Beschreibung der Studie

Das Ziel dieser Studie ist es, zu überprüfen, wie die verschiedenen Schlafstadien sowie das Aufwachen die Herzfrequenz, die Atmung und den Blutdruck beeinflussen. Alle diese Parameter sind Funktionen des vegetativen Nervensystems (d.h. der Teil des Nervensystems, der ohne willentliche Beeinflussung viele Körperfunktionen wie den Blutdruck, die Herzfrequenz, oder die Atmung usw. steuert). Bei Patienten mit Familiärer Dysautonomie können Störungen dieser Körperfunktionen manchmal zu schwerwiegenden Ereignissen wie z.B. starke Anstiege des Blutdrucks und der Herzfrequenz mit Erbrechen und profusem Schwitzen (diese Episoden werden auch als Dysautonome Krisen bezeichnet) führen oder auch zu langen Pausen der Atmung während der Nacht, begleitet von starken Abfällen des Blutdrucks und der Herzfrequenz, führen. Wir wollen untersuchen, ob und wie diese Probleme (d.h. Dysautonome Krisen und Atempausen) zu Veränderungen in der Funktion des autonomen Nervensystems beim Schlafen oder dem Aufwachen führen kann. Durch eine bessere Kenntnis der Funktion des autonomen Nervensystems während des Schlafens und des Wachseins bei Patienten mit Familiärer Dysautonomie, hoffen wir, ein besseres Verständnis zu gewinnen und eine bessere Behandlung von Patienten mit Familärer Dysautonomia zu ermöglichen, was zu einer verbesserten Lebensqualität führen könnte.

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Studiendetails

Studienziel Für diese Studie sind keine klassischen Endpunkte definiert. Ziel der Studie ist es, Störungen der kardiovaskulär-autonomen Modulation und der Atmung bei Patienten mit Familiärer Dysautonomie während der verschieden Schlafstadien und während Arousals zu identifizieren. Hierfür möchten wir mit einem tragbaren Polysomnographie-Gerät kontinuierlich folgende Biosignale für ca. 12-16 Stunden überwachen: - das Elektrokardiogramm (EKG) mit oberflächlichen Elektroden, die unterhalb des rechten und linken Schlüsselbeins und im Bereich des rechten und linken unteren Brustkorbs platziert werden, - ein Elektrookulogramm (EOG), - ein Elektroenzephalogramm (EEG) an den Standardkopfpositionen des internationalen 10-20-Systems mit oberflächlichen Elektroden, - Elektromyographie (EMG) unter Verwendung von Oberflächenelektroden seitlich des Kinns, - die Körperposition unter Verwendung eines in das Polysomnographie-Gerät integrierten Sensors, - periodische Beinbewegungen (PLM) mit 3-Punkt-EMG-Elektroden, die am linken und rechten Musculus tibialis anterior platziert werden, - die Sauerstoffsättigung mittels Pulsoxymetrie am Finger, - den endexspiratorischen Kohlendioxidgehalt und den Luftstrom mittels nasaler Kanülen, - die Atemfrequenz mit Hilfe von plethysmographischen Bauchgurten im Bereich des unteren Brustkorbs und um die Mitte des Bauches angebracht, an den Punkten der maximalen Atembewegung. - Außerdem werden wir den Blutdruck kontinuierlich mit Hilfe der nicht-invasiven Infrarot-Finger-Plethysmographie messen. Nach 12-16 Stunden werden die Elektroden und Messeinrichtungen entfernt und die Daten auf einen Personalcomputer für die weitere Analyse übertragen, danach von Artefakten bereinigt und weiter verrechnet. Die Schlafstadien und Arousals werden mittels EEG, EOG, EMG und der Atmung ermittelt. Die anderen Parameter dienen zur Beurteilung der Aktivität des autonomen Nervensystems. Zusätzlich bitten wir die Teilnehmer den Fragebogen "Pittsburgh Sleep Quality Index" auszufüllen, um das Schlafverhalten des letzten Monats zu erfassen.
Status Rekrutierung abgeschlossen, follow up abgeschlossen
Zahl teilnehmender Patienten 60
Stationärer Aufenthalt Keiner
Finanzierungsquelle Dysautonomia Foundation, Inc.

Kostet die Teilnahme Geld?

Alle während der Studie durchgeführten Behandlungen und Untersuchungen sind für Sie kostenfrei.

