Beschreibung der Studie

Psychologische Testinstrumente, die im Rahmen von Rentenbegutachtungen bei Depressionen häufig eingesetzt werden, werden hinsichtlich ihrer Anfälligkeit für Verfälschungstendenzen untersucht. Die Verfahren, die sich nach einer vorherigen Datenauswertung als die am häufigsten eingesetzten Verfahren erwiesen haben sind der SCL-90-R, der NEO-FFI, der BDI-II, der d2-R sowie der SFSS. In unserer Studie füllen N = 150 depressive Probanden (18-60 Jahre) und N = 150 hinsichtlich Alter, Geschlecht und Bildungsstand gematchte Kontrollprobanden die o. g. Fragebögen in drei Bedingungen aus: Einmal soll wahrheitsgetreu geantwortet werden, zweimal sollen die Probanden ihre Antworten bewusst verfälschen, wobei sie sich glaubhaft maximal depressiv bzw. glaubhaft maximal positiv präsentieren sollen.

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Studiendetails

Studienziel Ziel: Erkenntnisse über Verfälschbarkeit („Fakeability“) bzw. Simulation (nicht-depressiver Teilnehmer) und Aggravation (depressiver Patienten) der am häufigsten verwendeten Tests im Rahmen von Gutachten-Fällen aufgrund von depressiven Erkrankungen. Wer? N = 150 depressive Probanden und N = 150 gesunde Kontrollen werden untersucht. Was? Erfassung der Ausprägungen in den verschiedenen Persönlichkeitsdimensionen der NEO-FFI (Borkenau & Ostendorf, 1987). Fragebögen zur aktuellen Symptomatik und Gefühlslage (BDI-II, Hautzinger et al., 2005; SCL-90-R, Derogatis, 2002), sowie der „Strukturierte Fragebogen Simulierter Symptome“ (SFSS, Cima et al. 2003). Erfassung der kognitiven Leistungsfähigkeit anhand des „Aufmerksamkeits-Konzentrations-Test“ (d2, Brickencamp et al. 1998). Wann? 01/11/2014 - 30/04/2016
Status Rekrutierung abgeschlossen, follow up abgeschlossen
Zahl teilnehmender Patienten 300
Stationärer Aufenthalt Keiner
Finanzierungsquelle Dr.-Karl-Wilder-Stiftung (GDV), Abteilung L1

Kostet die Teilnahme Geld?

Alle während der Studie durchgeführten Behandlungen und Untersuchungen sind für Sie kostenfrei.

Teilnahme­voraussetzungen

Einschlusskriterien

  • Einschlusskriterien (Allgemein)
  • Alter: zwischen 18. bis vollendetes 60. Lebensjahr
  • Sprache: Die deutsche Sprache muss in Wort und Schrift beherrscht werden, um sicher zu stellen, dass die Fragebögen, und Instruktionen richtig verstanden und beantwortet bzw. bearbeitet werden können. Patienten (N=150): die gesicherte Diagnose einer Depression muss vorliegen, die Patienten können sich in ambulanter oder stationärer psychiatrischer und/ oder psychotherapeutischer Behandlung befinden. Kontrollprobanden (N=150): Psychisch und physisch gesunde Probanden, ohne psychiatrische Erkrankungen in der Vergangenheit.

Ausschlusskriterien

  • Ausschlusskriterien
  • Patientengruppen: Akute Suizidalität, Vorliegen einer Suchterkrankung, Körperliche Erkrankungen einschl. akute und chronische Infektionen, Autoimmunerkrankung, Schwangerschaft, Psychotische Erkrankung, Bipolare Erkrankung, Primärdiagnose: Panikstörung, generalisierte Angststörung, soziale Phobie oder posttraumatische Belastungsstörung. Weitere komorbide (sekundäre) psychische Diagnosen stellen kein Ausschlusskriterium dar.
  • Kontrollprobanden: Einnahme von Psychopharmaka, Körperliche Erkrankungen einschließlich akuter und chronischer Infektionen, Autoimmunerkrankungen, Schwangerschaft, Psychische Erkrankung aktuell oder in der Vorgeschichte muss ausgeschlossen werden.

