Beschreibung der Studie

Im Therapiekonzept der kardiologischen stationären Rehabilitation ist die Sport- und Bewegungstherapie ein fest etablierter Bestandteil. Der positive Einfluss von sportlicher Aktivität auf kardiovaskuläre Erkrankungen konnte vor allem durch epidemiologische Beobachtungsstudien belegt werden [6]. Die Annahme, dass das insuffiziente Herz durch Belastungsspitzen weiter geschädigt werden könnte oder bei hochgradig gestörter Ventrikelfunktion eine Linksherzdekompensation sowie ventrikuläre Tachyarrhythmien drohen, ist unbegründet. Studienergebnisse belegen die multiple und risikoarme Wirksamkeit von Sport und Bewegung auch bei hochgradig insuffizienten Patienten. Körperliches Training kann den strukturellen Veränderungen der Skelettmuskulatur entgegenwirken sowie positiv auf das kardiale, neurohumorale, vaskuläre und das respiratorische System Einfluss nehmen. Dadurch wird die Belastbarkeit, das Wohlbefinden und die Lebensqualität der Betroffenen deutlich gesteigert. Allerdings sind Fragen zur Anwendung und Sicherheit bezüglich der unterschiedlichen Trainingstherapien zur Klärung offen. Denn während Patienten konsequent medikamentös eingestellt werden und standardisierte Richtlinien bestehen, wird die Einflussnahme von Trainingsprogrammen auf die körperliche Leistungsfähigkeit von Patienten mit kardiologischen Erkrankungen immer noch unterschätzt. Nationale und internationale Fachgesellschaften haben Vorschläge dazu veröffentlicht wie ein Training mit Herzinsuffizienzpatienten gestaltet werden soll. Unklar bleibt jedoch, die für einen Leistungszuwachs notwendige Dosis der Belastung, also Intensität, Dauer bzw. Häufigkeit des Trainings. Das spiegelt sich in der praktischen Umsetzung der Sport- und Bewegungsmaßnahmen der Kliniken wider. Rehabilitationskliniken entwickeln auf Grundlage der medizinischen und sportwissenschaftlichen Literatur eigene Konzepte, wobei ein einheitliches Vorgehen fehlt. Die damit verbundenen Mängel konnten bereits von Tourpouzidis (2004) aufgezeigt werden. Lediglich 39 der 95 befragten Kliniken nutzen diagnostische Daten als Grundlage für eine gezielte, individuelle Belastungssteuerung. Die übrigen Kliniken verwenden Berechnungsformeln zur Bestimmung der Belastungsintensität anhand des Lebensalters, fixe Belastungsschemata oder verfügen über keine standardisierten Kriterien der Belastungssteuerung. Sport kann jedoch nur dann seine größte therapeutische Wirkung entfalten, wenn Trainingsprogramme individuell geplant und gestaltet werden. Grundbedingung ist einerseits die Orientierung an medizinischen und trainingswissenschaftlichen Grundsätzen, andererseits müssen neue Parameter gefunden werden, die das Risiko für ein belastungsindiziertes kardiovaskuläres Ereignis minimieren und eine Individualisierung begünstigen. Geeigneter Ansatz dafür könnte die Integration der Herzfrequenzvariabilität (HRV) als Parameter der Belastungssteuerung sein. In der Kardiologie wird die Messung der HRV primär als prognostisches Instrument genutzt. In der Trainingswissenschaft hat sich die HRV als nichtinvasive Methode zur Messung von Belastung und Erholung bereits bewährt und wird vornehmlich im Leistungs- und ambitionierten Freizeitsport angewendet. Die Messung der HRV ermöglicht eine tägliche Anpassung des Trainings und sichert somit eine dauerhafte Qualität. Des Weiteren lassen sich aus der Literatur Hinweise ableiten, inwiefern sich verschiedene Belastungsmethoden und -normative positiv auf den Entwicklungsverlauf von Herzinsuffizienzpatienten auswirken. Das aerobe Ausdauertraining hat in diesem Zusammenhang eine Vorrangstellung und wurde in den letzten 20 Jahren am intensivsten untersucht. Die positiven Wirkungen des Ausdauertrainings sind unumstritten. Das Krafttraining setzt sich hingegen nur langsam als Therapiebestandteil durch, wobei auch hier die positiven Wirkungen, bei Beachtung von risikoreduzierenden Faktoren, nachgewiesen werden konnten. Das sensomotorische Training/Koordinationstraining wird für Patienten der kardiologischen Rehabilitation zwar empfohlen, ist allerdings kaum Bestandteil wissenschaftlicher Untersuchungen. Bei Betrachtung des Krankheitsbildes scheint es jedoch sinnvoll, ein therapeutisches Konzept zu entwickeln, das alle drei Bestandteile beinhaltet. Ziel der Forschungsarbeit war es, ein sporttherapeutisches Programm für die stationäre kardiologische Rehabilitation von Herzinsuffizienzpatienten zu entwickeln und zu evaluieren. Unter diesen Gesichtspunkten ist ein modulares Interventionsprogramm erarbeitet worden, das bestehende sporttherapeutische Maßnahmen neu strukturiert und die HRV als Methode der Belastungssteuerung integriert. Dazu wurde folgende Arbeitshypothese formuliert: In Bezug auf die körperliche Leistungsfähigkeit erweist sich das modularisierte und HRV-gesteuerte Interventionsprogramm gegenüber dem sporttherapeutischen Standardprogramm in der stationären Rehabilitation als überlegen.

