Beschreibung der Studie

Schmerzen sind eine häufige Komplikation nach erlittener Querschnittlähmung. Therapeutisch stellen dabei sogenannte neuropathische, d.h. durch Verletzungen von Nervenstrukturen hervorgerufene Schmerzen, eine besondere Herausforderung dar. Die zugrundeliegenden Ursachen der durch eine Querschnittlähmung hervorgerufenen neuropathischen Schmerzen sind nach wie vor nicht geklärt. Deshalb gibt es bis heute auch keine Möglichkeit vorherzusagen, welche Patienten ein solches Schmerzsyndrom entwickeln. Hat sich ein Schmerz erst einmal manifestiert, dann ist eine vollständige Heilung nur in den seltensten Fällen möglich. Um eine gezielte Therapie entwickeln zu können, wird vordringlich ein besseres Verständnis für die ursächlichen Vorgänge, die zu einem neuropathischen Schmerzsyndrom führen, benötigt. Gegenwärtig ist man mithilfe von speziellen Fragebögen zwar in der Lage, die Symptomatik eines neuropathischen Schmerzsyndroms zu erkennen und die passende Diagnose zu stellen, jedoch ist es nicht möglich diese Symptome in ihren unterschiedlichen Ausprägungen am einzelnen Patienten mit den dazugehörigen Veränderungen im Nervensystem eindeutig zu verknüpfen. Mit bestimmten Untersuchungsmethoden könnte es jedoch möglich werden, Marker zu identifizieren, die nicht nur subjektiv – also vom Patienten empfunden – sondern auch objektiv – also durch strukturelle Befunde im Nervensystem bestätigt – das Vorhandensein von neuropathischen Schmerzen anzeigen. Von körperlicher Aktivität ist wiederum beschrieben, dass sie neuropathische Schmerzen erfolgreich beeinflussen kann. Daher soll untersucht werden, wie sensibel die mit Schmerzen zusammenhängenden Marker auf körperliche Aktivität reagieren. Wenn sich diese Vorhaben als erfolgreich herausstellen würden, wäre es in Zukunft denkbar, die identifizierten Marker dahingehend zu untersuchen, ob sie die Entstehung von neuropathischen Schmerzen „vorhersagen“ können und so ermöglichen, eine vorbeugende Behandlung zu initiieren.

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Studiendetails

Studienziel Erfassung neuropathischer Schmerzen in chronisch querschnittgelähmten Patienten mittels Schmerzfragebögen und Evaluierung danach erhobener Befunde aus (1) Quantitativer Sensorischer Testung/klinischer Untersuchung, (2) H-Reflex/Flexor-Reflex/LEP/SSEP und (3) Magnetresonanztomographie (VBM) im Verlgeich zu Befunden aus denselben Methoden in chronisch querschnittgelähmten Patienten ohne Schmerzen sowie gesunden Probanden.
Status Rekrutierung abgeschlossen, follow up abgeschlossen
Zahl teilnehmender Patienten 36
Stationärer Aufenthalt Keiner
Studientyp Beobachtungsstudie
Finanzierungsquelle Klinik für Paraplegiologie, Universitätsklinikum Heidelberg

Kostet die Teilnahme Geld?

Alle während der Studie durchgeführten Behandlungen und Untersuchungen sind für Sie kostenfrei.

Teilnahme­voraussetzungen

Einschlusskriterien

  • Einwilligungsfähige Probanden;
  • Chronisch querschnittgelähmte Patienten, mindestens 12 Monate nach Lähmungseintritt;
  • Neurologisches Niveau zwischen C5 und Th 10.