Teilnahme­voraussetzungen

Einschlusskriterien

  • Alle Patienten müssen die genetischen und klinisch diagnostischen Kriterien der Erkrankung Familiäre Dysautonomie erfüllen, das heißt, sie haben den charakteristischen genetischen Haplotyp und sind homozygot für die Mutation des Intron 20 auf dem sogenannten IKBKAP (inhibitor of kappa light polypeptide gene enhancer in B-cells, kinase complex-associated protein) Gen. Bei allen Patienten fehlen die Muskeleigenreflexe, die fungiformen Papillen der Zunge, vermehrter Tränenfluss bei emotionalem Weinen (sogenannte overflow tears) sowie die diffuse Axonreflex-Antwort mit Hautrötung nach intradermaler Histamin-Injektion. Es werden nur Patienten, die an einer relativ milden Ausprägung der Familiären Dysautonomie leiden und keine signifikanten, klinisch manifesten respiratorischen Probleme haben, in die Studie eingeschlossen.

Ausschlusskriterien

  • Wenn das Körpergewicht des Studienteilnehmers weniger als 11,3 Kilogramm beträgt
  • Alter <10 Jahre
  • Wenn der Patient akut krank ist oder Anzeichen einer dysautonomen Krise zeigt
  • Wenn Körpertemperatur > 38 °C beträgt
  • Wenn der Patient eine akute Atemwegserkrankung hat, z.B. eine Pneumonie
  • Wenn der Patient an einer schweren chronischen Lungenerkrankung leidet, die durch eine Sauerstoffsättigung <95% im Liegen in Rückenlage beurteilt wird
  • Bradykardie, AV-Block 2. Grades, kompletter AV-Block, Sick-Sinus-Syndrom,
  • chronische Herzinsuffizienz Stadium NYHA IV
  • Wenn der Patient auf eine nächtliche Sauerstoffversorgung von außen angewiesen ist
  • Wenn der Patient über Nacht über eine Gastrostomie-Sonde ernährt werden muss

Adressen und Kontakt

An dieser Studie können Sie leider nicht mehr teilnehmen. Hier finden Sieaktuelle Erkrankung des autonomen Nervensystems-Studien.

