Beschreibung der Studie

Ziel dieser Studie ist es, neue Erkenntnisse über die 177Lutetium-DOTA-TATE Therapie zu erhalten, welche eine empfohlene Therapieoption für Patienten mit metastasierten nicht-operablen neuroendokrinen Tumoren ist. Jeder Mensch hat neuroendokrine Zellen im Körper. Neuroendokrine Zellen befinden sich hauptsächlich diffus verteilt im Magen-Darm-Trakt, in den Lungen sowie in der Bauchspeicheldrüse. Die Aufgabe dieser Zellen ist die Produktion verschiedener Botenstoffe (Hormone). Zellen im Körper werden in Zeitabständen erneuert, dazu teilen sich diese. Bei Patienten mit einem neuroendokrinen Tumor ist bei der Teilung einer neuroendokrinen Zelle ein Fehler passiert. Die neu entstandene neuroendokrine Zelle und die von ihr neu produzierten Zellen haben Erbinformationen verloren und teilen sich häufiger als vorgesehen und sterben nicht mehr ab. Dies führt zu einem Wachstum und zu einer Verdrängung von normalen Zellen in der Umgebung. Glücklicherweise wachsen neuroendokrine Zellen im Vergleich zu anderen Tumorarten meist langsam. Neuroendokrine Tumorzellen produzieren häufig zu viele Hormone. Der hohe Hormonspiegel führt dann zu einer Symptomatik, die malignes Karzinoid-Syndrom genannt wird. Mögliche Symptome sind beispielsweise Wärmewellen, hochroter Kopf, Durchfall, Alkoholunverträglichkeit, Asthma, Hautprobleme. Bei Patienten mit metastasierten nicht-operablen neuroendokrinen Tumoren ist eine mögliche, empfohlene Therapieoption die Therapie mit 177Lutetium-DOTA-TATE. Neuroendokrine Zellen haben einen sog. Somatostatin-Rezeptor auf ihrer Außenoberfläche. Dockt ein Hormon an einen Rezeptor, gibt dieses Hormon seine Information über den Rezeptor an die Zelle. Neuroendokrine Tumoren haben den speziellen Somatostatin-Rezeptor meist in hoher Anzahl, das heißt in höherer Anzahl als die gesunden Zellen. Das Hormon Somatostatin kann künstlich hergestellt werden (Name: DOTA-TATE). Das „DOTA-TATE“ findet den Rezeptor auf den Tumorzellen und bleibt dort über Tage haften. „DOTA-TATE“ ist beladen mit einem radioaktiven Partikel (Name: Lutetium-177), welches dann die Tumorzellen bestrahlt und in vielen Fällen abtötet. 177Lutetium- DOTA-TATE wird intravenös, das heißt über eine Vene, gespritzt und befindet sich innerhalb von Minuten vorwiegend am Tumor. Zur Vorbereitung für die 177Lutetium-DOTA-TATE Therapie ist eine Bildgebung zum Nachweis des Vorhandenseins einer ausreichenden Anzahl an Somatostatin-Rezeptoren erforderlich. Bei dieser Bildgebung handelt es sich um ein 68Gallium-DOTA-TATE PET/CT (Gallium-68: geeignetes radioaktives Partikel ausschließlich für die Bildgebung, nicht für die Therapie aufgrund von anderen Strahleneigenschaften als das Lutetium-177; DOTA-TATE: künstlich hergestelltes Somatostatin, welches wie bereits oben erwähnt, an die Somatostatin-Rezeptoren andockt; PET/CT: Positronen-Emissions-Tomographie kombiniert mit einer Computertomographie). Bei guter Anreicherung von 68Gallium-DOTA-TATE in den neuroendokrinen Tumoren deutet dies auf eine hohe Anzahl an Somatostatin-Rezeptoren auf der Außenoberfläche hin und somit kann eine Therapie mit 177Lutetium-DOTA-TATE empfohlen werden. Dabei sollte nach heutigem Standard die Anreicherung in den neuroendokrinen Tumoren höher sein als in der Leber. Eine weitere Voraussetzung für die Therapie ist eine ausreichende Funktion der Nieren. 