Beschreibung der Studie

Steigende Fallzahlen rücken die Problematik des pathologischen Gebrauchs von Internetspielen zunehmend in den Fokus der klinischen Forschung. Jedoch fehlt es bislang an adäquaten Therapien sowie präventiven Maßnahmen, besonders bei jugendlichen Betroffenen. Aufgrund des nachgewiesenen hohen Suchtpotenzials fokussiert sich die vorliegende Arbeit auf die exzessive Nutzung von Online-Rollenspielen. Diese bieten den Nutzern mittels eines graphischen Stellvertreters (Avatar) die Möglichkeit, gleichzeitig in einer virtuellen Spielwelt mit- oder gegeneinander zu spielen. Ähnlichkeiten zu Substanzabhängigkeiten und pathologischem Glücksspiel weisen auf neurobiologische Veränderungen im Bereich der Belohnungsverarbeitung sowie der inhibitorischen Kontrolle hin. In Anlehnung an bisherige Forschungsbefunde soll die folgende Längsschnittstudie untersuchen, inwieweit Beeinträchtigungen in Belohnungs- und inhibitorischen Kontrollprozessen sowie Selbstkonzeptdefizite mit entwicklungsbedingten funktionellen sowie mikrostrukturellen Hirnveränderungen bei abhängigen Online-Rollenspielern assoziiert sind. Des Weiteren soll untersucht werden, welche genetischen Faktoren besonders mit den mikrostrukturellen und psychologischen Veränderungen einhergehen. Hierfür werden 156 Teilnehmer untersucht, davon 52 0nline-Rollenspieler mit abhängigem Verhalten, die über unsere suchtmedizinische Ambulanz bzw. über eine Online-Umfrage und Informationsflyer zur Computer- und Internetsucht rekrutiert werden sowie 52 Online-Rollenspieler mit missbräuchlichem Verhalten und 52 Nie-Online-Rollenspieler ohne pathologisches Verhalten. Alle Gruppen werden kernspintomographisch untersucht, erhalten Interviews und Fragebögen und eine einmalige Blutentnahme zur genetischen Testung. Lediglich die abhängigen Online-Rollenspieler erhalten nach 12 Monaten erneut eine kernspintomographische Untersuchung. Der funktionelle Teil der kernspintomographischen Untersuchung umfasst Filmaufnahmen der eigenen Person sowie einer nahestehenden Person. Alle Teilnehmer erhalten zudem 12 Monate lang nach der ersten Untersuchung jeden dritten Monat Fragebögen.

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Studiendetails

Studienziel Untersuchung von mikrostrukturellen Hirnveränderungen im Zusammenhang mit der Belohnungsverarbeitung, der inhibitorischen Kontrolle und dem Selbstkonzept bei abhängigen und missbräuchlichen Online-Rollenspielern und Nie-Spielern anhand von Interviews [Demographie und Familienanamnese, Interview zur Internet- und Computerabhängigkeit (AICA Checkliste; Wölfling et al., 2011), Alter bei Beginn des pathologischen Computer- und Internetgebrauchs, Situationen exzessiver Computer- und Internetnutzung, Strukturiertes Klinisches Interview für DSM-IV (SKID I und II; Wittchen, Wunderlich, Gruschwitz, & Zaudig, 1996) zur Komorbidität] und Fragebögen [Fragebögen zu psychiatrischen Symptomen: Fragebogen zu ADHS im Erwachsenenalter (ADHS-SB; Rösler et al., 2007), Symptom-Checkliste 90 (SCL-90; Franke, 2002), Beck-Depressions-Inventar (BDI; Beck, Ward, Mendelson, Mock, & Erbaugh, 1961), Fagerström Test für Nikotinabhängigkeit (FTNA; Bleich, Havemann-Reinecke, & Kornhuber, 2002), Fragebogen zu sozialer Angst und sozialen Kompetenzdefiziten (SASKO; Kolbeck & Maß, 2009), Craving Automated Scale-Internet (Nakovics et al., in Vorbereitung), Skala zum Onlinesuchtverhalten bei Erwachsenen (OSVe-S; Wölfling, Müller, Beutel, 2008), Fragebögen zur Persönlichkeit: Neo-Fünf Faktoren Inventar (Neo-FFI; Borkenau & Ostendorf, 1993), State-Trait Angst Inventar (STAI; Spielberger, Gorsuch, & Lushene, 1970), Barratt Impulsivitätsskala (BIS; Standford & Barratt, 1992), Zuckerman-Sensation-Seeking-Skala V (Zuckerman, 1991 deutsche Übersetzung von Beauducel, Strobel & Brocke, 2003), Belohnungssensitivität, Fragebögen zur Wahrnehmung des Selbstkonzepts: Fragebogen zum Körperbild zur Erfassung der körperlichen Attraktivität (FKB-20; Clement & Löwe, 1996), Emotionale-Kompetenz Fragebogen (EKF; Rindermann, 2009), Selbstwert (Rosenberg Skala; Rosenberg, 1965), Gießen-Test (GT; Beckmann, Brähler, & Richter, 1990)], einer Blutprobe und drei fMRI-Paradigmen (Cue-Reaktivitätsparadigma, Emotionaler Stroop Test und Selbstkonzeptaufgabe) sowie strukturellen Kerspintomographie-Messungen. Insgesamt sind 2 Termine für die Gruppe der abhängigen Online-Rollenspieler und 1 Termin für die missbräuchlichen Online-Rollenspieler und für die gesunde Kontrollgruppe (Nie-Spieler) vorgesehen. In einem ersten Termin wird eine ausführliche Aufklärung, Diagnostik und Abklärung der Ein- und Ausschlusskriterien sowie die Erstellung von Videoaufnahmen für die fMRI-Paradigmen durchgeführt. An dem zweiten Termin (nach 12 Monaten) sind die Bearbeitung der Fragebögen und die Untersuchung mit funktioneller Kernspintomographie, bei der wieder drei verschiedene Aufgaben im Kernspintomographen durchgeführt werden, vorgesehen. Zu dem zweiten Termin werden nur die abhängigen Online-Rollenspieler untersucht. Während der Zeitspanne von 12 Monaten (zwischen erstem und zweitem Termin) werden alle Teilnehmer alle 3 Monate psychometrisch untersucht.
Status Teilnahme bald möglich
Zahl teilnehmender Patienten 156
Stationärer Aufenthalt Keiner
Finanzierungsquelle Deutsche Forschungsgemeinschaft