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Studiendetails

Studienziel Der klinischen Studie zur Evaluation der sport- und bewegungstherapeutischen Inhalte der stationären Rehabilitation liegt ein quasiexperimentelles, sequentielles Kontrollgruppendesign mit zwei Messzeitpunkten zu Grunde. Zunächst wurde die Kontrollgruppe betreut. Anschließend erfolgte eine Umstellung der Organisationsprozesse des Klinikalltages und die Untersuchung der Versuchsgruppe wurde entsprechend durchgeführt. Zur Identifizierung von Zeit- und Interaktionseffekten wurden die hypothesenrelevanten Parameter im Rahmen Allgemeiner Linearer Modelle mit Messwiederholung (ALM) varianzanalytisch auf ihre statistische Signifikanz geprüft. Als abhängige Variablen wurden die relative maximale Sauerstoffaufnahme (VO2max), die Herzfrequenzreserve (HFR), maximale Herzfrequenz (HFmax) und Ruheherzfrequenz (HFRuhe) sowie die maximale Leistung (Wattmax) und die Gehstrecke des sechs Minuten Gehtests (6-MWT) definiert. Zusätzlich wurden ausgewählte Zeit- und Frequenzbereichsparameter der Herzfrequenzvariabilität analysiert. Zeitbereichsparameter: -SDNN (ms), RMSSD (ms), pNN50 (%) Frequenzbereichsparameter: TP (ms2), VLF (%), LF (%), HF (%), LF/HF Das Signifikanzniveau wurde für alle Berechnungen auf p ≤ .05 festgelegt. Neben der Bewertung der Signifikanz werden im Folgenden die Effektstärken mittels des Koeffizienten Eta-Quadrats angegeben. Die Bewertung erfolgt anhand der Kriterien nach Cohen (1988). Mess- und Untersuchungsmethoden: Zur Evaluation der körperlichen Leistungsfähigkeit wurden im Prä-Post-Vergleich eine Spiroergometrie sowie ein 6-Minuten-Gehtest (6-MWT) durchgeführt. Der Ausbelastungstest auf dem Fahrradergometer in halbliegender Position sah beginnend bei 20 Watt eine Steigerung um 20 Watt pro Minute vor. Als Ausbelastungskriterien wurden die Borg-Skala (>16) und ein RQ >1,10 festgelegt . Für die spirometrische Datenerfassung wurde das System Masterscreen CPX der Firma JAEGER® verwendet. Mit den mobilen Herzfrequenzmonitoren S810 der finnischen Firma Polar Electro® wurden tägliche 10minütige HRV-Kurzzeitmessungen durchgeführt. Im Prä-Posttestvergleich wurden jeweils die Mittelwerte der HRV-Parameter der ersten drei mit den Ergebnissen der letzten drei Untersuchungstage im Interventionszeitraum miteinander vergleichen.
Status Rekrutierung abgeschlossen, follow up abgeschlossen
Zahl teilnehmender Patienten 45
Stationärer Aufenthalt Keiner
Studientyp Interventionell
Kontrolle Wirksame Behandlung
Finanzierungsquelle Land Sachsen-Anhalt: Graduiertenförderung(Abt. Forschung und wissenschaftlichen Nachwuchs)

Kostet die Teilnahme Geld?

