Beschreibung der Studie

Der Begriff „Neurotransmitter“ beschreibt eine Gruppe chemischer Botenstoffen, die im synaptischen Spalt die Kommunikation zwischen den Neuronen untereinander vermitteln. Zu den wichtigsten Neurotransmittern gehören Dopamin und Serotonin, für deren Bildung Tetrahydrobiopterin (BH4) aus der Gruppe der Pterine als Kofaktor essentiell ist. Folate sind chemisch den Pterinen ähnlich und spielen an verschiedenen Prozessen im zentralen Nervensystem (ZNS) eine entscheidende Rolle. Serin und Glycin haben im Gehirn eine Funktion als Bausteine von Molekülen und in der Weiterleitung von Signalen zwischen Nervenzellen. Gamma-Aminobutyrat Säure (GABA) ist einer der wichtigsten hemmenden Neurotransmitter. Angeborene Störungen im Stoffwechsel der Neurotransmitter, des BH4 und der Folate gehören zu den behandelbaren seltenen Erkrankungen. Ein Teil der Patienten fällt bereits durch den Nachweis einer Hyperphenylalaninämie im Neugeborenenscreening auf. Systematische Auswertungen zum klinischen Langzeitverlauf der betroffenen Patienten und zum diagnostischen und therapeutischen Vorgehen und dessen Einfluss auf die Prognose der Erkrankungen bestehen bisher nicht. Das Hauptziel der iNTD-Studie ist die Etablierung des ersten internationalen Patientenregisters für Erkrankungen des Neurotransmitter-, Pterin und Folatstoffwechsels. Dies ermöglicht die detaillierte Untersuchung des natürlichen Verlaufs, des diagnostischen Vorgehens und der aktuellen Therapiestrategie sowie der Lebensqualität der betroffenen Patienten. Neben der Wissenserweiterung über die Erkrankungen sollen die Auswertungen des Patientenregisters zu einer verbesserten Patientenversorgung und Langzeitprognose beitragen.

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Studiendetails

Studienziel 1. Beschreibung des klinischen Phänotyps von Teilnehmern mit Neurotransmitter-, Pterin- und Folatdefekten • Auftreten der ersten Symptome: Alter und klinische Beschreibung • Entwicklung der klinischen Symptome im Langzeitverlauf • Überlebensraten 2. Beschreibung variabler klinischer Verlaufsformen 3. Beschreibung der Genotyp/Phänotyp-Korrelation Zur Datenerfassung werden Fragebögen verwendet.
Status Rekrutierung abgeschlossen, follow up abgeschlossen
Zahl teilnehmender Patienten 250
Stationärer Aufenthalt Keiner
Studientyp Beobachtungsstudie
Finanzierungsquelle Dietmar Hopp Stiftung gGmbH
Weitere Informationen Studienwebseite

Kostet die Teilnahme Geld?

Alle während der Studie durchgeführten Behandlungen und Untersuchungen sind für Sie kostenfrei.

Teilnahme­voraussetzungen

Einschlusskriterien

  • Kinder und Erwachsene mit
  • Bestätigter Diagnose einer Neurotransmittererkrankung (biogene Amine):
  • Aromatischer Aminosäurendecarboxylasemangel (AADC-Mangel)
  • Tyrosinhydroxylasemangel (TH –Mangel)
  • Dopamine-ß-Hydroxylase (DßH)-Mangel
  • Monoaminoxidase A (MAO)-Mangel
  • Dopamintransportermangel (DT- Mangel)
  • Vesikulärer Monoamintransporter 2 (VMAT) Mangel
  • Bestätigter Diagnose einer Pterinerkrankung:
  • Autosomal-rezessiver GTP Zyklohydrolase-Mangel
  • Autosomal dominanter GTP Zyclohydrolase-Mangel (Morbus Segawa)
  • 6-Pyruvoyltetrahydropterinsynthase (PTPS)-Mangel
  • Dihydropteridinreduktasemangel-(DHPR-Mangel)
  • Sepiapterinreduktase (SR)-Mangel
  • Bestätigter Diagnose einer Folaterkrankung:
  • Folatrezeptor-α (FOLR1)-Mangel
  • Dihydrofolatreduktasemangel (DHFR-Mangel)
  • Bestätigter Diagnose einer Serine-Mangelerkrankung:
  • 3-Phosphoglycerate Dehydrogenase (3-PGDH) Mangel
  • 3-Phosphoserine Phosphatase (3-PSP) Mangel
  • Phosphoserine Aminotransferase Mangel
  • Bestätigter Diagnose einer Störung des Glycinstoffwechsels:
  • Glycine Encephalopatie (ketonische Hyperglycinaemie)
  • Bestätigter Diagnose einer Störung des GABA-Stoffwechsels:
  • GABA-Transaminase-Mangel
  • Succinate-Semialdehyde-Dehydroxylase Mangel
  • Pateinten deren Laboruntersuchungen des Liquors (CSF) eine Störung des Neurotransmitter Stoffwechsels nahelegen, die jedoch keine bekannte Diagnose haben:
  • Schriftliches Einverständnis zur Teilnahme an der Studie durch die Teilnehmer, Erziehungsberechtigten oder gesetzlichen Vertreter.