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Teilnahme­voraussetzungen

Einschlusskriterien

  • Männliche Probanden im Alter zwischen 18 und 30 Jahren
  • Rechtshänder
  • Bei 0nline-Rollenspielern mit abhängigem Verhalten muss die Internetspielsucht die Hauptdiagnose sein. Zudem müssen innerhalb der letzten 6 Monate die Kriterien nach der AICA-Checkliste (Assessment of Internet and Computer game Addiction-Checklist, AICA-C≥13; Wölfling et al., 2012) sowie der AICA-Selbstbericht (Assessment of Internet and Computer game Addiction-Selbstbericht, AICA-S≥13.5; Wölfling et al., 2011) erfüllt gewesen sein.
  • Missbräuchliche Online-Rollenspieler: AICA-S-score: 7-13 (Wölfling et al., 2008)
  • Kontrollprobanden dürfen nur gelegentlichen oder keinen Gebrauch von Internetspielen aufweisen (AICA-S-score<7; Wölfling et al., 2008)
  • Vorliegende schriftliche Zustimmung nach ausführlicher Aufklärung (Written Informed Consent)
  • Es muss eine zusätzliche schriftliche Zustimmung nach ausführlicher Aufklärung über die kernspintomographische Untersuchung (Written Informed Consent) vor der Untersuchung vorliegen
  • Alle Teilnehmer müssen die Fähigkeit zur Zustimmung nach ausführlicher schriftlicher Aufklärung (Fully Informed Consent) und zum Gebrauch der Selbstbeurteilungsbögen besitzen
  • Keine psychotropen Substanzen in den letzten 4 Wochen vor dem Beginn der fMRT Messung

Ausschlusskriterien

  • Schlechte deutsche Sprachkenntnisse
  • Eingeschränkte Geschäftsfähigkeit bzw. mangelnde Fähigkeit zur Zustimmung nach ausführlicher Aufklärung (Written Informed Consent)
  • Taubheit oder Blindheit
  • Aktuell oder während der letzten 12 Monate behandlungsbedürftige psychiatrische Achse I-Störung (DSM-IV / ICD-10 mittels SKID I):
  • Organische, einschließlich symptomatische psychische Störung (F00 – F09),
  • Substanzmissbrauch / Substanzabhängigkeit (F1x.x) außer Nikotin (F17.x),
  • Schizophrenie, schizotype und wahnhafte Störung (F20 – F29),
  • Manische Episode, mittelgradige oder schwere depressive Episode (F30 – F33),
  • Behandlungsbedürftige Angst-, Zwangsstörung oder dissoziative Störung
  • F40 - F42, F44)
  • Folgende frühere behandlungsbedürftige psychiatrische Achse-I-Störung
  • DSM-5 / ICD-10 mittels SKID I):
  • Organische, einschließlich symptomatischer psychischer Störung (F00 – F09),
  • bipolare affektive Störung (F31)
  • Vorgeschichte mit schwerem Schädelhirntrauma oder einer anderen schweren neurologischen Erkrankung
  • Teilnehmer, die eine Medikation aufgrund anderer Erkrankung benötigen, die in Zusammenhang mit der Studie ein Risiko bedeutet.
  • Kontraindikationen für die Durchführung einer MR-Untersuchung (Metall im Körper, Herzschrittmacher, etc.)
  • Positiver Drogenschnelltest (Urin)