177Lutetium-DOTA-TATE wird wie Aminosäuren zu einem Teil auch von den Nieren aufgenommen. Damit es zu keiner Nierenschädigung kommt, muss die Niere für das „DOTA-TATE“ blockiert werden. Dies geschieht durch das intravenöse Verabreichen einer Aminosäurelösung. Aminosäuren finden sich als Bausteine in den meisten tierischen und pflanzlichen Nahrungsmitteln. Die Infusion wird meistens ohne Beeinträchtigungen vertragen und ist ungefährlich für die Nieren. Unter Aminosäureblockade ist bisher keine Nierenschädigung bei einem Patienten bekannt geworden. Trotzdem ist diese Therapie mit einem Risiko einer möglicherweise schweren Nierenschädigung behaftet (bis zur Dialysepflicht). Bei der Therapie erhalten die Patienten die radioaktiv markierte Substanz 177Lutetium-DOTA-TATE in vier Therapiesitzungen in einem Abstand von jeweils etwa acht Wochen, wobei eine Therapiesitzung drei Tage dauert. Während des Aufenthalts werden Bildaufnahmen zur Therapiekontrolle durchgeführt, zum einen eine konventionelle Szintigraphie und zum anderen eine SPECT/CT (Einzel-Photonen-Emissions-Computertomographie, engl. Single Photon Emission Computed Tomography, in Kombination mit einer Computertomographie). Im Anschluss an die Therapie (etwa 3 Monate nach der letzten Therapiesitzung) erhalten die Patienten zur Therapiekontrolle ein 68Gallium-DOTA-TATE PET/CT. Ziele dieser Studie sind folgende: Bisher besteht mittels der konventionellen Szintigraphie die Möglichkeit der Dosisberechnung von Tumoren und Organen mit einem Auswertungsprogramm beruhend auf einer planaren Strahlendosismessung bzw. 2D Strahlendosismessung. Mittels der SPECT/CT steht uns eine neue Methode (ein neues Auswertungsprogramm) zur Dosisberechnung zur Verfügung. Diese neue Methode beruht auf einer 3D Strahlendosismessung. Wir möchten die Berechnung der Tumordosis mit der 3D Strahlendosismessung mit der 2D Strahlendosismessung vergleichen. Vermutlich ist die 3D der 2D Strahlendosismessung überlegen. Des Weiteren möchten wir die 68Gallium-DOTA-TATE PET/CT und die 3D Strahlendosismessung als prädiktive Faktoren für das Ansprechen auf die 177Lutetium-DOTA-TATE Therapie evaluieren. Als Standard dient das Therapieansprechen der einzelnen Tumore 3 Monate nach Therapie mit 177Lutetium-DOTA-TATE. Somit können wir wichtige Informationen bezüglich der Wirkung der 177Lutetium-DOTA-TATE Therapie erhalten. Außerdem möchten wir die 68Gallium-DOTA-TATE PET/CT als prädiktiven Faktor sowohl für die Tumorstrahlendosis als auch für die Nierenstrahlendosis unter der Therapie untersuchen. Mit einer verbesserten Abschätzung der Nierenstrahlendosis unter der Therapie könnte eine mögliche Nierenschädigung als schwerste Nebenwirkung der 177Lutetium-DOTA-TATE Therapie verhindert werden. Mit Hilfe dieser verbesserten Diagnostik könnte eine bessere, individuellere Therapieplanung für die Patienten ermöglicht werden. In diese Studie werden nur Patienten eingeschlossen, die in der Abteilung Nuklearmedizin mit einer 68Gallium-DOTA-TATE PET/CT untersucht wurden und bei denen im Anschluss daran eine 177Lutetium-DOTA-TATE Therapie durchgeführt wurde. Die Patienten werden gemäß den klinischen Standards der Abteilung Nuklearmedizin untersucht und therapiert. Es werden keine zusätzlichen studienbedingten Eingriffe vorgenommen, somit bestehen keine zusätzlichen Risiken für die Studienteilnehmer. Eine Abweichung von den üblichen Maßnahmen ist nur eine erweiterte Datenerhebung sowie Auswertung der Daten nach der Therapie. Die durch die Studie erhobenen Daten werden in der Patientenakte in einem Raum mit limitierter Zugangsberechtigung aufbewahrt. Die entsprechenden elektronischen Daten sind durch Zugangsberechtigung gesichert. Im Rahmen der Aufklärung der Therapie sowie der diagnostischen Maßnahmen vom behandelnden Arzt erklären sich die Patienten mit der erweiterten Datenerhebung sowie Auswertung ihrer Daten bei Wahrung des Datenschutzes einverstanden.

