Beschreibung der Studie

Der klinische Verlauf nach Lebertransplantation wird wesentlich durch die Funktion des Transplantats bestimmt. Schlecht funktionierende Transplantate führen zu einer Erhöhung des Risikos für Komplikationen. Bspw. treten schwere Infektionen häufiger auf. In Einzelfällen können diese Infektionen auch lebensbedrohlich werden. Die schwerste Ausprägung eines schlecht funktionierenden Lebertransplantats ist die anfängliche Nichtfunktion mit der unbedingten Notwendigkeit einer erneuten Transplantation. Das Risiko für schlecht funktionierende Lebertransplantate erhöht sich bei Verwendung von Organen geringer Qualität. Aufgrund des in Deutschland herrschenden Organmangels muss aber auch auf solche Organe zurückgegriffen werden. Es ist von größtem Interesse, Möglichkeiten zu finden, die Rate schlecht funktionierender Lebertransplantate zu senken. Das Medikament Iloprost hat u.a. die Eigenschaft, die Verklumpungsfähigkeit der Blutplättchen einzuschränken sowie die Blutgefäße zu erweitern. Dadurch wird die Gewebsdurchblutung (Mikrozirkulation) verbessert. Die vorliegende Studie prüft die Vermutung, dass die Gabe von Iloprost die Gewebsdurchblutung des Lebertransplantats verbessert und damit zu einer besseren Transplantatfunktion führt. Dies müsste zu einer Verringerung der Rate an Komplikationen führen. Die Studienteilnehmer erhalten nach dem Zufallsprinzip entweder das Medikament Iloprost oder Placebo (Scheinmedikament) unmittelbar nach erfolgter Transplantation für insgesamt 7 Tage. Während dieser 7 Tage werden neben den üblichen Routineuntersuchungen einzelne Blutentnahmen sowie Leberfunktionstests durchgeführt. Die gesamte Beobachtungszeit der Studie beträgt ein halbes Jahr.

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Studiendetails

Studienziel Primärer Endpunkt Primäre Graftdysfunktion (PDF) nach Lebertransplantation (LT) charakterisiert anhand eines oder mehrerer der folgenden Kriterien: ALAT- oder ASAT-Peak > 2000 IU/ml innerhalb der ersten 7 postoperativen Tage; Bilirubin ≥ 10 mg/dl am postoperativen Tag 7; Prothrombinzeit INR ≥ 1,6 am postoperativen Tag 7 oder als Auftreten einer initialen Nichtfunktion (INF). INF ist definiert als primäres Graftversagen unter Ausschluss sekundärer Ursachen wie Thrombose der Arteria hepatica (HAT), biliärer Komplikationen, rezidivierender Grunderkrankung oder akuter Abstoßung, welches innerhalb von 14 Tagen nach LT zu einer Retransplantation oder zum Tod des Patienten führt.
Status Teilnahme nicht mehr möglich
Studienphase 3
Zahl teilnehmender Patienten 430
Stationärer Aufenthalt Keiner
Studientyp Interventionell
Kontrolle Placebo
Finanzierungsquelle Astellas Pharma GmbH
Weitere Informationen Studienwebseite

Kostet die Teilnahme Geld?

Alle während der Studie durchgeführten Behandlungen und Untersuchungen sind für Sie kostenfrei.

Teilnahme­voraussetzungen

Einschlusskriterien

  • Lebertransplantation full size
  • Einwilligungserklärung des Patienten oder seines gesetzlichen Vertreters
  • Alter ≥ 18 Jahre

Ausschlusskriterien

  • Frauen im gebärfähigen Alter, außer Frauen mit den folgenden Kriterien:
  • Post-Menopause (12 Monate natürliche Amenorrhoe oder 6 Monate Amenorrhoe mit Serum FSH > 40 mlU/ml)
  • Sterilisation 86 Wochen nach bilateraler Ovarektomie mit oder ohne Hysterektomie
  • Verwendung einer effektiven Empfängnisverhütungsmethode für die Dauer der Studie: Implantate, injizierbare Präparate, kombinierte orale Kontrazeptiva, intrauterines Produkt (platziert wenigstens zwei Monate vor dem Screening) und mit negativem Serumschwangerschaftstest
  • sexuelle Abstinenz
  • vasektomierter Partner
  • Schwangerschaft/Laktation
  • Respiratorische und/oder zirkulatorische Instabilität (Noradrenalin > 1 µg/kg Körpergewicht/min und FiO2 > 0,6) nach LT vor Randomisierung
  • Teillebertransplantation/Transplantation durch Lebendorganspende
  • Retransplantation
  • Multi-Organ-Transplantation
  • Beteiligung an anderen klinischen Studien 30 Tage vor Randomisierung
  • bekannte allergische Reaktion gegen die Studienmedikation
  • Zustände, bei denen Blutungskomplikationen aus dem Effekt von Iloprost auf die Thrombozyten erwartet werden können
  • schwere Koronararterienerkrankung oder instabile Angina pectoris
  • Myokardinfarkt innerhalb der vergangenen 6 Monate vor der baseline Beurteilung nach Akzeptanz des Spenderorgans
  • akute oder chronische Herzinsuffizienz/Herzversagen (NYHA II-IV)
  • kardiale Arrhythmien relevant für die Prognose
  • Verdacht auf Pulmonalarterienstenose
  • bekannte Allergie oder Intoleranz gegen Tacrolimus, Mycophenolat Mofetil, Basiliximab oder Kortikosteroide

