Beschreibung der Studie

Olanzapin ist ein seit vielen Jahren zugelassenes Arzneimittel und wird zur Behandlung von psychiatrischen Erkrankungen, vor allem Schizophrenien, Manien, Depressionen und Zwangsstörungen eingesetzt. Olanzapin gehört zur Medikamentengruppe der so genannten atypischen Antipsychotika. Diese stellen einen wesentlichen Fortschritt in der Behandlung der genannten Erkrankungen dar, weil sie weniger Nebenwirkungen und eine bessere Wirkung aufweisen. Allerdings ist eine Steigerung des Appetits mit nachfolgender Gewichtszunahme eine häufige Nebenwirkung von Olanzapin und einigen anderen atypischen Antipsychotika. Die Gewichtszunahme geht bei längerer Einnahme dieser Medikamente mit dem Risiko einher, dass Folgeerkrankungen wie hoher Blutdruck und Zuckerkrankheit (Diabetes Typ II) entstehen. Im Interesse der psychiatrischen Patienten, die mit Olanzapin und ähnlichen Medikamenten behandelt werden, ist es wichtig, zu verstehen, wie diese einen vermehrten Appetit hervorrufen. Wenn genauer bekannt ist, wie es zu dieser Nebenwirkung kommt, kann sie leichter vermieden werden. Zweck dieser Prüfung ist es, besser zu verstehen, wie es zu der Appetitsteigerung unter Olanzapin kommt. Im Rahmen der geplanten klinischen Prüfung wird untersucht, ob sich bei gesunden Probanden nach Einnahme von Olanzapin die Ausschüttung bestimmter Hormone, so genannter Neuropeptide nach dem Zeigen von Bildern und bestimmte Vorgänge im Schlaf, die mit dem Appetit zusammenhängen, gegenüber dem Zeitraum vor der Einnahme des Medikaments verändern.

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Studiendetails

Studienziel Primäre Fragestellung ist zu klären, ob nach siebentägiger Gabe von Olanzapin bei gesunden Probanden der Effekt des Zeigens von Bildern mit Nahrung auf die Plasmakonzentration von Ghrelin stärker ausgeprägt ist als unter Baselinebedingungen, vor der Olanzanpingabe.
Status Teilnahme möglich
Studienphase 4
Zahl teilnehmender Patienten 10
Stationärer Aufenthalt Keiner
Studientyp Interventionell
Finanzierungsquelle Max-Planck-Institut für Psychiatrie

Kostet die Teilnahme Geld?

Alle während der Studie durchgeführten Behandlungen und Untersuchungen sind für Sie kostenfrei.

Teilnahme­voraussetzungen

Einschlusskriterien

  • Gesunde freiwillige, männliche Versuchspersonen.
  • Die Probanden sollen während der letzten sechs Monate regelmäßig
  • täglich drei Mahlzeiten zu sich genommen haben.

Ausschlusskriterien

  • akute somatische und psychiatrische Erkrankungen
  • Psychiatrische Erkrankungen in der Eigen- und Familienanamnese
  • Einnahme von Medikamenten während der letzten drei Monate über
  • mehr als zwei Tage, im letzten Monat über mehr als einen Tag
  • Teilnahme an einer anderen klinischen Prüfung gleichzeitig oder
  • während der letzten vier Wochen
  • Rauchen
  • Einseitige Ernährung, z. B. vegetarisch in den letzten sechs Monaten
  • Gewichtsschwankungen von mehr als 2 kg im letzten Jahr
  • Leistungssport
  • ausgeprägte Fehlsichtigkeit
  • Unverträglichkeit für Olanzapin und Hilfsstoffe in Zyprexa-Tabletten

