Beschreibung der Studie

Die Rekonstruktion zerstörter Zähne erfolgt seit vielen Jahrzehnten erfolgreich mit metallischen Kronen. Seit über drei Dekaden stehen zwar auch vollkeramische Systeme zur Verfügung, die es ermöglichen, auf das stützende Metall zu verzichten. Es zeigte sich jedoch, dass diese Versorgungen sehr viel häufiger versagten und eine deutlich invasivere Präparation des Pfeilerzahns erfordern, als metallische Restaurationen. Der Grund hierfür ist in den materialspezifischen Eigenschaften der Keramik zu suchen. Seit nunmehr ca. 5 Jahren stehen vollkeramische Materialien mit guten werkstoffkundlichen Eigenschaften zur Verfügung, die monolithisch (d. h. sie sind aus nur einem Material gefertigt) verarbeitet werden können. Der Vorteil dieser Versorgung ist einerseits die kosteneffiziente computergestützte Konstruktion und Fertigung, andererseits der Verzicht auf Metalle mit den damit verbundenen Vorteilen. Allerdings ist das Risiko von technischen Komplikationen bei diesen Materialien höher, als bei Metallen. Insbesondere hohe Belastungen sorgen für Versagensfälle, da die Materialien allesamt spröde sind. Die Anzahl der Menschen, die nachts mit den Zähnen knirschen- und/oder pressen (sogenannte „Bruxer“) wird mit bis zu 45% angegeben. Diese Menschen belasten ihre Zähne und auch den Zahnersatz deutlich stärker. Klinische Daten, die belegen, dass monolitische Restaurationen auch bei Patienten mit Bruxismus eingesetzt werden können, fehlen gänzlich. Diese Datenlücke sorgt für eine erhebliche Unsicherheit bei der Verwendung der beschriebenen Materialien, da es in der zahnärztlichen Praxis sehr schwierig ist, zwischen Bruxern und Nicht-Bruxern zu unterscheiden: insbesondere bei Patienten, die mit den Zähnen nur pressen und nicht knirschen, fehlen oftmals die typischen klinischen Anzeichen wie Schlifffacetten etc. Wenn nicht bekannt ist, ob und welche Keramik auch bei Bruxern erfolgreich eingesetzt werden kann, läuft somit der Behandler bei jeder keramischen Restauration Gefahr, das „falsche“ Material beim Patienten (der ggf. unbekannterweise ein Bruxer ist) einzusetzen. Ziel der Studie ist es, zwei moderne, hochfeste Keramiken (Lithiumdisilikatkeramik und Zirkoniumdioxidkeramik) bei Patienten einzusetzen und die technische Versagensquote der Restaurationen bei Patienten mit und ohne Bruxismus zu vergleichen. Hierfür sollen 100 Patienten (50 mit und 50 ohne Bruxismus) in der Poliklinik für Zahnärztliche Prothetik der Universität Heidelberg rekrutiert werden. Die Zuteilung zu der Gruppe „Bruxer“ und „Nicht-Bruxer“ erfolgt entsprechend dem Konsensus-Papier von Lobbezoo et al. und der elektromyographischen Erfassung der Muskelaktivität. Die Zuteilung des Materials erfolgt stratifiziert randomisiert. Als Hauptzielkriterium soll die technische Versagensquote dienen. Als Nebenzielkriterien dienen die Erfassung des Einflusses der vorliegenden Okklusion (statisch und dynamisch) beim Studienteilnehmer, die ästhetische Bewertung und der antagonistische Verschleiß.

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Studiendetails

Studienziel Technische Komplikation an einer Restauration. Hierbei zählen Delamination, Chipping, Abplatzungen als technisches Versagen. Die Erfassung der Komplikationen erfolgt durch kalibrierte Untersucher unter Zuhilfenahme von Vergrößerungshilfen. Diese Untersuchung soll zur Baseline, nach 6 Monaten und dann jährlich bis 5 Jahre nach E8ingliederung erfolgen.
Status Teilnahme bald möglich
Zahl teilnehmender Patienten 100
Stationärer Aufenthalt Keiner
Studientyp Interventionell
Kontrolle Wirksame Behandlung
Finanzierungsquelle Deutsche Forschungsgemeinschaft

Kostet die Teilnahme Geld?

Alle während der Studie durchgeführten Behandlungen und Untersuchungen sind für Sie kostenfrei.

