Beschreibung der Studie

Ein Großteil depressiv erkrankter Personen leidet unter Schlafstörungen. Betroffene schlafen schlecht ein, können nicht durchschlafen und liegen oft bereits in den frühen Morgenstunden wach. Fast immer fühlen sie sich dann am Tage erschöpft und müde und neigen deshalb dazu, früher ins Bett zu gehen, länger liegen zu bleiben und sich auch tagsüber ins Bett zurück zu ziehen, in der Hoffnung dadurch endlich wieder zu Kräften zu kommen. Allerdings fühlen sie sich danach meist nicht erholter, sondern erleben mit Verlängerung der Bettzeit eher eine Stimmungsverschlechterung. Dies liegt daran, dass in der Depression typischerweise eine erhöhte innere Unruhe und Erregung herrscht, die sich durch Inaktivität und Schlaf eher verstärkt, sodass lange Bettzeiten eher das das Gegenteil der erhofften Besserung bewirken. Auch wenn es für Menschen mit Depression somit unplausibel klingt, ist es empfehlenswert trotz der gefühlten Erschöpfung den Tag eher aktiv außerhalb des Bettes zu verbringen und die Bett- und Schlafzeiten eher zu reduzieren. In der „Get.Up!“-Studie soll die Wirksamkeit und Verträglichkeit einer solchen kontinuierlichen leichten Bettzeitverkürzung wisschenschaftlich untersucht werden. Die Wirksamkeit der Bettzeitrestriktion soll dabei mit einem klassischen Entspannungsverfahren verglichen werden, welches ebenfalls dabei helfen kann, innere Anspannung zu reduzieren. In die Studien eingeschlossen werden sollen 250 Teilnehmer, die aktuell von leichten Depressionen betroffen sind und typischerweise Bettzeiten über 9 Stunden/Tag aufweisen. Um die eigenen Bettzeiten und Stimmungsveränderungen zu dokumentieren und die Bettzeitverkürzung selbstständig zu Hause durchführen zu können, wurde eine Smartphone-App entwickelt, die alle Studienteilnehmer zur Verfügung gestellt bekommen. Per Zufall werden alle Studienteilnehmer dann einer der beiden Untersuchungsbedingungen (Bettzeitverkürzung oder Entspannungstraining) zugelost, die sie über einen Zeitraum von 6 Wochen durchführen sollen. Für die Teilnehmer der Bettzeitverkürzung ermöglicht die Smartphone-App eine milde Variante Bettzeitverkürzung: Die Bettliegezeit wird auf ein Ausmaß reduziert, das noch genügend Schlaf ermöglicht, übermäßige Bettzeiten und Überschlafen werden aber vermieden. Die Teilnehmer des Entspannungstrainings erlernen ebenfalls im Selbstmanagement die progressive Muskelrelaxation. Dafür erhalten sie wöchentlich Materialien mit neuen Informationen und Audiodateien, mit deren Hilfe sie das Training zuhause durchführen können. Wie sich die beiden Selbstmanagement-Trainings auf das Schlafverhalten und die Stimmung auswirken, wird über Protokolle in der Smartphone-App und über regelmäßig stattfindende Telefoninterviews festgehalten. Nach 6 Wochen sollen die beiden Gruppen bezüglich des Ausmaßes depressiver Symptome verglichen werden.

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Studiendetails

Studienziel Inventar depressiver Symptome Fremdrating-Version (IDS-C) Gesamtscore erhoben von verblindeten Ratern nach Abschluss der Intervention (6 Wochen)
Status Teilnahme möglich
Zahl teilnehmender Patienten 250
Stationärer Aufenthalt Keiner
Studientyp Interventionell
Kontrolle Wirksame Behandlung
Finanzierungsquelle Stiftung Deutsche Depressionshilfe
Weitere Informationen Studienwebseite

Kostet die Teilnahme Geld?

Alle während der Studie durchgeführten Behandlungen und Untersuchungen sind für Sie kostenfrei.

