Beschreibung der Studie

Aufgrund der zunehmenden Zahl von Betroffenen mit pathologischem Computer- und Internetgebrauch mehren sich Fragen über seine Entstehung und die Abgrenzung von normalem Gebrauch. Darüber hinaus zeigt sich besonders im Jugendbereich das Problem, wie man vor exzessivem Computer- und Internetgebrauch stärker schützen bzw. therapeutisch helfen kann. Um diese Fragen zu beantworten ist es notwendig, die Ätiologie auf verschiedenen Ebenen zu untersuchen und ein Erklärungsmodell zu entwickeln, aus welchem sich adäquate Therapien ableiten lassen. Auf Basis einer Telefonbefragung zur Prävalenz (Rumpf, Meyer, Kreuzer, & John, 2012) mit 15.024 Teilnehmern im Alter zwischen 14 und 64 Jahren lag die geschätzte Prävalenz für das Vorliegen von pathologischem Computer- und Internetgebrauch bei 1,5%. Für Baden Württemberg würde dies einer Zahl von 161.388 Bürgerinnen und Bürgern entsprechen. Betrachtet man nur die 14–24-Jährigen liegen die Zahlen bundesweit bei 2,4% für „abhängige“ Nutzer und bei mehr als 13% für „problematische“ Internetnutzer. Die wenigen bisherigen psychologischen sowie neurobiologischen Untersuchungen weisen große Ähnlichkeiten zu substanzbezogenen Abhängigkeiten sowie pathologischem Glücksspiel auf. Dem entsprechend berichten Studien zur Komorbidität von pathologischem Computer- und Internetgebrauch eine erhöhte Prävalenz von substanzbezogenen Abhängigkeitserkrankungen (Ko, Yen, Yen, Chen, & Chen, 2012). Daneben zeigen sich Parallelen zu Substanzabhängigkeiten sowie pathologischem Glücksspiel im Sinne eines Zusammenhangs zwischen der Schwere der Problematik und impulsivem Verhalten, erhöhtem Sensation Seeking sowie ängstlichen Persönlichkeitszügen bzw. Beeinträchtigungen in sozialen Kompetenzen. Auch die bisherigen neurobiologischen Studien zu pathologischem Computer- und Internetgebrauch deuten auf die bei Substanzabhängigkeiten ähnlichen zugrundeliegenden Mechanismen, z.B. in beeinträchtigter Reizreagibilität sowie inhibitorischer Kontrolle, hin. Die noch am Anfang stehenden Forschungen können jedoch bisher nicht die Frage einer nosologischen Klassifikation von pathologischem Computer- und Internetgebrauch beantworten. Primäres Ziel der vorliegenden Untersuchung ist es, psychopathologische und neurobiologische Mechanismen zu identifizieren, die zu der Klärung der Entstehung und Aufrechterhaltung sowie der diagnostischen Klassifikation pathologischen Computer- und Internetgebrauchs beitragen. Auf Basis dieser Ergebnisse soll dann in einem zweiten Schritt ein psychotherapeutisches Manual entwickelt werden. In Anlehnung an die Befunde zu substanzbezogenen Abhängigkeiten sowie pathologischem Glücksspiel werden hierbei die zentralen Untersuchungsschwerpunkte auf Komorbidität und Persönlichkeitseigenschaften (z. B. Impulsivität, Sensation Seeking, Depressivität) sowie neurobiologische Korrelate (z. B. inhibitorische Kontrolle) gelegt. Da die Befunde zur Persönlichkeitsstruktur pathologischer Computer- und Internetnutzer auf ein defizitäres Selbstkonzept als möglichen ätiologischen Faktor hindeuten, stellt die Untersuchung des Selbstkonzeptes einen weiteren Forschungsschwerpunkt dar. Dabei soll der Frage nachgegangen werden, inwieweit sich das Selbstkonzept zwischen pathologischen (i.e. Patienten) und gelegentlichen (i.e. Kontrollen) Computer- und Internetnutzern unterscheidet. Dies beinhaltet somit die Bildung zweier Gruppen, i.e. einer Patienten- sowie einer Kontrollgruppe. Die hierbei gemessenen Facetten beinhalten das physische, soziale und emotionale Selbstkonzept sowie die Selbstattribution (Einschätzung relevanter Charaktereigenschaften, Fähigkeiten und Fertig-keiten). Dabei kommen psychometrische sowie fMRT-basierte Aufgaben zur Anwendung. Um die Rekrutierungschancen zu verbessern sowie die Stichprobenrepräsentativität zu erhöhen, sollen die Daten zum Screening sowie Persönlichkeitscharakteristiken über beide Gruppen (i.e. Patienten sowie Kontrollen) teilweise online erhoben werden.