Adressen und Kontakt

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Häufig gestellte Fragen

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Ziel: Erkenntnisse über Verfälschbarkeit („Fakeability“) bzw. Simulation (nicht-depressiver Teilnehmer) und Aggravation (depressiver Patienten) der am häufigsten verwendeten Tests im Rahmen von Gutachten-Fällen aufgrund von depressiven Erkrankungen; Konstruktion eines neuen Tests aus den validen und reliablen Items der bislang verwendeten Tests. Bereits auf Basis der Ergebnisse dieser Studie können im Rahmen von Gutachten-Aufträgen bestimmte Tests bei Verdacht auf Depression vorgeben werden. Bislang existiert hier keine diagnosespezifische Richtlinie. Die Validierung und Normierung eines neuen Tests wäre der nachfolgende Schritt in einer neuen Studie, welche systematisch auf den Ergebnissen der ersten (hier vorgelegten Studie) aufbauen könnte. Hintergrund: Seit vielen Jahren untersuchen Studien u.a. im Rahmen von Personalauswahlprozessen und forensischen Fragestellungen, inwieweit instruierte Teilnehmer über die Fähigkeit verfügen, Tests (v.a. Persönlichkeitstests) zu verfälschen, d.h. zu „faken“ (Hough et al. 1990; Windle, 1954). Hierbei sind zwei Arten des „Fakings“ zu differenzieren: „Faking Good“ bedeutet, dass eine Person die Kompetenz besitzt, sich als z.B. sozial erwünschter oder kompetenter darzustellen, als sie eigentlich ist (Viswesyaran und Ones, 1999; Birkeland et al. 2006). Die Probanden werden in einer solchen „Faking-Good-Condition“ typischerweise instruiert, den Test so auszufüllen, dass Sie einen guten Eindruck erzeugen und qualifiziert wirken, um einen bestimmten Job zu erhalten oder die Wahrscheinlichkeit für den Erhalt einer bestimmten Stelle zu erhöhen. „Faking Bad“ bedeutet genau das Gegenteil: Probanden werden angeleitet sich in einem Test so zu verhalten, dass sie sich negativer darstellen (d.h. weniger kompetent, weniger sozial erwünschtes Antworten etc.) als sie tatsächlich sind. Eine im Rahmen dieses Projektes durchgeführte Literaturrecherche ergab, dass sich relativ wenige Studien mit der Frage der Glaubhaftigkeit im klinisch-psychiatrischen Kontext befassen. Die wenigen Forschungsarbeiten, die hier im Kontext des Verdachts auf eine affektive Erkrankung wie Depression durchgeführt wurden, beschränken sich zudem auf Messinstrumente, die bereits eine „Lügenskala“ eingebaut haben (z.B. MMPI I&II), jedoch im klinisch-praktischen Kontext aufgrund des hohen zeitlichen Aufwands häufig nicht eingesetzt werden (Vossler-Thiess et al. 2013). Die meisten zeitökonomischen Tests (z.B. BDI, HAMD), welche zur Diagnose der Depression häufig eingesetzt werden, können manipuliert werden (Lees-Hayley und Dunn, 1994; Liske et al. 2008; Merten et al. 2007). Jedoch liegen hierzu nur Belege von gesunden Probanden, forensischen Patienten bzw. Begutachtungsfällen, nicht jedoch von stationären oder ambulanten psychiatrischen Patienten vor. Auch fehlen bislang Untersuchungen, die systematisch den Kontext (z.B. Rentenbegehren) bei depressiven Patienten variieren und die intraindividuellen Antwortmuster der gängigen Diagnoseinstrumente bei Depression vergleichen, um „Faking“ detektieren zu können. Bedeutung: Der Einsatz von Testinstrumenten im Rahmen einer Begutachtung bei depressiven Patienten, von deren Ausgang u.a. eine Entscheidung über z.B. die Frühberentung abhängt, ist nicht mit der Situation vergleichbar, in der die entsprechenden Testinstrumente ursprünglich validiert worden sind. Die Validierung und Normierung von solchen Tests erfolgt i.d.R. an Patienten, die sich nicht in einem solchen Kontext befinden. Inwieweit diese Tests durch depressive Patienten im Vergleich zu gesunden Probanden verfälscht werden können, bzw. eine Verfälschung detektiert werden kann, stellt eine wichtige sozialmedizinische Frage v.a. hinsichtlich der steigenden Prävalenz und gesundheitsökonomischen Kosten der Depression dar. Fast jede zweite Frührente ist heute psychisch verursacht. Psychische Erkrankungen sind seit mehr als zehn Jahren die Hauptursache für gesundheitsbedingte Frührenten – mit großem Abstand vor körperlichen Erkrankungen. Die zur Diagnose- und Schweregradexploration verwendeten psychodiagnostischen Instrumente bedürfen dringend einer Überprüfung hinsichtlich Verfälschungsmöglichkeiten, um zu einer verbesserten, valideren Grundlage für eine Entscheidungsfindung zu gelangen. Einer Studie von Liske und Kollegen (2008) zufolge lag in einer Stichprobe von realen Gutachtenfällen die Anzahl der „Faking-Bad“ Probanden bei 52%. Bislang fehlen Erkenntnisse bzgl. häufig eingesetzter Tests und Detektion von Faking-Bad. Die Praxis der Begutachtung bedarf einer Reform und Restrukturierung, diese Studie könnte einen wichtigen Meilenstein dazu beitragen. Die Konstruktion neuer, validerer Tests zur Begutachtung ist dringend notwendig. Fragestellungen: Inwieweit können gängige Diagnostikinstrumente für depressive Erkrankungen verfälscht werden (negative oder positive Antwortverzerrung)? Kann man anhand der Antwortmuster Verfälschung erkennen? Wie gehen erfolgreiche („Faking bad“ bzw. "Faking good") Studienteilnehmer während der Begutachtungssituation vor (was sind dahinterliegende, kognitive Modelle)? Kann Art und Umfang der zu erwartenden Verfälschung systematisch vorhergesagt werden? Besitzen leicht depressive Patienten die Kompetenz sich noch depressiver (mittel bis schwer depressiv) darzustellen? Die Studie wurde gemäß der Deklaration von Helsinki durchgeführt (http://www.wma.net) und von der lokalen, zuständigen Ethikkommission (Ethikkommission der Medizinischen Fakultät der LMU München) genehmigt. Ergebnisse: noch ausstehend

Quelle

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