Häufig gestellte Fragen

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Familiäre Dysautonomie (FD), auch heriditäre sensorische und autonome Neuropathie (HSAN) Typ III oder Riley-Day-Syndrom genannt, ist eine seltene, autosomal rezessiv vererbte Erkrankung mit zahlreichen zentralen und peripheren vegetativen Störungen, welche für kardio- und zerebrovaskuläre Dysregulation sowie eine gestörte Kontrolle der Atmung verantwortlich sind. Obwohl sich die Lebenserwartung für Patienten mit FD in den letzten Jahren durch verbesserte Behandlungsanaätze deutlich erhöht hat, erleiden Patienten mit FD immernoch schwere hypertensive dysautonome Krisen und versterben an unerklärlichen plötzlichen Todesfällen. Klinisch treten diese Ereignisse häufig während des Schlafes oder während eines Arousals aus dem Schlaf heraus auf, insbesondere in den frühen Morgenstunden oder nach einem Nickerchen. Es ist immer noch unklar, warum und wie die dysautonomen Krisen und die plötzlichen Todesfälle mit dem Schlaf-Zyklus bei FD-Patienten in Verbindung stehen. Gadoth et al. zeigten eine veränderte Schlafarchitektur mit einer verringerten Anzahl an Rapid Eye Movement (REM)-Phasen, verlängerten REM-Schlaf-Latenzen und einer erhöhten Anzahl von Apnoe-Episoden während des Schlafs in FD-Patienten. Allerdings untersuchten die Autoren nicht kardiovaskuläre autonome Funktionen während bestimmter Schlafstadien. Unsere Arbeitsgruppe untersuchte kardiovaskulären Reaktionen auf Apnoe-Episoden durch kurze Hyperventilation bei FD-Patienten und zeigte eine auffallend verlängerte Dauer der Apnoe-Phasen mit ausgeprägter Bradykardie und fehlender Vasokonstriktion. Die normale physiologische Reaktion des Blutdrucks und der Herzfrequenz auf Apnoe-Zustände und Hypoxie erfordert ein intaktes Zusammenspiel von Baro- und Chemoreflex. Bei Patienten mit Familiärer Dysautonomie ist die Baroreflex-Funktion und kardiovaskuläre Reaktionen auf eine Baroreflex-Aktivierung gestört. Bei unseren FD-Patienten beobachteten wir bereits eine ausgeprägte Hypotonie und Bradykardie ohne einen gesteigerten Atemantrieb während der künstlich induzierten Hypoxie. Diese Befunde zeigen, dass die Wechselwirkung zwischen Baroreflex und Chemoreflex bei FD-Patienten beeinträchtigt ist. Ein gestörtes Zusammenspiel zwischen Chemo- und Baroreflex wurde bereits als wahrscheinlichste Ursache für den plötzlichen Kindstod (SIDS) und plötzlicher Todesfälle bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen angesehen. Es scheint wahrscheinlich, dass eine veränderte Chemo- und Baroreflex-Wechselwirkung auch für plötzliche Todesfälle bei FD-Patienten verantwortlich ist. Normalerweise ist die Barorezeptorreflexsensitivität während des Schlafes erhöht. Da die Funktion des Baroreflexes bei FD-Patienten gestört ist, gehen wir davon aus, dass Apnoe-Episoden im Schlaf zu einem übermäßigen Blutdruckabfall und Bradykardie führen könnten, die möglicherweise zu Asystolie und plötzlichem Tod führen könnten. Da die Abnahme der Atemkontrolle und verlängerte Schlafapnoen der FD-Patienten vor allem im REM-Schlaf und im Schlafstadium 2 des NREM-Schlafes auftreten, gehen wir davon aus, dass FD-Patienten besonders anfällig für kardiovaskuläre Instabilität mit Hypotonie und Bradykardie während dieser Schlafstadien sind. Selbst bei Gesunden gibt es kurze Verlangsamungen der Herzfrequenz im REM-Schlaf. In FD-Patienten könnte diese Bradykardie in Kombination mit dem Mangel hauptsächlich an sympathischer kardiovaskulärer Innervation und einem resultierendem kardiovagalen Übergewicht schwere Bradyarrhythmien induzieren und somit zu plötzlichen Todesfällen beitragen. Die klinische Beobachtung eines erhöhten Auftretens dysautonomer Krisen in den frühen Morgenstunden kann durch autonome Veränderungen während Arousals aus dem Schlaf erklärt werden. Diese Arousal-bezogenen autonomen Veränderungen umfassen zentral vermittelte vorübergehende Anstiege der Atemfrequenz, der Herzfrequenz, des Blutdrucks und der sympathischen Muskelnervenaktivität (MSNA). Diese Veränderungen sind alle durch einen transienten prominenten Anstieg des Sympathikotonus bedingt. Solche autonomen Veränderungen sind ähnlich wie die physilogische sogenannte "fight-or-flight" Reaktion in potenziell lebensbedrohlichen Situationen. Der Zeitpunkt der autonomen Aktivierung während des Schlafzyklus kann im Elektroenzephalogramm identifiziert werden, da die sympathische Aktivierung mit dem Auftreten von K-Komplexen assoziiert ist. Da FD-Patienten besonders anfällig für selbst moderate emotionale oder körperliche Reize sind, scheint es wahrscheinlich, dass hypertensive Krisen durch Blutdruckanstiege während NREM-Phasen und im REM-Schlaf und vor allem während eines Arousals aus dem Schlaf heraus auftreten. Bisher ist die Herz-Kreislauf-Funktion und Atemfunktion während bestimmter Schlafstadien bei FD-Patienten im Detail nicht untersucht. Die autonomen und schlafbezogenen Anomalien bei FD-Patienten, die bisher beobachtet wordem, rechtfertigen die Annahme, dass dysautonome Krisen und kardiovaskuläre Notfälle durch eine unzureichende autonome Funktion während verschiedener Phasen des Schlaf-Wachzyklus ausgelöst werden. Schlafapnoe, Auswirkungen des Arousals und der Übergänge von verschiedenen NREM-Schlafstadien und des REM-Schlafes könnten dysautonome Krisen und kardiovaskuläre Notfälle hervorrufen. Daher stellen wir die Hypothese auf, dass eine unzureichende Antwort auf Veränderungen des autonomen Nervensystems während des Schlafes und während Arousals eine Hauptursache von lebensbedrohlichen kardiovaskulären Notfällen bei FD-Patienten darstellt. Wir gehen davon aus, dass eine detaillierte Bewertung der kardiovaskulären autonomen Funktion während des Schlafes und des Wachseins hilft, die Mechanismen der kardiovaskulären Notfälle bei Patienten mit Familiärer Dysautonomie zu verstehend und möglicherweise für therapeutische Interventionen zu nutzen, um so eine Milderung der schlafbezogenen kardiovaskulären Instabilität bei FD-Patienten zu ermöglichen.

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