Beschreibung der Studie

Operative Eingriffe, welche eine Vollnarkose mit endotrachealer Intubation (ENT) nötig machenerfordern eine Unterstützung der Atemtätigkeit. Zur Atemunterstützung werden Beatmungsmaschinen eingesetzt. Übernimmt eine Beatmungsmaschine die Atemtätigkeit des Patienten (oder unterstützt diese soweit als nötig) erfolgt der Übertritt von Luft und Sauerstoff von der Maschine in den Patienten und zurück via Schlauchsystem. Ein Atemsystemfilter wird zwischen Tubus und Beatmungsschlauch angebracht. Ein Konsensus-Statement (3) der Deutschen Gesellschaft für Krankenhaushygiene (DGKH) und der Deutschen Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin (DGAI) klassifiziert ein einwöchiges Wechselintervall als sicher, sofern ein Atemsystemfilter patientenbezogen eingesetzt wird. Gleichzeitig werden jedoch Ausnahmen für Patienten mit multiresistenter Erregerkolonisation bzw. Atemwegsinfektion durch Bakterien oder Viren definiert, die einen sofortigen Wechsel des Beatmungsschlauchsystems erforderlich machen. Dies hat in der Praxis dazu geführt, dass das Handling der Schlauchsysteme uneinheitlich erfolgt und Einsparpotentiale nicht verwirklicht werden. Im vorliegenden Projekt soll geklärt werden ob sich bei patientenbezogener Verwendung der Bakterienfilter tatsächlich in den genannten Ausnahmefällen gehäuft eine mikrobielle Kontamination der Beatmungsschlauchsysteme nachweisen lässt, so dass der sofortige Wechsel der Schlauchsysteme rational begründet ist. Zusammenfassend: 1. Wir wollen mit dieser Studie erstmals in der Praxis untersuchen, ob Beatmungsschlauchsysteme durch Atemsystemfilter wirksam vor Kontamination mit Viren geschützt werden, so dass eine Übertragung auf Folgepatienten ausgeschlossen ist. 2. Wir wollen überprüfen, wieweit sich eine Verlängerung der Standzeit der Beatmungsschlauchsysteme von 1 auf 7 Tage auf die bakterielle Kontaminationsrate der Schlauchsysteme auswirkt.

Studie via E-Mail versenden

Studiendetails

Studienziel In der Klinik für Anästhesiologie und Intensivmedizin der Universität Heidelberg sollen prospektiv Beatmungsschlauchsysteme auf Kontaminationen untersucht werden. Es werden die Effekte eines ein versus siebentägigen Gebrauches der Beatmungsschlauchsysteme auf die mikrobielle Kontamination untersucht. Mit dieser Studie soll zum ersten Mal in der Praxis untersucht werden, ob Beatmungsschlauchsysteme durch die Anwendung von Atemsystemfiltern vor Kontamination mit Viren geschützt werden.
Status Rekrutierung abgeschlossen, follow up abgeschlossen
Stationärer Aufenthalt Keiner
Studientyp Beobachtungsstudie
Finanzierungsquelle Sektion Krankenhaus- und Umwelthygiene des Uniklinikums Heidelberg

Kostet die Teilnahme Geld?

Alle während der Studie durchgeführten Behandlungen und Untersuchungen sind für Sie kostenfrei.

Teilnahme­voraussetzungen

Einschlusskriterien

  • Untersucht werden 170 Beatmungsschlauchsysteme, die in der Chirurgischen Universitätsklinik für Intubationsnarkosen eingesetzt werden. Die Untersuchung bezieht sich nicht auf bestimmte Patienten, sondern auf die verwendeten Schlauchsysteme; Einschlusskriterien für Patienten sind daher nicht definiert.

Ausschlusskriterien

  • Keine

Adressen und Kontakt

An dieser Studie können Sie leider nicht mehr teilnehmen. Hier finden Sieaktuelle Studien.

Häufig gestellte Fragen

In unserem übersichtlichen Ratgeber finden Sie alle Antworten zu Fragen über klinische Studien.

