Beschreibung der Studie

Die Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus) ist eine Stoffwechselerkrankung, die durch chronisch erhöhte Blutzuckerwerte gekennzeichnet ist. Die Erkrankung wird durch einen Mangel am Hormon Insulin (Typ-1 Diabetes) oder durch eine verminderte Empfindlichkeit der Körperzellen gegen die Wirkung von Insulin (Typ-2 Diabetes) verursacht. Das Hormon Insulin wird in der Bauchspeicheldrüse (Pankreas) gebildet. Insulin ist wichtig für die Steuerung der Zuckerkonzentration im Blut (Glukosespiegel) und ist das einzige Hormon im Körper, das den Glukosespiegel senken kann. Die chronisch erhöhten Blutzuckerwerte verursachen für Diabetespatienten tiefgreifende Folgeschäden wie z.B. Schädigung der Netzhaut (diabetische Retinopathie), Empfindungsstörungen der Nerven (Neuropathie) sowie Ketoazidose (Übersäuerung durch mangelnde Glucoseverwertung) aufgrund zu hoher Blutzuckerspiegel oder Bewusstlosigkeit (diabetischer Schock) aufgrund eines zu niedrigen Blutzuckerspiegels („unterzuckert“). Für die Gesundheit der Patienten ist es sehr wichtig, einen ausgeglichenen Blutzuckerspiegel aufrecht zu erhalten. Die bisher übliche Art der Verabreichung von Insulin bei Patienten mit Diabetes mellitus erfolgt über Spritzen. Diese Methode wird von manchen Patienten als große Beeinträchtigung ihrer Lebensqualität empfunden. In dieser Studie wird eine neue Darreichungsform des Insulins untersucht, ein insulinhaltiges Plättchen (Insulin-Wafer), das oral verabreicht an der Mundschleimhaut haften bleibt. Das Insulin wird über die Mundschleimhaut aufgenommen und gelangt so in den Blutkreislauf. Der Insulin-Wafer wird entweder lingual/palatal oder gingival angewendet werden. Bei jeder Verabreichung werden zwei der Plättchen verwendet. Bei der lingualen/palatalen Anwendung wird ein Wafer auf die Oberseite der Zunge (lingual) aufgebracht, der andere unter den harten Teil des Gaumens (palatal). Bei der gingivalen Anwendung wird ein Wafer an das obere, der andere an das untere Zahnfleisch aufgebracht. Mit der Zufuhr von Insulin über die Mundschleimhaut eröffnet sich eine neue Art der Insulinaufnahme, die dem Patienten möglicherweise die Injektion über Nadel oder Insulin-Pen erspart. In dieser Studie werden neben den Prüfpräparaten und den Vergleichspräparaten auch sogenannte Placebos (Scheinmedikamente) zum Einsatz kommen. Dabei handelt es sich um Wafer-Plättchen, die kein Insulin enthalten. Verabreichung über die Mundschleimhaut ist eine einfache und angenehme Art, Arzneimittel einzunehmen, besonders für Menschen mit Sehstörungen oder mit eingeschränkter Fingerfertigkeit. Durch die einfachere Anwendung fällt es den Patienten leichter, sich an die Therapie zu halten. In dieser Studie werden die Pharmakokinetik (Aufnahme, Verteilung, Verstoffwechselung und Ausscheidung eines Arzneistoffes im Körper) und die Pharmakodynamik (Auswirkung eines Arzneistoffes auf den Körper) des aus dem Wafer aufgenommenen Insulins in gesunden männlichen Probanden untersucht. Dafür werden Blutproben entnommen. An Teil 1 der Studie werden die Einzeldosis-Insulinwafer (75 IU Insulin) in lingualer/palataler Anwendung und die Insulin-Wafer in gingivaler Anwendung miteinander verglichen. Dabei werden jeweils zwei Wafer verwendet. Das entspricht einer Einmaldosis von 150 IU Insulin. Es wird untersucht, wie viel Insulin über die Mundschleimhaut in den Blutkreislauf gelangt. An Teil 2 der Studie nehmen dieselben Probanden wie in Teil 1 teil. Dieser Teil der Studie wird nur dann durchgeführt, wenn Teil 1 der Studie zeigt, dass aus dem Insulin-Wafer eine ausreichende Menge Insulin in das Blut des Probanden übergegangen ist. Damit geprüft werden kann, wie viel Insulin mit der neuen Darreichungsform (Insulin-Wafer) im Vergleich zur bisherigen Verabreichungsform (subkutan) im Körper ankommt, erhalten die Probanden Placebo-Wafer entweder zusammen mit subkutanem (unter die Haut gespritztem) Insulin oder Kochsalzlösung. In Teil 2 der Studie erhalten die Probanden zwei Placebo-Wafer und zusätzlich einmal etwa 0,2 mL Insulinlösung (entspricht 7,5 IU Insulin) und, nach einer Auswaschperiode von mindestens 6 Tagen, 0,2 mL Kochsalzlösung. Für Teil 1 beträgt die Gesamtdauer einschließlich der Voruntersuchung maximal 22 Tage, für die beiden Perioden von Teil 2 einschließlich der Nachuntersuchung 16 Tage. Wenn nur Teil 1 durchgeführt wird ist die Gesamtdauer der Studie 29 Tage. Die Insulinwirkung im Körper wird mit der Glucose-Clamp Technik gemessen. Insulin führt zu einer Senkung des Blutzuckerspiegels. Die Probanden erhalten bei dieser Untersuchung eine Traubenzucker-Lösung als Infusion (über die Vene) direkt in das Blut. In regelmäßigen Abständen wird Blut genommen und der Blutzuckerspiegel bestimmt. Je nach Blutzuckerspiegel wird die Traubenzuckerzufuhr so dosiert, dass die Konzentration des Blutzuckers auf einem vorher festgelegten, verträglichen Spiegel bleibt. Durch dieses Vorgehen wird vermieden, eine Unterzuckerung herbeizuführen, falls die Insulinwirkung unerwartet stark ist. Über den Verbrauch an Traubenzuckerlösung kann auf die Insulinwirkung geschlossen werden.