Teilnahme­voraussetzungen

Einschlusskriterien

  • Vorliegender nächtlicher Bruxismus ODER kein Bruxismus
  • Volljährig und geschäftsfähig
  • Notwendigkeit, zumindest eine neue Seitenzahnkrone zu erhalten
  • Vitaler Zahn oder suffiziente Wurzelfüllung
  • Antagonist: natürlicher Zahn (mit oder ohne Restauration)
  • Keine akute Parodontalerkrankung mit Sondierungstiefen > 4 mm

Ausschlusskriterien

  • Akute neuropsychiatrische Störungen
  • Hämorrhagische Diathesen
  • Schwangerschaft, Stillzeit
  • Fehlende antagonistische Abstützung auf festsitzendem Zahnersatz oder natürlichen Zähnen
  • Insuffiziente Wurzelfüllung am Studienzahn
  • Mangelhafte Compliance
  • Bekannte Allergie gegen Pflaster
  • Furkationsgrad II oder III am zu überkronenden Zahn

Adressen und Kontakt

Poliklinik für Zahnärztliche Prothetik, Heidelberg

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Häufig gestellte Fragen

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Seit mehreren Jahren werden zunehmend vollkeramische Restaurationen bei Patienten eingesetzt. Neben der guten Biokompatibilität und der herausragenden Ästhetik spielt zunehmend auch die schnelle und kosteneffiziente Herstellung mittels CAD/CAM eine wichtige Rolle bei der flächendeckenden Verwendung dieser Versorgungsvariante. Aufgrund der werkstoffkundlichen Eigenschaften des Werkstoffs (insbesondere der Sprödheit) zeigte sich jedoch, dass vollkeramische Verbundrestaurationen häufiger technische Komplikationen aufweisen, als metallische oder metall-keramische Restaurationen. Aus diesem Grund wurden in den vergangenen Jahren monolithische Restaurationen aus Lithiumdisilikatkeramik und Zirkoniumdioxidkeramik am Markt etabliert. Diese Versorgungsvarianten kommen ohne eine zusätzliche Verblendung aus und werden komplett nur aus einem Material CAD/CAM gefertigt. Dies optimiert die mechanischen Eigenschaften der Restauration, da keine Fügestellen vorhanden sind und die Anzahl von Fehlstellen innerhalb der Keramik – wie sie bei händisch gefertigten Restaurationen häufig auftreten – deutlich reduziert sind. Monolithische Lithiumdisilikatkeramikkronen werden seit mehreren Jahren eingesetzt. Es liegen bereits viele in-vitro Studien aber auch einige klinische Studien vor, die belegen, dass diese Restaurationen erfolgreich eingesetzt werden können. Monolithische Zirkoniumdioxidkeramikkronen sind hingegen relativ neu auf dem Markt. Bisher liegen zwar viele in-vitro Studien vor, jedoch nur eine klinische Studie mit sehr kurzer Beobachtungsdauer. Zusammenhang zwischen nächtlichem Bruxismus und dem technischem Versagen von keramischen Restaurationen Grundsätzlich wird der Einsatz vollkeramischer Werkstoffe bei Bruxern kritisch diskutiert, einige Hersteller von keramischen Materialien sehen im Bruxismus eine Kontraindikation für den klinischen Einsatz. Klinische Daten, die diese Annahme stützen, fehlen jedoch. In einer aktuellen Übersicht konnte unsere Arbeitsgruppe bereits zeigen, dass selbst für die seit über 10 Jahren auf dem Markt befindlichen verblendeten Zirkoniumdioxidrestaurationen diesbezüglich keine reliablen Daten zur Verfügung stehen. Dies liegt daran, dass fast alle Studien Bruxer ausgeschlossen haben, wenngleich hierfür oftmals nur klinische und anamnestische Verfahren zur Anwendung kamen. Auch in einer aktuellen Übersichtsarbeit von Johansson et al. konnte gezeigt werden, dass die Datenlage zur Frage „Bruxismus und Zahnersatz“ unzureichend ist und klinische Daten zur Frage, ob vollkeramischer Zahnersatz verwendet werden kann oder nicht, gänzlich fehlen. Die Autoren kommen daher zum Schluss, dass die Materialauswahl bei Bruxern „has .... to be made on the basis of commonsense rather than on scientific data”, da auch hierfür wissenschaftliche Daten fehlen. Die beiden gängigsten und vielversprechendsten monolithischen Keramiken, die derzeit auf dem Dentalmerkt zu finden sind, sind Lithiumdisilikatkeramik und Zirkoniumdioxidkeramik. Aufgrund der von Johansson beschriebenen unzureichenden klinischen Datenlage ist es bislang auch nicht möglich zu entscheiden, welches der beiden Materialien ggf. beim Bruxer eingesetzt werden kann, oder ob beide Materialien in dieser Indikationsstellung nicht geeignet erscheinen.

Quelle

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