Beschreibung der Studie

Bei einer Wirbelsäulenverletzung kann die Reizleitung sowohl in den absteigenden Nerven als auch an deren Umschaltstellen im Rückenmark zu den folgenden peripheren Nerven, die den Muskel versorgen, unterbrochen sein. In beiden Fällen kommt es zu Lähmungen, da die vom Gehirn ausgehenden Nervenimpulse nicht am Muskel ankommen. Sind die Umschaltstellen betroffen, bilden sich die peripheren Nerven zurück und verlieren ihre Fähigkeit Nervenimpulse weiterzuleiten. Die Situation ist anders, wenn diese Umschaltstellen nicht betroffen sind, denn dann können die peripheren Nerven durch von außen eingebrachte elektrische Impulse aktiviert werden. Hierfür werden zurzeit technische, auf den einzelnen Patienten angepasste Therapien entwickelt, die gute Kenntnisse des Ausmaßes der Nervenschädigungen erfordern. Auch für regenerative Therapieansätze im zentralen Nervensystem wären schwerwiegende Schädigungen dieser Umschaltstellen ein Ausschlusskriterium. Sowohl die Elektrostimulation als auch die medikamentöse Therapie erfordern eine Beurteilung der Funktionsstörung der Zellen des Rückenmarks im zeitlichen Verlauf. Diese Studie wird durchgeführt, um nach erlittenem Querschnittsyndrom die Aussagekraft verschiedener Untersuchungsmethoden über das Ausmaß von Nervenschädigungen zu vergleichen. Hiermit sollen zukünftig mit geringem Aufwand für Patienten und Ärzte verlässliche Aussagen über das Ausmaß an Nervenschädigungen getroffen werden. Es sind drei Untersuchungstage geplant: Der erste Termin innerhalb der ersten 8 Wochen nach erlittenem Querschnittsyndrom, der zweite nach 6 Monaten (±1 Monat) und der letzte Termin nach 12 Monaten (± 1 Monat). Folgende Methoden werden zur Untersuchung von fünf Muskeln eines Armes, welche den Segmenthöhen des Halsrückenmarks entsprechen untersucht: - Magnetresonanztomographie (MRT) der fünf Muskeln - Nadel- Elektromyographie (EMG) der fünf Muskeln - Untersuchung mit Elektrostimulationspulsen unterschiedlicher Pulsbreiten der fünf Muskeln - Sonographie/Ultraschall-Untersuchung der Nerven, die die fünf Muskeln versorgen

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Studiendetails

Studienziel Schädigung/Dysfunktion des unteren Motoneurons im Bereich der unmittelbaren Rückenmarksläsion während des ersten Jahres nach Querschnitt-Läsion
Status Rekrutierung abgeschlossen, follow up abgeschlossen
Zahl teilnehmender Patienten 15
Stationärer Aufenthalt Keiner
Studientyp Beobachtungsstudie
Finanzierungsquelle Universitätsklinikum HeidelbergKlinik für Paraplegiologie

Kostet die Teilnahme Geld?

Alle während der Studie durchgeführten Behandlungen und Untersuchungen sind für Sie kostenfrei.

Teilnahme­voraussetzungen

Einschlusskriterien

  • Querschnittlähmung Höhe C3-C8 (ASIA motor level)
  • Zeitraum seit Lähmungseintritt weniger als 8 Wochen
  • Alter zwischen 18 und 90 Jahren
  • Traumatische, ischämische oder hämorrhagische Rückenmarksläsion
  • Bandscheibenvorfall mit konsekutiver Tetraplegie

Ausschlusskriterien

  • Andere Ursachen der Tetraparese, als der Einschlusskriterien
  • Schwangerschaft
  • Onkologische Grunderkrankung oder zusätzliche kardiovaskuläre, pulmonale, metabolische (z.B. Diabetes mellitus), neurologische (z.B. Epilepsie) oder orthopädische Erkrankungen/Einschränkungen
  • Psychische Auffälligkeiten
  • Epilepsien
  • Herzschrittmacher oder andere elektrisch aktive Implantate
  • Akute Infekte (einschließlich multiresistenter Keime)
  • Instabile Brüche jeglicher Art, offene Verletzungen
  • Dauerbeatmungspflicht
  • Bekannte neuromuskuläre Erkrankungen
  • Plexusschädigtungen oder Neuropathien jedweder Art
  • Schwere Schädel-Hirn-Verletzungen
  • Demenz oder andere Faktoren, die eine Zusammenarbeit oder eine Einwilligung des Patienten/Probanden beeinträchtigen

Adressen und Kontakt

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Häufig gestellte Fragen

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In der klinischen Routine differenzierte man bislang kaum zwischen peripheren und zentralen Nervenschädigungen als Ursache einer Querschnittlähmung, da dies ohne therapeutische Konsequenzen geblieben wäre. Im Bereich der Motorik sind bei einer peripheren Nervenschädigung 2. Motoneurone betroffen, die vom jeweiligen Rückenmarksegment bis zum Muskel reichen. Bei einer zentralen Nervenschädigung sind die 1. Motoneurone beeinträchtigt, die im Motorcortex des Gehirns liegen und im jeweiligen Rückenmarksegment über Synapsen mit den peripheren Neuronen verbunden sind. Inzwischen werden jedoch Therapie- und Hilfsmittelentwicklungen gefördert, wie die Funktionelle Elektrostimulation FES zur Wiederherstellung von Greif- und Gehfunktionen, die Elektrostimulation zum Erhalt peripher gelähmter Muskulatur und medikamentöse Ansätze zur Regeneration geschädigter spinaler Axone der „ersten Motoneurone“. Die Abgrenzung der Arten von Nervenschädigungen ist erforderlich, um geeignete Therapieansätze zu wählen und deren Wirksamkeit im Zeitverlauf beurteilen zu können. In verschiedenen internationalen Arbeitsgruppen beschäftigt man sich darüber hinaus mit der Frage, wie eine Reinnervation abläuft. Hierfür würde man sich einheitliche oder untereinander vergleichbare In-vivo-Messverfahren wünschen. Die nachfolgend aufgelisteten Untersuchungsmethoden werden angewandt, um den initialen Status und den zeitlichen Verlauf der peripheren Lähmungsanteile der Schlüsselmuskeln der oberen Extremität (M. biceps brachii, M. extensor carpi radialis, M. triceps, M. abductor pollicis brevis, M. abductor digiti minimi) zu dokumentieren: - Magnetresonanzromographie (MRT) der Schlüsselmuskeln - Ultraschalluntersuchung der entsprechenden peripheren Nerven - Untersuchung der motorischen Einheiten (Nerv/Schlüsselmuskel) mit elektrischen Stimuli unterschiedlicher Pulsbreite u. -stärke - Nadel-Elektromyographie (EMG) der Schlüsselmuskeln Nach Abschluss der Untersuchungen werden die Ergebnisse untereinander verglichen und die Vor- und Nachteile der Methoden hinsichtlich ihrer Aussagekraft, den Kosten und der Realisierbarkeit in der klinischen Routine abgewogen.

Quelle

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