Teilnahme­voraussetzungen

Einschlusskriterien

  • derzeitige leichte oder mittelgradige depressive episode (F32.0, F32.1, F33.0, F33.1); IDS-C Gesamtscore zwischen 12 und 23 Punkten vor Randomisierung; gewöhnliche durchschnittliche Bettzeite >= 9 Stunden; Verfügbarkeit eines Smartphones mit Android-Betriebssystem (wegen Einsatz der GET.UP!-App während der Studie)

Ausschlusskriterien

  • ICD-10 Diagnosen: Demenz, Schizophrenie, Manie und Bipolare Störungen, Zwangsstörung (F0, F2, F30, F31, F42); bekannte Persönlichkeitsstörung (F60.2, F60.31); Akute suizidale Tendenzen (MADRS Item 10 ≥ 4); Bochumer Screeningbogen Bipolar (BSB) Manieskala Score ≥ 12; gegenwärtige Psychotherapie oder Pharmakotherapie (Ausnahme: stabile Behandlung mit max.1 Substanz seit mehr als 3 Wochen vor Randomisierung; bekannter Alkohol- oder Drogenabusus innerhalb der letzten 6 Monate vor Randomisierung; Schwangerschaft, Stillzeit oder Neugeborenes Kind im Haushalt; Schichtarbeiter, Berufskraftfahrer oder Arbeit mit schweren Maschinen

Adressen und Kontakt

Department of Psychiatry, University Hospital Leipzig, Leipzig

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Häufig gestellte Fragen

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Leichte depressive Symptome sind sehr prävalent unter Patienten der Primärversorgung. Für diese große Patientengruppe müssen evidenzbasierte Therapieangebote entwickelt werden, wobei vor allem Selbstmanagementansätze benötigt werden. Den Schlaf bei Patienten mit Depressionen zu verkürzen scheint zunächst kontraintuitiv, da viele Patienten insomnische Beschwerden aufweisen und sich erschöpft fühlen. Jedoch gibt es Belege, dass ein Überschlafen depressive Symptome verstärken kann und dass chronische und moderate Schlafrestriktion antidepressive Effekte aufweist. Hauptziel der geplanten Studie ist deshalb der Nachweis einer antidepressiven Wirksamkeit einer kontinuierlichen, moderaten Bettzeitverkürzung (KMBR) im Selbstmanagement bei erwachsenen Personen mit leichter Depression im Vergleich zu einem ebenfalls im Selbstmanagement durchgeführten Entspannungstraining (Kontrollbedingung). Eplorativ sollen mögliche Nebeneffekte und Geschlechtsunterschiede in Wirksamkeit und Akzeptanz dieser Intervention untersucht werden. Es handelt sich somit um eine 6-wöchige, randomisierte, kontrollierte klinische Studie mit 2 Armen. Alle Interventionen erfolgen unter naturalistischen Bedingungen. Die KMBR erfolgt durch die Anwendung einer eigens dafür programmierten Smartphone-App („GET.UP!“-App), welche von allen Studienteilnehmern zur tägliche Protokollierung ihrer Schlafzeiten und individuellen Stimmungseinschätzungen genutzt werden soll. In der KMBR-Gruppe wird mittels der App die individuelle Bettzeit berechnet und Empfehlungen für neue Bettzeiten gegeben (diese werden immer zwischen 6,5 und 7,5 Stunden liegen, um keine chronische Schlafdeprivation zu erzeugen). Die Probanden werden während der gesamten Studienzeit ein Aktometer tragen, durch das in der KMBR-Gruppe die Einhaltung der Bettzeiten und Veränderungen im Schlaf-Muster überwacht werden. Aus 500 zu screenenden Interessenten, sollen 250 Teilnehmer mit der Diagnose einer leichten oder moderaten depressiven Episode (F32.0, F32.1, F33.0, F33.1) eingeschlossen werden (Intent-to-Treat-Gruppe). 224 Probanden sollen die Analysestichprobe bilden. Das primäre Outcome-Maß bildet der Gesamtwert der Fremdrating-Version des Inventars depressiver Symptome (IDS-C), welcher am Ende der Intervention von verblindeten Ratern beurteilt wird. Wir erwarten, dass die selbstverwaltete Bettzeitverkürzung im Hinblick auf die antidepressive Wirksamkeit der Kontrollbedingung überlegen ist.

Quelle

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