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Studiendetails

Studienziel Neurobiologische, psychologische Grundlagen der Internetabhängigkeit - Diagnostik: Assessment of INternet and Computergame Addiction (Interview; AICA) - Komorbidität: SKID I II, - Körperbild: Fragebogen zum Körperbild zur Erfassung der körperlichen Attraktivität (FKB-20; Clement & Löwe, 1996) - Emotionale-Kompetenz Fragebogen (EKF; Rindermann, 2009) - Selbstwert (Rosenberg Skala; Rosenberg, 1965) - Aufmerksamkeitsdefizit Hyperaktivitäts Syndrom: Fragebogen zu ADHS im Erwachsenenalter (ADHS- SB aus (Rösler et al., 2007)) - Symptomcheckliste (SCL-90) (Franke, 2002) - Depressivität: Becks Depressions Inventar (BDI) (Beck, Ward, Mendelson, Mock, & Erbaugh, 1961) - Nikotinabhängigkeit: Fagerström Test für Nikotinabhängigkeit (FTND) (Bleich, Havemann-Reinecke, & Kornhuber, 2002) - Persönlichkeitsfacetten: Neo-Five Factor Inventory (Neo-FFI) (Borkenau & Ostendorf, 1993) - Ängstlichkeit: State Trait Anxiety Inventory (STAI) (Spielberger, Gorsuch, & Lushene, 1970) - Impulsivität: Baratt Impulsivitätsskala (BIS) (Standford & Barratt, 1992) - Neugierverhalten: Zuckerman-Sensation-Seeking-Skala V (Zuckerman, 1991 deutsche Übersetzung von Beauducel, Strobel & Brocke, 2003) - Verlangen und Avataridentifikation: Fragebögen zu Craving und Avataridentifikation - Inhibitorische Kontrolle: Neuropsychologische Testung mit der CANTAB (Affective Go No go Task) - Neurobiologische UNtersuchung des Selbst-Konzepts und der inhibitorischen Kontrolle: fMRT-Messung (Emotionaler Stroop, Selbstwahrnehmungsaufgabe, Selbstreflektionsaufgabe, Anatomie)
Status Rekrutierung abgeschlossen, follow up abgeschlossen
Zahl teilnehmender Patienten 800
Stationärer Aufenthalt Keiner
Finanzierungsquelle Ministerium für Arbeit und Soziales, Familien und Senioren Baden Württemberg

Kostet die Teilnahme Geld?

Alle während der Studie durchgeführten Behandlungen und Untersuchungen sind für Sie kostenfrei.

Teilnahme­voraussetzungen

Einschlusskriterien

  • Männliche und weibliche Probanden im Alter zwischen 18 und 64 Jahren
  • Bei den pathologischen Computer- und Internetnutzern muss die Hauptdiagnose pathologischer Computer- und Internetgebrauch sein. Dazu müssen innerhalb der letzten 6 Monate die Kriterien pathologischer Computer- und Internetnutzung nach der AICA-Checkliste (Assessment of Internet and Computer game Addiction, (Wölfling et al., 2012) sowie AICA-S (Assessment of Internet and Computer game Addiction, Selbstbericht, Wölfling et al., 2011) Score ≥ 7 erfüllt sein.
  • Kontrollprobanden dürfen nur gelegentlichen Computer- und Internetgebrauch aufweisen
  • Kontrollprobanden dürfen keine Achse I Störung außer Nikotinabhängigkeit oder Missbrauch nach ICD-10 und DSM IV aufweisen.
  • Alle Teilnehmer müssen die Fähigkeit zur Zustimmung nach ausführlicher schriftlicher Aufklärung (Fully Informed Consent) und zum Gebrauch der Selbstbeurteilungsbögen besitzen.
  • Es muss eine schriftliche Zustimmung nach ausführlicher Aufklärung (Written Informed Consent) vor der Untersuchung vorliegen.
  • Zusätzliche Einschlusskriterien für die fMRT-Untersuchung
  • Rechtshänder

