Beschreibung der Studie

Bei älteren, dauerhaft kranken Personen und besonders bei mehrfachen Erkrankungen ist ein häufiges Problem, dass nicht geeignete Medikamente eingenommen werden. Nicht geeignete Medikamente sollen häufiger Nebenwirkungen machen, die Lebensqualität verringern, häufiger Krankenhausaufenthalte verursachen und weitere negativen Folgen haben. Man könnte nicht geeignete Medikamente vermeiden, indem man Listen, die ungeeignete Medikamente auflisten, anwendet. Ein Beispiel ist die seit 2010 in Deutschland verfügbare PRISCUS-Liste. Darin haben Experten als ungeeignet eingeschätzte Medikamente gelistet, aber auch Hinweise zu möglicher Beeinflussung der Medikamenten untereinander und zur richtigen Dosierung von Medikamenten gegeben. Bei Hausärzten könnte eine Liste in Verbindung mit einer Schulung durch andere Hausärzte vielleicht sinnvoll sein, um ungeeignete Medikamente zu vermeiden. Um dies zu prüfen, wird eine wissenschaftliche Untersuchung geplant und durchgeführt. Bei insgesamt 140 Hausärzten in Witten und Hannover werden pro Praxis 12 Patienten untersucht. Die Patienten sind 70 Jahre alt oder älter und nehmen dauerhaft mehr als 6 Medikamente ein. Die behandelnden Hausärzte werden entweder in bekannten Empfehlungen zur Medikamentenverordnung bei alten Menschen geschult, oder sie erhalten eine Schulung mit neu erarbeiteten Empfehlungen aus der PRISCUS-Liste. Nach Ablauf eines Jahres wird der Anteil von Patienten pro Hausarzt ermittelt, die ein ungeeignetes Medikament bekommt. Dies wird zwischen den beiden unterschiedlich geschulten Hausarztgruppen verglichen. Die Studie geht davon aus, dass bei jedem vierten Patienten ein ungeeignetes Medikament vorkommt, und dass die neue Schulung diesen Anteil von Patienten um etwa ein Drittel verringern kann.

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Studiendetails

Studienziel Die Primäranalyse findet auf Praxisebene statt. Der Vergleich der Kontrollgruppe und der Interventionsgruppe (Intervention auf Praxisebene ohne Unterscheidung zwischen Team- und Arztschulung) bzgl. des Anteils der Patienten mit potenziell inadäquater Medikation nach 12 Monaten erfolgt mittels ANCOVA. Potenziell inadäquate Medikation wird entweder definiert durch mindestens einen potenziell inadäquaten Arzneistoff oder mindestens eine wichtige Arzneimittelinteraktion oder mindestens eine inadäquate Dosierung eines Arzneistoffs nach der PRISCUS-Liste. Als Faktor geht in die ANCOVA die Gruppenvariable (experimentelle Intervention/Kontrolle) ein und als Kovariate der Anteil der Patienten pro Praxis mit potenziell inadäquater Medikation zu Studienbeginn. Alle randomisierten Praxen bzw. die zugehörigen Patienten werden ausgewertet. Fehlende Angaben zu potenziell inadäquater Medikation werden auf Patientenebene durch den Basiswert ersetzt.
Status Rekrutierung abgeschlossen, follow up abgeschlossen
Zahl teilnehmender Patienten 1680
Stationärer Aufenthalt Keiner
Studientyp Interventionell
Kontrolle Wirksame Behandlung
Finanzierungsquelle Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) Dienstsitz Bonn

Kostet die Teilnahme Geld?

Alle während der Studie durchgeführten Behandlungen und Untersuchungen sind für Sie kostenfrei.

Teilnahme­voraussetzungen

Einschlusskriterien

  • Alter ≥ 70 Jahre;
  • mindestens 6 unterschiedliche Wirkstoffe als Medikation zur dauerhaften Einnahme
  • verordnet;
  • Lebenserwartung von ≥ 6 Monaten nach Einschätzung des behandelnden Hausarztes;
  • Geschäftsfähigkeit gegeben;
  • Bereitschaft zur Teilnahme an der Datenerhebung (Assessment in der Hausarztpraxis bei Studienbeginn, Telefoninterviews);
  • telefonische Erreichbarkeit;
  • schriftliches Einverständnis zur Studienteilnahme

Ausschlusskriterien

  • fortgeschrittene kognitive Einschränkung oder Demenz;
  • gesetzliche Betreuung;
  • fehlende Bereitschaft zur Teilnahme an den vorgesehenen Untersuchungen bzw. Befragungen

Adressen und Kontakt

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Häufig gestellte Fragen

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Potenziell inadäquate Medikation ist ein häufiges Problem bei älteren, chronisch kranken und insbesondere mehrfach erkrankten Personen. Sie wird mit einer erhöhten Wahrscheinlichkeit für unerwünschte Arzneimittelwirkungen, Einbußen in der Lebensqualität, vermehrte stationäre Aufenthalte und weitere negative Gesundheitsfolgen in Verbindung gebracht. Eine Möglichkeit, potenziell inadäquate Medikation zu reduzieren, besteht in der Anwendung einer Negativliste, wie der seit 2010 in Deutschland verfügbaren PRISCUS-Liste. Darin werden nach Meinung von Experten als potenziell inadäquat eingeschätzte Arzneistoffe gelistet, aber auch Hinweise zu relevanten Arzneimittelinteraktionen und Dosierungen gegeben. Im ambulanten hausärztlichen Bereich wäre ein listenbasierter Ansatz in Verbindung mit einem Konzept der Schulung und Information über gleichgestellte Fachkollegen eine neue, viel versprechende Möglichkeit, potenziell inadäquate Medikation zu reduzieren bzw. zu vermeiden. Um dies zu prüfen, wird eine prospektive, cluster-randomisierte, kontrollierte klinische Studie geplant und durchgeführt. In insgesamt 140 Hausarztpraxen aus den Regionen Witten und Hannover werden pro Praxis 12 Patienten im Alter von ≥ 70 Jahre und mit dauerhafter Einnahme von ≥ 6 Arzneistoffen in die Studie eingeschlossen. Die Hausarztpraxen werden in eine Kontrollgruppe randomisiert, die aus der Literatur einschlägig bekannte Empfehlungen zur Pharmakotherapie im Alter erhält, während in der Gruppe mit der experimentellen Intervention die neuen, auf Basis der PRISCUS-Liste erarbeiteten Empfehlungen angewendet und geschult werden. Nach Ablauf von insgesamt 12 Monaten wird der Anteil von Patienten pro Cluster mit mindestens einer potenziell inadäquaten Medikation ermittelt und zwischen der Kontrollgruppe und der Gruppe mit experimenteller Intervention verglichen. Die Studie ist so ausgelegt, dass bei einer Häufigkeit potenziell inadäquater Medikation zu Studienbeginn von 25% eine absolute Risikoreduktion um 9% auf 16%, entsprechend einem relativen Risiko (RR) von 0,64, detektiert werden kann.

Quelle

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