Beschreibung der Studie

Morphinartige Schmerzmittel (Opioide) sind aufgrund ihrer schmerzlindernden Wirkung unverzichtbare Bestandteile einer Allgemeinanästhesie. Neben der schmerzlindernden Wirkung der Opioide gibt es zunehmend Hinweise, dass Opioide auch einen verstärkenden Einfluss auf die Schmerzempfindung haben können. Dieses Phänomen wird als Opioid-induzierte Hyperalgesie (OIH) bezeichnet. Die klinische Bedeutung dieser OIH ist unklar, insbesondere da bisher vorliegende Studien widersprüchliche Ergebnisse haben. Problematisch an den vorliegenden Untersuchungen ist v.a. das als Maß für eine OIH indirekte Parameter wie die Schmerzintensität oder der postoperative Schmerzmittelbedarf genutzt worden sind. Ziel dieser Untersuchung ist es, anhand der zwar subjektiven aber gut reproduzierbaren Bestimmung von sensorischen Schwellen mittels der Quantitativ Sensorischen Testung (QST) einen valideren Parameter für die OIH in der postoperativen Phase zu untersuchen. Bei chronischen Schmerzpatienten konnte bereits nachgewiesen werden, das eine Veränderung der mittels QST ermittelten sensorischen Schwellen ein Hinweis auf eine OIH sein kann. Im perioperativen Setting steht insbesondere Remifentanil als ultra-kurzwirksames Opioid im Verdacht, eine OIH auszulösen. Ziel dieser Untersuchung ist es, den Einfluss von intraoperativ appliziertem Remifentanil auf die QST zu untersuchen. Als Vergleichsgruppe dienen Patienten, die Sufentanil zur Sicherstellung der Analgesie in Narkose erhalten, ein mittellang wirksames Opioid mit einer niedrigeren Wahrscheinlichkeit eine OIH auszulösen.

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Studiendetails

Studienziel Sensorische Schwellen (Quantitativ Sensorische Testung) 22h postoperativ
Status Rekrutierung abgeschlossen, follow up abgeschlossen
Zahl teilnehmender Patienten 30
Stationärer Aufenthalt Keiner
Studientyp Interventionell
Kontrolle Wirksame Behandlung
Finanzierungsquelle Universitätsklinikum Schleswig-Holstein,Campus Kiel,Klinik für Anästhesiologie und Operative Intensivmedizin

Kostet die Teilnahme Geld?

Alle während der Studie durchgeführten Behandlungen und Untersuchungen sind für Sie kostenfrei.

Teilnahme­voraussetzungen

Einschlusskriterien

  • Patientinnen >18 Jahre
  • keine oder nur leichte bis mäßige Allgemeinerkrankung (ASA Physical Status I-III, Klassifikation der American Society of Anesthesiologists, 1963)
  • Elektive Segmentresektion der weiblichen Brust / Entfernung des Wächterlymphknotens
  • Schriftliche Einverständniserklärung der Patientinnen

Ausschlusskriterien

  • akute oder chronische Schmerzen
  • regelmäßiger Analgetikakonsum
  • bekannte Allergie gegen Paracetamol, Remifentanil oder Sufenfentanil
  • Gravidität
  • Nierenfunktionsstörungen (Serum Kreatinin >1,5 mg/dl)
  • mäßige bis schwere Leberfunktionsstörungen (γGT>100U/l)
  • chronischer Alkohol-Abusus
  • Diabetes
  • Neurologische Erkrankungen, die anderweitig QST beeinflussen könnten (PNP, MS…)