Ausschlusskriterien

  • Individuen mit schweren verursachten Komorbiditäten aufgrund von:
  • Trisomie 21,
  • Intraventrikulärer Hämorrhagie °III-IV,
  • Extrem niedrigem Geburtsgewicht (<1.500 g),
  • Schwerer Hyperbilirubinämie mit Kernikterus,
  • Embryofetalem Alkoholsyndrom,
  • Teratogenen Medikamenten während der Schwangerschaft

Adressen und Kontakt

An dieser Studie können Sie leider nicht mehr teilnehmen. Hier finden Sieaktuelle Aminosäurestoffwechselstörung-Studien.

Häufig gestellte Fragen

In unserem übersichtlichen Ratgeber finden Sie alle Antworten zu Fragen über klinische Studien.

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Neurotransmittern sind chemische Botenstoffe, die im synaptischen Spalt die Kommunikation zwischen den Neuronen untereinander vermitteln. Dazu zählten Dopamin und Serotonin, für deren Bildung Tetrahydrobiopterin (BH4) aus der Gruppe der Pterine als Kofaktor essentiell ist. Folate sind chemisch den Pterinen ähnlich und spielen ebenfalls an verschiedenen Prozessen im zentralen Nervensystem (ZNS) eine entscheidende Rolle. Angeborene Störungen der Synthese, Transports und des Abbaus von Neurotransmittern, Folaten und Pterinen sind selten, aktuell sind nur rund 1000 Patienten weltweit bekannt. Die Erkrankungen führen bereits in früher Kindheit zu einem schweren, progredienten neurologischen Bild. Die klinischen Symptome sind dabei abhängig vom zugrundliegenden Defekt, im Vordergrund stehen jedoch bei allen Defekten eine psychomotorische Retardierung, eine muskuläre Hypotonie, extrapyramidale Bewegungsstörungen, Epilepsie und okulogyre Krisen (Blau and Van Spronsen 2014; Opladen and Hoffmann 2014). Ein erster Hinweis auf einen Teil der Erkrankungen ergibt sich bereits aufgrund einer Hyperphenylalaninämie (HPA) im Neugeborenenscreening für Phenylketonurie (PKU). Für die übrigen Erkrankungen sind spezifische biochemische, enzymatische oder genetische Untersuchungen notwendig, die auf Speziallabore beschränkt sind. Die Erkrankungen der Pterine, Folate und Neutrotransmitter sind behandelbar. Die Behandlung besteht u.a. darin, den fehlenden Metaboliten direkt (5-Methyltetrahydrofolat, Tetrahydrobiopterin) oder durch Vorläufersubstanzen (L-Dopa, 5-Hydroxytryptophan) zu supplementieren oder dessen Abbau zu hemmen. Da eine frühe Diagnosestellung den Krankheitsverlauf positiv zu beeinflussen scheint, kommt der Diagnostik eine besondere Bedeutung zu. (Opladen 2012) Bis heute existieren keine evidenzbasierten Leitlinien für eine standardisierte Diagnosestellung und Behandlung der Erkrankungen der Pterine, Neutrotransmitter und Folate. Das klinische Erscheinungsbild ist häufig unspezifisch, was in der Folge die Diagnosestellung erschwert und oft verzögert. Der Zeitpunkt der Diagnosestellung ist dabei signifikant abhängig von der betreuenden Klinik und der persönlichen Erfahrungen der betreuenden Ärzte. Die Steuerung der spezifischen Therapie ist auf wenige große Zentren beschränkt. Neue, innovative Therapieformen sind daher weder einheitlich noch breitflächig verfügbar. Als Konsequenz resultiert daraus eine Versorgungsungleichheit, die sich negativ auf die Langzeitprognose der Betroffenen auswirkt. Im Rahmen der iNTD-Studie soll daher mittels eines neuetablierten internationalen Patientenregisters für Erkrankungen des Neurotransmitter-, Pterin und Folatstoffwechsels der natürliche Verlauf und das aktuelle diagnostische Vorgehen und die aktuelle Therapiestrategie erfasst werden. Für wenige dieser Erkrankungen bestehen bereits Register (JAKEdb: International Database of Patients with AADC Deficiency; BIODEFdb: International Database of Tetrahydrobiopterin Deficiencies), die in Zukunft nicht weiter fortgeführt werden. Die bereits erhobenen Datensätze werden daher nach Zustimmung der Patienten und nach Zustimmung der diese Register betreuenden Ärzte und Wissenschaftler in das iNTD-Register übertragen. Die Auswertungen des Registers soll langfristig nicht nur zu einer Wissenserweiterung über die Erkrankungen führen, sondern auch direkt mit eingehen in die Erstellung standardisierter und evidenzbasierter Leitlinien für die Diagnose, Therapie und die Verlaufsbeurteilung der Erkrankungen des BH4-, Folat- und Neurotransmittermetabolismus.

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