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Studiendetails

Studienziel 68Ga-DOTA-TATE Anreicherung der Metastasen oder Primärtumoren, gemessen als SUVmax [g/ml]
Status Rekrutierung abgeschlossen, follow up läuft noch
Zahl teilnehmender Patienten 12
Stationärer Aufenthalt Keiner
Studientyp Beobachtungsstudie
Finanzierungsquelle Universitätsklinikum Freiburg, Abteilung Nuklearmedizin

Kostet die Teilnahme Geld?

Alle während der Studie durchgeführten Behandlungen und Untersuchungen sind für Sie kostenfrei.

Teilnahme­voraussetzungen

Einschlusskriterien

  • Indikation zur 177Lu-DOTA-TATE Therapie:
  • gut differenzierte, metastasierte neuroendokrine Tumoren und Karzinome, die Somatostatin Rezeptor Subtyp 2 überexprimieren (positives prätherapeutisches 68Ga-DOTA-TATE PET/CT) und nicht kurativ behandelt werden können,
  • Meningeome, die Somatostatin Rezeptoren Suptyp 2 überexprimieren und nicht alternativ behandelt werden können.
  • pro DOTATATE Therapie:
  • bei Tumor Progredienz als "first line, second line etc. Therapie",
  • nicht lokal auf die Leber beschränkte Metastasierung,
  • massive Somatostatin Rezeptor Subtyp 2 Überexpression,
  • normale Nierenfunktion.
  • informed consent

Ausschlusskriterien

  • Niereninsuffizienz mit einem Kreatinin von >1.5 mg/dl und/oder GFR <60 ml/min, fixierte Nierenabflussbehinderung
  • Myelosuppression: Trombozyten <90 Tds/Mykroliter, Hämoglobin <8.0 g/dl, Leukozyten <2.5 Tds/Mykroliter
  • Karnofsky Index <60%
  • Somatostatin Rezeptor Bildgebung: durchschnittlicher Tumor-Uptake < Leber-Uptake
  • Schwangerschaft
  • relative Kontraindikation: proliferationsindex >20%

Adressen und Kontakt

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Häufig gestellte Fragen

In unserem übersichtlichen Ratgeber finden Sie alle Antworten zu Fragen über klinische Studien.

