Beschreibung der Studie

Ausgangspunkt des Projekts sind bedrückende Statistiken. 15 % der Kinder und Jugendlichen in Deutschland sind nach den Ergebnissen der Robert-Bosch-Studie aus dem Jahr 2006 zu dick. Bei der Bekämpfung des Übergewichts spielen vermehrte Bewegung und Ernährungsumstellung eine große Rolle. In dem Projekt „Ballschule - leicht gemacht“ wurde untersucht, wie sich Bewegungsförderung und Ernährungsberatung auf verschiedene entwicklungsrelevante Bereiche von übergewichtigen Grundschulkindern auswirken. In den Jahren 2006 bis 2010 nahmen dazu rund 120 sechs- bis zwölfjährige Kinder über ein halbes Jahr an einer von vier Programmvarianten teil: Die erste Gruppe nur an der Ernährungsberatung, die zweite nur an der Bewegungsförderung, die dritte Gruppe an beiden Therapiebausteinen und die vierte erhielt kein Programm. Diese Aufteilung dient dazu, die unterschiedlichen Wirkungen der Therapiebausteine auf die Entwicklung der übergewichtigen Kinder zu untersuchen. Vor Beginn des Programms und ein halbes Jahr später fanden umfassende Untersuchungen des Gesundheitsstatus in der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin sowie der Inneren Medizin der Universität Heidelberg statt. Zudem nahmen die Kinder am Institut für Sport und Sportwissenschaft an motorischen, kognitiven und psychosozialen Tests teil. Nach den Eingangsuntersuchungen wurde das Bewegungsprogramm zweimal in der Woche über 1,5 Stunden angeboten und die Ernährungsberatung über das halbe Jahr an insgesamt acht Terminen, an denen teilweise auch die Eltern anwesend waren. Im Rahmen des Sportprogramms wurde der Schwerpunkt auf die Vermittlung allgemeiner ballsportbezogener Inhalte auf der Grundlage der Ballschule Heidelberg gelegt. Zusätzlich wurden zur Schulung der Körperwahrnehmung psychosoziale Spiele in die Stunden eingebaut und die Bedeutung der Alltagsaktivität erläutert. In der Ernährungsberatung wurde das Präventionskonzept der Optimierten Mischkost vom Forschungsinstitut für Kinderernährung in Dortmund umgesetzt. Überprüft wurde, inwieweit sich die Kinder nach dem halben Jahr bei den Abschlussuntersuchungen zwischen den vier Gruppen unterschieden. Es wurde beispielsweise erwartet, dass eine Gewichtsreduktion mit einer Verringerung der Gefäßwanddicke der Halsarterie zusammenhängt. Außerdem wurde angenommen, dass die Kinder, die beide Therapiebausteine erhalten haben, am meisten abnehmen und die Gruppen, die am Sportprogramm teilgenommen haben, sich in der Motorik stärker verbessern, als Kinder, die nur an der Ernährungsberatung teilgenommen haben oder an keinem der beiden Therapiebausteine.

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Studiendetails

Studienziel Die Ziele lassen sich durch folgende Hypothesenkaskarde erklären: Wirksamkeitshypothese I: Es wird erwartet, dass eine Gewichtsreduktion mit der Verbesserung der funktionellen (FAD), morphologischen (Intima-Media-Dicke) sowie biochemischen (Lipidprofil, Insulinresistenz, hs-CRP) Parameter korreliert. Wirksamkeitshypothese II: Es wird erwartet, dass die Verbesserung der Endothelfunktion mit der vermehrten Bewegung oder mit der Ernährungsumstellung korreliert. Bestimmung der Fluss-assozierten Vasodilatation (FAD) und Intima-Media-Dicke (IMT): Die Messung erfolgt auf einem hochauflösendem Ultraschallgerät mit integriertem EKG (Kretz Voluson 730). Die Messung an der Arteria brachialis sowie an den Carotiden erfolgt mit einem 12 MHz Schallkopf mit einer Auflösung von 0,1 mm und max. 7,5 cm Penetrationstiefe. Die Berechnung des Lumendurchmessers erfolgt nach der Methode von Wendelhag, der Versuchsaufbau folgt den Angaben von Celemayer: FAD: Probanden nüchtern zwischen 8 und 10 Uhr messen, mindestens 10 min vor Untersuchung Ruhe, 1. Messung nach Ruhephase, dann 5 min hypersystolische Kompression, postischämischer Scan 45, 90, 120 sec nach Abnahme der Blutdruckmanschette dreimalig gemessen und Mittelwert ermittelt. IMT: Messung der Distanz zwischen dem Lumen der Intima und der Adventitia der Media. Messung erfolgt bds. an 4 verschiedenen Stellen: A. carotis communis, Bifukation, A. carotis interna. IMT: Mittelwert aus 8 Messungen. Desweiteren werden BMI, Blutdruck und verschiedene Blutparameter erhoben. Die Parameter werden vor den Interventionen (Baseline) und ein halbes Jahr später, nach Abschluss der Interventionen erhoben.
Status Rekrutierung abgeschlossen, follow up abgeschlossen
Zahl teilnehmender Patienten 120
Stationärer Aufenthalt Keiner
Studientyp Interventionell
Kontrolle Wirksame Behandlung
Finanzierungsquelle Manfred Lautenschläger-Stiftung gGmbH

Kostet die Teilnahme Geld?

Alle während der Studie durchgeführten Behandlungen und Untersuchungen sind für Sie kostenfrei.