Adressen und Kontakt

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Häufig gestellte Fragen

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Die Inzidenz einer primären Graftdysfunktion (PDF) nach Lebertransplantation (LT) beträgt etwa 25%. Die initiale Nicht-Funktion entwickelt sich bei 6% dieser Fälle und erfordert eine dringliche Leber-Retransplantation. Für eine PDF werden verschiedene Ursachen diskutiert: Alter des Spenders, Dauer der kalten Ischämie oder höhergradige Steatosis des Graft und damit einhergehend die Intensität des hepatischen Ischämie/Reperfusionsschadens. Aufgrund des anhaltenden Organmangels sind die Transplantationszentren in Deutschland gezwungen, auch Spenderorgane geringerer Qualität zu verwenden. Damit erhöht sich aber auch das Risiko für eine Graftdysfunktion. Die Ausprägung einer PDF kann bis zu Organversagen und damit der unbedingten Notwendigkeit der Retransplantation führen. Zudem erhöht eine PDF die perioperative Morbidität und Mortalität. Therapeutische Strategien zur Vermeidung einer PDF sind von hoher klinischer Relevanz. Als eine Möglichkeit wird die sytemische Gabe von Prostaglandinderivaten diskutiert. Einige Autoren berichten über die klinische Anwendung des synthetischen Prostaglandin I2 Analogon Iloprost. Basierend auf dessen vasodilatatorischer Wirkung wird es eingesetzt in der Behandlung der pulmonalen Hypertonie. Im Rahmen eines off label use konnte systemisch gegebenes Iloprost in der Aortenchirurgie oder nach arterieller Reperfusion bei akuter Extremitätenischämie durch eine verbesserte Mikrozirkulation Morbidität und Mortalität signifikant vermindern. Bärthel et al. (2011) evaluierten die Wirkung von Iloprost in einer prospektiven, randomisierten open label Pilotstudie bei 80 lebertransplantierten Patienten. Die Daten zeigen, dass intravenös gegebenes Iloprost die Graftfunktion gerade in der frühen postoperativen Phase verbessert. Die Ergebnisse sind vielversprechend.. Das Outcome nach LT wird von verschiedenen Spender- und Empfängervariablen beeinflusst. Es soll eine prospektive, multizentrische, randomisierte, doppelblinde, placebokontrollierte Studie mit einer adäquaten Fallzahl durchgeführt werden, um den Effekt der systemischen Gabe von Iloprost auf die Graftfunktion nach LT zu überprüfen. Iloprost vs. Placebo wird kontinuierlich intravenös in der Konzentration von 1ng/kgKG/min über 7 Tage gegeben. Studienende für jeden Patienten ist nach jeweils 180 Tagen. Ein follow up ist nach 270 Tagen und nach 360 Tagen nach LT vorgesehen. Primärer Endpunkt der klinischen Prüfung ist das Auftreten einer PDF nach LT. Die PDF nach LT ist charakterisiert anhand eines oder mehrerer der folgenden Kriterien: ALAT- oder ASAT-Peak >2000 IU/ml innerhalb der ersten 7 postoperativen Tage; Bilirubin ≥ 10 mg/dl am postoperativen Tag 7; Prothrombinzeit INR ≥ 1,6 am postoperativen Tag 7 oder als Auftreten einer initialen Nichtfunktion (INF). INF ist definiert als primäres Graftversagen unter Ausschluss sekundärer Ursachen wie Thrombose der Arteria hepatica (HAT), biliärer Komplikationen, rezidivierender Grunderkrankung oder akuter Abstoßung, welches innerhalb von 14 Tagen nach LT zu einer Retransplantation oder zum Tod des Patienten führt. Basierend auf früheren Untersuchungen wird eine 50%ige Reduktion der Rate an PDF unter Iloprost erwartet.

Quelle

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