Beschreibung der Studie

Von Personen mit einer Borderline Persönlichkeitsstörung wissen wir aus unserer früheren Forschung, dass sie sehr empfindsam auf echte oder vermeintliche Bedrohungen reagieren, dass sie sich leicht angegriffen fühlen, manchmal auch sich eher auf Gefahren zu als von ihnen weg bewegen, dass sie ihre Gefühle schwer steuern können und sich leicht von den Gefühlen anderer Menschen anstecken lassen. Dies führt immer wieder zu starkem Ärger und anderen negativen Gefühlen sowie hoher innerer Anspannung. Gelegentlich geht dies soweit, dass es zu aggressiven Durchbrüchen kommt, das heißt, dass Betroffene etwas kaputt machen, ihren Ärger auf andere Menschen richten oder zuweilen auch andere Menschen körperlich attackieren. Da dies einen besonders negativen Einfluss auf zwischenmenschliche Beziehungen hat, leiden Personen mit Borderline Persönlichkeitsstörung häufig sehr unter diesen aggressiven Ausbrüchen. In der vorliegenden Studie wollen wir genauer Ärger und Aggressivität bei Personen mit Borderline Persönlichkeitsstörung untersuchen. Insbesondere wollen wir zwei verschiedene psychotherapeutische Programme zur Reduktion von Ärgergefühlen und Aggressivität vergleichend untersuchen und deren Wirksamkeit testen. Beide Programme setzen sich aus zwölf Gruppensitzungen verteilt über sechs Wochen zusammen. Vor und nach der Therapie wird die Reaktion auf verschiedene zwischenmenschliche Reize, wie zum Beispiel Gesichtsausdrücke, mit kurzen Aufgaben im Labor gemessen. Drei weitere Aufgaben werden im Kernspintomographen (MRT) durchgeführt, um eine Vorstellung davon zu bekommen, wie Psychotherapie ihre Wirkung nicht zuletzt auch im Gehirn entfaltet; deshalb untersuchen wir die Aktivierungen im Gehirn während der Wahrnehmung von Gesichtern und der Vorstellung konflikthafter zwischenmenschlicher Situationen. Zusätzlich werden auch gesunde Kontrollteilnehmer an den Messungen teilnehmen. Wir erhoffen uns, in dieser Studie neue Kenntnisse über Ärger und Aggression bei Menschen mit einer Borderline Persönlichkeitsstörung zu erhalten. Hierbei interessiert uns besonders, wie Betroffene einen besseren Umgang mit Ärger und Aggression erlernen können und welche psychotherapeutischen Interaktionen hierfür gut geeignet sind.

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Studiendetails

Studienziel Interaktionseffekt (Messzeitpunkt x Interventionsbedingung): Patientinnen und Patienten in der MAAP-Interventionsbedingung zeigen über einen zweiwöchigen Zeitraum post-treatment eine signifikant höhere Reduktion aggressiver Verhaltensweisen, gemessen mit dem OAS-M, im Vergleich zu Patientinnen und Patienten in der NSSP-Bedingung, die eine gleiche Therapiedosis erhalten.
Status Teilnahme möglich
Zahl teilnehmender Patienten 96
Stationärer Aufenthalt Keiner
Studientyp Interventionell
Kontrolle Wirksame Behandlung
Finanzierungsquelle Deutsche Forschungsgemeinschaft
Weitere Informationen Studienwebseite

Kostet die Teilnahme Geld?

Alle während der Studie durchgeführten Behandlungen und Untersuchungen sind für Sie kostenfrei.

Teilnahme­voraussetzungen

Einschlusskriterien

  • akute Borderline Persönlichkeitsstörung
  • Aggressives Verhalten
  • Wohnort in einem Radius von nicht mehr als 70 km um die Klinik

Ausschlusskriterien

  • Schwangerschaft
  • Laufende Psychotherapie
  • Veränderungen einer psychotropen Medikation in den letzten drei Wochen vor Studienaufnahme.
  • akute/ frühere Epilepsie
  • bekannte Hirntraumata, -tumore o.a. signifikante neurologische/ medizinische Faktoren
  • akute/ frühere Bipolar I Störung oder Schizophrenie
  • Substanzabhängigkeit in den vergangenen 2 Jahren vor Studienteilnahme
  • aktueller Substanzmissbrauch
  • Linkshändigkeit

Adressen und Kontakt

Zentrum für Psychosoziale Medizin, Heidelberg

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Häufig gestellte Fragen

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Ratgeber öffnen

Aggressivität ist ein verbreitetes Problem bei der Borderline Persönlichkeitsstörung (BPS), welches Patienten und Gesellschaft erheblich belastet, weshalb wirksame und kosteneffektive Therapien dringend benötigt werden. Im Rahmen der ersten Förderperiode der Klinischen Forschergruppe 256 und anderen Studien unserer Gruppe konnten wir wichtige behaviorale und neurobiologische (als „biobehavioral“ bezeichnete) Mechanismen der reaktiven Aggressivität bei BPS-Patienten ermitteln. Diese umfassen: (1.) erhöhte Bedrohungshypersensitivität bzw. attentionalen Bias gegenüber sozialen Bedrohungsreizen, (2.) maladaptive Regulation von Ärgergefühlen, (3.) eine Tendenz, auf soziale Bedrohung mit Annäherung statt Vermeidung zu reagieren, (4.) geringe kognitive Empathie und (5.) hohe Neigung zur emotionalen Ansteckung. Diese biobehavioralen Mechanismen stellen einen viel versprechenden Ausgangspunkt sowohl für die Wahl von Behandlungsfoki als auch für die Spezifizierung notwendiger Veränderungsprozesse dar. In einer zweiten Förderperiode soll deshalb – entsprechend der RDoC‐Empfehlung des NIMH für innovative Forschungsdesigns – eine geeignete Behandlung reaktiver Aggression bei BPS-Patienten auf der Basis dieser neurobiologischen und behavioralen Dimensionen entwickelt und validiert werden. Dementsprechend soll eine symptomorientierte, streng „Mechanismus-basierte Psychotherapie“ (Mechanism-based Anti-Aggression Psychotherapy, MAAP) aus bereits evidenzbasierten Techniken zusammengestellt und deren Effekte gegen eine „Non-Specific Supportive Psychotherapy (NSSP) in einer randomisiert-kontrollierten Studie mit 64 BPS-Patienten getestet werden. Als primäres Outcome‐Kriterium wird die „Schwere des aggressiven Verhaltens“ mit der veränderungssensitiven Overt Aggression Scale – Modified (OAS‐M) über einen zweiwöchigen Beobachtungszeitraum gemessen. Ein Follow-up wird sechs Monate nach Therapieende durchgeführt. Zusätzlich werden 32 gesunde Kontrollprobanden zweimal im Abstand von 7 Wochen gemessen. Darüber hinaus sollen die für die therapeutischen Veränderungen von Aggressivität bei BPS-Patienten angenommenen biobehavioralen Mechanismen in Verhaltensexperimenten sowie mittels funktioneller Magnetresonanztomographie (fMRT) (prä und post Intervention) validiert werden. Diese angenommenen biobehavioralen Mechanismen könnten sich als Mediatoren auf den primären Therapieoutcome auswirken. Wir hoffen zeigen zu können, dass ein fokussiertes, mechanismusbasiertes Interventionsprogramm negative Aggressivität bei BPS-Patienten wirksam vermeiden kann und unspezifischen Therapieprogrammen überlegen ist.

Quelle

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