Beschreibung der Studie

Die akute Promyelozytenleukämie (APL) ist eine seltene Leukämieform. Sie umfasst etwa 5 bis 10% der Fälle von akuter myeloischer Leukämie. Bestimmte Veränderungen in den Genen der Leukämiezellen (die Chromosomenaberration t(15;17) und die entsprechenden molekularen Veränderungen der Gene, die Fusionsgene PML/RARA und RARA/PML) sind diagnostisch beweisend. Aufgrund der hohen Rate an tödlichen Blutungskomplikationen durch begleitende Blutgerinnungsstörungen galt die APL in der Vergangenheit als besonders aggressiv und lebensbedrohlich. Durch die Einführung verschiedener Substanzen (spezielle Chemotherapeutika (Anthrazykline), eine Vitamin A-Verbindung (All-trans-Retinsäure, abgekürzt ATRA, Arsenverbindungen) konnte die Prognose der neu diagnostizierten APL schrittweise verbessert werden. Das Langzeitüberleben von betroffenen Patienten nach Primärtherapie mit ATRA und Chemotherapie liegt derzeit bei 80% und die Rückfallrate (Rezidivrate) durchschnittlich bei etwa 10%. Die Rezidivtherapie der APL ist nicht standardisiert. Der erneute Einsatz von ATRA und intensivierter Chemotherapie ist zumeist mit erheblichen Nebenwirkungen, aber in der Regel nicht mehr mit Heilung verbunden. Zum Erreichen einer Heilung ist eine nachfolgende autologe oder allogene Blutstammzell- oder Knochenmarktransplantation erforderlich. Arsenverbindungen sind nebenwirkungsarm und stellen die wirksamste Einzelsubstanz in der Therapie der APL dar. ATO greift bei APL auf molekularer Ebene gezielt am Gendefekt an und bewirkt über eine Ausreifung und ein gleichzeitiges Absterben (Apoptose) der Leukämiezellen (Blasten) eine Wiederherstellung der normalen Blutbildung (Remission). Seit dem Jahr 2003 ist die Arsenverbindung Arsentrioxid (ATO) für die Behandlung des APL-Rückfalles zugelassen. ATO gilt als Therapie der Wahl beim Rückfall der APL. Im Schrifttum dokumentierte Erfahrungen mit ATO beim Rückfall beruhen auf einer Reihe von Studien, die zumeist an kleineren Patientenzahlen und mit relativ kurzer Beobachtungszeit durchgeführt wurden. In diesen Studien wurden mit ATO durchschnittliche Remissionsraten von 86% erzielt. In der größten Rezidivstudie mit 40 Patienten lebten nach 1,5 Jahren noch 66% der Patienten. Gegenüber Rezidivtherapie mit herkömmlicher Chemotherapie konnten Transplantationen nach ATO in höherer Anzahl und mit weniger Komplikationen durchgeführt werden. Bislang ist unklar geblieben mit welcher Therapie die Behandlung am besten fortgesetzt werden sollte, wenn mit ATO eine Normalisierung des Knochenmarkes erreicht werden konnte. Da auch Heilungen ohne Transplantation unter Fortsetzung der ATO-Therapie oder nach Intensivierung der Behandlung mit Chemotherapie beobachtet werden, wird der Vorteil der Transplantation kontrovers diskutiert. Die beim Rückfall der APL definitiv erreichbare Heilungsrate ist mangels größerer Therapiestudien schwer einschätzbar. Weitere Daten zur Langzeitprognose nach Rückfall, insbesondere bei Therapieeinsatz von ATO, sind deshalb von großem Interesse. Da aufgrund der Seltenheit der APL-Rückfälle und unterschiedlicher europäischer Regularien eine herkömmliche klinische Studie nicht realisiert werden konnte, wurde von einer Gruppe von APL-Experten im Jahre 2008 ein europäisches Register für Fälle mit APL-Rückfall etabliert. Ziel dieses Registers ist es, die Daten einer größeren Anzahl von Patienten mit APL-Rückfall und längerer Beobachtungsdauer zu sammeln. Besonderes Interesse gilt den Therapieresultaten mit ATO. Ein weiteres Anliegen ist die bessere Einschätzung des Stellenwertes der verschiedenen Therapieoptionen - allogene und autologe Blutstammzell- oder Knochenmarktransplantation sowie einer transplantationsfreien Weiterbehandung - nach Wiederherstellung eines normalen Knochenmarkes mit ATO.