Teilnahme­voraussetzungen

Einschlusskriterien

  • Altersgemäßes Gewicht über dem 90. Perzentil;
  • Alter zwischen 6 und 10 Jahren bzw. Besuch der Grundschule; Ausschluss von Grunderkrankungen nach der Untersuchung in der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin; ausreichende Motivation, auch von Seiten der Eltern; ausreichende Deutschkenntnisse; eine Einverständniserklärung eines Erziehungsberechtigten zur Studienteilnahme

Ausschlusskriterien

  • Ausschluss einer somatischen Ursache der Adipositas;
  • Ausschluss einer relevanten somatischen Erkrankung;
  • Ausschluss der regelmäßigen Einnahme von Medikamenten;
  • Mentale Retardierung

Adressen und Kontakt

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Häufig gestellte Fragen

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Aktuelle Studien zeigen, dass sich Übergewicht weltweit auf die pädiatrischen Altersgruppen ausweitet. Bei Kindern führt die Gewichtszunahme nicht nur zu Veränderungen gesundheitlich relevanter, medizinischer Parameter, sondern auch zu Einschränkungen in der motorischen, kognitiven und psychosozialen Entwicklung. Langfristig evaluierte Therapieprogramme für das Kindes- und Jugendalter gibt es kaum. Mit der interdisziplinären Untersuchung des Instituts für Sport- und Sportwissenschaft, der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin sowie der Inneren Medizin der Universität Heidelberg wurden im Rahmen des Projekts "Ballschule - leicht gemacht" die Wirkungen von Bewegungsförderung und Ernährungsberatung auf die Gesamtentwicklung übergewichtiger und adipöser Grundschulkinder überprüft. An der Studie nahmen von 2006 bis 2010 insgesamt rund 120 Kinder im Grundschulalter teil. Sie wurden vier Experimentalgruppen randomisiert zugeteilt: A) einem zielgruppenspezifisch modifizierten Programm der Ballschule Heidelberg, B) einer Ernährungsberatung unter Einbezug der Eltern, C) einer Kombination der beiden Behandlungen, D) einer Kontrollgruppe. Zur Analyse der Wirkungen der verschiedenen Therapiebausteine sieht die Studie ein varianzanalytisches Design vor. Dies ermöglicht sowohl Effektivitätsnachweise der Interventionen im Vergleich zur Kontrollgruppe als auch den Vergleich der Effekte der unterschiedlichen Therapieprogramme. Das Studiendesign beinhaltet einen Untersuchungsplan mit einem zweifach gestuften Messwiederholungsfaktor und einem vierfach gestuften Gruppierungsfaktor Intervention. Die Interventionen erstreckten sich über einen Zeitraum von jeweils sechs Monaten. Zur Kontrolle ihrer Wirkungen dienten – dem interdisziplinären, ganzheitlichen Ansatz des Projektes entsprechend – eine große Bandbreite medizinischer und ernährungswissenschaftlicher Parameter (u.a. BMI, Blutdruck, Intima-Media-Dicke, Ess- und Trinkgewohnheiten), motorischer Merkmale (Ausdauerleistungsfähigkeit, Gesamtkörperkoordination, Fein- und Visuomotorik, ballspielbezogene Kompetenzen) sowie kognitive und psychosoziale Variablen (Konzentration, Selbstkonzept, Intelligenz). Es wird erwartet, dass eine Gewichtsreduktion mit der Verbesserung der funktionellen (FAD), morphologischen (Intima-Media-Dicke) sowie biochemischen (Lipidprofil, Insulinresistenz, hs-CRP) Parameter korreliert und dass die Verbesserung der Endothelfunktion mit der vermehrten Bewegung und/oder mit der Ernährungsumstellung korreliert. Allgemeinmotorisch werden z.B. Verbesserungen der feinmotorischen Geschicklichkeit und der großmotorischen Gewandtheit sowie Veränderungen im psychosozialen Bereich (Konzentrationsleistung, Selbstkonzept) erwartet. Sportartbezogen werden Fortschritte in den (ball-)koordinativen, den technischen und den taktischen Fertigkeiten angenommen. Der wissenschaftliche Gewinn besteht in der Verknüpfung der medizinischen mit den sportwissenschaftlichen Ergebnissen. In diesem Sinne rücken vor allem disziplinübergreifende Zusammenhangshypothesen in den Vordergrund, beispielsweise: Führt eine Erhöhung der körperlichen Leistungsfähigkeit zu einer Verbesserung der Endothelfunktion? Welche Effekte sind nur durch die Kombination der Bausteine „Bewegung“ und „Ernährung“ zu erzielen, nicht aber durch die einzelne Umsetzung? Bei der Durchführung des Sportprogramms wurde ein besonderer Schwerpunkt auf die Vermittlung sportartbezogener Kompetenzen gelegt, die die Kinder dazu befähigen sollen, nach dem Abschluss des Programms an normalen Vereinsangeboten teilzunehmen. Mit dem Ziel der Vermittlung sportartbezogener Fertigkeiten geht einher, dass das Programm nicht auf eine größtmögliche Gewichtsreduktion ausgerichtet war. Die Kinder sollten in erster Linie Spaß am Sport finden, denn nur so kann eine langfristige, über die Studie hinausgehende Veränderung des Bewegungsverhaltens gelingen. In der Ernährungsberatung wurde das Präventionskonzept der Optimierten Mischkost (OptimiX) vom Forschungsinstitut für Kinderernährung in Dortmund umgesetzt.

Quelle

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