Adressen und Kontakt

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Häufig gestellte Fragen

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Opioide sind ein unverzichtbarer Bestandteil der Allgemeinanästhesie und sichern eine adäquate Analgesie bei gleichzeitig guter Kreislaufstabilität. Andererseits ist die intraoperative Anwendung, insbesondere von hochdosiertem Remifentanil mit einem gesteigerten postoperativen Schmerzmittelbedarf und Schmerzintensität assoziiert. [1]. Dieser Effekt kann durch eine akute Opioid-Entzugssymptomatik oder durch eine gesteigerte Schmerzempfindung, die sogenannte Opioid-induzierte Hyperalgesie (OIH) [2], bedingt sein. In verschiedenen Tiermodellen können Opioide lang anhaltende hyperalgetische Effekte auslösen, welche die analgetische Wirkung der Medikamente deutlich überdauern kann [3-5]. Bei der Anwendung an Menschen ist insbesondere Remifentanil mit der Entwicklung einer OIH assoziiert. In humanen Schmerzmodellen führt die Anwendung von Remifentanil zu einer verstärkten Schmerzwahrnehmung nach Beendigung der Opioiod-Gabe [6]. In der klinischen Anwendung wird OIH häufig über einen gesteigerten postoperativen Schmerzmittelbedarf definiert [1, 7]. Diese postoperative Schmerztherapie kann allerdings zu der Entwicklung einer OIH beitragen, so dass die Interpretation dieser Befunde schwierig ist. Auf der anderen Seite existieren auch Untersuchungen, die keinen Einfluss von hochdosiertem Remifentanil auf die postoperative Schmerzintensität oder den postoperativen Schmerzmittelbedarf nachweisen konnten [8-10]. Eine aktuelle Metaanalyse kommt zu dem Ergebnis, das die intraoperative Anwendung von hochdosiertem Remifentanil mit einer geringen aber signifikanten Steigerung der postoperativen Schmerzen assoziiert ist. [11]. Somit ist eine sensitivere Methode zur Identifikation einer OIH wünschenswert. Da nachgewiesen worden ist, dass eine chronische Opioid-Therapie zu Veränderungen der Quantitativ Sensorischen Testung (QST) im Sinne einer Hyperalgesie führt [12], könnte sich dieses Verfahren auch zur Identifikation einer OIH in der postoperativen Phase eignen. In der vorliegenden Untersuchung soll die Hypothese überprüft werden, dass bereits die intraoperative Applikation von hochdosiertem Remifentanil in der postoperativen Phase zu einer Veränderung des QST Profils im Sinne einer Hyperalgesie führt. 1. Guignard B, Bossard AE, Coste C, Sessler DI, Lebrault C, Alfonsi P, et al. Acute opioid tolerance: intraoperative remifentanil increases postoperative pain and morphine requirement. Anesthesiology. 2000;93(2):409-17. 2. Angst MS, Clark JD. Opioid-induced hyperalgesia: a qualitative systematic review. Anesthesiology. 2006;104(3):570-87 3. Ohnesorge H, Feng Z, Zitta K, Steinfath M, Albrecht M, Bein B. Influence of clonidine and ketamine on m-RNA expression in a model of opioid-induced hyperalgesia in mice. PLoS One. 2013;8(11):e79567 4. Celerier E, Rivat C, Jun Y, Laulin JP, Larcher A, Reynier P, et al. Long-lasting hyperalgesia induced by fentanyl in rats: preventive effect of ketamine. Anesthesiology. 2000;92(2):465-72 5. Li X, Angst MS, Clark JD. A murine model of opioid-induced hyperalgesia. Molecular Brain Research. 2001;86(1-2):56-62 6. Koppert W, Sittl R, Scheuber K, Alsheimer M, Schmelz M, Schuttler J. Differential modulation of remifentanil-induced analgesia and postinfusion hyperalgesia by S-ketamine and clonidine in humans. Anesthesiology. 2003;99(1):152-9. 7. Joly V, Richebe P, Guignard B, Fletcher D, Maurette P, Sessler DI, et al. Remifentanil-induced postoperative hyperalgesia and its prevention with small-dose ketamine. Anesthesiology. 2005;103(1):147-55 8. Lee LH, Irwin MG, Lui SK. Intraoperative remifentanil infusion does not increase postoperative opioid consumption compared with 70% nitrous oxide. Anesthesiology. 2005;102(2):398-402 9. Cortinez LI, Brandes V, Munoz HR, Guerrero ME, Mur M. No clinical evidence of acute opioid tolerance after remifentanil-based anaesthesia. Br J Anaesth. 2001;87(6):866-9 10. Treskatsch S, Klambeck M, Mousa SA, Kopf A, Schäfer M. Influence of high-dose intraoperative remifentanil with or without amantadine on postoperative pain intensity and morphine consumption in major abdominal surgery patients. European Journal of Anaesthesiology. 2014;31(1):41-9 11. Fletcher D, Martinez V. Opioid-induced hyperalgesia in patients after surgery: a systematic review and a meta-analysis. Br J Anaesth. 2014;112(6):991-1004 12. Chen L, Malarick C, Seefeld L, Wang S, Houghton M, Mao J. Altered quantitative sensory testing outcome in subjects with opioid therapy. Pain. 2009;143(1-2):65-70

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