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Studiendetails

Studienziel Hämatologische Remissionsrate nach Induktionstherapie ATO+/-ATRA bei Patienten im ersten Rezidiv der APL Rate an Induktionstodesfällen bei Therapieeinsatz von ATO+/-ATRA bei Patienten im ersten Rezidiv der APL Molekulare Remissionsrate nach zwei Kursen ATO+/-ATRA (Induktion und Konsolidierung) bei Patienten im ersten Rezidiv der APL Gesamtüberleben von Patienten mit erstem Rezidiv der APL nach ATO-basierter Salvage-Therapie.
Status Rekrutierung abgeschlossen, follow up abgeschlossen
Zahl teilnehmender Patienten 250
Stationärer Aufenthalt Keiner
Studientyp Beobachtungsstudie
Finanzierungsquelle Firma TEVA GmbH
Weitere Informationen Studienwebseite

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Alle während der Studie durchgeführten Behandlungen und Untersuchungen sind für Sie kostenfrei.

Teilnahme­voraussetzungen

Einschlusskriterien

  • Patienten im ersten oder späteren hämatologischen, molekularen oder extramedullärem Rezidiv einer APL, Persistenz der positiven PCR nach Konsolidierung im Rahmen der Primärtherapie der APL, keine hämatologische Remission nach Primärtherapie der APL (seltene Fälle).
  • Genetische Sicherung des Rezidivs (RT-PCR, Zytogenetik, FISH).
  • Schriftliches Einverständnis des Patienten zur Registrierung der Daten.
  • Datum des Rezidives ab dem 1. Januar 2003.

Ausschlusskriterien

  • Keine genetische Bestätigung des APL-Rezidives.

Adressen und Kontakt

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Häufig gestellte Fragen

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Organisationsstrukturen für das europäische Register für rezidivierte APL: Das Register steht unter der Schirmherrschaft des europäischen Leukämienetzes (European LeukemiaNet (ELN). Die Teilnahme ist offen für interessierte europäische Länder. In jedem teilnehmenden Land ist ein Koordinator für die Datensammlung und die korrekte Dateneingabe in die Online-Datenbank verantwortlich. Dieser Koordinator ist auch die nationale Kontaktperson für Fragen aus dem eigenen Land und Ansprechpartner des zentralen Koordinators. Die zentrale Koordination und die Zusammenführung der Daten sowie die Pflege der Online-Datenbank findet im Universitätsklinikum Mannheim statt (Prof. Dr. med. Eva Lengfelder, III. Medizinische Universitätsklinik Mannheim, Hämatologie und Onkologie, Universität Heidelberg). Durch einheitliche ’online’ verfügbare Dokumentationsbögen ist eine homogene Datenerfassung sichergestellt. Therapie: Die Therapie ist nicht festgelegt und liegt ausschließlich im Ermessen des behandelnden Arztes/Zentrums. Bei Erwägung von ATO-basierter Therapie, wird empfohlen sich an den Empfehlungen der europäischen Expertengruppe, dargestellt auf der Website des ELN und in der Publikation von Sanz et al (Haematologica 2005;90:1231-1235), zu orientieren. Wesentliche Bestandteile der Therapiestrategie mit ATO sind die Remissionsinduktion mit ATO+/-ATRA, gefolgt von einem Konsolidierungskurs mit ATO+ATRA. Nach Konsolidierung ist die Durchführung einer RT-PCR von PML-RARA für weitere Therapieentscheidungen erforderlich. Für die Therapiefortsetzung mit dem Ziel der weiteren Stabilisierung der Remission gibt es mehrere Optionen (allogene oder autologe Transplantation, intensive oder dosisredizierte Chemotherapie, weitere ATO-Zyklen oder Erhaltungstherapie mit verschiedenen Substanzen), die nach verschiedenen Variablen, wie Alter und Allgemeinzustand des Patienten, molekularem Remissionsstatus, Dauer der Erstremission, Art der Primärtherapie und Spenderverfügbarkeit, ausgewählt werden können. Auswertung der Daten: Es ist vorgesehen, die Patienten in Gruppen je nach Therapie mit und ohne ATO bzw. in erstes und späteres Rezidiv zu unterteilen. Innerhalb dieser Gruppen ist eine vergleichende Beurteilung des Verlaufes von Patienten mit hämatologischem, molekularem und extramedullärem Rezidiv sowie die Gegenüberstellung der Resultate mit autologer, allogener und Weiterbehandlung ohne Transplantation vorgesehen. Zielgrößen zur Erfassung der Therapieeffekte sind die Beschreibung der Rate an hämatologischer und molekularere Remission, der Frühtodesrate und Resistenz. Weitere Parameter sind Gesamtüberleben, ereignisfreies und rezidivfreies Überleben und kumulative Inzidenz der Rezidive bei der Gesamtheit der Patienten und getrennt beim hämatologischen, molekularen und extramedullärem Rezidiv mit den üblichen statistischen Methoden. Von weiterem Interesse, falls möglich, wäre die Erfassung von prognostischen Parametern mittels multivariater Analyse. Wünschenswert, wäre ein Vergleich zwischen Resultaten von auf ATO bzw. auf Chemotherapie basierenden Behandlungskonzepten bei APL-Rezidiv.

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