieren, c) gleichermaßen aber auch nach gelingenden Aspekten und Verläufen einer palliativen Sedierung bei psycho-existentiellem Leiden zu fragen. Fragestellung: Entsprechend steht die folgende Hauptfragestellung im Mittelpunkt der Studie: „Wie bewerten und handhaben Mitglieder von interdisziplinären Palliative Care-Teams im stationären Setting in Baden-Württemberg die Indikation und Praxis der palliativen Sedierung, speziell bei psycho-existentiellem Leid?“ Studiendesign: In Rahmen einer qualitativen Interviewstudie sollen leitfadengestützte, semi-strukturierte Experteninterviews durchgeführt werden mit Ärzten/Ärztinnen, Pflegekräften, Seelsorgenden und psycho-sozialen Fachkräften, um den interdisziplinären Ansatz der palliativmedizinischen Arbeit widerzuspiegeln. Im Anschluss an die Transkription erfolgt eine inhaltsanalytische Auswertung der Experteninterviews. Sample: Geplant ist ein deduktiv zusammengesetztes Sample von insgesamt 20-25 Interviews– unter Beachtung des Kriteriums der Sättigung. Rekrutiert werden Mitarbeitende von Palliativstationen, die entweder assoziierte Partner oder Mitglieder des KompetenzZentrum Palliative Care Baden-Württemberg sind.

Klinische Studien werden durchgeführt, um die Sicherheit und Wirksamkeit von Medikamenten, medizinischen Geräten oder Verfahren nachzuweisen. Sie untersuchen, welche Behandlungsmethode sich am besten zur Therapie einer bestimmten Erkrankung oder Gruppe von Betroffenen eignet. Vor der Marktzulassung müssen alle neuen Behandlungsmethoden einer Reihe von klinischen Prüfungen unterzogen werden.

Klinische Studien bilden die Voraussetzungen für neue Behandlungsmöglichkeiten. Die Ergebnisse klinischer Studien treiben den medizinischen Fortschritt. Sie geben Ärzten das Wissen darüber wie Behandlungen eingesetzt werden und für wen sie sich am besten eignen. Nur durch den Einsatz der freiwilligen Teilnehmer können Studien erfolgreich abgeschlossen werden. Die teilnehmenden Patienten bekommen auch die Möglichkeit sehr früh von einer neuen Behandlung zu profitieren. Es dauert nämlich durchschnittlich 12 Jahre bis eine neue Behandlung öffentlich verfügbar wird. Alle Behandlungen und Medikamente, die Patienten derzeit nutzen, wurden im Rahmen klinischer Studien erprobt, um sicherzugehen, dass diese sicher sind und wirken.

Damit sichergestellt wird, dass nur diejenigen Betroffenen an der Studie teilnehmen, die am wahrscheinlichsten davon profitieren, werden Sie von dem Studienarzt umfassend untersucht. Dieser Vorgang wird als Screening bezeichnet und findet, vor einer möglichen Studienteilnahme, in dem jeweiligen Studienzentrum statt. Dazu gehört auch ein Gespräch mit dem Studienarzt, welches Sie umfassend über die Studie aufklärt und Ihnen die Möglichkeit gibt, Fragen zu stellen. Je nach Studie sind zusätzliche Untersuchungen (z.B. Labor oder Ultraschall) notwendig, um zu bestimmen, ob Sie an der Studie teilnehmen können.

Es gibt verschiedene Gründe, an klinischen Studien teilzunehmen. Durch Ihre Teilnahme leisten Sie einen wertvollen Beitrag zur medizinischen Forschung. Sie erhalten Zugang zu neuartigen Behandlungsmethoden, die sich möglicherweise besser für Ihre Erkrankung eignen, als bisherige Ansätze. Darüber hinaus könnten Sie von der intensiven und individuellen medizinischen Betreuung in den Studienzentren profitieren. Die Teilnahme an einer klinischen Studie eröffnet vielen Betroffenen eine neue Perspektive, ihre gesundheitliche Situation verbessern zu können.

Klinische Studien werden durchgeführt, weil noch nicht alle Einzelheiten über ein Medikament, medizinisches Gerät oder Verfahren bekannt sind. Es besteht die Möglichkeit, dass Sie nicht von der Studienteilnahme profitieren. Alle potenziellen Risiken werden vor Studienbeginn mit Ihnen ausführlich im Studienzentrum besprochen. So können Sie für sich den möglichen Nutzen sorgfältig gegen eventuelle Risiken abwägen. Sie können bei den Gesprächen so viele Fragen stellen, bis Sie sich sicher für oder gegen eine Teilnahme entscheiden können.

Sie können Ihre Teilnahme an einer klinischen Studie jederzeit und ohne Angabe von Gründen beenden.

Die bei der Studie gesammelten Informationen dürfen nur zu Forschungszwecken verwendet werden. Ihre Informationen werden in einer verschlüsselten Form gespeichert, die zu keiner Zeit einen Rückschluss auf Ihre Person erlaubt. Lediglich Ihr Studienarzt hat die Möglichkeit, die Informationen zu entschlüsseln. Falls die Studienergebnisse im Rahmen von Präsentationen oder Veröffentlichungen verwendet werden, werden Sie niemals namentlich erwähnt. Auch wird niemandem ohne Ihr schriftliches Einverständnis mitgeteilt, dass Sie an der Studie teilnehmen bzw. teilgenommen haben.

Quelle: Deutsches Register Klinischer Studien