Adressen und Kontakt

Max-Planck-Institut für Psychiatrie, München

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Häufig gestellte Fragen

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Eine häufige unerwünschte Wirkung mehrerer bei vielen Patienten klinisch angewandter atypischer Antipsychotika ist die Appetitsteigerung, aus der eine Gewichtszunahme und ein erhöhtes Risiko für internistische Folgeerkrankungen, im einzelnen Hypertonus, Hyperlipidämie, koronare Herzerkrankung und Typ-II-Diabetes resultieren (Pascot et al., 2000). Diese unerwünschte Appetitsteigerung und ihre Folgen treten auch unter Olanzapin auf (Kinon et al., 2001). Die Grundlagen dieser Appetitsteigerung sind noch nicht ausführlich untersucht. Der stärkste bekannte körpereigene Stimulus für Appetit und Gewichtszunahme beim Menschen ist das Neuropeptid Ghrelin. Ghrelin wurde von Kojima et al. (1999) im Magen, Gehirn und anderen Geweben des Menschen und der Ratte entdeckt. Es handelt sich um einen endogenen Liganden des Growth hormone-secretagogue-Rezeptors. Exogene Gabe von Ghrelin führt bei Ratten zu vermehrter Nahrungsaufnahme. Gewichtszunahme (Tschöp et al., 2000;Wren et al., 2000). Auch bei gesunden Probanden bewirkt die Gabe von Ghrelin vermehrten Appetit und den Verzehr von mehr Kalorien (Wren et al., 2001). Unsere Arbeitsgruppe beobachtete, dass nächtliche Gabe von 4 x 50 µg Ghrelin Schlaf fördert, während eine Injektion von 100 µg zu starkem Hunger und vermehrter Nahrungsaufnahme führt (Weikel et al., 2003). Weiter zeigten wir, dass die Präsentation von Bildern, die Nahrung zeigen, im Gegensatz zur Präsentation neutraler Bilder zu einem Anstieg der Ghrelin-Spiegel gesunder Probanden führt (Schüssler et al., 2012). Es ist nicht bekannt, ob Olanzapin diesen Effekt beeinflusst. Kontroverse Berichte gibt es über die Wirkung von Olanzapin auf die Spiegel von Ghrelin und anderer am Metabolismus beteiligter körpereigenen Substanzen wie Insulin, und die appetithemmenden Peptide Leptin und Peptid YY (PYY). Murashita et al. (2005) fanden einen Anstieg von Gewicht und Ghrelin unter Behandlung mit Olanzapin bei schizophrenen Patienten. Hingegen berichteten Hosoijma et al. (2006), dass in einer anderen Untersuchung an Patienten mit Schizophrenie unter Olanzapin Gewicht und Leptin anstiegen, Insulin unverändert blieb und die Ghrelin-Spiegel absanken. In einem Tiermodell führte Olanzapin bei Ratten zu Gewichtszunahme, einem Anstieg von Ghrelin, Absinken von Insulin und keiner Veränderung von PYY (Weston-Green et al., 2011). Einen triphasischen Effekt von Olanzapin postulierten (Zhang et al., 2013). Diesen Autoren zufolge führt Olanzapin zunächst zu einem Anstieg der Ghrelin-Spiegel, der von deren Absinken aufgrund einer Feedback-Hemmung bei Gewichtszunahme gefolgt wird, das schließlich wieder von einem Anstieg von Ghrelin abgelöst wird. Ein weiterer, neuer Ansatz zur Untersuchung der Beeinflussung des Essverhaltens unter Medikamenten ist die Anwendung von sLORETA im Rahmen einer Schlaf-EEG-Registrierung. Die standardized Low Resolution Brain Electromagnetic Tomography (sLORETA) ist eine funktionelle Bildgebungsmethode. sLORETA hat also ähnlich wie funktionelle Kernspintomografie (functional Magnet Resonanz Imaging, fMRI) das Ziel der bildlichen Abbildung von Hirnaktivität. Im Gegensatz zum fMRI, das mit einem sehr hohen Geräuschpegel und mit einer für längere Zeit unbequemen Lagerung im Kernspingerät einhergeht und Schlaf auf diese Weise erschwert, basiert sLORETA auf nächtlichen Messungen mit einer Schlafhaube (118 EEG-Elektroden) im Schlaflabor, die zu keiner wesentlichen Störung des Schlafs führen. Mit Hilfe von sLORETA kann unter idealen Bedingungen die Herkunft elektrischer Signale im dreidimensionalen Cortex-Raum zu 100 Prozent exakt lokalisiert werden. Keine andere linear verteilte Tomographie teilt diese Eigenschaft. sLORETA minimiert den Lokalisationsfehler von zwei bis drei Voxel auf null (Pascual-Marqui et al., 2002). Es können somit auch tiefe Hirnanteile wie z.B. die Region des subgenualen anterioren cingulären Cortex (sgACC) gemessen werden. Diese sgACC- Hirnregion zeigt sehr starke anatomische Verbindungen zu speziellen anderen Hirnregionen wie Amygdala, Hippocampus und Hypothalamus (Chiba et al., 2001;Johansen-Berg et al., 2008), sodass eine Bedeutung im Hinblick auf die Regulation von Stimmung, Schlaf, Libido und vor allem auch Appetit wahrscheinlich ist (Pizzagalli, 2011). Eine gezielte Untersuchung der sgACC-Hirnregion unter Gabe von Olanzapin fehlt bisher. Es ist wahrscheinlich, dass die sgACC-Aktivität unter Olanzapin zunimmt. Die genannten Hirnareale (sgACC, Amygdala, Hippocampus und Hypothalamus) gehören zu dem prä-/limbischen System. Dieses System wiederum ist während des REM-Schlafs nicht nur stärker aktiv als während des Wachzustandes, sondern weist gleichzeitig eine Deaktivierung wesentlicher benachbarter Hirnstrukturen wie z.B. des präfrontalen Cortex auf (Braun et al., 1997), sodass ein höheres „Signal-to-Noise-Verhältnis“ zu erwarten ist. „Signal“ bedeutet hier die relevante sgACC-Aktivität, „Noise“ bedeutet hier Rauschen im Sinne von unspezifischer Grundaktivität. Letztlich ist somit der REM-Schlaf für die Messung und die Fragestellung ein besser geeigneter Bewusstseinszustand als der Wachzustand. Die Wirkung von Olanzapin im Vergleich zum unmedizierten Zustand kann damit besser dargestellt werden. Es ist wahrscheinlich, dass die sgACC-Aktivität unter Olanzapin zunimmt. Im Rahmen dieser Studie soll geklärt werden, ob eine siebentägige Gabe von Olanzapin bei gesunden Probanden 1.) den Effekt des Betrachtens von Bildern, die Nahrung zeigen, auf die Ghrelin-Sekretion und die Plasmaspiegel anderer am Metabolismus beteiligter körpereigener Substanzen wie Leptin, Insulin und PYY beeinflusst, 2.) deren basalen Konzentrationsverläufe verändert und 3.)ob infolge dieser Medikation eine appetit-regulierende Hirnregion (mittels sLORETA gemessen) beeinflusst wird. Ein besseres Verständnis der Mechanismen der Appetitsteigerung unter Olanzapin würde dazu beitragen, die Prävention dieser relevanten unerwünschten Wirkung zu verbessern.

Quelle

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