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Studiendetails

Studienziel Teil 2 der Studie: „Proof of Concept“ durch Vergleich der Insulinaufnahme nach Aufbringen von insulinhaltigen Wafers auf die Mundschleimhaut (Messwerte aus Teil 1) mit subkutaner Injektion von Insulin und Placebo. Glucose clamp: Konstante Insulininfusion: Bis 5 h nach Beginn der Applikation der Prüfmedikation, mit einer Infusionsrate von bis zu 0,15 mU/kg min. Glucose-Bestimmung (Sammlung von Kapillarblut): etwa alle 10 bis 15 min für etwa 50 min vor Applikation der Prüfmedikation (mindestens 5 Proben), alle 5 min während der Anwendung des Wafers (mindestens 13 Proben), nach Beendigung der Applikation der Prüfmedikation alle 15 bis 30 min für bis zu 5 h nach Beginn der Waferapplikation (mindestens 16 Proben). Abnahme von venösem Blut für Pharmakokinetik: Blutproben (2,7 mL) zur Bestimmung der Serumkonzentrationen von Insulin und C-Peptid werden zu den folgenden Zeitpunkten abgenommen werden: -2,0; -1,5; -1,0; -0,5; 0 (=Beginn der Waferapplikation); 0,083 (5 min); 0,167 (10 min); 0,25 (15 min); 0,33 (20 min); 0,42 (25 min); 0,5 (30 min); 0,75 (45 min); 1,0; 1,5; 2,0; 2,5; 3,0; 3,5; 4,0; 4,5; 5,0 h nach Beginn der Waferapplikation (21 Blutproben). Abnahme von venösem Blut für Pharmakodynamik: Blutproben (2,7 mL) zur Bestimmung der Plasmaglukose werden zu den folgenden Zeitpunkten abgenommen werden: -2,0; -1,5; -1,0; -0,5; 0 (=Beginn der Waferapplikation); 0,083 (5 min); 0,167 (10 min); 0,25 (15 min); 0,33 (20 min); 0,42 (25 min); 0,5 (30 min); 0,75 (45 min); 1,0; 1,5; 2,0; 2,5; 3,0; 3,5; 4,0; 4,5; 5,0 h nach Beginn der Waferapplikation (21 Blutproben).
Status Rekrutierung abgeschlossen, follow up abgeschlossen
Studienphase 1
Zahl teilnehmender Patienten 12
Stationärer Aufenthalt Keiner
Studientyp Interventionell
Kontrolle Placebo
Finanzierungsquelle Bundesministerium für Bildung und Forschung Dienstsitz Berlin

Kostet die Teilnahme Geld?

Alle während der Studie durchgeführten Behandlungen und Untersuchungen sind für Sie kostenfrei.