Alle während der Studie durchgeführten Behandlungen und Untersuchungen sind für Sie kostenfrei.

Teilnahme­voraussetzungen

Einschlusskriterien

  • 50-65 Jahre
  • ischämisch bedingte Herzinsuffizienz
  • LVEF% ≤ 40 (systolische Unterfunktion)

Ausschlusskriterien

  • Diabetes mellitus
  • dekompensierte oder progrediente Herzinsuffizienz
  • Zustand nach unklarer Synkope oder Reanimation außerhalb von Operation oder Infarkt

Adressen und Kontakt

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Häufig gestellte Fragen

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Hintergrund: Die effiziente Nutzung zur Verfügung stehender Rehabilitationsmaßnahmen ist von elementarer Bedeutung, um die Leistungsfähigkeit (LF) von Patienten zu verbessern. Unter diesen Gesichtspunkten ist ein modulares Interventionsprogramm entwickelt worden, dass bestehende sporttherapeutische Maßnahmen neu strukturiert und sich den individuellen Voraussetzungen der Patienten anpasst. Eine hochgradige Individualisierung wird auf Basis einer umfangreichen Eingangsdiagnostik und täglicher Messungen der Herzfrequenzvariabilität (HRV) angestrebt. Methodik: Es wurden 30 Patienten mit ischämisch bedingter Herzinsuffizienz im Zeitraum der stationären Rehabilitation betreut. Die Interventionsgruppe (IG) absolvierte das modulare Interventionsprogramm (N=15; Alter=54.4±4.2 Jahre, Ejektionsfraktion (EF) = 28.53±6.25 %). Die Kontrollgruppe (KG) nahm am „Standardprogramm“ teil (N=15; Alter=56.4±4.4 Jahre, EF=27.63±5.62). Im Prä-Posttestvergleich wurden eine Spiroergometrie sowie ein 6-Minuten-Gehtest (6-GT) durchgeführt. Standardisierte zehnminütige HRV-Ruhemessungen fanden morgens statt. Trainingshäufigkeiten und -intensitäten wurden den Ergebnissen der HRV-Analyse entsprechend individuell angepasst. Ergebnisse: Die IG steigerte die VO2max hochsignifikant von 16.89±3.31 ml•min-1•kg-1 auf 19.35±3.26 ml•min-1•kg-1, diese veränderte sich nicht bei der KG (15.41±3.58 ml•min-1•kg-1 vs. 15.37±3.49 ml•min-1•kg-1; p=.033; η²=.175). Vergleichbare Ergebnisse konnten für die maximale Wattzahl (IG: 129.3±33.7 W vs. 148.0±34.5 W, KG: 112.7±30.0 W vs. 110.9±27.4 W; p=.009; η²=.251) und den 6-GT (IG: 536.9±82.2 m vs. 589.5±84.9 m, KG: 456.8±81.9 m vs. 478.3±88.4 m; p=.050; η²=.131) ermittelt werden. Trainingsbegleitende Analysen zeigen, dass die IG weniger Ausdauertrainingseinheiten absolvierte als die KG (p≤.001). Diskussion: Die Ergebnisse belegen den Vorteil des entwickelten Interventionsprogramms. Die Resultate unterstreichen, dass Rehabilitationsprogramme nicht als maximale Leistungsmatrix für jeden Teilnehmer gestaltet werden sollten, sondern jeder Patient nur die Maßnahmen durchführt, für die nach der Eingangsdiagnostik und den therapiebegleitenden Messungen Bedarf besteht.

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