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Die Europäische Gesellschaft für Neuroendokrine Tumoren (ENETS) empfiehlt in ihren Leitlinien die Behandlung von metastasierten nicht-operablen neuroendokrinen Tumoren mit dem Radioaktiv-markierten Somatostatinanalogon 90Y-DOTATOC oder 177Lu-DOTATATE (Eriksson et al. Neuroendocrinology 2008; 87:8-19). Die 90Y-DOTATOC und 177Lu-DOTATATE Therapie ist eine Rezeptor vermittelte systemische Radionuklidtherapie. Sie ist bei den meisten neuroendokrinen Tumoren wirksam, da diese Tumoren den Somatostatin Rezeptor Subtyp 2 (sst2) meistens überexprimieren (Kwekkeboom et al. J Nucl Med 2005; 46:62S-66S). Zur Vorbereitung für die 90Y-DOTATOC oder 177Lu-DOTATATE Therapie wurde bis vor kurzem eine Somatostatin Rezeptor Szintigraphie und „Single Photon Emissions Tomogrpahie“ (SPECT) durchgeführt. Mit dieser Bildgebung konnte der Nachweis über die Expression des Target Rezeptors schon vor der Therapie erbracht werden. Falls die Anreicherung im Tumor höher war als in der Leber war die Indikation zur 90Y-DOTA-TOC oder 177Lu-DOTATATE Therapie gegeben. Mittlerweile wurde die Somatostatin Rezeptor Szintigraphie und SPECT durch die Somatostatin Rezeptor PET/CT (Positron Emissions Tomographie in Kombination mit Computer Tomographie) ersetzt. Studien haben gezeigt, dass die Somatostatin Rezeptor PET/CT z.B. mit 68Ga-DOTATATE eine höhere Sensitivität aufweist als die Somatostatin Rezeptor Szintigraphie und SPECT (Srirajaskanthan et al. J Nucl Med 2010;51:875-882). Außerdem kann mit der neuen Methode die Anreicherung im Tumor nun problemlos quantifiziert werden. Aus diesem Grund hat die neue Methode nicht nur eine höhere Sensitivität sondern das Potential das Therapieansprechen im Sinne einer prädiktiven Bildgebung abschätzen zu können. Außerdem steht uns eine neue Methode zur Dosisberechnung von Tumoren und Organen zur Verfügung. Diese neuen Methode beruht auf einer 3D Dosimetrie (Voxel basierte Dosimetrie) und ist wahrscheinlich der planaren Dosimetrie bzw. 2D Dosimetrie überlegen. Deshalb könnte mit der 3D Dosimetrie das Therapieansprechen besser abgeschätzt werden als mit der 2D Dosimetrie. In dieser Studie wollen wir die 68Ga-DOTATATE PET/CT und die 3D Dosimetrie als prädiktiven Faktor für das Ansprechen auf die 177Lu-DOTATATE Therapie evaluieren. Desweiteren wollen wir im gleichen Patienten die Berechnung der Tumordosis mit der 3D- und 2D Dosimetrie vergleichen. Als Standard dient das Therapieansprechen der einzelnen Tumore 3 Monate nach Therapie mit 177Lu-DOTATATE. Mit Hilfe dieser verbesserten prädiktiven Diagnostik könnte eine bessere, individuellere Therapieplanung ermöglicht werden. In dieser monozentrischen, retrospektiven Studie werden keine zusätzlichen studienbedingten Interventionen vorgenommen. Es werden nur Patienten eingeschlossen, die in der Abteilung Nuklearmedizin mit einer 68Ga-DOTATATE PET/CT untersucht wurden und bei denen im Anschluss daran eine 177Lu-DOTATATE Therapie durchgeführt wurde. Die Patienten werden gemäß den klinischen SOPs (standard operating procedures) der Abteilung Nuklearmedizin untersucht und therapiert. Eine Abweichung von den üblichen Maßnahmen ist nur eine erweiterte Datenerhebung sowie Auswertung. Die durch die Studie erhobenen Daten werden in der Patientenakte in einem Raum mit limitierter Zugangsberechtigung aufbewahrt. Die entsprechenden elektronischen Daten sind durch Zugangsberechtigung gesichert. Da keine zusätzlichen studienbedingten Interventionen vorgenommen werden, gibt es für die Studienteilnehmer keine zusätzlichen Risiken. Im Rahmen der Aufklärung der diagnostischen Maßnahmen vom behandelnden Arzt erklären sich die Patienten mittels des Abschnitts der Patienteneinverständniserklärung PET/CT mit der erweiterten Datenerhebung sowie Auswertung ihrer Daten bei Wahrung des Datenschutzes einverstanden. Ebenfalls im Rahmen der Aufklärung der 177Lu-DOTATATE Therapie geben sie diesbezüglich ihr Einverständnis.

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