Teilnahme­voraussetzungen

Einschlusskriterien

  • Männliche Probanden jedweder ethnischer Zugehörigkeit zwischen 18 und 45 Jahren (inklusive);
  • Nichtraucher;
  • In guter körperlicher Verfassung, zu bestimmen durch Krankheitsgeschichte (inklusive Diabetes bei verwandten ersten Grades);
  • Körperliche Untersuchung, Elektrokardiogram (EKG)
  • Vitalparameter, klinische Labortests
  • Body mass index“ zwischen 19 und 28 kg/m2 and Körpergewicht von 69,4 bis 80,6 kg (75 kg ± 7.5%);
  • Nüchtern, venöser Blutzucker zwischen 70 und 110 mg/dL (inklusive).

Ausschlusskriterien

  • Probanden mit Tendenz zu Zahnfleischbluten, Mundschleimhaut-Läsionen oder anderer Mundschleinhaut-Krankheiten;
  • Probanden mit allergischen Reaktionen gegen p-Hydroxy Benzoesäure Ester (PHB-Ester) in der Krankengeschichte;
  • berempfindlichkeit gegen einen Inhaltsstoff des Testproduktes;
  • Früherer Alkohol- oder Drogenmissbrauch;
  • Frühere chronische Gastritis oder Magengeschwüre;
  • Frühere chronische oder wiederkehrende Stoffwechsel-, Nieren-, Leber-, Lungen-, Magen/Darm-, Nerven- (besonders frühere epileptische Anfälle), Drüsen-, Immunsystem-, psychische oder Herz/Kreislauf-Krankheiten, Krankheiten der Muskulatur und Blutungsneigung;
  • Blutspende innerhalb von 30 Tagen vor Studieneinschluss;
  • Laborwerte außerhalb des Referenzbereichs, die von klinischer Bedeutung sind (z.B. auf eine unbekannte Krankheit hinweisend und auf Veranlassung des Leitenden Studienarztes weitere medizinische lärung benötigend), insbesondere Aspartat aminotransferase (AST), Alanin aminotransferase (ALT), Gamma glutamyl transpeptidase (gamma-GT).

Adressen und Kontakt

An dieser Studie können Sie leider nicht mehr teilnehmen. Hier finden Sieaktuelle Diabetes mellitus Typ 1-Studien.