Ausschlusskriterien

  • Sensorische Störung im Dermatom C2 beidseits; Mechanische Beatmung; Zusätzliche Konus-Kauda-Schädigung; Bekanntes Anfallsleiden (Epilepsie); Höhere kognitive Einschränkungen oder psychiatrische Erkrankungen; Vorhandensein eines Herzschrittmachers oder anderer aktiver Implantate, wie
  • beispielsweise einer (Medikamenten-)pumpe oder eines Zwerchfellschrittmachers; Metallische Implantate ≤ 20 cm von den Reizelektroden an den Beinen entfernt; Dauerbeatmungspflicht; Schwere Schädel-Hirn-Verletzungen; Vor Querschnittlähmung bestandene sensorische Defizite; Bekannte Polyneuropathie vor erlittener Querschnittlähmung oder Erkrankungen die eine Polyneuropathie zur Folge haben (z.b. Diabetes mellitus), die in akuter Therapie befindlich ist; Schwere internistische Grunderkrankung (z.B. onkologisch oder kardiologisch); Schwangerschaft

Adressen und Kontakt

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Häufig gestellte Fragen

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Bisher stehen nur sehr begrenzte Optionen zur Behandlung des neuropathischen Schmerzes zur Verfügung, die im Wesentlichen medikamenten-basiert (Antiepileptika, Antidepressiva, Opiate) symptomatisch eingesetzt werden. Als realistisch kann eine Schmerzreduktion um bis zu 30 – 50 % angesehen werden. Dabei setzt der Therapieerfolg eine kontinuierliche Medikamenteneinnahme voraus. Periphere und zentrale neuronale Netzwerke, welche an der Verarbeitung von Schmerzempfinden beteiligt sind, zeigen ein hohes Ausmaß an struktureller Plastizität bei definierten Erkrankungen wie der Querschnittlähmung. Man geht davon aus, dass derartige Plastizitätsmechanismen auch negative Effekte mit sich bringen können – sog. Maladaptive Plastizität – und so das strukturelle Korrelat chronisch neuropathischer Schmerzen darstellen könnten. Die entsprechenden Veränderungen werden auf spinaler Ebene unterhalb einer Rückenmarksverletzung, subkortikal und kortikal vermutet. Sensomotorische Aktivierung des Nervensystems unterhalb einer Rückenmarkverletzung – in Form von Elektrostimulation oder bestimmten Formen der Bewegungstherapie (Laufbandtraining, Fahrrad-Ergometer) – ist in der Lage, funktionelle und strukturelle Plastizität anzutriggern. Gleichzeitig kann sie ein wirksames nicht-pharmakologisches „Tool“ darstellen, die Ausprägung chronischer Schmerzen zu reduzieren. Im Gegensatz zum Tiermodell ist es am Menschen nicht möglich, die durch die Verletzung bedingte Beeinträchtigung neuronaler Strukturen und das Vorhandensein/Ausmaß maladaptiver Plastizität innerhalb des Rückenmarks und Gehirns direkt durch feingewebliche Untersuchungen nachzuweisen. Um dennoch Informationen über strukturelle und damit einhergehende funktionelle Veränderungen zu erhalten, können spezifische, standardisierte klinisch-neurologische, neurophysiologische, und bildgebende Methoden, die mit neuropathischen Schmerzen in Beziehung stehen und sich ggf. sogar als Surrogatparameter eignen, herangezogen werden. Dies würde in der Folge die bis dato im Wesentlichen auf Fragebögen basierte Evaluierung neuropathischer Schmerzen auf zusätzlich funktionelle und strukturelle Aspekte erweitern Die Studie zielt auf die objektive Evaluierung dreier Fragen: 1. Gibt es ein spezifisches Befundmuster sensibler Beeinträchtigung, welches die Gruppe Querschnittgelähmter mit neuropathischen Schmerzen definiert? 2. Gibt es ein spezifisches Befundmuster, welches in der Gruppe mit neuropathischen Schmerzen spinale bzw. supraspinale maladaptive Plastizität nahelegt? 3. Lassen sich durch sensomotorische Aktivierung entsprechende Befundmuster verändern und parallel dazu die Ausprägung neuropathischer „below level“ Schmerzen modulieren?

Quelle

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