Adressen und Kontakt

Zentralinstitut für Seelische Gesundheit - Klinik für Abhängiges Verhalten und Suchtmedizin, 68159 Mannheim

Ansprechpartner: Dr. Dipl. Psych. Tagrid Leménager

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Häufig gestellte Fragen

Wie aus bisherigen Forschungsbefunden hervorgeht, bleibt trotz der zunehmenden Relevanz des pathologischen Internetgebrauchs besonders im Bereich von Adoleszenten und jungen Erwachsenen die Frage nach den Ursachen ungeklärt. Aufgrund des Mangels an wissenschaftlichen Studien lassen sich momentan kaum adäquate, fundierte Therapiemöglichkeiten bei Internetspielsucht ableiten. Die folgende Untersuchung könnte Anhaltspunkte liefern besonders bei den meist jung erkrankten Spielern den therapeutischen Fokus mehr auf Selbstkonzept und den Aufbau einer gesunden Identität zu legen. Die Verbesserung des Selbstwerts und des Selbstvertrauens baut die eigene Selbstwirksamkeit auf und fördert damit eine verbesserte Kontrolle impulsiven Verhaltens, indem man lernt, dass manche Entscheidungen zwar nicht mit einer schnellen Belohnung assoziiert sind (wie der Gewinn beim Spielen), aber langfristig gesehen eine stabilere und größere Belohnung mit sich bringen (z.B. der Aufbau einer beruflichen Karriere). Internetspielsucht ist zudem mit einer verminderten Impulskontrolle assoziiert. Somit lässt sich hypostasieren, dass das Erlernen zielgerichteter strategischer Vorgehensweisen in der Therapie basierend auf einem gesunden Selbstkonzept auch die Hirnreifungsprozesse beeinflusst. Eine dementsprechende Untersuchung derartiger Veränderungen wird durch das longitudinale Studiendesign ermöglicht. Darüber hinaus werden durch die Erfassung von innerhalb der 12 Monate erfolgten Therapien Therapieeffekte und damit assoziierte neurobiologische Veränderungen untersucht. Der Nachweis solcher struktureller Veränderungen bei Internetspielsüchtigen könnte einen Anstoß geben, die Effekte von nicht-invasiven neurobiologischen Therapien wie Neuro-feedback Training in der Behandlung von Internetspielsucht zu evaluieren. Diese Methoden fanden aufgrund ihrer guten Effektivität bereits Anklang in der Behandlung von ADHS (Arns, de Ridder, Strehl, Breteler, & Coenen, 2009; Duric, Assmus, Gundersen, & Elgen, 2012). Des Weiteren könnte die Untersuchung von Ähnlichkeiten zu substanzbezogenen Abhängigkeitserkrankungen bzw. pathologischem Glücksspiel zu einer Klärung der aktuellen Diskussion einer nosologischen Einordnung der Problematik in der klinischen Klassifikation beitragen. Zur Untersuchung werden 3 Gruppen in das Studiendesign einbezogen: Eine erste Experimentalgruppe von n=52 Online-Rollenspielern mit abhängigem Verhalten, eine zweite Experimentalgruppe von n=52 Online-Rollenspielern mit missbräuchlichem Verhalten und eine gesunde Kontrollgruppe von n=52 Nie-Online-Rollenspielern ohne pathologisches Verhalten.

Klinische Studien werden durchgeführt, um die Sicherheit und Wirksamkeit von Medikamenten, medizinischen Geräten oder Verfahren nachzuweisen. Sie untersuchen, welche Behandlungsmethode sich am besten zur Therapie einer bestimmten Erkrankung oder Gruppe von Betroffenen eignet. Vor der Marktzulassung müssen alle neuen Behandlungsmethoden einer Reihe von klinischen Prüfungen unterzogen werden.