Ausschlusskriterien

  • Schlechte deutsche Sprachkenntnisse
  • Eingeschränkte Geschäftsfähigkeit bzw. mangelnde Fähigkeit zur Zustimmung nach ausführlicher Aufklärung (Written Informed Consent).
  • Taubheit oder Blindheit.
  • Zusätzliche Ausschlusskriterien für die fMRT-Untersuchung
  • Aktuell oder während der letzten 12 Monate behandlungsbedürftige psychiatrische Achse I-Störung (DSM-IV / ICD-10 mittels SKID I):
  • Organische, einschließlich symptomatische psychische Störung (F00 – F09),
  • Substanzmissbrauch / Substanzabhängigkeit (F1x.x) außer Nikotin (F17.x),
  • Schizophrenie, schizotype und wahnhafte Störung (F20 – F29),
  • Manische Episode, mittelgradige oder schwere depressive Episode (F30 – F33),
  • behandlungsbedürftige Angst-, Zwangsstörung oder dissoziative Störung
  • F40 - F42, F44).
  • Folgende frühere behandlungsbedürftige psychiatrische Achse-I-Störung
  • DSM-IV / ICD-10 mittels SKID I):
  • Organische, einschließlich symptomatischer psychischer Störung (F00 – F09),
  • bipolare affektive Störung (F31).
  • Vorgeschichte mit schwerem Schädelhirntrauma oder einer anderen schweren neurologischen Erkrankung
  • Schwangerschaft
  • Teilnehmer, die eine Medikation aufgrund anderer Erkrankungen benötigen, die in Zusammenhang mit der Studie ein Risiko bedeutet.
  • Kontraindikationen für die Durchführung einer MR-Untersuchung (Metall im Körper, Herzschrittmacher, etc.)
  • Positiver Drogenschnelltest (Urin)

Adressen und Kontakt

An dieser Studie können Sie leider nicht mehr teilnehmen. Hier finden Sieaktuelle Persönlichkeitsstörung und Verhaltensstörung-Studien.

Häufig gestellte Fragen

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Die wenigen bisherigen psychologischen sowie neurobiologischen Untersuchungen zur Internetabhängigkeit weisen große Ähnlichkeiten zu substanzbezogenen Abhängigkeiten sowie pathologischem Glücksspiel auf. Primäres Ziel der vorliegenden Untersuchung ist es, psychopathologische und neurobiologische Mechanismen zu identifizieren, die zu der Klärung der Entstehung und Aufrechterhaltung sowie der diagnostischen Klassifikation pathologischen Computer- und Internetgebrauchs beitragen. In Anlehnung an die Befunde zu substanzbezogenen Abhängigkeiten sowie pathologischem Glücksspiel werden hierbei die zentralen Untersuchungsschwerpunkte auf Komorbidität und Persönlichkeitseigenschaften (z. B. Impulsivität, Sensation Seeking, Depressivität) sowie neurobiologische Korrelate (z. B. inhibitorische Kontrolle) gelegt. Da die Befunde zur Persönlichkeitsstruktur pathologischer Computer- und Internetnutzer auf ein defizitäres Selbstkonzept als möglichen ätiologischen Faktor hindeuten, stellt die Untersuchung des Selbstkonzeptes einen weiteren Forschungsschwerpunkt dar.Die hierbei gemessenen Facetten beinhalten das physische, soziale und emotionale Selbstkonzept sowie die Selbstattribution (Einschätzung relevanter Charaktereigenschaften, Fähigkeiten und Fertig-keiten). Um die Rekrutierungschancen zu verbessern sowie die Stichprobenrepräsentativität zu erhöhen sollen die Daten zum Screening sowie Persönlichkeitscharakteristiken teilweise online erhoben werden.

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