Häufig gestellte Fragen

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Diabetes mellitus ist eine Stoffwechselerkrankung, die durch einen chronisch erhöhten Blutzuckerspiegel (Hyperglykämie) und damit einhergehender Störung des Kohlenhydrat-, Fett- und Proteinstoffwechsels gekennzeichnet ist. Diabetes muss dauerhaft medizinisch behandelt werden. Die Erkrankung kann auf einem Insulinmangel (Diabetes mellitus Typ 1), oder einer verminderten Wirksamkeit von Insulin oder einer Kombination aus beidem (Diabetes mellitus Typ 2) beruhen. Die Therapie von Patienten mit Diabetes mellitus Typ 1 basiert auf der regelmäßigen Zufuhr von Insulin, um den chronischen Insulinmangel auszugleichen. Bei Patienten mit Diabetes mellitus Typ 2 hat sich gezeigt, dass die frühzeitige Gabe von Insulin zusätzlich zu einer Therapie mit oralen Antidiabetika eine wirksame Therapieoption bietet, mit der eine verbesserte Kontrolle des Blutzuckerspiegels mit insgesamt verbessertem Therapieerfolg erreicht werden kann. Insulin hemmt den Glykogenabbau (Glykolyse) und dadurch die Freisetzung von Glucose aus der Leber. Außerdem fördert Insulin die periphere Verteilung und Metabolisierung von Glucose in den Geweben. In der Summe ergibt sich daraus eine Absenkung des Blutzuckerspiegels. Überdies hemmt Insulin die Lipolyse und wirkt so einer übermäßigen Freisetzung von Ketonkörpern entgegen, die zu einer Übersäuerung des Blutes führen können. Für die Behandlung stehen eine Vielzahl verschiedener Darreichungsformen von Insulin zur Verfügung. Über viele Jahre gehörten Phiole (Ampulle) und Spritze zur Standardausrüstung für die Verabreichung von Insulin. Doch vielen Patienten ist diese Verabreichung mittels Spritzen nicht sonderlich angenehm, so dass sie ärztliche Anweisungen nicht immer korrekt befolgen und deshalb ihren Blutzuckerspiegel oft nur unzureichend kontrollieren. Mit der Entwicklung alternativer Verabreichungsmethoden (Insulin-Pen, Insulinpumpe, Druckinjektor) hat sich diese Situation inzwischen verbessert. In der hier geplanten Studie soll eine neue pharmazeutische Darreichungsform / Verabreichungsmethode für Insulin untersucht werden. Dazu werden dem Patienten jeweils zwei insulinhaltiges Plättchen (Insulin-Wafer) auf die Mundschleimhaut aufgebracht und es wird geprüft, wie effektiv das Insulin über die Mundschleimhaut in den Blutkreislauf gelangt. Die orale Verabreichung und anschließende Absorption von Medikamenten über die Mundschleimhaut ist für den Anwender besonders bequem. Das Medikament diffundiert direkt durch die Mundschleimhaut in den Blutstrom, wodurch im Allgemeinen eine „first-pass“ Verstoffwechslung vermieden wird. Diese Methode der Verabreichung ist einfach auszuführen und damit auch für Patienten mit behindertem Sehvermögen und/oder eingeschränktem Koordinationsvermögen geeignet – Eigenschaften, die dazu führen dürften, dass Patienten sich ganz allgemein besser an die vom Arzt empfohlene Therapie halten. In dieser „Proof of Concept“ Phase-I-Studie sollen die Pharmakokinetik und die Pharmakodynamik des mit dem Wafer verabreichten Insulins in gesunden männlichen Probanden untersucht werden. Dazu werden während der Studie über einen Zeitraum von bis zu 5 Stunden in regelmäßigen Abständen Blutproben entnommen und darin die Konzentration des Insulins sowie des C-Peptids bestimmt. Zudem werden während der gesamten Studie die Sicherheit sowie die Verträglichkeit (lokal und allgemein) der Verabreichungsmethode und der verabreichten Substanz überwacht (körperliche Untersuchung, Vitalparameter, EKG, Protokollierung unerwünschter Nebenwirkungen). Die Wirksamkeit des Insulins wird mit der Glucose-Clamp-Technik bestimmt. Zur Vermeidung hypoglykämischer Nebenwirkungen wird der Blutzuckerspiegel in regelmäßigen Abständen gemessen und mittels einer i.v. Traubenzuckerinfusion auf einem zuvor festgelegten verträglichen Niveau gehalten (Euglycemic Clamp). Der Insulin-Wafer ist als dünner Film konzipiert, der an der Mundschleimhaut haften bleibt. Er enthält 75 IU Insulin. Die Studie ist in zwei Abschnitte unterteilt, Teil 1 und Teil 2, die durch eine Auswaschphase von mindestens 6 Tagen getrennt sind. Teil 2 der Studie wird nur dann durchgeführt, wenn sich im ersten Teil der Studie gezeigt hat, dass aus dem Insulin-Wafer eine ausreichende Menge Insulin in das Blut des Probanden gelangt. In Teil 1 der Studie sollen die Insulin-Wafer in lingualer/palataler Anwendung und in gingivaler Anwendung miteinander verglichen werden (Einmaldosis, open-label parallel Design). Dabei werden jeweils zwei Wafer verwendet. Das entspricht einer Einmaldosis von 150 IU Insulin. Es wird untersucht, wie viel Insulin über die Mundschleimhaut in den Blutkreislauf gelangt. In Teil 2 der Studie soll untersucht werden, wie viel Insulin vom Wafer im Vergleich zur herkömmlichen Verabreichungsmethode (subkutane Injektion) in den Blutkreislauf gelangt. Dafür sind dieselben Probanden wie in Teil 1 vorgesehen. Die Probanden erhalten zwei Placebo-Wafer und zusätzlich eine subkutane Injektion von etwa 0,2 mL Insulinlösung (entspricht 7,5 IU Insulin) und, nach einer Auswaschphase von mindestens sechs Tagen, nochmals zwei Placebo-Wafer und zusätzlich eine subkutane Injektion von 0,2 mL Kochsalzlösung (Einmaldosis, Doppel-blind, Doppel-Dummy Crossover-Design). Für Teil 1 beträgt die Gesamtdauer für jeden Probanden einschließlich der Voruntersuchung maximal 22 Tage, für die beiden Perioden von Teil 2 einschließlich der Nachuntersuchung 16 Tage. Wenn nur Teil 1 durchgeführt wird ist die Gesamtdauer der Studie, einschließlich der Nachuntersuchung, 29 Tage.

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