Beschreibung der Studie

Viele Menschen, die körperliche Gewalt oder sexuellen Missbrauch in der Kindheit und Jugend erfahren haben, leiden auch Jahre später an sich aufdrängenden Erinnerungen an das traumatische Ereignis. Zur Erfassung dieser Erinnerungen werden zumeist Fragebögen oder Interviews eingesetzt, die sich rückblickend auf längere Zeiträume beziehen. Rückblickende Erinnerungen sind allerdings starken Verzerrungen unterworfen. Daher weiß man bislang recht wenig darüber, wie häufig diese Symptome im Alltag der Betroffenen auftreten und mit welchen Belastungen und Gefühlen sie einhergehen. Mithilfe eines Smartphones untersuchen wir, wie häufig Betroffene in ihrem Alltag unter diesen Erinnerungen leiden, welche Emotionen damit einhergehen, und wie sie auf das wiederholte Abfragen durch das Smartphone reagieren. Daher geben wir unseren Studienteilnehmern für 17 Tage Smartphones und bitten sie, Angaben zu Erinnerungen und Gedanken an das Trauma zu machen. Das wichtigste Ziel der Untersuchung ist die Häufigkeit und die Charakteristika von Erinnerungen bei Patienten mit PTBS nach interpersonellen Gewalterfahrungen in Kindheit und Jugend zu erfassen.

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Studiendetails

Studienziel Häufigkeit von Intrusionen und Flashbacks während des 17-tägigen Assessments via Smartphones.
Status Rekrutierung abgeschlossen, follow up abgeschlossen
Zahl teilnehmender Patienten 30
Stationärer Aufenthalt Keiner
Finanzierungsquelle Klinik für Psychosomatik und Psychotherapeutische Medizin, Zentralinstitut für Seelische Gesundheit

Kostet die Teilnahme Geld?

Alle während der Studie durchgeführten Behandlungen und Untersuchungen sind für Sie kostenfrei.

Teilnahme­voraussetzungen

Einschlusskriterien

  • Vorliegen der Einverständniserklärung; Diagnose einer posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS) nach interpersoneller Gewalterfahrung vor dem 19. Lebensjahr nach der Clinican-Administered PTSD Scale (CAPS)

Ausschlusskriterien

  • Mentale Retardierung;
  • Lebenszeitdiagnose einer Erkrankung aus dem schizophrenen Formenkreis nach SKID-I;
  • Suizidversuch in den letzten 4 Monaten;
  • Schwere akute Psychopathologie, die eine unmittelbare Behandlung in einem anderen Setting erfordert;
  • Laufende Trauma-fokussierende Therapie mit formalen Expositionselementen;
  • Derzeitige Pharmakotherapie mit Benzodiazepinen.