Ratgeber öffnen

Die aktuelle Version der Empfehlungen des Robert-Koch-Instituts (RKI) (1) trifft –im Gegensatz zur vorherigen Version- keine Aussage über die empfohlene Anwendungsdauer von Beatmungsschlauchsystemen im Narkosebereich, d.h. in Operationssälen und interventionellenBereichen wie Angiographie etc. Ganz ähnlich wird dieser Punkt in den amerikanischen Guidelines HICPAC (2) als „unresolved“ klassifiziert. Ein Konsensus-Statement (3) der DGKH/DGAI klassifiziert ein einwöchiges Wechselintervall als sicher, sofern bestimmte Randbedingungen erfüllt werden. Zu diesen Randbedingungen gehören der Einsatz patientenbezogener Bakterienfilter sowie der sofortige Wechsel des gesamten Schlauchsystems nach Einsatz bei Patienten mit multiresistenten bakteriellen Erregern (MRE) oder mit Infektionen der Atemwege, die häufig viral verursacht sind. Weder das Vorliegen eines multiresistenten Erregers noch einer Infektion der Atemwege (insbesondere im Inkubationsstadium) ist vor einer Narkose jedoch sicher auszuschließen. Vielmehr werden diese Fakten in einem Teil der Fälle bekannt sein, nicht selten aber auch unerkannt bleiben. Das Konsensus-Statement trägt also einen gewissen Widerspruch in sich, weil die geforderten Vorkehrungen in praxi zwangsläufig nicht durchgehend umgesetzt werden können, umgekehrt aber ihre Einhaltung als Voraussetzung für die sichere Anwendung eines wöchentlichen Wechselintervalls eingefordert wird. Eine informelle Umfrage in zehn Kliniken zeigt eine weit divergierende Praxis in deutschen Kliniken mit Wechselintervallen für Narkosebeatmungsschlauchsysteme von ein bis sieben Tagen. Eine Erklärung dafür dürfte in dem o.g. immanenten Widerspruch liegen. Es liegen zwei aktuelle Publikationen (4,5) vor, die die intraluminale Kontamination der Narkosebeatmungsschlauchsysteme mit Bakterien nach einem versus sieben bzw. drei Tagen untersucht haben; die Frage nach viralen Erregern wurde bisher nach unserem Kenntnisstand nicht in der Praxis untersucht. In den beiden genannten Arbeiten fand sich nur eine geringe, nicht signifikante Zunahme des Nachweises von Bakterien in den Schlauchsystemen bei verlängertem Wechselintervall; ebenso war die Kontamination der äußeren Oberflächen nur wenig höher (4). Die Autoren beider Untersuchungen vertraten im Ergebnis die Auffassung, dass eine Verlängerung des Wechselintervalls auf drei bzw. sieben Tage sicher sei. Offen bleibt jedoch, wie mit den geforderten Ausnahmen, d.h. der Forderung nach sofortigem Wechsel des Systems bei Patienten mit MRE oder bakterieller bzw. viraler Atemwegsinfektion umzugehen ist. Eine Untersuchung, wieweit virale Kontaminationen der Schlauchsysteme durch Viren überhaupt nach ein- oder siebentägiger Anwendungsdauer auftreten, sollte daher in der Praxis untersucht werden. Ebenso sollte geklärt werden, ob gehäuft mit Kontaminationen der Schlauchsysteme durch Infektionserreger zu rechnen ist, wenn Patienten mit Atemwegsinfektion beatmet werden. Auf dieser Basis könnte entschieden werden, ob die Erweiterung des Wechselintervalls auf 7 Tage problemlos vorgenommen erden kann, ohne Ausnahmeregelungen vorzugeben, die in der Praxis nur schwer umsetzbar erscheinen. Die Erweiterung des Wechselintervalls der Narkosebeatmungsschlauchsysteme auf sieben Tage anstelle täglicher Wechsel birgt eine erhebliche finanzielle Einsparmöglichkeit. Außerdem können dadurch nicht zuletzt Umweltbelastungen reduziert werden, indem bei Einsatz wiederverwendbarer Schlauchsysteme überflüssige chemisch-thermische Aufbereitungsvorgänge bzw. bei Einsatz von Einmalmaterial unnötige Müllmengen vermieden werden. Die geplante Untersuchung soll prüfen, ob die Verlängerung der Wechselintervalle in der Praxis ohne schwer praktikable Ausnahmeregelungen möglich erscheint. Referenzen: 1. Empfehlung der Kommission für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention (KRINKO) beim Robert Koch-Institut. Prävention der nosokomialen beatmungsassoziierten Pneumonie. Bundesgesundheitsbl 2013 · 56:1578–1590 2. Guidelines for preventing health-care-associated Pneumonia, 2003 Recommendations of CDC and the Healthcare Infection Control Practices Advisory Committee MMWR March 26, 2004 / 53(RR03);1-36 3. Kranabetter R et al (2010) Infektionsprävention bei der Narkosebeatmung durch Einsatz von Atemsystemfiltern. Anaesthesist 59:1124-1132 4. Hübner NO et al (2011) Microbiological safety and cost-effectiveness of weekly vreathing circuit changes in combinations with heat moisture exchange filters: a prospective longitudinal clinical survey. GMS Krankenhaushygiene Interdisziplinär 6(1):Doc 15 5. Hartmann D et al (2008) Microbiological risk of anaesthetic breathing circuits after extended use. Acta Anaesthesiol Scand 52:432-436

Quelle

Sponsoren: Registrieren Sie sich auf Viomedo, um Ihre Studien zu veröffentlichen.

Annotation headline

Annotation Synonyms

Annotation text

Weiterlesen Quelle: