Beschreibung der Studie

Escitalopram (Handelname: Cipralex ®) ist ein zugelassenes Arzneimittel und wird zur Behandlung von Episoden einer schweren („Major“) Depression, von Panikstörung, sozialer Angststörung, generalisierter Angststörung und von Zwangsstörung eingesetzt. Es soll untersucht werden, wie Escitalopram, abhängig von der Erbinformation den Schlaf beeinflusst. Voraussetzung für die Wirkung von Antidepressiva ist, dass diese ihren Wirkort, das Gehirn, erreichen. Dazu müssen diese zunächst im Darm aufgenommen werden und dann die so genannte Blut-Hirn-Schranke (BHS) überwinden. Sowohl der Aufnahme im Darm als auch dem Übertritt vom Blut in das Gehirn wirken Eiweißmoleküle in der Zellwand entgegen, die Substanzen zurücktransportieren können. Eines dieser Eiweißmoleküle ist das P-Glykoprotein (P-Gp). Ein bestimmtes Gen (Gen = Abschnitt der Erbinformation), das ABCB1-Gen, liefert den „Bauplan“ für das P-Gp. Es kommt in unterschiedlichen Varianten vor. In unserem Institut wurde gezeigt, dass Antidepressiva bei depressiven Patienten mit unterschiedlichen Varianten des ABCB1-Gens eine unterschiedlich gute Wirkung hatten. Wir nehmen deshalb an, dass unterschiedliche Mengen antidepressiver Medikation in Abhängigkeit von diesen Varianten in das Gehirn gelangen, was wir mit dieser Untersuchung klären wollen. Es ist bekannt, dass die meisten Antidepressiva, darunter auch Escitalopram den Schlaf beeinflussen, vor allem in dem sie den so genannten Traumschlaf oder REM-Schlaf (für den englischen Begriff rapid eye movement sleep) verringern. Wir nehmen an, dass das Ausmaß der Verringerung des REM-Schlafes unter Escitalopram von der im Gehirn befindlichen Menge der Substanz und damit von der Variante des ABCB-1-Gens abhängt. Wir hoffen, dass diese klinische Prüfung zu einem besseren Verständnis der Wirkung von Antidepressiva beiträgt und hilft, Depressionen, Angst- und Zwangsstörungen besser zu behandeln. Im ersten Studienabschnitt (A) soll die geringste erforderliche Dosis festgestellt werden, die die im REM-Schlaf verbrachte Zeit verringert. In der Hauptstudie (B) soll geprüft werde, ob es abhängig vom Genotyp des ABCB-1-Gens zu unterschiedlich starker Veränderung des Schlafs unter der in Abschnitt A ermittlten Dosierung von Escitalopram kommt. Zur Teilnahme an dieser klinischen Prüfung suchen wir gesunde männliche Probanden im Alter von 20 bis 30 Jahren.Nach Information über sie Studienzeile und Unterzeichnung der Einverständniserklärung wirde eine Genotypisierung durchgeführt, um den ABCB-! Genotyp zu bestimmen. Weiter wird das so genannte Cytochrom-Gen bestimmt, um die Geschwindigkeit der Verstoffwechselung von Medikamenten zu erfassen. Die Studienteilnahme setzt eine umfassende ärztliche Untersuchung voraus. Die weitere Studie besteht aus sieben Tagen. Während dieser sieben Tage müssen in Studienabschnitt A (Dosisfindung) insgesamt sechs Nächte bzw. in der Hauptstudie (Abschnitt B) vier Nächte im so genannten Schlaflabor unserer Klinik verbracht werden, in einem Einzelzimmer.Die erste Nacht beider Abschnitte und die dritte Nacht von Abschnitt B ( jeweils 22:00-07:00) dienen der Eingewöhnung, die übrigen der Schlafableitung. In diesen Nächten erfolgt die Ableitung eines Schlaf-EEG zwischen 23:00 und 07:00 Uhr. Zu diesem Zweck werden im Kopfbereich mit Hilfe einer Klebepaste einige Elektroden befestigt, die mit dünnen Kabeln verbunden sind. Im Einzelnen werden die elektrische Aktivität des Gehirns (so genanntes Elektroenzephalogramm, EEG), die Bewegung der Augenmuskeln (Elektrooculogramm, EOG) und der Tonus (Anspannung) der Muskulatur am Kinn (Elektromyogramm, EMG) registriert. Diese Messungen sind ungefährlich und schmerzlos. Dies erlaubt später eine genaue Analyse der Schlafstruktur einschließlich der Bestimmung der Menge an REM-Schlaf. Nach der zweiten Nacht im Schlaflabor und bis zum Tag, der die letzte Nacht dort einschließt, also über vier Tage müssen die Probanden täglich Escitalopram einnehmen. In Abschnitt A steigt die tägliche Dosierung von 2 über 3 und 4 bis auf 5mg an. So wird die geringste Dosierung ermittlet, die REM-Schlaf vermindert. Diese Dosis wird im Abschnitt B über vier Tage täglich verabreicht. Blutentnahmen erfolgen zur Bestimmung der Blutspiegel von Escitalopram. Während der gesamten Studie werden ca. 250 ml Blut in Abschnitt A und ca. 200 ml in Abschnitt B abgenommen. Frühestens eine Woche, spätestens 10 Tage nach der letzten Nacht im Schlaflabor findet eine Nachuntersuchung mit Blutabnahme statt.

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Studiendetails

Studienziel Primäre Fragestellung ist zu prüfen, ob gesunde Probanden, die den Genotyp C/C oder C/T des ABCB1-Gens, SNP rs2032583) tragen, nach viertägiger Einnahme von Escitalopram in der in der Dosisfindung (s. 4.2.1) ermittelten minimalen REM-Schlaf unterdrückenden Dosis signifikant weniger REM-Schlaf aufweisen als solche mit dem Genotyp T/T.
Status Teilnahme möglich
Studienphase 4
Zahl teilnehmender Patienten 27
Stationärer Aufenthalt Keiner
Studientyp Interventionell
Finanzierungsquelle Max-Planck-Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften e.V.
Weitere Informationen Studienwebseite

Kostet die Teilnahme Geld?

Alle während der Studie durchgeführten Behandlungen und Untersuchungen sind für Sie kostenfrei.

Teilnahme­voraussetzungen

Einschlusskriterien

  • Männliche Probanden zwischen 20 und 35 Jahren.
  • Jeder Proband muss das Ziel der Studie nachvollziehen können und eine Einverständniserklärung unterschreiben.

Ausschlusskriterien

  • Teilnahme an einer anderen Studie, entweder gleichzeitig oder innerhalb des letzten Monats vor Studieneintritt
  • Aktuelle oder Lebenszeitanamnese für eine psychische Erkrankung
  • Schlafstörungen, aktuell oder innerhalb der letzten 3 Monate vor Studieneintritt
  • Nachtarbeit im Verlauf der letzten 3 Monate vor Studieneintritt
  • Transmeridianer Flug in den letzten 3 Monate vor Studieneintritt
  • Ernste akute oder chronische somatische Erkrankung
  • Länger als 2-tägige Medikamenteneinnahme innerhalb der letzten 3 Monate, jegliche Medikamenteneinnahme innerhalb des letzten Monats vor Studieneintritt, einschließlich der von MAO-Hemmern
  • Rauchen
  • Mehr als moderater Gebrauch von Alkohol
  • Mehr als 2 Tassen Kaffee/Tag
  • Drogengebrauch im Verlauf der letzten 4 Monate vor Studieneintritt
  • Überempfindlichkeit gegen Escitalopram oder einen der Hilfstoffe

Adressen und Kontakt

Max-Planck-Institut für Psychiatrie, München

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Häufig gestellte Fragen

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Nur etwa 60 % aller Patienten mit Depression zeigen unter antidepressiver Pharmakotherapie eine Therapieantwort („Response“), bei nur ca. 40% geht die depressive Symptomatik weitgehend zurück („Remission“). Voraussetzung für die Wirkung von Antidepressiva ist, dass diese ihren Wirkort, das Gehirn, erreichen. Dazu müssen diese zunächst im Darm resorbiert werden und dann die Blut-Hirn- Schranke (BHS) überwinden. Sowohl der Resorption im Darm als auch dem Übertritt vom Blut in das Gehirn wirken transmembranäre Transportproteine entgegen, die Substanzen gegen einen Konzentrationsgradienten zurücktransportieren können. Eines dieser Proteine ist das P-Glykoprotein (P-Gp), das durch das ABCB1 (multidrug-resistance [MDR]-1)-Gen codiert wird (Hoffmeyer et al. 2000). Im Tierversuch konnte bei Knockout-Mäusen, bei denen dieses Gen zerstört war und die deshalb kein P-Gp besaßen, 2-3fach höhere Spiegel von Antidepressiva (u.a. Citalopram) im Gehirn nachgewiesen werden als bei genetisch intakten Kontrollmäusen (Uhr et al. 2003 a + b). Bei Patienten mit Epilepsie konnte gezeigt werden, dass natürlich vorkommende Unterschiede des ABCB1-Gens, die nur ein einziges Nucleotid der DNA betreffen (Single Nucleotide Polymorphismus“ [SNP]) mit einer unterschiedlichen Wahrscheinlichkeit, therapierefraktär zu sein, korreliert waren (Siquiddi et al. 2003). Im Max-Planck-Institut für Psychiatrie wurde im gleichen Gen ein anderer SNP, rs2032583 mit ähnlichen Eigenschaften identifiziert. Bei Patienten mit Depression fanden sich dort in Abhängigkeit von dessen Genotypen unterschiedlich starke Therapieantworten. Patienten, die CC- und CT-Träger dieses SNPs waren, wiesen signifikant höhere Remissionsraten bei einer Behandlung mit Antidepressiva auf, die Substrate des P-Gp sind, als TT-Träger (Uhr et al. 2008). Davon ausgehend nehmen wir an, dass bei Patienten mit unterschiedlichen Genotypen dieses, SNPs unterschiedlich viel antidepressive Medikation in das Gehirn gelangt. Ein geeigneter Biomarker für die Wirkung zentralnervöser Effekte von Antidepressiva stellt das Schlaf-EEG dar (Steiger und Kimura 2010). Dabei führen selektive Serotoninwiederaufnahmehemmer wie Citalopram (Wilson et al. 2004) in erster Linie zu einer Unterdrückung des REM-Schlafs und einer stärkeren Fragmentierung des Schlafes mit häufigerem Erwachen. Das Ausmaß der schlafmodulierenden Wirkung von Antidepressiva, die in der ersten Behandlungswoche am ausgeprägtesten ist, lässt sich mittels des Schlaf-EEGs gut differenzieren (Wilson et al. 2004). Wir postulieren, dass eine Assoziation zwischen der Hirnkonzentration von Antidepressiva (z. B. Escitalopram) und der Beeinflussung des Schlafes (Ausmaß der REM-Schlafunterdrückung) besteht. Auf einen Zusammenhang zwischen der Plasmakonzentration des Antidepressivums und der Beeinflussung des Schlafes deuten frühere eigene Arbeiten hin (Steiger 1988). In der abgeschlossenen, bisher unveröffentlichten Studie fanden wir, dass der ABCB-1-Genotyp den Schlaf der unbehandelten Probanden beeinflusst. Eine Gabe von 10 mg Escitalopram über vier Tage führte, wie erwartet zu einer Unterdrückung des REM-Schlafs. Ein Einfluss des Genotyps auf das Ausmaß dieser Schlaf-EEG-Veränderung fand sich nicht. Möglicherweise war die in dieser Studie gewählte Dosierung zu hoch, um eine vom Genotyp abhängige unterschiedliche Ausprägung der Schlaf-EEG-Veränderungen zu erfassen. Es soll daher geprüft werden, ob unter einer geringeren Dosierung von Escitalopram ein solcher Unterschied auftritt. Zunächst soll der eigentlichen Studie (Studienabschnitt B) eine Pilotstudie zur Dosisfindung (Studienabschnitt A) voran gehen, in der die minimale zu einer Verminderung der im REM-Schlaf verbrachten Zeit erforderliche Dosis von Escitalopram ermittelt wird.

Quelle

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