Adressen und Kontakt

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Häufig gestellte Fragen

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Interpersonelle Gewalterfahrungen in der Kindheit und Jugend können zu einer Vielzahl psychischer Belastungen im Erwachsenenalter führen. Die Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) stellt dabei eine der häufigsten psychiatrischen Diagnosen dar. Die Diagnosekriterien der PTBS umfassen insbesondere Symptome des intrusiven Wiedererlebens. In Selbst- und Fremdbeurteilungsinstrumenten zur Erfassung posttraumatischer Symptomatik wird die Häufigkeit des intrusiven Wiedererlebens zumeist rückblickend für die vergangene Woche oder den vergangenen Monat auf Likert-Skalen eingeschätzt. So erfragt die Posttraumatische Diagnoseskala (PDS), die Häufigkeit auf einer vierstufigen Skala von 0 (gar nicht oder einmal) bis 3 (fünf oder mehr / fast immer). Hierbei kann nicht zwischen Patienten, die einmal täglich und denen, die mehrmals täglich unter Wiedererleben leiden, differenziert werden. Trotz der klinischen und diagnostischen Relevanz dieses Symptomkomplexes liegen nur wenige Studien zur Häufigkeit und den spezifischen Charakteristika der belastenden Erinnerungen bei PTBS vor. In allen dieser Untersuchungen wurden die Patienten retrospektiv zur ihrer Symptomatik befragt. Es konnte in einer Vielzahl an Studien gezeigt werden, dass der retrospektive Gewinn von Informationen von sog. Urteilsheuristiken beeinflusst wird, welche zu systematischen Verzerrungen führen können. Aufgrund der Limitationen der retrospektiven Erhebungen wird in der Forschung zunehmend das Ambulatorische Assessment verwendet. Mithilfe von computerunterstützten Methoden werden die interessierenden Variablen entweder in Echtzeit oder mit geringer Zeitverzögerung erfasst, während die Untersuchten ihrem normalen Tagesablauf nachgehen. Vor diesem Hintergrund wurde eine eigene Pilotstudie durchgeführt (Priebe, Kleindienst, et al., Psychol Assess., 25(4):1370-6). Dabei wurden Patientinnen mit PTBS nach sexuellem Missbrauch während einer stationären Traumatherapie für den Zeitraum von einer Woche sechsmal täglich zwischen 8.00 Uhr und 20.00 Uhr zu der Häufigkeit von Intrusionen (definiert als belastende Gedanken oder Erinnerungen an das Erlebnis, die ungewollt auftraten) und Flashbacks (definiert als Handeln oder Fühlen als ob das Ereignis noch einmal durchlebt wird) mithilfe eines elektronischen Tagesbuches befragt. Mit einer Häufigkeit von durchschnittlich 75 Intrusionen und 24 Flashbacks fanden sich deutlich höhere Werte im Vergleich zu den bislang in der Literatur berichteten Werten. Die Werte waren zudem signifikant höher als die Werte, die am Ende der Woche retrospektiv angegeben wurden. Aufgrund des stationären Settings kann allerdings bislang keine Aussage zur Häufigkeit von Erinnerungen bei Patienten mit PTBS ohne traumaspezifische Behandlung gemacht werden. Darüber hinaus bleibt unklar, ob eine hohe Häufigkeit spezifisch für Patienten mit PTBS nach Gewalterfahrungen in der Kindheit und Jugend ist oder auch bei Patienten mit Gewalterfahrungen im Erwachsenenalter zu finden ist. Schließlich ist bislang unklar, ob das elektronische Tagebuch selbst eine intervenierende Variable darstellt und zu einem Auslösereiz für Erinnerungen wird. Insgesamt verfolgt die vorliegende Untersuchung drei Hauptziele: Erstens sollen die Häufigkeit und die Charakteristika von Erinnerungen bei Patienten mit PTBS nach interpersonellen Gewalterfahrungen in Kindheit und Jugend mit möglichst unverzerrt erfasst werden. Zweitens sollen das Ausmaß an Reaktivität auf die wiederholte Befragung zu Erinnerungen untersucht werden. Schließlich wird untersucht, welche Erinnerungsverzerrungen bei retrospektiver Erfassung vorliegen. Hierzu ist ein 17-tägiges Ambulatorisches Assessment von Patienten mit PTBS nach Gewalterfahrungen in der Kindheit oder Jugend geplant. Mithilfe eines mitgeführten Smartphones geben die Patienten wiederholt Auskunft über das Auftreten von trauma-assoziierten Erinnerungen, sowie über Charakteristika der Erinnerungen und über ihr Befinden. Vor Beginn und nach Beendigung des ambulanten Monitorings bearbeiten die Patienten mehrere Fragebögen. Nach Einholung der informierten Zustimmung der Untersuchungsteilnehmer wird eine psychopathologische Diagnostik der Patienten durchgeführt. Nach Beendigung des ambulanten Assessments bearbeiten die Probanden Fragebögen zur Erfassung posttraumatischer und depressiver Symptomatik sowie von Emotionen in der Zeit des Ambulatorischen Assessments. Abschließend erfolgt ein Post-Monitoring-Interview zu den Erfahrungen der Patienten mit der eingesetzten Methodik sowie zu relevanten Ereignissen während des Monitorings.

Quelle

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