Klinische Studien bilden die Voraussetzungen für neue Behandlungsmöglichkeiten. Die Ergebnisse klinischer Studien treiben den medizinischen Fortschritt. Sie geben Ärzten das Wissen darüber wie Behandlungen eingesetzt werden und für wen sie sich am besten eignen. Nur durch den Einsatz der freiwilligen Teilnehmer können Studien erfolgreich abgeschlossen werden. Die teilnehmenden Patienten bekommen auch die Möglichkeit sehr früh von einer neuen Behandlung zu profitieren. Es dauert nämlich durchschnittlich 12 Jahre bis eine neue Behandlung öffentlich verfügbar wird. Alle Behandlungen und Medikamente, die Patienten derzeit nutzen, wurden im Rahmen klinischer Studien erprobt, um sicherzugehen, dass diese sicher sind und wirken.

Damit sichergestellt wird, dass nur diejenigen Betroffenen an der Studie teilnehmen, die am wahrscheinlichsten davon profitieren, werden Sie von dem Studienarzt umfassend untersucht. Dieser Vorgang wird als Screening bezeichnet und findet, vor einer möglichen Studienteilnahme, in dem jeweiligen Studienzentrum statt. Dazu gehört auch ein Gespräch mit dem Studienarzt, welches Sie umfassend über die Studie aufklärt und Ihnen die Möglichkeit gibt, Fragen zu stellen. Je nach Studie sind zusätzliche Untersuchungen (z.B. Labor oder Ultraschall) notwendig, um zu bestimmen, ob Sie an der Studie teilnehmen können.

Es gibt verschiedene Gründe, an klinischen Studien teilzunehmen. Durch Ihre Teilnahme leisten Sie einen wertvollen Beitrag zur medizinischen Forschung. Sie erhalten Zugang zu neuartigen Behandlungsmethoden, die sich möglicherweise besser für Ihre Erkrankung eignen, als bisherige Ansätze. Darüber hinaus könnten Sie von der intensiven und individuellen medizinischen Betreuung in den Studienzentren profitieren. Die Teilnahme an einer klinischen Studie eröffnet vielen Betroffenen eine neue Perspektive, ihre gesundheitliche Situation verbessern zu können.

Klinische Studien werden durchgeführt, weil noch nicht alle Einzelheiten über ein Medikament, medizinisches Gerät oder Verfahren bekannt sind. Es besteht die Möglichkeit, dass Sie nicht von der Studienteilnahme profitieren. Alle potenziellen Risiken werden vor Studienbeginn mit Ihnen ausführlich im Studienzentrum besprochen. So können Sie für sich den möglichen Nutzen sorgfältig gegen eventuelle Risiken abwägen. Sie können bei den Gesprächen so viele Fragen stellen, bis Sie sich sicher für oder gegen eine Teilnahme entscheiden können.

Sie können Ihre Teilnahme an einer klinischen Studie jederzeit und ohne Angabe von Gründen beenden.

Die bei der Studie gesammelten Informationen dürfen nur zu Forschungszwecken verwendet werden. Ihre Informationen werden in einer verschlüsselten Form gespeichert, die zu keiner Zeit einen Rückschluss auf Ihre Person erlaubt. Lediglich Ihr Studienarzt hat die Möglichkeit, die Informationen zu entschlüsseln. Falls die Studienergebnisse im Rahmen von Präsentationen oder Veröffentlichungen verwendet werden, werden Sie niemals namentlich erwähnt. Auch wird niemandem ohne Ihr schriftliches Einverständnis mitgeteilt, dass Sie an der Studie teilnehmen bzw. teilgenommen haben.

Die Ergebnisse von klinischen Studien beeinflussen die Behandlungsmethoden, mit denen Betroffene in der Gegenwart und der Zukunft behandelt werden. Daher ist es wichtig, zuverlässige Ergebnisse zu erhalten. Um zuverlässige Ergebnisse zu erhalten, müssen Studien sorgfältig geplant werden. Dazu gehört, dass die Teilnehmer vor Beginn in verschiedene Gruppen eingeteilt werden und genau definiert wird, wie die Gruppen behandelt werden. Auf diese Weise können Behandlungsmethoden unter gleichen Bedingungen miteinander verglichen werden. So kann im Anschluss der Studie eine Aussage darüber gefällt werden, welche der eingesetzten Behandlungsmethoden für die untersuchte Fragestellung am besten geeignet ist. Unabhängig davon, welcher Gruppe die Teilnehmer angehören, werden Sie intensiv durch das Studienpersonal betreut.

Quelle: Deutsches Register Klinischer Studien